wimmeln,
schw. v. ,
mit haben,
bei ortsveränderung mit sein;
mhd. (
einmal belegt) wimelen Lexer;
iterativbildung (
wie lächeln, streicheln)
zu 1wimmen
v. (
s. d.)
; gebucht von Stieler (1691) 2585, Steinbach, Adelung.
daneben vielerlei ähnliche bildungen mit anderem suffix oder anderer ablautsstufe: ahd. wimidôn
v., scatere, scaturire, horrere Graff 1, 852; wimidjan, wimizjan
v., ebd.; mhd. wimezen
mhd. wb. 3, 675
b;
bair. wammeln, wummeln Schmeller 2, 911; wimmern
ebd.; dieses auch schles. Scherffer
ged. 189
und bei Herder 5, 75,
wie noch thür. wämmern,
s. o. th. 13, 1453; (
hierher auch altes gewamer '
gewimmel'
bei Oswald v. Wolkenstein
ebd.)
; bair. kärnt. wammetzen
ebd.; wimseln (
s. d. unten); —
nur lautlich begründete nebenformen sind ferner wimpeln Keisersberg
sünden des munds 11
a; wimblen
französ. kriegs-Simplic. (1682) 97;
und besonders wimmlen Göthe 15, 60
Weim. u. ö. —
dän. norw. vrimmel, vrimle
v. (
lehnwort mit secundärem r Falk-Torp);
schwed. hvimla;
ndl. wemelen;
hierher vielleicht auch dän. norw. vimla
taumeln Falk-Torp;
engl. wimple
v. (
sich)
kräuseln, wellen schlagen, sich schlängeln; wimble
adj. behend. —
in allen mundarten lebendig, theilweise mit veränderung oder dehnung des stammvocals, vgl. ndd. wemeln
brem. wb. 5, 226;
westf. wi
əmeln Woeste.
grundbedeutung: '
sich lebhaft hin- und herbewegen',
meist ohne wesentliche ortsveränderung. AA.
intransitiv. A@11)
von flüssigkeiten, besonders vom wasser '
wallen, sprudeln',
vgl. unten 1wimmen
v.; ich wimmel
efferveo Alberus (1540) A a ii
a;
oberhess. wîmiln
hervorquellen (
selten) Crecelius: gährung musz im fasse wimmeln, sonst wird nimmer klar der wein! Brentano
schr. 7, 342. A@22)
von der luft '
zittern, vibriren',
vom staube '
wirbeln'
; vgl. wimmelluft Höfler
krankheitsnamenb. 805: in
die wimmelnde, zitternde luft Stifter 1, 84; an den bleichen staub, der wimmelnd unter'm gange durch den himmel des allmächtigen entwallet Waiblinger
werke 6, 74
Canitz. A@33)
von lebenden (
namentlich kleineren)
wesen '
sich lebhaft hin- und her- und durcheinanderbewegen';
ursprünglich wohl auch von einem einzelnen anwendbar, vgl. oben wammetzen und unten 1wimseln
v.; meist aber von einer groszen menge, daher mit der begleitenden vorstellung der fülle, des überflusses. A@3@aa)
das subject ist unpersönlich: da wimmelts on zal Alberus
a. a. o.; wohl nach Luther
ps. 104, 25;
meist mit folgendem voll, mit, von: es wimmelt von leusen Alberus lli
b; von feinden Luther 19, 367
Weim.; schau, wie thut es vol narren wimeln H. Sachs 5, 15
Keller; voll genies maler Müller 2, 11; alles wimmelte mit engeln Brentano
schr. 5, 343. A@3@bb)
das subject ist eine bezeichnung von lebewesen oder von sachen, wie sterne, schiffe
u. ä.: da wimmeln klein und grosze thier B. Waldis
psalter 186
a; die betten auch darzu, worauf die flöhe wimmeln J. G. Schmidt
rockenphilos. 2, 212; wie ein haufe geschäftiger ameisen wimmelt Schwabe
belust. 1, 51;
mit übertragung der letzteren vorstellung auf eine körperliche empfindung kann wimmeln
wohl auch '
prickeln'
bedeuten, vgl. die belege unter 3wimmern 2)
und 1wimseln 3). A@3@cc)
das subject ist eine ortsbestimmung: dasz ... die welt von geschöpfen wimmelt Göthe
gespräche 8, 30; mit schafen wimmelt dort die erde Haller
gedichte 119; der strom sol von fröschen wimmeln
2. Mos. 8, 3; einen .. fröhlich wimmelnden hof Eichendorff (1908) 3, 73; dein wimmelnd waisenhaus Weichmann
poesie der Niedersachsen 6, 52; und der taubenschlag wimmelt Overbeck
ged. 203;
ähnlich das meer, die stadt, die wege wimmeln;
ferner: von allerhand ungezifer wimmelndes wasser
Reinicke Fuchs (1650) 309; die wimmelnden bilder Tintorettos Laube 8, 356;
nur selten von undinglichem: nun mag das unglück gedrängt um mich wimmeln Tieck
schr. 8, 75; dich hascht ihr wimmelndes complot Löwen
schr. 2, 74. A@3@dd)
im 18.
jh. auch mit angabe einer ortsveränderung: die gemeine wimmelte zur kirche Schiller 4, 68;
ähnlich 12, 295; die volksmenge, die ihm .. entgegen wimmelte Miller
Siegwart 3, 647; ... auch wimmelten nun kröten auf sein geheisz durch Pharaons gemächer Cramer
ged. 1, 291; es wimmelt aus jedem hause ... hervor Gleim
briefw. 1, 453. A@3@ee)
vereinzelt mit besonderer hervorhebung der schnelligkeit der bewegung: und ist ein solich laufen und wimpeln darafter Keisersberg
sünden des munds 11
a; pfeilschnellen wimmlens Göthe 15, 60
Weim. A@3@ff)
besonders oft im part. praes.: der erdensöhne wimmelndem geschlecht Stolberg
werke 4, 30; für dieser worte wimmelndes gedränge Raupach
dram. werke kom. gatt. 3, 62; wimmelnd strömen Schiller 12, 89; wimmelnd kommen Stifter 3, 191; wimlend voll Decumanus
gründl. warh. relation (1602) J 10
a (
vgl. unten gewimmelt voll); völkerwimmelnd Sanders. A@3@gg)
gerne in verbindung mit sinnverwandten verben, theilweise allitterirend: es wimmelt und
wâmelt oberhess. Crecelius 916; (
der mond) wimmelt und
wabbelt nur so nächtlich dahin Tieck
schr. 20, 209; dieses wimmeln und
wühlen zahlloser kräfte Pfizer
briefw. 195; wimmelnd und
wogend Lavater
phys. frg. 1, 3; es
wibbelt und wimmelt so voll .. embsen Moscherosch
ges. 1, 231; es stinkt,
würmt und wimmelt alles bei ihm von irrthumb Dannhawer
cat. milch 1, 295; da
webte und wimmelte es Riehl
gesch. aus a. zeit 1, 209; alles
wirrt und wimmelt Gaudy 5, 46; (
die fische)
krümmeln und schwimmeln und wimmeln Birken
forts. d. Pegnitzschäf. 35; kremeln und wemeln
brem. wb. 5, 226; krimmeln und wimmeln Dähnert 551; Doornkaat-Koolman 3, 552; Luther 16, 168
Weim.; kriəmeln u. w. Woeste 323
a; des künigs buoch voll bitterer wort grimmelet und wimmelet Nas
antipap. 5, 270
b; Corvinus 119; es wimmelt und
fluthet Laube 8, 8; drauf wimmelts und
drängts O. Ludwig 1, 59; wie das
eilt und wimmelt Engel
schr. 1, 222; dasz es wieder
lebe und wimmle Stifter 2, 79;
vgl. auch ein
regen und wimmeln G. Büchner
schr. 219. A@44)
daher niederdeutsch auch vom hunde '
wedeln mit dem schwanz',
brem. wb. 5, 226,
westf. Woeste 323
a. A@55)
mit zurücktreten der vorstellung des hin- und herbewegens und betonung der nebenvorstellung der fülle (
s. oben 3)
auch von dinglichem und undinglichem im sinne von '
überflusz haben an, in menge vorhanden sein': wuchsen die kinder Israel und wimmelten (
wofür später zeugeten kinder)
2. Mos. 1, 7; weithin eine prangende, grüne au, dicht wimmelnd mit blümchen Chr. Schmid
schr. 17, 86; manche wörter wimmeln ... von vielfachen bestimmungen der hauptbedeutung Klopstock
gelehrtenrepubl. 135; der erste band wimmelt von druckfehlern Schubart
briefe 2, 156
Strausz;
daher die verbindung gewimmelt voll Heinse
werke 10, 198;
thür. gewämmerte voll Hertel. BB.
transitiv (
meist mit einer partikel): 1) '
in menge hervorbringen': es wimmelte just so dicke flocken vom himmel Mörike
erzähl. 1 70; ihr land wimmelte frösche heraus Luther
ps. 105, 30; dasz .. die Tiber .. viel kröten, schlangen .. ausgewimmelt hatte Prätorius
philos. 110; 2) '
forttreiben',
luxemb.; vgl. (hinaus)wimmeln,
burschikos Heyne; Hesse
nachbarn 6 87; 3) '
beigeben'
beim kartenspiel, luxemb. CC.
vereinzelt reflexiv: wo götter und sonnen sich wimmeln Arndt
werke 5, 154. DD.
zusammensetzungen: durch-, durcheinander-, ent-, herein-, herum-, hervor-, hin und her-, um-, umher-, zuwimmeln.