weingarten,
m. der älteste germ. name für das grundstück, in dem reben gebaut werden: Heyne
nahrungsw. (1901) 101.
gemeinbesitz aller germ. stämme auszer den Friesen: got. weinagards Feist 313
b,
ahd. wîngart(o) Graff 4, 250,
mhd. wîngart(e)
mhd. wb. 1, 484; Lexer 3, 903,
asächs. wîngardo,
mnd. wîngart Schiller-Lübben 5, 726,
mnl. wijngaerd Verdam 692
b,
nnl. wijngaard Franck-v. Wijk 795,
ags. mengl. wînʒeard Bosworth-Toller 1233
f.; Stratman 686
a,
engl. vineyard Murray 10, 216,
anord. víngarðr Fritzner 3, 952
b,
dän. viingaard,
schwed. wingrd.
aus dem germ. entlehnt abulg. vinogradъ,
von da russ. winogradъ.
von 300
deutschen zeugnissen liegen 50
vor 1400, 30
gehören dem 15.
jahrh. an, 80
dem 16.,
je 35
dem 17.
und 18., 70
der zeit nach 1800.
formen. neben germ. *gardan-
steht von vornherein ein starker stamm *garda-:
got. gards,
anord. garðr,
ags. geard,
as. gard,
ahd. gart.
das nebeneinander der formen, der mundartliche fortbestand der starken, der sieg der schwachen in der litteratur schon seit mhd. zeit, ist th. 4 i 1388
behandelt. weingarten
zeigt die gleichen verhältnisse: schon ahd. wiegen die schwachen formen vor, die sich auch asächs. durchgesetzt haben und mhd. fast ausschlieszlich gelten. seit ende des 18.
jahrh. ist der heutige stand (
nom. weingarten,
gen. weingartens,
plur. weingärten)
erreicht. im einzelnen bleiben ausnahmen. 11)
starke formen sind bis ins 17.
jahrh. möglich, insbes. setzen wbb. aller landschaften weingart
an: Frisius
dict. (1556) 1384
f.; Maaler 491
d; Frischlin
ncl. (1586) 36
f. 158; Hulsius (1618) 275
a; Orsäus (1623) 195; Emmelius
silva (1630) Pp 3
b.
für nom. und acc. sg. sind die kurzformen durch reime gesichert: der göttliche weingart zerrissen wer elender art H. Sachs 18, 316
K.-G.; sein fleisz und müe gott nie hat gspart, pflanzt ein weingart dem volckhe sein A. Reusner
bei Wackernagel,
kirchenl. 3, 144.
aber auch andere formen sind belegbar: hûs, acker, wîngarte het sie schiere hin gegeben Otto
Eracl. 602
Gräf; die wîngart alle in blûte stênt
erlös. 5689
Bartsch; (
andre verbargen) sich in d' stecken im weingart umb den flecken
hist. volksl. 4, 82
Liliencron. der starke gen. ist selten: weingartz recht
urk.-b. des cist.-stifts Hohenfurt 402
Pangerl; wegen eines morgen weingarts
würt. hofgerichtsordn. (1654) 21.
die heutige form weingartens Adelung 5 (1786) 138,
lit. nicht vor Jean Paul
Titan 3 (1802) 126.
mundartlich sind starke formen noch heute weit verbreitet: wengert,
Koblenz und Jülich-Berg wingert Schmidt
westerw. id. (1800) 326; wei~gərt. wingərt Schmeller 1, 938; wengert Sartorius
Würzb. (1862) 134; H. Fischer 6, 613;
schweiz. id. 2, 439; wei(n)ert Unger-Khull
steir. 627
a;
nösn. wängərt,
moselfr. wengərt Kisch
vgl. wb. 242
b; winget Hönig
Köln 202.
namentlich die im rhein. hauptgebiet übliche form wingert
gern auch im hd. text: damals ... muszten viele wingerte frisch gerodet und gesetzt werden W. O. v. Horn
Maja 1, 40; die hauptsorge der Rheingauer weinbauern betrifft seinen wingert E. Kayser
weinbau (1906) 6. 22)
das zus.-gesetzte wort neigt früher und einseitiger zur schwachen stammbildung, als das einfache, wenn auch nicht so überwiegend wie wehtag
und die o. sp. 314
angeführten weiteren beispiele. nom. sg. mhd. wîngarte
bleibt selten: Erffurter wîngarte giht von treten noch der selben nôt Wolfram
Parz. 379, 18;
parad. animae 94, 12
Strauch; b. Daniel 3104
Hübner; Diefenbach
gloss. 620
a.
auch frühnhd. weingarte
nur Ravellus (1616) 403
a;
nomencl. (
Hamb. 1634) 92; Wiederhold (1669) 412
b. -en
der obliquen casus dringt seit ende des 13.
jahrh. in den nom.: dirre wîngarten ist mîn rehtes erbe
d. pred. 1, 134
Grieshaber; entspr. H. v. Neustadt
visio Phil. 132
Singer; Tauler
pred. 29, 5
Vetter. seit etwa 1550
wird nom. weingarten
allgemein. 33)
der plur. ist überall umlautlos bis ins 16.
jahrh., landschaftlich bis zur mitte des 18.
jahrh. so stets bei Luther (10 i 582
Weim.; 4. Mos. 21, 22;
hohel. 1, 14),
doch auch bei Oberdeutschen (Franck
chron. Germ. 136
b;
östr. weisth. 10, 195; Guarinonius
grewel 422)
und Norddeutschen (Schütz
hist. rer. pruss. 5, F 3
a).
plur. weingarten
neben weingerten
zeigt das stadtrecht von Arnstadt (1543)
bei Michelsen
rechtsdenkm. a. Thür. 62,
neben wingärten
zimm. chron. 1, 87, 9; 102, 33,
neben dial. wingerten Elis. Charl. 1, 276
Holland. die umgelauteten formen gelten in der drucksprache von Augsburg seit 1511: A. v. Eyb
spiegel C 1
a,
Frankfurt 1544: Ryff
sp. d. gesundh. 44
a,
Basel 1550: Münster
kosm. vorr. 4,
Straszburg und Wien 1551: Herr
feldb. 28
a; Schmeltzl
Samuel 19
ndr., Zürich 1556: Frisius
dict. 124
a. 44)
verkl.-formen bleiben selten: wyngertichen
handelsrechn. d. d. ordens 105
Sattler (
Königsberg 1400); weingärtchen Gutzkow 11, 327; wingertlin
bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 1, 116; weingärtlein J. Böhme 6, 144.
verbreitung. als einziges germ. wort für lat. vinea
ist w.
in alter zeit überall möglich, wo Germanen wein bauen oder davon sprechen. seit gegen mitte des 13.
jahrh. im mittleren osten weinberg (
s. d.)
aufkommt, das dann durch die Lutherbibel gebiet gewinnt, wird w.
als appellativ wie als ortsname (
beitr. zur germ. sprachwiss., festschr. f. O. Behaghel 1924
s. 280
ff.)
auf den süden und westen des sprachgebiets zurückgedrängt. für Luther
s weinberg
bieten Eck,
die Wormser profeten und die Zürcher bibel meist weingarten: Kluge
v. Luther bis Lessing5 103.
orte des namens Weingarten
erscheinen gehäuft im Oberelsass, am Bodensee, in Ober- und Niederbayern. in jüngerer zeit haben alem. mundart und umgangssprache w.
aufgegeben: der rebmann (
nicht mehr weingartner)
geht in die reben, den berg oder rebberg, man kauft ein stück reben. nur vereinzelt gilt alem. wingart
noch als gattungs- oder gewanname: zs. f. d. ma. 1907, 220; K. Ehret
lautl. der ma. von St. Georgen im Breisgau (1911) 26.
bedeutung. auszugehen ist von der gemeingerm. bed. des grundworts '
umzäuntes grundstück, das zum vorbehaltenen hausland gehört' Heyne
nahrungsw. (1901) 101.
die einhegung der kulturfläche ist wesentlich: wann âne sweigen ist ain gaistlich man als ain weingart âne zaun Vintler
bl. d. tug. 7547
Zingerle, durch sie entsteht der w.: länger als 200 jahre hatten die brüder ... obstbäume gepflanzt und weingärten eingehegt G. Freytag 9, 4.
im 13.
jahrh. erscheint der hag als mauer: bî allen mînen mûren, bî aller mîner huote sô wirt mîn vînt teilende in mînem wîngarten br. Berthold 2, 168; alsô stuont der engel enzwischan zwain mûron, die da umbe die wîngarten giengen
d. pred. 2, 130
Grieshaber. als ersatz für mauerwerk steht einmal: die vielen todtenbein ... aus welchen, des orts die angeregte gewaltige schlacht und niderlag der Teutschen geschehen, gantze mauren umb die weingarten ... seind aufgeführet Kirchhof
wendunm. 2, 22
Ö.; später treten zäune an die stelle: gemeine leute (
haben) ihre weingärten umbzäunet Schupp (
Hanau 1663) 98; ein w. ist mit einem dörnern zaun umbfangen Albertinus
hirnschl. (
Köln 1664) 323; endlich musz man auch sorgfältig auf die verzäunung eines w. sehen, damit weder menschen noch vieh dazu kommen Jacobsson
techn. wb. 4 (1784) 622
b.
die belastungsprobe, die das alte recht fordert, ist so wirksam als geistreich: alle die wingarten oder reben handt, söllen die verzünen und vermachen, dasz ein muetterschwyn mit neun fryschlingen umb und umb die reben loffen und durch die zün nit komen mögendt
weisth. 1, 263 (
Thurgau 1475).
das andere merkmal des gartens ist die bewirthschaftung im kleinbetrieb: Wimmer
gesch. d. d. bodens 66.
die erste begriffsbest. tritt 1556
auf: vitiarium ... ein weyngarten, ort da man weynräben zuosamen pflantzet Frisius
dict. 1392
b,
nachmals häufen sie sich: allg. haush.-lex. 3, 685; Gottsched
wb. d. sch. wiss. (1760) 1642. Adelung
müht sich um abgrenzung gegen weinberg: der weinberg ... zuweilen auch eine mit weinstöcken bepflanzte ebene, welche im oberdeutschen richtiger ein weingarten genannt wird 4 (1801) 1456;
entspr. das. 1458; Campe 5, 646. 648.
dem Königsberger Jacobsson
ist nur weinberg
geläufig: wird ein garten vorzüglich mit weinreben gepflanzt, so kann man ihn weingarten nennen; er unterscheidet sich darinn von einem weinberge, dasz er nicht im freyen felde, sondern eine gartenmäszige einrichtung hat 8, 171
a.
durch geschichtliche wandlung wird w.
zum namen auch für grundstücke anderer art: in Dortmund heiszt ein mittelalt. beginenkloster ton wyngaerden:
städtechron. 20, 109,
im Untertoggenburg ein wald der gemeinde Utzwil wīgārtə: Wiget
laute der Toggenb. ma. (1916) 19.
auch durch einbauten kann der charakter des w.
umgestaltet werden, er bekommt räume für aufenthalt und geselligkeit: heut morgen konnt ich nicht begreifen, was für ein ... besuch sich ... im w. aufhalte B. v. Arnim
Göthes briefw. 1 (1835) 72,
so nam. in Prag: (
als Mozart) in Duscheks w. die partitur des don Giovanni niederschrieb, nahm er nicht selten dabei am kegelschieben theil O. Jahn
Mozart 3, 243
f.; entspr. das. 4, 297.
anderseits kann w.
ein wirthsgarten sein, in dem wein geschenkt wird: dann sprach man viel von kaffeehäusern und weingärten und was daselbst vorgefallen Göthe I 21, 89
W., so nam. in Heidelberg: zwei pfältzische studenten giengen zu Heidelberg um die herbst - zeit mit einander in einen wein-garten Faszmann
d. gelehrte narr (1729) 59; dem keine sonntagsoper und keine whistparthie ersetzen kann, was ihm sonst im w. der mittag nach der kirche im kreise von weib und kind, von verwandten und freunden gewährte Gervinus
hist. schr. 7 (1838) 172.
gebrauch. 11)
der w.
bedarf von der ersten anlage bis über die lese hinaus unausgesetzter arbeit, die sich in der sprachgeschichte treu und sinnfällig spiegelt: Nôê begunde dô bûwen,sînen wîngarten phlanzen
genesis, fundgr. 2, 28, 25 (=
Diemer 31, 1); in unseme lande it necket den cîden, dat man die wîngarde sal besnîden
nrhein. Marienl., zs. f. d. alt. 10, 85; ich bin in den wîngarten brâht durch bûwen (
düngen), houwen unde jeten
Winsb. 67, 1; den, dede dorne hauweden by dem wyngharden
stadtrechn. v. Hildesh. 2, 8
Döbner (1416); daʒ (
er) im ... geben solle ain wagenfuoder mist und bûw in sîn wîngarten
weisth. 5, 146 (
St. Gallen 1430); sy lesent den weingartten
erste d. bibel, Hiob 24, 6; so aber nun die zeyt vergangen ist, daʒ die weingarten geschnytten, die reben gelesen und gehackt solten sein
clag, antwurt (
Augsb. 1497) 102
a;
repastinare / den wîngart vernûwen
nomencl. (
Nürnb. 1530)
bei Diefenbach
gloss. 492
c; Noah war der erste, der nach der sindflut anfieng einen weingarten zuo böltzen Heyden
Plinius (1565) 77; nach dem herbst soll man die weingärten wider hacken Sebiz
feldb. (1579) 60;
palmo / den weingart binden /
συνδέω Garth
lex. lat.-germ.-graec. (1657) 564
a; wein-gart (
soll man) jetten, ehe der wein-stock blühet Hohberg
georg. cur. 1 (1682) 123; (
Virgil befiehlt) die abgefallenen blätter aus dem w. wegzuschaffen oder sie unterzuhacken Lessing 8, 212; die weingärten zu behüten setzten sie mich ein zum wächter Brentano 3, 328.
nur ein theil dieser arbeiten gilt für schwer: eines vormittags, wie er in seinem w. ... sich redlich abschwitzt Anzengruber 3, 346,
andere werden den greisen überlassen, wie schon im alterthum: (
Ulysses) sahe seinen alten bogruckichten vatter Laerten in dem w. umbkriechen, die weinreben beschneiden Schaidenreisser
Od. 225
Weidling. alle arbeit wird unverhofft zu nichte durch hagel: erst im vorigen jahre hab ich des geizigen Odoardo weingärten durch einen hagel gänzlich zu grunde gerichtet Ph. Hafner 2 (1812) 32,
oder krieg: ir wîngarten er duo brante. ê er vür die burch rante, er wuoste alleʒ daʒ lant
j. Judith 138, 5
Diemer; die weingarten hond sy auszgehawen mangem armen man
hist. volkslieder 3, 262
Liliencron (
schwäb. 1519); seine antwort war, dasz er ... das gefilde verwüstete, die weingärten zerstörte Ranke 1, 138,
in alter zeit und fernen ländern auch durch wilde thiere: was nützt ein bär in einem w.? Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719) 103; auszerdem erscheint er (
der kragenbär) als unliebsamer besucher in ... weingärten Brehm
thierl. 2, 244. 22) weingärten
gehören von je zum geschätztesten besitz von klöstern, herrschaften, orden, bürgern und kirchen: weingart auf unserm aigen daetz Pulka
urk. der ben.-abtei Lambert in Altenburg, N.-Ö., nr. 123
Burger (1314); der kirchensatz ze Swiebertingen, zehenden, manlehen, dörfer, wiler, wälde, wingarten, äkker, wisen
monum. Hohenbergica 235 (
Vaihingen 1321); wissintlich sey, das wir gekowfft haben von J. G. seyn hs, do her inne wonyt, unde den wyngarten, der dorczu gehorit
handelsr. d. d. ordens 239
Sattler (
Königsb. 1402); ein wingart er im pflantzt und rust, das er drin hette freud und lust
schweiz. schauspiele 3, 151
Bächtold; die halb-kilche zu Ouchheim mit dem wingarten Tschudi
chron. helv. 1, 14; solch ein tempel hatte einen garten, lauben, einen brunnen, w. und dann kapellen Hegel 10 ii 295.
edelleute statten geistliche stiftungen damit aus: umb die zeit ... haben zwo freiinen von Zimbern iegcliche dem closter Hirsau ain waingarten umb gottes und merung willen seiner göttlichen dienst ergeben
zimm. chron. 1, 82;
entspr. 1, 70. 143.
sie gelten als gute kapitalanlage: ir söllen wissen, daʒ alles myn guot in dem wyngarten ist Steinhöwel
Äsop 259
lit. ver., und erwünschte nebenquelle ländlichen erwerbs: und ettwan truog mir der wingart ... an barem gelt wol zähen pfund
schweiz. schausp. 1, 244
Bächtold, wenn auch ihr ertrag nicht sicher ist: wer weinbau treibende gegenden kennt, weisz, wie unsicher der ertrag der weingärten ist Lagarde
d. schr. 381 (1886).
der besitzlose wird bedauert: er het zehen lebender kinder, doch darzu weder säu noch rinder, auch weder weingärten (
hs. weingerten) noch ecker H. Sachs 21, 148
K-G. nur ausnahmsweise gewinnt er diesem zustand die gute seite ab: wile grosz unmuosz dises vergangnen herpstes by uns rat und gerichte abgestellet hatt, und deshalb mir (der kainen wingarten hab) etlich ruow und muosse verlichen waren
N. v. Wyle
transl. 113
Keller. der besitzende erscheint selbst begehrenswerth: wenn du auch mich nicht wegen meiner schönheit heirathen willst, so heirathe mich wegen ... meinen äckern und weingärten Meisl
quodlib. 2, 219.
wie jeder besitz ist der w.
angriffen ausgesetzt: in sîne wîngarten dar nâch stigen zwei kint und wolden die trûben des nahtes abe klûben
Serv. 2430
Haupt (
zs. f. d. alt. 5, 75).
das recht regelt den zinsertrag: gelt von mulen unde von ... wîngarten ist verdienet, swenne der zinstag kumt, der ime zu geldene bescheiden ist
Sachsensp. II 58 § 2;
entspr. spiegel d. leute 172
Ficker; wan die welde ... zu ecker oder wingarten würden gemacht, so sollen sie unsern herrn obgenant zinsen
weisth. 3, 557,
ermöglicht der herrschaft das herbsten: buttel denunciabit hoc (
vindemiare) ... et requiret de quolibet lare unum hominem ad colligendas uvas in vineis, que dicuntur wingarten
weisth. 1, 692,
verhütet überproduction: wir ... haben gemacht durch eins gemeinen nutz willen, daʒ nuo fur sich hin nieman, der unser burger ist, keinen niuwen wingarten von niuwe uff machen soll
zs. f. gesch. d. Oberrh. 15, 139 (
Wimpffen 1404),
sichert die grenzen: zum sechsten hat meines g. h. schulthais die steinsetzer ... in der ganzen markung, es sien ecker, wiesen, weingarten ... zu furen, dieselbe zu setzen
weisth. 6, 3,
sorgt für zugänge: sond dannethin die, so die wingarten inschland, einandren in irem infang stäg und wäg gäben wie lantzbrüchig ist 1, 135,
und trifft pfandrechtliche vorschriften: so das unterpfand ein haus were, dasz der ... dorfknecht darausz schneid ein spon, were es ein weingart, darausz schneid ein reb Grimm
rechtsalt.4 1, 158. 33)
als arbeitsfeld und besitz, gegenstand des rechts und heimath des weins spricht der w.
die deutsche phantasie aufs stärkste an. seine attribute verherrlichen ihn: bljend Seuse 222
Bihlm.; gut
privatbr. 2, 81
Steinhausen; jung Diefenbach
gloss. 416
a; fein Alberus
fab. 30, 35
ndr.; schön Arnim 13, 166
Grimm; vortrefflich J. v. Müller 1 (1810) 371; prangend Hauff 2, 81; reich Gaudy 5, 12.
höchster ruhm einer landschaft ist: (
um Bozen) herum ist alles ein w. Heinse 7, 271
Schüdd., oder: ganz w. ist das thal von Sudak J. v. Müller 11, 102.
natur- und geschichtforscher schlieszen sich solcher betrachtungsweise an: um die schönheit der landschaft zu einem abgeschlossenen gemälde abzurunden, trat vorn die ecke eines weingartens mit morschem rebgeländer und einigen kräftigen obstbäumen hart an die stelle, wo wir im anschaun versunken standen Rossmässler
d. mensch im sp. d. nat. 2 4, 55; als er nun Wien gesehen — so schön gelegen zwischen weingärten und bergen — habe er gesagt, hier wolle er ausruhen Ranke 3, 138.
selten und nur in älterer prosa wird der w.
als stätte bäuerlicher arbeit nüchtern betrachtet: ein bauer, welcher draussen in den weingarten gearbeitet Agyrtas
grillenvertr. (1670) 253.
die dichtung rückt ihn nach dem vorbild der alten den göttern nah: darnach hab ich gesechen einen grossen w., der stuond auff guldin und sylbrin saulen Hartlieb
hist. v. gr. Alex. (1473) 124
a; doch dieses grosze leid ward gantz und gar versencket, als du (
Dionysos), nachdem er todt, den weingart hast geschencket Opitz
t. poem. 205
ndr.; ich danke dir, Bacchus, du göttlicher hüter unserer weingärten, für deine sorgfältige wache
allg. d. bibl., anh. zu 25/36, 3274.
deutsche sage verbindet ihn mit den karolingischen kaisern: steigt Karl der grosze aus dem grabe und wandelt segenspendend durch die weingärten Zobeltitz
d. wein (1901) 11
a; das nebelmännlein ... das sich aus den weingärten Karls des dicken bei Bodman nährt Laistner
nebelsagen 189. 44)
für den bild lichen gebrauch von w.
ist Matth. 20, 1
vorbild: than uualdandi Crist mênda im thoh mêra thing,thoh hie oBar that manno folc fan them uuîngardon sôuuordon sprâki
Hel. 3446; endûchte sîn wâre zît, daʒ in der wirt periete, der in in den wîngarten miete Konrad
Rol. 191, 19
W. Grimm; got hât iuch vil rehte in den wîngart gedinget Stricker
Karl 1647
Bartsch; wenn der abend des lebens kommt, und mit ihm zugleich der herr des weingartens S.
Brunner erz. 1 (1864) 181.
unter Luthers einflusz sprechen wir im geflügelten wort vom arbeiter im weinberg (des herrn) Büchmann
25 51,
doch sagt Luther selbst 1521 ym weyngartten gotts 8, 552
W., und diese formel gilt weithin: Hutten 2, 125
Böcking; Butschky
hd. kanzl. (1659) 733; Abr. a S. Clara
Judas 1 (1867) 145. 255,
vorher auch gotes w.:
väterb. 40 743; W. Gerstenberg
chron. 42
Diemar, w. des herren Knebel
chron. v. Kaish. 9
lit. ver., des herren weyngarten Stumpf
Schwytzerchr. 175
b.
in freierem anschlusz wird w.
zum bild für die hl. schrift: so doch allein die schrifft unser weyngart ist Luther 6, 461
W.; hat got geordent, im w. heiliger schrifft stätigs zearbaitten Berth. v. Chiemsee
t. theol. 104,
und für die kirche: gott wöl sie (
Luthers lehre) etwan mit irem meister ausz dem w. seiner kirchen auszreüten Diettemberger
miszbr. d. messe (1526) H 4. —
von geringerem einflusz ist Luk. 20, 9
ff.: dise parabol kan von niemandt anders, dann denen, welchen der weingart ist bevolhen, verstanden werden Luther 10 iii 282
W.; die phariseer, da sie etliche gleichnis höreten ... vom hauszvater, der seinen suon in den w. schickt ... sie verstunden wol, das solchs alles auf sie geredt ward Sleidan
reden 52
Böhmer, um so wichtiger das alte test., z. b. mit Mich. 7, 1: wê mir! ich bin worden glîch einem manne in ertrîch, der in sînen wîngarten gêt nâch wînberen warten
Daniel 3337
Hübner; hohel. 2, 15: erfult die köcher, nider zuslaen die füchsz die unsere weingartten zustrewen Folz
meisterl. nr. 100
Mayer; Jer. 12, 10: viel hirten haben mir mein weingarten verderbet H. Sachs 1, 252
K. in weltlichem bild erscheint w.
erst im 16.
jahrh.: es sey dann dasz der artzt den herbst und die ernd der kranckheit erfahren hab, als wol als der rebman sein w. Paracelsus
op. 1 (1616) 598
c,
häufiger erst seit ausgang des 18.
jahrh.: wird einer seinen w. einem zu hauen überlassen, von dem er nicht weisz, ob er die pflege versteht? S. Gessner 2 (1778) 159; sie sehen ... in diesem ... freunde den gefährten ihrer arbeit, den mitarbeiter in demselben weingarten Sonnenfels 2 (1783) 114; es giebt zarte weibliche seelen, die sich nur in den blüten des weingartens der freude berauschen, wie andere erst in den beeren des weinbergs J. Paul 23 (1827) 126;
entspr. das. 45.
in stehendem bild nennt das nd. kinderspiel w.
den geschlossenen kreis der kinder, an denen der dieb
zupft: Bauer-Collitz 291.