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wimmeln

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wimmeln schw. v.

Bd. 30, Sp. 219
wimmeln, schw. v. , mit haben, bei ortsveränderung mit sein; mhd. (einmal belegt) wimelen Lexer; iterativbildung (wie lächeln, streicheln) zu 1wimmen v. (s. d.); gebucht von Stieler (1691) 2585, Steinbach, Adelung. daneben vielerlei ähnliche bildungen mit anderem suffix oder anderer ablautsstufe: ahd. wimidôn v., scatere, scaturire, horrere Graff 1, 852; wimidjan, wimizjan v., ebd.; mhd. wimezen mhd. wb. 3, 675b; bair. wammeln, wummeln Schmeller 2, 911; wimmern ebd.; dieses auch schles. Scherffer ged. 189 und bei Herder 5, 75, wie noch thür. wämmern, s. o. th. 13, 1453; (hierher auch altes gewamer 'gewimmel' bei Oswald v. Wolkenstein ebd.); bair. kärnt. wammetzen ebd.; wimseln (s. d. unten); — nur lautlich begründete nebenformen sind ferner wimpeln Keisersberg sünden des munds 11a; wimblen französ. kriegs-Simplic. (1682) 97; und besonders wimmlen Göthe 15, 60 Weim. u. ö.n. norw. vrimmel, vrimle v. (lehnwort mit secundärem r Falk-Torp); schwed. hvimla; ndl. wemelen; hierher vielleicht auchn. norw. vimla taumeln Falk-Torp; engl. wimple v. (sich) kräuseln, wellen schlagen, sich schlängeln; wimble adj. behend.in allen mundarten lebendig, theilweise mit veränderung oder dehnung des stammvocals, vgl. ndd. wemeln brem. wb. 5, 226; westf. wiəmeln Woeste. grundbedeutung: 'sich lebhaft hin- und herbewegen', meist ohne wesentliche ortsveränderung. AA. intransitiv. A@11) von flüssigkeiten, besonders vom wasser 'wallen, sprudeln', vgl. unten 1wimmen v.; ich wimmel efferveo Alberus (1540) A a iia; oberhess. wîmiln hervorquellen (selten) Crecelius: gährung musz im fasse wimmeln, sonst wird nimmer klar der wein! Brentano schr. 7, 342. A@22) von der luft 'zittern, vibriren', vom staube 'wirbeln'; vgl. wimmelluft Höfler krankheitsnamenb. 805: in die wimmelnde, zitternde luft Stifter 1, 84; an den bleichen staub, der wimmelnd unter'm gange durch den himmel des allmächtigen entwallet Waiblinger werke 6, 74 Canitz. A@33) von lebenden (namentlich kleineren) wesen 'sich lebhaft hin- und her- und durcheinanderbewegen'; ursprünglich wohl auch von einem einzelnen anwendbar, vgl. oben wammetzen und unten 1wimseln v.; meist aber von einer groszen menge, daher mit der begleitenden vorstellung der fülle, des überflusses. A@3@aa) das subject ist unpersönlich: da wimmelts on zal Alberus a. a. o.; wohl nach Luther ps. 104, 25; meist mit folgendem voll, mit, von: es wimmelt von leusen Alberus llib; von feinden Luther 19, 367 Weim.; schau, wie thut es vol narren wimeln H. Sachs 5, 15 Keller; voll genies maler Müller 2, 11; alles wimmelte mit engeln Brentano schr. 5, 343. A@3@bb) das subject ist eine bezeichnung von lebewesen oder von sachen, wie sterne, schiffe u. ä.: da wimmeln klein und grosze thier B. Waldis psalter 186a; die betten auch darzu, worauf die flöhe wimmeln J. G. Schmidt rockenphilos. 2, 212; wie ein haufe geschäftiger ameisen wimmelt Schwabe belust. 1, 51; mit übertragung der letzteren vorstellung auf eine körperliche empfindung kann wimmeln wohl auch 'prickeln' bedeuten, vgl. die belege unter 3wimmern 2) und 1wimseln 3). A@3@cc) das subject ist eine ortsbestimmung: dasz ... die welt von geschöpfen wimmelt Göthe gespräche 8, 30; mit schafen wimmelt dort die erde Haller gedichte 119; der strom sol von fröschen wimmeln 2. Mos. 8, 3; einen .. fröhlich wimmelnden hof Eichendorff (1908) 3, 73; dein wimmelnd waisenhaus Weichmann poesie der Niedersachsen 6, 52; und der taubenschlag wimmelt Overbeck ged. 203; ähnlich das meer, die stadt, die wege wimmeln; ferner: von allerhand ungezifer wimmelndes wasser Reinicke Fuchs (1650) 309; die wimmelnden bilder Tintorettos Laube 8, 356; nur selten von undinglichem: nun mag das unglück gedrängt um mich wimmeln Tieck schr. 8, 75; dich hascht ihr wimmelndes complot Löwen schr. 2, 74. A@3@dd) im 18. jh. auch mit angabe einer ortsveränderung: die gemeine wimmelte zur kirche Schiller 4, 68; ähnlich 12, 295; die volksmenge, die ihm .. entgegen wimmelte Miller Siegwart 3, 647; ... auch wimmelten nun kröten auf sein geheisz durch Pharaons gemächer Cramer ged. 1, 291; es wimmelt aus jedem hause ... hervor Gleim briefw. 1, 453. A@3@ee) vereinzelt mit besonderer hervorhebung der schnelligkeit der bewegung: und ist ein solich laufen und wimpeln darafter Keisersberg sünden des munds 11a; pfeilschnellen wimmlens Göthe 15, 60 Weim. A@3@ff) besonders oft im part. praes.: der erdensöhne wimmelndem geschlecht Stolberg werke 4, 30; für dieser worte wimmelndes gedränge Raupach dram. werke kom. gatt. 3, 62; wimmelnd strömen Schiller 12, 89; wimmelnd kommen Stifter 3, 191; wimlend voll Decumanus gründl. warh. relation (1602) J 10a (vgl. unten gewimmelt voll); völkerwimmelnd Sanders. A@3@gg) gerne in verbindung mit sinnverwandten verben, theilweise allitterirend: es wimmelt und wâmelt oberhess. Crecelius 916; (der mond) wimmelt und wabbelt nur so nächtlich dahin Tieck schr. 20, 209; dieses wimmeln und wühlen zahlloser kräfte Pfizer briefw. 195; wimmelnd und wogend Lavater phys. frg. 1, 3; es wibbelt und wimmelt so voll .. embsen Moscherosch ges. 1, 231; es stinkt, würmt und wimmelt alles bei ihm von irrthumb Dannhawer cat. milch 1, 295; da webte und wimmelte es Riehl gesch. aus a. zeit 1, 209; alles wirrt und wimmelt Gaudy 5, 46; (die fische) krümmeln und schwimmeln und wimmeln Birken forts. d. Pegnitzschäf. 35; kremeln und wemeln brem. wb. 5, 226; krimmeln und wimmeln Dähnert 551; Doornkaat-Koolman 3, 552; Luther 16, 168 Weim.; kriəmeln u. w. Woeste 323a; des künigs buoch voll bitterer wort grimmelet und wimmelet Nas antipap. 5, 270b; Corvinus 119; es wimmelt und fluthet Laube 8, 8; drauf wimmelts und drängts O. Ludwig 1, 59; wie das eilt und wimmelt Engel schr. 1, 222; dasz es wieder lebe und wimmle Stifter 2, 79; vgl. auch ein regen und wimmeln G. Büchner schr. 219. A@44) daher niederdeutsch auch vom hunde 'wedeln mit dem schwanz', brem. wb. 5, 226, westf. Woeste 323a. A@55) mit zurücktreten der vorstellung des hin- und herbewegens und betonung der nebenvorstellung der fülle (s. oben 3) auch von dinglichem und undinglichem im sinne von 'überflusz haben an, in menge vorhanden sein': wuchsen die kinder Israel und wimmelten (wofür später zeugeten kinder) 2. Mos. 1, 7; weithin eine prangende, grüne au, dicht wimmelnd mit blümchen Chr. Schmid schr. 17, 86; manche wörter wimmeln ... von vielfachen bestimmungen der hauptbedeutung Klopstock gelehrtenrepubl. 135; der erste band wimmelt von druckfehlern Schubart briefe 2, 156 Strausz; daher die verbindung gewimmelt voll Heinse werke 10, 198; thür. gewämmerte voll Hertel. BB. transitiv (meist mit einer partikel): 1) 'in menge hervorbringen': es wimmelte just so dicke flocken vom himmel Mörike erzähl. 1 70; ihr land wimmelte frösche heraus Luther ps. 105, 30; dasz .. die Tiber .. viel kröten, schlangen .. ausgewimmelt hatte Prätorius philos. 110; 2) 'forttreiben', luxemb.; vgl. (hinaus)wimmeln, burschikos Heyne; Hesse nachbarn 6 87; 3) 'beigeben' beim kartenspiel, luxemb. CC. vereinzelt reflexiv: wo götter und sonnen sich wimmeln Arndt werke 5, 154. DD. zusammensetzungen: durch-, durcheinander-, ent-, herein-, herum-, hervor-, hin und her-, um-, umher-, zuwimmeln.
7300 Zeichen · 174 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wimmeln

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Wimmeln , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte haben. 1. In einer verworrenen undeutlichen Bewegung begriffen seyn, vo…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wimmeln

    Goethe-Wörterbuch

    wimmeln [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    wimmeln

    Rheinisches Wb.

    wimmeln -i-, selten -e- (dies bes. SNfrk, Mörs ) vom Mosfrk an allg.; das Rhfrk nur in der Bed. 2, bes. abw. [aber -i- B…

  4. Spezial
    wimmeln

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    wim|meln vb.intr. busié (büsia). ▬ in diesem Aufsatz wimmelt es von Fehlern te chësc tema él grët de fai.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wimmeln

6 Bildungen · 3 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

wimmeln‑ als Erstglied (3 von 3)

wimmeln I

SHW

wimmeln I Band 6, Spalte 559-560

wimmeln II

SHW

wimmeln II Band 6, Spalte 559-560

Wimmelnoors

MeckWB

Wimmelnoors m. Schelte für Pferd, das nicht stillstehen will Wa.

wimmeln als Zweitglied (1 von 1)

herümwimmeln

MeckWBN

herum·wimmeln

Wossidia herümwimmeln umherwimmern: hei himmelt un wimmelt in dat Schloß herüm S. Neum. Volksm. 270.

Ableitungen von wimmeln (2 von 2)

entwimmeln

DWB

entwimmeln , confertim progerminare, exire: seinen tritten entwimmeln grüne, duftende kräuter, tausendfärbige blumen. Hölty 125, 1 ; zahllos…

verwimmeln

MeckWB

verwimmeln vergehen, s. verwäsen 1 .

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wimmeln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wimmeln/dwb?formid=W21721
MLA
Cotta, Marcel. „wimmeln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wimmeln/dwb?formid=W21721. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wimmeln". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wimmeln/dwb?formid=W21721.
BibTeX
@misc{lautwandel_wimmeln_2026,
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