[]werklich,
adj. ,
im frühen nhd. geläufige bildung zu werk(en);
s. auch die belege bei Müller-Fraureuth
obers. 2, 658; Fischer
schwäb. 6, 1, 710
sowie Schmeller-Fr.
bayer. 2, 986. 11) '
arbeitsam, thätig, geschäftig' (Adelung 4 [1801] 1504)
u. dgl.: herwidervmb sol das weib ... die sorg des haus haben, werklich sein (
debet uxor ... operosa existere) (
bayer.-österr. hss. d. 15./16.
jhs.)
summa legum d. sog. Raymundus 211
Gál; Didymus saget von den bynen, eyn byn sej das aller weisest thier vnter allen anderen thieren, das aller wercklichest, vnnd das dem menschen sich am meisten vergleiche Mich. Herr
feldbau (1551) 181
b; w
i erekeilech '
fleiszig'
luxemburg. ma. 484.
vereinzelt auch im sinne von '
handwerklich, gewerblich': der rad ... hat geordent und gesatzt, das keyn burger oder inwoner zu Franckfurd uff die hochgetzijde ... keynerlei werglich arbeid tun sulle (1439)
Frankfurter zunfturk. 1, 1, 13
Bücher-Schmidt; sowie adverbial gebraucht: einen solchen ungehorsamben ybertreter (
mag) samentliche nachparschaft werklichen (
in der tat) aus dem dorf schaffen (18.
jh.)
österr. weistümer 5, 415. 22) '
werkgerecht, kunstvoll, künstlich': und han eüwern gnaden so gut wercklich werck gemacht, das ich kymerlich daran geston mag umb ein solichen lon (4. 2. 1468)
bei Steinhausen
privatbr. 1, 82; darnach fuhren wir am S. Margarethentag frhe von dannen ... und kammen in ein statt ... darin bauet man gar ein wercklichen groszen neuen kirchenthurn Dürer
tageb. 92
L.; und haben jhm nachmals seine vettern die cardinAel ein marmelsteinen grab, das trefflich wercklich, kOestlich und knstlich gewesen, uffgerichtet Zach. Müntzer
bepstl. gesch. (1566) 653; darinn dann der gantze handel des bergwercks klAerlich beschrieben vnd mit viel hpschen vnd wercklichen figuren illustriret ist Ph. Bech
Agricolas bergwerckb. (1621)
vorr. 3; sonsten ist allda wenig sonderliches zu sehen, als zwey rothe marmorsteinerne seulen, deren die eine stehet und mit allerley wercklichen bildern ausgehauen, gleich wie die, so zu Constantinopel auf dem renn-platz Nic. Schmidt
kurze u. wahre beschr. d. fünfjähr. harten gefängnis ... unter den Türken (1684) 35.
oft auch zur charakterisierung von personen und ihren fähigkeiten; '
geschickt, kunstsinnig': Dedalus mit sinem sun vss der insel übers meer zekomen, ... nit vertruwt anders dann das er sich siner wercklichen kunst gebrucht Riederer
rhetoric (1493) l 1
a; merck wie Terentius ein wercklicher meyster ist
Terenz deutsch (1499) 152
b; der hat eine werckliche handt, der ander ein guten verstandt: ich rath eim jeden, bleib dabey, dazu er best geschicket sey Waldis
Esopus 1, 31
Kurz; drey knstliche vnd werckliche meister Mathesius
Sarepta (1571) 9
a; die poeten, bey den heyden als feine werckliche kOepff, habens mit volgenden gedicht zuuerstehen geben ... Dan. Schaller
theolog. heroldt (1604) 478;
sowie von vorgängen (
adv.): wercklich
aduerbium '
artificiose ... meisterlich'
vocab. inc. teut. ante lat. (
Speyer um 1485) nn 7
b; wenn ich reich wäre, wollte ich mir ein gülden schacht und silberne karten werklich lassen zurichten Luther
tischr. 1, 492
W.; wie dz Ouidius gātz wercklich beschreibt Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 5
a; sonderlich aber seind die fenster vnd die thr gestell also subtil vnd knstlich ausgearbeitet, das es ein goldschmid in silber nit wercklicher hette machen kOennen
Franciscus Alvares, ber. v. d. landen d. königs in Ethiopien (1573) 196; alle levitische ceremonien zu vollziehen, die gott geordnet hatte, dasz sie solten ein fürbild seyn desz zukünfftigen vnd mit jhrem lieblichen schallenwerck alles fein wercklich v mercklich von fern bezeichnen, was sich in der füll der zeit mit dem herrn Messia vnd dessen grossen wolthaten begeben würde Mich. Walther
erläuterung d. proph. Daniel (1645) 1, 699.
[] 33) '
wunderlich, seltsam, sonderbar': das hertz ist dermassen fürwitzig, seltzam, äffisch vnd wercklich, dasz, wo fern es einmal einen geschmacken empfindet in deme was es gedencket, es kein rast noch ruhe hat vnd vermeynt, es müsse sterben, wo fern es nit solchs erlangt Albertinus
Guevaras geistl. spiegel (1601) 345
b; solche werckliche auffzüge kan er (
der narr) fürbringen, dass auch ein krancker mensche darüber lachen müste
engl. comedien (1624) V 2
b; angesehen er so viel werckliches thuns machte, dasz einer mit verbundenen augen errathen sollen, der kerle mste entweder geschossen oder dem zimmermann vor einen berflssigen qverbalcken das macherlohn noch schuldig seyn Gynaecophilus
d. polit. freiersmann (1686) 281; ein wercklicher (
wunderlicher) mensch Seume
kl. teutsches lex. (1733) 278; dös kind is werkli (
spaszig, komisch) Loritza
id. Viennense 143; ə warkliər kràΧler '
ein wunderlicher, griesgrämischer mensch' Mankel
ma. d. Münstertals 167;
adverbial: wie redet ihr so wercklich? Grimmelshausen 4, 534
Keller; so ist kein wunder, dasz es in der welt so wercklich vnd backschierig zugehet Albertinus
hirnschleiffer (1664) 31; thut doch nicht so wercklich Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1362
b; man hat etliche jahre an den liedern und ausdrkken geknstelt, weil sie den ignotis zu werklich klingen, die im marionetten-spiel aus des lieben heilands seiner kindheit machen ein histOergen Zinzendorf
ein und zwanzig discurse (1748) 143. 44)
substantiviert, in verschiedener einzelanwendung: wann Appelles etwas wercklichs gemacht hatt, stelt er es an den weg Seb. Münster
cosmogr. (1550) 1095; lesen sie (
anrede) Luthers schriften und suchen sie diesen mann in seiner ganzen fülle aufzufassen, dann sind sie sein wahrer anhänger. das werkliche ergiebt sich eigentlich von selbst W. Harnisch
Kaskorbi (1817) 1, 106; Fr. wollte mit absicht mehr das werkliche und technische herausarbeiten (17. 3. 1933) Lersch
br. (1939) 218
Jenssen. als '
gesellschaftsname'
findet sich der werkliche
für Balthasar Peres: der werkliche ... erzeigt sich lustig G. Neumark
palmbaum (1668) 412.