wüterig,
wüterich(t),
adj. , '
ungestüm, grausam, wild'.
zu wüter,
mit gelegentlichem rückbezug auf wüten
und wut.
die verbreitetste der konkurrierenden bildungen (
s. wüterisch, wüterlich),
jedoch gut bezeugt nur fürs 16./17.
jh. (
vgl. aber noch wüterig Mensing
schlesw.-holst. 5, 754).
aus der formalen und begrifflichen nähe zum früher belegten und weiter verbreiteten subst. wüterich (
vgl. auch das zum subst. gebildete vereinzelte adverb wütrichs J. Jonas
bei Luther 6 [1568] 456
a)
erklärt sich die in allen kasus des wortes weit überwiegende und nicht mundartgebundene ch-
schreibung des auslautenden gutturals (
zum verhältnis -ig/-ich
im frühnhd. vgl. im übrigen V. Moser
frühnhd. gramm. 1, 3, 251
ff.).
vielfach bezeugt ist synkope des mittelsilben-e-,
wobei kürze des wurzelvokals möglich ist (
beispiele s. u.);
vereinzelt begegnet schreibung mit -tt-,
vgl. wuttrichen hasz Luther 7, 277
W.; 6, 432; 29, 533; wütterich Fronsperger
von geschütz u. fewerwerck (1564) 52
b;
B. de las Casas newe welt (1597) 38; Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 1325.
umlautlose formen sind selten: wudrich (13.
jh., nd.)
ahd. gl. 3, 385, 21
St.-S.; wutriger Luther 29, 407
W.; 533; 6, 432; 7, 277; 15, 73; wuothrichen Zwingli
geistl. gewalt (1523) D 1
a; wutrich Quad
teutscher nation heiligkeit (1609) 227.
sekundäre angleichungen an die bildungen auf -cht
sind wuttrichten tyrannen Luther 6, 432
W.; wüterichtern
hertzog Aymont (1535) g 6
b; wütericht P. Petreius
hist. u. bericht v. Muschkow (1620) 253. 11)
von tyrannischen herrschern, wesen und handlungsweise charakterisierend: kaiserr, künig vnd ander krönte diser welt mag man ab setzen ... ob sy in einen vnglauben treten ... item ob sy wüetrich wurden (
mitte 15.
jh.)
Ofner stadtrecht (1959) 60
Mollay; nün vnd dryssig küng, vnder denen nit mer danne nün guot gewesen sint vnd die andern all ... hochfertig, zornig, wütrich, vnküsch Niclas v. Wyle
translat. 214
Keller; solch bösze jammerlich zeyt ist itzt, das solch wütriche tyrannen sich yhrer sund ... offentlichen rhümen (1520) Luther 6, 70
W.; ein zuokünfftiger gotteslesterer ... der alle die, so in nit anbetten, erwürget ... ey das müszt ja ein wüteriger tyrann, und gar ein teufelischer mensch sein (1544) Sleidanus
reden 51
lit. ver.; (
der held,) der den wüterichen könig ... so ritterlich uberwunden Fabricius
auszzug bewerter historien (1599) 21; er verfolgete und verhassete, so grawsam und wütericht er war, keinen menschen der religion oder seines glaubens wegen Petreius
hist. u. bericht v. Muschkow (1620) 253; was hat den wütrichen bluthund Neronem dahin gebracht, dass er sich selbst entleibet? Dannhawer
catech.-milch (1657) 4, 181.
auch: Dionysius, der wüterich in Sicilien, sagte, dasz die gröste freude, so er von seiner wütrichen herrschaft hätte, wäre, dasz sein befehl alsbald vollzogen werden müste Butschky
rosenthal (1679) 907. 22)
in variabler (
überwiegend von 1
abgeleiteter)
verwendung als wesensbestimmung: truculentus wudrich (
atrox idem, funestus idem) (13.
jh., nd.)
ahd. gl. 3, 385, 21
St.-S.; yn dem monde nouembris werden dy schyff durch vngewitter beleydiget durch den nyderganck des wöterichen gesterns virginarum (
siebengestirn)
Flavius Vegetius Renatus, vonn d. ritterschafft (
Erfurt 1511) M 5
a; also sol semliche süesse funden werden yn semlichen menschen die lewen art haben, sie seint grim hert vnd wieterich J. Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 220
a; jhe frummer sie (
die frauen) ewsserlich seyn, yhe wutriger sie seyn Luther 29, 407
W.; was coaguliert ist, das hat ein sommerlichen impetum, dann sommer tempestates seind wüterich Paracelsus
opera 2, 88
C Huser; derowegen er (
aethusa cynap.) nicht unbillich under die stinckende, gifftige, wüteriche kreuter gerechnet wirdt, sintemal er gleich wie der wüterich die menschen doll machet Tabernämontanus
kräuterb. (1588) 339 (
vgl. wüterich 4); und wircken jhr heil und seligkeit mit furcht und zittern, dasz sie nicht in versuchung fallen, und dem grawsamen und wütrichen löwen, dem leidigen teufel, nicht zutheil werden B. Copius
hauszkirchen postill (1591) 1, 99
a; ein volck, welches sich mit raub und beute mehrentheils ernehret, ein unbändiges, halszstarriges volck, und gleichsam von natur wütrich und wild Cramer
pommersche chron. (1602) 1, 25; der wüterige tod Harsdörffer
poet. trichter 3 (1653) 451; kein fuchs ist so listig, kein wolff so gierig, kein pardel so wütrig, als der teuffel, der höllische fischer und vogelsteller, ist
F. Breckling
nosce te ipsum (1660) 58.
auch: wie du (
Emser) leugist und nit ausz lieb der warheyt, sondern ausz lautteren wuttrichen hasz widder mich schreybist (1521) Luther 7, 277
W. —