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wildling

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wildling m.

Bd. 30, Sp. 101
wildling, m. , zu wild adj., mit unechtem -ling wie fremdling; engl. wilding; vom 16. jahrhundert an belegt; Adelung; elsäss. wilkling, weltlen Martin-Lienhart 2, 820; vgl. auch z. f. d. wortf. 2, 186; 4, 160; 5, 270; der grundbedeutung nach ein wild lebendes, wachsendes oder sich benehmendes wesen (mensch, thier, auch baum). die entwicklung und der gebrauch decken sich vielfach mit denen von wildfang (s. da). der heutige sprachgebrauch kennt, abgesehen von der dichterischen verwendung, das wort nur noch als gärtnerischen fachausdruck, der schon von Adelung als die einzige verwendung gebucht wird. 11) ein wildgewachsener baum oder strauch, früheste belegte verwendung. 1@aa) meist ein unveredelter junger obstbaum oder rosenstrauch; nach Pritzel-Jessen insbesondere für pirus malus silvestris: wann man einen wildling lässet aufwachsen, bis er mannsdick ist Abr. a St. Clara etwas für alle 2, 340; bekanntlich bringen die samenkörner der feinsten äpfel nur wildlinge hervor Bär reden und versch. aufsätze 2, 349; man veredelt oft wildlinge (der birne) aus dem walde Schlechtendahl flora v. Deutschland 25, 54. alte synonyme sind wilder stock, wildfang, wildstamm, wildstein, pelzer; bezeichnungen für das gegentheil edler stock, edler, zahmer, einheimischer baum. wie ain zweil edler natur, so auf ainn wilden stockh gepelzt wird Berthold von Chiemsee teutsche theologey 137; die stämme, darauf gepfropfet werden soll, sind entweder wildlinge, wildfänge und wildstämme, die man aus den wäldern und hölzern in die gärten und baumschulen versetzet allgem. haushalt.-lex. 2, 554a; ein wildling oder pelzer Hohberg 1, 391b. als sonderfälle finden sich harte und weiche wildlinge, kernwildlinge u. a.: die harte .. wildlinge im impfen sein den andern fürzuzihen, .. jedoch wachsen die schosz allwegen viel eher, wann sie auf weiche .. wildstammen geimpft sint Sebiz 322; kernwildling ein sämling von holz- und wirthschaftskernobst Ule-Müller natur 28, 325. durch aufsetzen eines zweigels, edelauges, pfropf- oder edelreises wird der wildling gezweigt, gepfropft, veredelt, gepelzt oder geimpft: die zweigung auf die wildlingen ist allwegen langwiriger und beständiger, dann diejenige, welche auf die einheimische bäume pflegt zu geschehen Sebiz (1580) 324; wenn der kaplan geht impfen die wildlinge, so schimpfen die bauern Rückert 2, 256; es läszt sich ein edelauge in den wildling setzen, ein edelreis auf den wildstamm Jahn volksthum 25; das pfropfreis auf dem wildlinge Ratzeburg waldverderbnis 1, 30; nachdem wildling und edelreis .. auf einander gesetzt sind Salisch forstästhetik 2 96; pfropf' ich einen wildling, so bleibt er der nämliche und trägt doch bessere frucht Anzengruber 2, 195 (schandfleck). 1@bb) als forstmännischer fachausdruck, ein pflänzling, der nicht im kampe erzogen, sondern aus dem freien entnommen und zur wiederauspflanzung verwendet wurde Dombrowski encykl. der ges. forst- und jagdwiss. 8, 411; ebenso bei Fürst jagd- und forstlex. 797; (bei der cultivierung von ödländereien) kamen den bodenverhältnissen entsprechend ballenlose (ohne erdballen ausgehobene) pflanzen, aber immer noch wildlinge, zur verwendung Schwappach hdb. der forst- und jagdgesch. 2, 719. vgl. auch wildlingspflanze. 22) ein wilder mensch, in den verschiedenen abstufungen von wild adj.; vom 17. jh. an belegt, namentlich österreichisch; synonym zu wilderich, wildrian, wildfang, wildfisch, wildhammel. 2@aa) mit starkem tadel ein roher, gewaltthätiger mensch: der erste brudermörder und wildling Cain v. Lilienberg seltzame gerichtshändel (1655) 569; ich pflanzte mich in einen winkel am ofen, und liesz ungefähr dreiszig wildlinge ihr unwesen so toll um mich treiben, dasz mir die ohren gellten Seume 70 (spazierg.); kunnt'st ihm aber auch den schädel eingeschlagen haben, du wildling, du! Rosegger 3, 272; etwas schwächer ein unordentlicher mensch, ein taugenichts: von diesem höchst liederlichen wildling Ayrenhoff 3, 291; umherzuschweifen gleich anderen meisterlosen wildlingen seines volkes Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 325. 2@bb) seltener ein 'wilder' im eigentlichen sinn: die beschreibung der noch vorhandenen wildlinge Fichte grundz. des gegenw. zeitalters 91; wer wars, der dich Hellene, .. vom wildling auferzog? Vosz gedichte 5, 210; meine errettung aus den händen .. dieser .. indianischen wildlinge Pocci 56. namentlich von halbwilden stämmen und völkern: die wildlinge der ebene, die Cedeño und Zaraza Gervinus gesch. des 19. jhs. 3, 316; die civilisationsfähigkeit des noch ganz ungebundenen wildlings (Kirghisen) Ritter erdkunde 2, 778. 2@cc) häufiger ein 'wilder' im übertragenen sinn, ein verwilderter oder ungesitteter mensch, meist tadelnd: der civilisirte wildling und der civilisirte schwächling Pestalozzi 6, 192; wildlinge, bleich und zerlumpt, und wie ackergäule verhagert (sind die leibeigenen) Vosz gedichte 2, 53; indessen liefen wir doch nicht wie die rohen wildlinge herum, sondern wurden ... recht gut erzogen Arndt werke 1, 12; einige wildling' sein schon auch da, aber es dürft' wohl anders mit sö umz'gehn sein wie mit wilde' Anzengruber 3, 173. 2@dd) aber auch ohne schlimmen nebensinn, indem mehr an die lichtseiten des ursprünglichen wilden zustands gedacht wird und gleichzeitig wohl auch sich die vorstellung eines wildlings aus dem pflanzenreich geltend macht. 2@d@aα) ein derbes, urwüchsiges, unverfälschtes naturkind: der Paderborner wildling .. wirbt wie ein derbes naturkind mit allem ungestüm seines heftigen bluts Droste-Hülshoff 2, 357. mit vorliebe und ganz persönlichem gepräge verwendet von Rosegger, besonders in seinem buch 'wildlinge': der wildlinge .. sind zweierlei, wilde menschen und wilde poesien wildlinge vi: der bauer der vorderen gegenden hat ehrfurcht vor den wildlingen im gebirge schriften 10, 75. 2@d@bβ) ein impulsiver, kraftvoller mensch überhaupt: indes dieser sehr bald den leichten, heiszen, stillen wildling (Albano) richtig auswog (beurtheilte) J. Paul Titan 1, 165; o du wildling von engel! Palingenesien 2, 87; zartere naturen als diese niederdeutschen kerneichen Friedrich Wilhelm und sein wildling Leopold von Dessau Treitschke deutsche gesch. 3 1, 38. 2@d@gγ) in der neuesten sprache ganz abgeschwächt wie wildfang ein kosewort für ein ausgelassenes kind oder junges mädchen: nun deckt der schattigste der plätze den schlaf des schönen wildlings zu Geibel 3, 86; die zwillinge wuchsen derweilen zu zwei tollen, pausbäckigen wildlingen heran Sudermann frau sorge 87. 2@ee) dichterisch ein umherirrender, heimathloser fremdling: du armer, irrender wildling Fouqué der zauberring 2, 106; da warf die meereswoge den fremden wildling aus an deiner schwelle Geibel Brunhild 34; einem, der als ein wildling lebt, heimathlos, gebannt und so armselig wie der fahrende bettler Freytag 8, 76 (ahnen 1); vereinzelt ein abseits stehender eigenbrödler, sectierer: die undisciplinierten wildlinge des glaubens, welche auszerhalb der kirchenmauern frei umherschwirren, sei es in entstehenden sekten, sei es in einzelnen personen Keller 1, 340 (gr. Heinrich). 2@ff) ein uneheliches kind, bastardi Scherz-Schöpflin gloss. 2, 2033; vgl. wilde n.: das wäre der erste wildling, der eine dauerhafte mutterliebe genösse L. v. François bei Paul wörterb.2 657. 33) ein wildes, unbändiges thier, entsprechend dem alten gebrauch von wildfang, erst im 19. jh. zu belegen: 3@aa) ein von haus aus wildes und erst nachträglich gezähmtes thier im gegensatz zu den von anfang an zahmen hausthieren, z. b. wildgefangene pferde, hunde, vögel: als reitpferde sind solche wildlinge (tarpane) nicht zu gebrauchen Brehm thierleben 2 3, 8; er (der käfig) enthält anfangs weder futter noch wasser, um die wildlinge zu zwingen, dasz sie durch das gitterwerk um nahrung schreien Wimmer gesch. des deutschen bodens 463. 3@bb) ein hausthier, das infolge seiner unbändigkeit wilden thieren gleicht, z. b. ein pferd oder stier: spring an, mein wüstenrosz aus Alexandria! mein wildling! (der Alexandriner) Freiligrath 1, 87; hernach versuchten die knechte, den wildling (stier) einzufangen Rosegger III 8, 86. 3@cc) selten ein wirkliches wild, das besonders scheu oder unbändig ist: war eine grosze jagd auf diesen auszerordentlich scheuen wildling (steinwidder) verabredet Ritter erdkunde 3, 290. 3@dd) austern, die nicht in austernparken gepflegt werden Ötker Belg. 159 nach Sanders erg.-bd. wildlingsgemeinde, f., eine gemeinde von wildlingen, d. h. von waldbauern Rosegger der Hellbart 12 (einleit.). —
8562 Zeichen · 111 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wildling

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Wildling , des -es, plur. die -e, ein Ding, welches noch wild, d. i. durch Cultur noch nicht veredelt ist. In diesem…

  2. modern
    Dialekt
    Wildling

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Wildling [Wìlklì Osenb. ; Weltle Z. ] m. junger wilder Baum. I ch muess dë n W. zwige n Osenb. Zss. Bire n wilkling, Ä…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wildling

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von wildling

wild + -ling

wildling leitet sich vom Lemma wild ab mit Suffix -ling.

wildling‑ als Erstglied (1 von 1)

wildlingspflanze

DWB

wildling·s·pflanze

wildlingspflanze , f. , freigewachsenes, nicht künstlich gepflanztes waldbäumchen: beide verordnungen haben aber lediglich wildlingspflanzen…

Ableitungen von wildling (1 von 1)

Wildlinge

Meyers

Wildlinge , aus Samen ( Kernlinge ), Steckholz und Stecklingen erzogene Gehölze, auf die beim Okulieren und Pfropfen das Auge oder das Reis …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wildling". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wildling/dwb?formid=W21217
MLA
Cotta, Marcel. „wildling". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wildling/dwb?formid=W21217. Abgerufen 16. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wildling". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wildling/dwb?formid=W21217.
BibTeX
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