widerglanz,
m. , '
ein von einem körper zurückgeworfener glanz; sonst abglanz' Campe 5 (1811) 708
b;
mhd. widerglanz,
mnl. wederglans,
nnl. weerglans;
lexikal. seit dem 16.
jh. belegt: resplendeo ein widerglantz vnd scheyn gäben Frisius
dict. (1556) 1154
a;
renideo ebda 1142
a; widerglantz
reflexio Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 351
a;
refulgentia wieder-glantz Kirsch
cornucop. (1718) 1, 927
a. 11)
im eigentlichen sinne. 1@aa)
das von einem gegenstande reflektierte licht, gewöhnlich in der wendung einen widerglanz geben: im spiegel sicht ein jeglicher sich selbs, das ist nun die minste kunst der nectromancey; aber in berillen, die nicht widerglantz gibt, ist ein mehrer kunst (
vor 1541) Paracelsus
opera (1616) 2, 386
Huser; (
der panther) hot durchsichtige scharpffe augen, die im sonnen schein verbleichen, aber im schatten geben sie einen heiteren widerglantz Heyden
Plinius (1565) 121; die farbe der federn ... gibt einen wunderreichen wieder-glantz, welchen kein mahler mit seinem pinsel recht nachaffen kan E. Francisci
alleredelste veränderung (1671) 143; man solle ... an selbigen (
ort) einen spigel stellen, welcher durch ein fenster eine reflexion oder widerglantz gebe an das gemach, da man die (
sonnen)uhr will haben Butschky
Pathmos (1677) 567; siehst du das leuchten dort weit in der ferne, die goldenen strahlen, den wiederglanz ihres stirnbands, ihres gürtels? Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 231; seine augen brannten von der überfülle des lichtes und dem widerglanz der maszlos hellen dinge Eb. König
Thedel v. Wallmoden (o. j.) 69. 1@bb)
das spiegelnde abbild eines gegenstandes: inn dem das fleysch, so er im maul trug, im wasser eyn widerglantz gab, meynet der hund, es were eyn ander stuck fleyschs Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) H 5
a; den breitschwimmenden wiederglanz des monds im ganz reinen see Göthe IV 4, 110
W. 22)
übertragen. von den oft nur schwer deutbaren, z. t. abstrakten verwendungen sind besonders hervorzuheben: 2@aa) widerglanz
als gestaltgewordenes abbild einer geistigen wesenheit: Sant Paulus ... sprach, er (
Christus) wêre ein widerglanz des vater
dt. mystiker d. 14.
jhs. 2, 79, 10
Pf.; herr, ich horti gern von der vereinunge der blozen vernunft mit der heiligen drivaltikeit, da si in dem waren widerglanze der ingeburt des wortes und widergeburt ir selbs geistes ir selber wirt benomen und von allem mittel geblözet Seuse
dt. schr. 279
Bihlm.; der widderglantz des gnedigen willens gottes ist der son (1527)
mon. Germ. päd. 21, 70, 14.
hierher auch: je sittlicher der mensch sich kultivirt, desto vollständiger nimmt er den widerglanz des göttlichen in sich auf Brinckmann
filos. ansichten (1806) 59. 2@bb)
bei personen der äuszere ausdruck eines innerlichen vorganges, verhaltens oder zustandes: die widerglentz seiner innerlichen vereinigung mitt gott strimen herfür aus seinem antlit, gleich wie eyn liecht leuchtet auf einer laternen Keisersberg
seelenparadisz (1510) 172
b; drum sieht ein fühlendes auge, dasz unter diesem seligen lächeln, ... weit mehr seligkeit und genusz der seele liegt, als dieser, zwar reinere und durchsichtigere leib, als andre, im wiederglanz seiner gesichtszeichen uns sehen läszt (1819) Brentano
ges. schr. (1852) 8, 384; eine ... sanfte heiterkeit schwebte in ihren gesichtszügen, wie wiederglanz ihres innern seelenfriedens Zschokke
s. ausg. schr. (1824) 16, 287; unwillkührliche ehrfurcht, der natürliche widerglanz groszer tugend, umgab ihn
ebda 32, 374. 2@cc)
in dichterischer sprache gleichnishaft für den abglanz von etwas wesenhaftem: vergebens würdest du mitten in ihren (
d. sonne) glanz hineinsehen und ihr wesen ergründen wollen; du kannst nur des wiederglanzes dich freuen und der wärme, die sie umherstreut Jacobi
s. w. (1807) 4, 15; soll dein antlitz doch mir strahlen gleich dem wiederglanze milder engelschöne Platen
w. 1, 365
Hempel; ist's erdenleben schein? — ist es die umgekehrte fata morgana nur, des ew'gen spielgefährte? warum denn aber wird dem erdenleben bange, wenn es ein schein nur ist, vor seinem untergange? ist solche bängnisz nur von dem, was wird bestehen, ein wiederglanz, dasz auch sein bild nicht will vergehen? diesz bangen auch nur schein? Lenau
s. w. 91
Barthel; nachtigall, wo ist dein schall? wo, o rose, deine krone, die du trugst beim maientanz? seid ihr all ein widerhall, körperlos, ein schatten, ohne wesenheit ein widerglanz? Rückert
ges. poet. w. (1867) 2, 38. —