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worgen

mhd. bis Dial. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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12 in 9 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

worgen vb.

Bd. 30, Sp. 1460
worgen, vb. , mhd. worgen, nhd. vereinzelt worken (s. u. 1 b) und wörgen (s. u. 1 c). von verwandtem würgen (s. d.) nicht nur formal, sondern auch bedeutungsmäszig ursprünglich zu trennen. worgen kommt ganz überwiegend die intransitive bedeutung 'ersticken' zu, während würgen zu seiner transitiven ausgangsvorstellung 'ersticken machen' erst später intransitive funktionen hinzunimmt, zumal worgen im nhd. mehr und mehr zurücktritt und sich seit dem ende des 18. jh. aus der schriftsprache in die mundart oder mundartlich beeinfluszten gebrauch zurückzieht. Adelung wb. (1793) 4, 1613 kennt das wort nur noch als provinzielle variante von würgen, musz sich aber von Campe 5 (1811) 775 im sinn der bedeutungsscheidung worgen-würgen berichtigen lassen. indessen scheinen vereinzelt schon früh (s. u. 2) und namentlich in der neueren mundart (s. u. 2 ende) die grenzen beider wörter unfest zu werden. genau entsprechend liegen die dinge bei erworgen, teil 3, 1070f. und erwürgen, teil 3, 1072ff. 11) in intransitivem und reflexivem gebrauch. 1@aa) eigentlich 'atemnot haben, ersticken': den helm begunde erm abe zien und greif in an dem gorgen, daz er muste worgen unde im âtems zuran Albrecht v. Halberstadt 29, 114; vgl. 34, 243 Bartsch; vil vaste worgende er do schrei Reinhart fuchs 1711 Baesecke; daz si (die drachen in ihrer angst vor dem panter) ligent verborgen und vor engsten möhten worgen Hugo v. Trimberg renner 19432 Ehrism.; darnach an ains boumes ast ward er gehenkt unverborgen. daran muost er also worgen, bis er daran starb vil tratt Heinrich Kaufringer ged. 177 Euling; der schneider bleib am aste hangen und worget, das er erschwarzet Zimmer. chron. 12, 458 B. in bildlichem zusammenhang: unverborgen muoz ich worgen in ir banden Ulrich v. Winterstetten 39 Minor; an dem angel worgen wil sy (die weisheit) nit durch der spise slick liedersaal 3, 40 Laszberg; der juncvrawen hertze hienc worgend in dem stricke Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 5869 R.; vgl.an minnen worgen (in den schlingen der minne) ebda 12721. 1@bb) erweitert auf mühsames, würgendes schlingen beim essen, wenn etwas im halse stecken bleiben will. so reflexives sich worgen, vgl. Campe 5, 775a: it is quât brôt, dâr men sik ane worget Tunnicius sprichw. 947 Hoffmann; sichst nicht wie ich mich worg, die kuttelfleck verursachen ein vnjAerliche besprentzung Fischart Gargantua 126 ndr. an etwas worgen 'mühsam an etwas schlucken': an einem bissen worgen Frisch t.-lat. (1741) 2, 460b; das sind keine guten bissen, woran die gäste worken müssen Binder sprichwörterschatz 24; Schmeller-Fr. bair. 2, 998. worgen in dieser bedeutung vielfach mundartlich (in präpositionalen zusammensetzungen auch mit transitiver bedeutung), vgl. Stalder schweiz. id. 2, 457; Tobler Appenzell 451a; Fischer schwäb. 6, 958; Reinwald henneberg. 1, 197; worjn 'essen, mühsam hinunterschlingen' (Seifhennersdorf) Paul-Braunes beitr. 15, 43. leicht variiert: 'langsam kauen' Fischer a. a. o., dagegen worgen geschwind essen, tuburcinari Dentzler clavis (1716) 356b. 1@cc) seltener in anderer erweiterung, von dem beim ersticken oder mühsamen schlucken entstehenden laut und ton: die hunde hôrte ich worgen sô jæmerlîchen Hadamar v. Laber jagd 361, 3. 'röcheln beim würgen' Fischer schwäb. 6, 958; 'husten' ebda; worgen, worgeln (bezeichnet den) 'laut, der mit dem erbrechen oder beym reize zu demselben verbunden ist' Stalder schweiz. id. 2, 457. von hier aus, wenn nicht spontan lautmalend, von bestimmten vogellauten: dieser (liebesruf des hahns) wird von manchen völkern 'gesang' genannt; wir hingegen wenden zu seiner bezeichnung ausdrücke, meist klangbilder an, die treffender sind: unsere sprache läszt die hähne krähen, kollern, knarren, balzen, schleifen, ..., worgen, kröpfen Brehm tierl. 5, 470 P.-L. in der jägersprache namentlich ein bestimmter laut des auerhahns: auszer den beschriebenen lauten (den eigentlichen balztönen) gibt der hahn noch eine anzahl andere von sich. zu nennen sind vor allem das worgen, das kröchen, das blasen oder zischen und das zwitschern. das erstere klingt ähnlich einem eichelhäherschrei ... und bedeutet offenbar eine art räuspern Wurm auerwild 64; der (auerhahn) ... schüttelt sein gefieder, ordnet es, wirft seine losung ab ... wörgt einigemal leise H. Löns Mümmelmann12 32. 1@dd) schon früh von a, später auch von b her übertragen, soviel wie 'sich ängstigen, sich mit etwas quälen, sich sorgen, seufzen': sus muoz ich in sorgen vil dicke worgen Ulrich v. Winterstetten 7 Minor; an dem funften morgen sie funden die geheuren alsust mit klage worgen jüng. Titurel 5080; vgl. 5414; und also würdist du steken und worgen in der weltlichen e, dârinn mangem wib und man ist we Christus u. die minnende seele 73; und (er) begonde worgen in so grozen sorgen Hugo v. Langenstein Martina 142, 65 K.; vgl. 226, 16; 18; kinde ... diu er muoz besorgen dur siu in kumber worgen ebda 131, 60; ist besser in rechter freyhait gstorben dann schandtlich starben und immer worgen (1549) bei Fischer schwäb. 6, 958; so lasst er uns offt ein lange zeit ... in der versuchung stecken und under dem creutz worgen J. G. Ruoff bei Fischer a. a. o.; dass ... herr obrister ... unss ... allain umb dass unsrige sorgen und worgen lassen solle bei Fischer ebda; sorgen und worgen, laufen und schnaufen mit fleisz und schweisz Abr. a s. Clara, s. ob. teil 10, 1, 1782; statt ihm den einhalt zu besorgen, lasst ihr den untertanen worgen (1791) Fischer a. a. o. an etwas worgen 'an etwas zu schlucken haben': wenn wir ... an eim heimlichen leiden kochen und worgen, da sollen wir ... einsamkeit ... fliehen Artomedes christl. auszleg. (1609) 1, 258; er hat lang dran geworget Kramer t.-ital. 2 (1702) 1393c; Hans Joggi nahm das (gesagte) so hin, worgete daran Jer. Gotthelf bei Sanders dt. wb. 2, 2, 1680. mundartlich variiert 'etwas mühevoll zustandebringen, mühsam, schwerfällig, strenge arbeiten, nur mit mühe und entbehrungen sich durchbringen', 'im elend leben' Fischer a. a. o., dazu worger, m., 'wer seine familie nur kümmerlich ernähren kann' ebda. 22) in transitivem oder faktitivem gebrauch kaum über ansätze hinaus, vgl. strangulare worgen Diefenbach gl. 555a; worgen affogare, angosciare, gorgozzare, strangolare Kramer t.-ital. 2 (1702) 1393c. im md. kann worgen an die stelle von würgen treten, schon im mhd.: di gicht hatte im sinen licham krump geworgit leben d. heil. Ludwig 87, 10 Rückert; lasz den reichen mit seinem gut sein leben engstigen und worgen B. Waldis Esopus 1, 214 Kurz. transitivem gebrauch nahe in der faktitiven bedeutung 'das gefühl des erstickens erregen': sîn lîpnar gêt im worgende în (dem stets sorgenden): ez sî brôt, fleisch, visch oder wîn Hugo v. Trimberg renner 15197 Ehrism.; weil ihr (der raupe) haar (dem sperling) im hals brannt und worgt G. Rollenhagen froschmeuseler (1683) 325, (in den älteren ausgaben: würgt); Jacob worgete es ... schon lange im halse Jer. Gotthelf ges. schr. (1855) 10, 74; 's worgt mich im hals Fischer schwäb. 6, 958. auch sonst verwischen sich in obd. mundarten die alten bedeutungsgrenzen von worgen und würgen, vgl.worga (mit langem -o-), wurga 'mit anstrengung und mühe schlucken', 'beinahe ersticken' Tobler Appenzell 451a neben worga (mit kurzem -o-) 'jmd. ... drosseln und würgen' ebda; wurgen, würgen neben worjə in trans. und intrans. bedeutung bei Martin-Lienhart elsäss. 2, 850b und aus worgen umgelautetes wörgen in teilen des schwäbischen für würgen in den übrigen gebieten bei Fischer 6, 958. —
7597 Zeichen · 174 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    worgenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +5 Parallelbelege

    worgen swv. BMZ intr. erwürgt werden, ersticken, mühsam u. bis zum ersticken schlucken, laut von sich geben wie ein erst…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    worgensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    worgen , sw. V. Vw.: s. wörgen*

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Worgen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Worgen , verb. regul. act. welches nur als ein Reciprocum im Oberdeutschen üblich ist, wo sich worgen, das Bestreben bez…

  4. modern
    Dialekt
    worgen

    Rheinisches Wb.

    worgen -o-, –ǫ-, –ø-, –- s. würgen.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit worgen

7 Bildungen · 1 Erstglied · 4 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von worgen 2 Komponenten

wor+gen

worgen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

worgen‑ als Erstglied (1 von 1)

worgengel

DWB

worgen·gel

worgengel , m. , lanius excubitor Naumann naturgesch. d. vögel 2, 7 . s. auch würgengel und wärgel teil 13, 2017, wargengel teil 13, 2018 f.…

worgen als Zweitglied (4 von 4)

erworgen

DWB

erworgen , suffocari, ersticken, wie beim einfachen worgen hat sich für die intransitivbedeutung das o erhalten ( vgl. mord , morgen , sorge…

minnenworgen

KöblerMhd

minnen·worgen

minnenworgen , st. N. nhd. Liebesqual Q.: WvÖst (1314) (FB minnenworgen) E.: s. minne (1), worgen W.: nhd. DW- L.: FB 244 (minnenworgen)

Ableitungen von worgen (2 von 2)

erworgen

DWB

erworgen , suffocari, ersticken, wie beim einfachen worgen hat sich für die intransitivbedeutung das o erhalten ( vgl. mord , morgen , sorge…

verworgen

Lexer

ver-worgen swv. erwürgen Fasn. 982,4.

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APA
Cotta, M. (2026). „worgen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/worgen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „worgen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/worgen/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „worgen". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/worgen/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_worgen_2026,
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