weiland geht zurück auf einen westgerm. wortgebrauch, der nur dem afries. fremd ist: ahd. hwîlôm, wîlon(t) Graff 4, 1225;
mhd. wîlen(t)
mhd. wb. 3, 670
b; Lexer 3, 888;
ags. hvílon, hvílum Bosworth-Toller 576
b;
mengl. hwîlum Stratman 360
b;
asächs. hwîlun Holthausen § 490;
mnl. wîlen Verdam 693
b;
nnl. wijlen Franck-Wijk 795
a.
das adv. ist der erstarrte instr. plur. zum subst. weile (
s. d.).
in seiner zugehörigkeit zu diesem erkannt zuerst von M. Kramer
t.-it. dict. 2 (1702) 1298
a,
nach ihm von Voss
zeitm. (1802) 27,
nachdem es Stieler (1691) 2474
irrig zu weihe
f. bezogen hatte und Stosch 2 (1772) 535
von neuem abirrt auf ableitung von weile
und lang,
während Wachter (1737) 1851
und Adelung 4 (1801) 1455
gar entstehung aus lat. olim '
per prosthesin'
für möglich halten. die bildungsweise ist idg., vgl. aind. sáhōbhis '
mit gewalt', táviībhis '
mit ungestüm',
lat. gratis (
aus gratiis) '
für einen bloszen dank' Delbrück
vgl. syntax 1 (1893) 578
f. aus dem germ. vergleichen sich die instr. plur. ags. stundum '
zu zeiten', hvyrftum '
abwechselnd', héapum '
haufenweise',
asächs. wundrum '
wunderbar',
ahd. unzîtim '
zur unzeit', wëhsalum '
abwechselnd' Grimm
gr. 3, 135
ff. verbreitung. 11) weiland
ist früher auf nd. boden (
Hel. 603
u. ö.)
bezeugt, als auf hd. (
ahd. gl. 2, 231, 34;
Wiener Notker
ps. 36, 28. 38, 12
u. ö.).
in wbb. zuerst 1598:
olim ...
germ. einmal, ein fart, weylandt Calepinus
XI ling. 988
b; weiland ist vor zeiten, quondam Güntzel 850.
mundartlichem gebrauch bleibt das wort stets fern, darum ersetzen nd. drucke Luthers weyland (
z. b. Tit. 3, 3)
durch eermals 10 ii 427
Weim. anderseits hat Ad. Petri (
Basel 1522)
das wort in sein bibelglossar aufgenommen und mit etwen, vorzeitten
erläutert: wie A. Schütt
Petris bibelgl. (
diss. Freiburg i. B. 1908) 80
f. gezeigt hat, weil das wort auch in der Schweiz mehr dem urkunden- und histor. stil angehörte, als der lebendigen volkssprache. denn möglich war das wort in der Schweiz längst vor Luther: er sprach: wîlent was ein stat, grôʒ und guotes rîche Rud. v. Ems
Barl. 127, 22
Pfeiffer; wîlent
St. Galler spiel v. d. kindh. Jesu bei Mone
schausp. d. ma. 1, 165, 622;
urk. von 1351
bei Tschudi
chron. helv. 1, 401
a;
Basler chron. 3, 371. 395 (1474); wylant Etterlin
kron. (1507) 67
b.
nachmals thun sich Schweizer im gebrauch des worts geradezu hervor: ein mädchen ... wie weiland mein Aennchen Bräker 1 (1789) 170; weiland brannte hin und wieder ein feuerspeyender berg J. v. Müller 1 (1810) 37; über meinen weiland lehrer ... gericht zu halten C.
F. Meyer
Angela Borgia (1890) 230. Petri
hat nachfolge gefunden in den bibelgl. von Nürnberg 1525
und Augsburg 1527: Dauner
obd. bibelgl. (
diss. Freiburg i. B. 1898) 113
f.; weil auch dort weiland
der volkssprache fremd war: Schmeller 2, 890.
wo es in mundartl. umgebung auftritt, wirkt es unecht: was aber die caresir-briefflein an mein schatzerl anbetreffn thuet, so hab ich die weyland gschriebn, da ich noch hab wölln ein wampensudler werdn Schwabe
tintenf. (1745) B 8
a;
entspr. 75. 22)
von 420
belegen gehören 18
der ahd. zeit an, 84
der mhd., 94
dem 16.
jahrh., 48
dem 17., 59
dem 18., 117
der zeit nach 1800.
die kurve müszte stärker steigen, aber seit dem 18.
jahrh. beginnt das wort zu veralten. zeugnisse hierfür seit 1783: das halb veraltete weiland Adelung
umst. lehrgeb. 2, 39; il vieillit Schwan 3 (1787) 1022
a; Teller 1 (1794) 49; auszer den kanzeleien bei den dichtern noch ganz gebräuchlich Campe 5, 644
b.
bei den klassikern selten: Klopstock 12, 58. 118 (
gel.-rep.); Lessing 1, 361
M.; Herder 5, 424. 22, 160. 23, 199; Göthe I 49 i 350. 15, 335; Schiller 2, 26
G. im 19.
jahrh. zieht es sich auf bestimmte stilarten zurück: auf die amtssprache, den stil der standesregister, des kirchenbuchs, der firma, des grabsteins. Heynatz
syn. 2 (1798) 142
und Adelung 4, 1454
empfehlen es zur scherzhaften nachbildung dieser stilarten. gelehrte geben damit ihrer prosa alterthümelnden klang: man lieset, dasz die Sachsen weiland männer des wunderlichen Alexanders waren Grimm
d. sagen 2, 41
; entspr. Schopenhauer 2, 369
Grisebach; Riehl
d. arbeit (1861) 20,
ebenso dichter: sie haben andre rosen weiland gepflückt im streit E.
M. Arndt 5, 185
Rösch u. Meisner; weiland rangst du mit dem bären und zerknicktest ihm die knochen
F. W. Weber
Dreizehnl. 107;
entspr. Raabe
hungerp. 1, 93.
namentlich ist weiland
kennzeichnend für sprachgelehrte dichter: wen seh' ich hier? die falsche maid, ach! weiland, ach, die meine Uhland
ged. 1, 151; die ehre weiland war so werth Rückert
ges. ged. 4 (1837) 361;
entspr. Hoffmann v. Fallersleben 1 (1890) 144.
aber gerade auch formkünstler lassen sich das wolklingende wort nicht nehmen: der eine wird die toupés wieder einführen wollen, weil seine geliebte weiland eins getragen Platen 181 (
gläs. pant. 3); viel goldne bilder, die ich weiland schaute Heine 1, 57
Elster; der doktor war's vom nachbarstädtchen und weiland der klosterarzt Mörike 1, 190
Göschen. sonst hält es sich in nachahmung älterer werke, z. b. von Schlegels
Shakespeareübersetzung: (
die versprechungen) schlagen aber bei mir nicht besser an, als wie weiland bei dem Dänenprinzen Hamlet Hebbel
briefe 1, 26 (
nach Hamlet 1, 1),
namentlich aber der Lutherbibel: so will ich mich nicht ärgern, wie weiland der prophet Jonas Jung-Stilling 3, 485; wie im weiland paradies Droste-Hülshoff 1, 385;
entspr. 2, 338; wenn eine hinter dem schiebkarrn hertanzt wie weiland der könig David seliger vor der bundeslad O. Ludwig 2, 169.
so auch im ton der legende: wie weiland die heilige krippe von Bethlehem nach Loretto Gutzkow
ritter 1, 343.
in diesem bereich ist dem wort günstig, dasz es auf heiland
reimt: heiland,weiland Jacobs wonne ... ewig bleib ich dir ergeben Liebich
geistl. lieder (1768)
anh. z. allg. d. bibl. 1/12, 45;
ders. reim Platen 162; Uhland
ged. 1, 437; Rückert
ges. ged. 3
2, 361.
als veraltendes wort ist weiland
allerhand schiefen auffassungen und gebrauchsweisen ausgesetzt: in der weiland alten zeit E.
M. Arndt
briefe an freunde (1810) 102; die weiland atheniensischen Griechen Tieck 9, 56.
form. 11)
der volle vocal der endung ist bewahrt bis zum Annolied, dessen form eingangs (
v. 283. 325) wîlin
ist, später (
v. 309. 1080) wîlen,
ebenso Wiener exodus 1, 119
Diemer. der murmelvocal kann später ganz schwinden: weilnt
nöstr. urk.-buch 2, 14 (1368).
insbes. gilt wîl(e)ne
als mfränk. form: zs. f. d. alt. 10, 33, 29; Gotfrid
Trist. 6369
hs. N;
städtechron. 12, 324; Arnoldi 112 (
aus Köln 1464).
in der kaiserl. kanzlei herrschen noch unter Maximilian -e-
formen: weilend 1493:
urk. z. gesch. Maximilians 16
Chmel, weylend 1494
das. 49, weylennd 1495
das. 83, weilennt 1496
das. 153,
noch unter Karl V. weylendt 1531
Wertheim. urk.-b. 345
Aschbach. -e-
formen halten sich zäh auch im schwäb.-alem.: weilendt Hug
rhetorica (
Tüb. 1532) 103
b; weilent
das. 159
b; weilend Rompler
reimget. (
Straszb. 1647)
vorr. 2
b. 22)
ganz vereinzelt begegnet im 14.
jahrh. wilont
in der Zürcher hs. des Reinmar v. Zweter 341, 5
Roethe. dagegen ist -u-
von 1250
bis 1654
häufig am alem. Oberrhein: wîlunt W. v. Breisach
minnes. 2, 141
b; Gotfrid
Trist. 833
hs. W;
Züricher urk.-b. 1, 6
Hotz (1334); wilund Vadian 1, 272; 541 Götzinger; Tschudi
chron. helv. 1, 78
a; weilund Rompler
reimget. 1, 2,
in Schwaben: weilund
zimm. chron. 1, 99, 10; 101, 24; 103, 30; 136, 11; Gäbelkover
arzn. (1595)
titelbl.; Spreng
Ilias (1610)
titelbl.; weylund Weckherlin 1, 28
Fischer;
würt. forstordn. (1651) A 2; weylundt
würt. hofgerichtsordn. (1654)
vorr., Bayern: weilund Aventin
bair. chron. 1, 2; 38; 618; 821,
und Oesterreich: aber ein man niht anders gît, dann sîn vater wîlunt gab Teichner
Wackernagels leseb. 906, 22. 33)
die endung -and
statt lautgesetzlichem -end
ist jünger als in jemand
und niemand. weiland
schlieszt sich als einziges adverb der gruppe den part. praes. (eilands, zwifland)
und substantiven an (heiland, valand, weigand): A. Semler
frühnhd. endungsvocale (
diss. Freiburg i. B. 1909) 17
f. seit dem 14.
jahrh. geht das alem.-schwäb. gebiet weitaus voran: wîland
weisth. 5, 387 (
Rufach 1349); wîland
quellen z. schweiz. gesch. 1, 291 (
Bern 1470); wylant
N. v. Wyle
transl. 103. 113. 198. 337
Keller; wîland Tünger
fac. 135; weyland Öheim
chron. v. Reichenau 99
Barack; wîland
das. 162; wylanndt
Freiburger urk.-b. 2, 599 (1496); weilandt
städtechron. 23, 294 (
Augsburg 1530); weilend (oder weiland) Helber 28
Roethe. der obd. osten folgt seit 1511: weilandt
schr. z. germ. phil. 5 VI (
Eichstätt),
zugleich die kaiserl. kanzlei: wilant
reichskorr. 2, 833
Janssen (1511); weilant 2, 857 (1512),
das ostfränk. seit 1528: weiland
Werth. urk.-b. 331.
schon früher ist -a-
in ostmd. kanzleien fest geworden: weilant
Leipz. urk.-b. 1, 418 (1479); weyland
Jen. urk.-b. 2, 291 (1482); 365 (1499). weiland
ist sodann die form der Lutherbibel: Joh. 9, 13;
Röm. 11, 30;
Kol. 1, 21,
und die der nhd. schriftsprache. die schreibung bedarf noch 1793
der festlegung: weiland (nicht weilandt) H. Braun
orth. wb. 257
b.
dem vollen vocal entspricht im vers gel. ein stärkerer nebenton: lieblich lächelt der mond!lieblich der abendstern! freund, sie lächelten uns weiland am ufer der Leine grafen Stolberg 1, 41. 44) -d
nach n
hat sich eingestellt wie in irgend, nirgend, vollend,
und ist zu beurtheilen wie das in der aussprache nicht verschiedene -t
von mhd. nehtunt, allewëgent, mornunt,
nhd. eigentlich, meinethalben, pergament, dechant: Wilmanns
wortbildungsl. (1899) 631; Paul
d. gramm. 1 (1916) 337. wîlont
schon zu beginn des 12.
jahrh.: Diutisca 2, 277
Graff, wîlent,
zuerst d. ged. des 11.
u. 12
jahrh. 69, 6. 157, 36
Diemer, ist die form der Nib.-hs. A (1681, 3)
und der liederhs. ABC:
minnes. frühl. 57, 18; 58, 29; Walther 21, 18; 24, 36; 26, 28; 124, 11. 55)
ausl. -s,
wie es in vollends
schriftsprachlich geworden ist, aber auch in den sinnverw. vor-, ehemals
vorbilder findet, tritt bei weilands
in der 1.
hälfte des 16.
jahrh. vereinzelt auf, vorwiegend bei Obd.: weilands Keisersberg
pred. (1510) 15
d; wielands Vadian 2, 101
Götzinger; weilends Hug
rhet. 147
b; Schaidenreisser
Od. 151, 15
Weidling, selten bei Md.n: wylants Luther 6, 544
Weim.: weilands
F. Frangk (1531)
bei Jellinek
gesch. d. nhd. gramm. 1, 45. weilands
mit dem zeichen der veralteten wörter Campe 5, 644
b.
bedeutung. AA. weiland
wird zum adverb, indem es gegen die casusform einen eignen sinn entwickelt. A@11)
am kräftigsten ist die selbständigkeit in alter zeit. formelhaft stehen in der bed. '
bald —
bald'
asächs. hwîlum — hwîlum (
genes. 15, 19),
ahd. uuîlon — uuîlon (
Wiener Notker
ps. 118, 99;
glossen 2, 510, 63; Graff 4, 1226),
und noch mhd. wîlent — wîlent: si triben die tobenden ünde wîlen ûf und wîlent nider Gotfrid
Trist. 2429;
entspr. Konrad v. Würzburg
Troj. 8862;
minnesinger 2, 175
a v. d. Hagen. auch auszer der formel bed. asächs. hwîlum '
zuweilen' (
Hel. 3438),
ebenso ahd. uuîlon (
Wiener Notker
ps. 109, 4; Graff 4, 1225),
mhd. wîlent: jâ wêre ein man selbe nûnde, he drûge noch mit unstaden, dâ mide wîlent ist beladen ein cranker mensche alleine
Elisabeth 992
Rieger. vereinzelt begegnen ahd. die bed. '
paulatim' (
glossen 2, 231, 34),
mhd. '
längst': alse ûch wîlent ist bekant
Elisabeth 332
Rieger, frühnhd. '
unlängst': ist mir ... erzehlet, dasz in einer statt ein reicher kauffherr weyland gestorben sey Kirchhof
wendunm. 1, 385
Österley, '
eine zeit lang' (
wie sonst: eine weile): ich will gahn weilandt auszer sthon, kumm mit mir, bruoder Sebulon Th. Gart
Joseph 124
Schmidt, in oberöstr. ma. '
dereinst': dász s' (
gebete und sprüche) mə weilds gro' heilsam sey~ wernd Stelzhamer
bei Schmeller 2, 890.
die sich festigende bed. '
vormals'
bedarf noch lange der stütze durch zeitadverbien: dâ wîlen
Nib. 823, 2; wîlen wanne Herbort
Troj. 15 080; wîlent ê Walther 23, 34; etwan weylen Stumpf
Schwyzerchron. 291
a.
in form und bed. an zuweilen
genähert sind zweyland Luther 11, 432
Weim.; z weiland Schaidenreisser
Od. 6
Weidling; zuo weiland
das. 156. A@22)
hauptbed. ist '
vormals',
sie tritt in der synonymik gebührend hervor: statt weiland wir vor dem, vormals auch sagen mögen Seume
kl. t. lex. (1733) 276; Sanders
syn. (1871) 666, 674.
die gegenworte, die diesem weiland
im satz folgen, heben diesen sinn noch schärfer heraus: den weiland berühmten ... nunmehr seligen herren Martin Opitzen Rist
friedew. Teutschl. (1648) 16; weiland war die lieb ein feuer, wärmen war ihr nützer brauch; nun sie aber ist erloschen, beist sie nur als wie der rauch Logau 302
lit. ver.; wir waren weiland schön und jung; jetzt lasz uns weise seyn und glücklich Bürger 110
b Bohtz; was ich weiland that als knabe, werd' ich wahrlich immer thun Hölty 102
Halm; Righini, weiland operabuffa-sänger und dermalen compositeur O. Jahn
Mozart 3, 132
f.; weiland war die hauptstütze des thrones der glaube; heut zu tage ist es der credit Schopenhauer
parerg. 2, 219; Albert Einhart, weiland vogt, fernerhin nur mensch Vischer
auch einer 25285.
in neuer sprache geht das gegenwort auch wol voraus: er mahnte, jetzt sei die zeit, Europas gebietsfragen dauernd zu ordnen, wie weiland im westphälischen frieden Treitschke
hist. u. pol. aufs. 1 (1886) 174.
in der regel aber, früher stets, bleibt das gegenwort unausgesprochen, wo es vorausgehen müszte. sein sinn ist auch hier '
jetzt': schau die bekannte schar in reinem golde prangen, die weyland arm und blosz in alle welt gegangen Weichmann
poesie d. Nieders. 3 (1726) 267; und vielen hat's das herz verdreht, die weiland wacker waren Claudius
bei Eschenburg beisp. 5 (1790) 119; es ist eine üble zeit! Luna, die weiland keusche maid, liebäugelt auf den köpfen alter sünder ... schäm' dich, mondschein G. Keller 1, 405.
gel. ist auch der gegensatz nicht zeitlich ausgedrückt: ich bin hier in der that vorderhand noch einsamer als weiland an der Dreisam Treitschke
briefe 3, 100. A@2@aa)
adv. weiland
im sinn '
vormals'
kann seit alters in jeden satz gestellt werden, der diesen sinn verlangt: er hetin wîlin bekant, dô in Darîus hete gesant nâh deme zinse zô Philippo Lamprecht
Alex. 3148
Kinzel; dû wâren si (
die vögel) rîke her manchvalden wîseder si wîlen plâgen Heinrich v. Veldeke
minn. frühl. 63, 3; wir wâren wîlen baʒ erkant. herre, ich bin eʒ Îwein Hartman
Iwein 7482; wîlent dô die alten krefticlîchen schône ir verte kunden halten Had. v. Laber
jagd str. 510; wir sind weiland auch der hellischen huren, des bapsts newen kirchen, im hindern gesteckt Luther
w. Hans Wurst 24
neudr.; da sie ... in den lüsten jres fleisches weyland gewandelt hatten Mathesius
Sar. (1571) 129
b; andre länder geben steuer nach dem kopff und nach geniesz; wir, nachdem sich unbesonnen weiland einer schätzen liesz Logau 642
lit. ver.; er reitet wie wetter hinein in die stadt, die der Wallenstein weiland belagert hat E.
M. Arndt
bei Böhme volksth. lieder 74; jeder soll hier treu erzählen, was ihn weiland hergebracht Heine 1, 24
Elster; Pascha-Effendimis ... erzählte uns, wie er selbst weiland in Tscherkessien verschiedene male desertirt Moltke 8, 325 (1838); der katholische priester aus adeligem hause konnte es weiland bis zum geistlichen reichsfürsten bringen Riehl
d. arbeit 28.
die handlung gehört immer der vergangenheit an, das verb ist perfectisch, auch wo es ergänzt werden musz: frâget ir von wiu sô gâch uns sî od waʒ ich welle, herre, wîlent geselle, daʒ sol iuch unverswigen sîn Hartman
Erek 4926; ein alte zerprochne stat ... so etwan die Römer, weilend herrn diser land, in irer sprach Flavium Fabianum gehaiszen haben Aventin
bair. chr. 2, 331; er mac aber noch klagen als wîlent
br. David
in Pfeiffers myst. 1, 323; der Dido schatten irrt noch emsiger ums grab, als weyland in der welt, eh sie den leib legt' ab Lohenstein
Soph. (1708) 80; die weiland-angehörigen ... wurden durch eilboten angefragt Zschokke 6, 162; wenn wir absehen von ... stämmen des weiland russischen Amerika Peschel
völkerk. (1874) 30; die gute Fischerlisel ... weiland das jagdstück aller poeten und maler Steub 3
sommer 1, 3. A@2@bb)
wo dieses weiland
auf menschen bezogen ist, bezeichnet es deren vormaligen zustand. derart kann weiland
zu allen zeiten von lebenden gebraucht werden: wir grefin Anna ... wilent eliche frouwe grauff Hartmans seligen
zs. f. gesch. d. Oberrh. 21, 195 (
Freiburg 1402); Johanni Nasen ... dem unuerschempten lügenmünch, weiland in Francken ... ein schneiderknecht Fischart
Domin. leben 123
Kurz; diesen brief schreibt ein siebenzigjähriger greis ... weiland Montesquieu's freund J. v. Müller
bei Körte briefe zw. Gleim, Heinse u. Müller 267 (1780); ein mädchen ... wie weiland mein Ännchen (
die noch lebt und nur als geliebte der vergangenheit angehört) Bräker 1 (1789) 170; doch die weiland stolz' und träge hatte leider nichts gelernt Langbein 2 (1841) 53.
mit recht warnt Arnoldi 112
f. davor, aus weiland
in urkunden auf den tod der damit bezeichneten zu schlieszen. satz und sinn bringen aber seit alters beziehung auf tote mit sich: der von gotes gewaltiger hant wîlent des rîches habete gewalt
d. ged. d. 11./12.
jh. 69, 29
Diemer; ich Anthonius notarius weulennd des hochgeachten Gerardj de Asolo sohn
urk. v. 1319
bei J. A. v. Brandis
landeshauptl. v. Tirol 44; sir John Falstaff, weiland sehr gepriesener gefährte könig Heinrichs
V. Gerstenberg
schlesw. litbr. 142, 25
neudr.; unsere weiland im leben gewesene könige ... gehen betteln Wieland
Lucian 2 (1788) 351; (
von Hagedorn wurde die) manier des weiland berühmten Brockes unnachahmlich parodiert Matthisson 3 (1825) 259; des jetzigen besitzers vater, weiland ein eifriger singer A. Hartmann
volksschausp. 194.
dasz sie tot sind, musz zunächst eigens gesagt werden: nach abgang mit dem tode wilent des hochwirdigen fursten ... seliger gedechtnüsze
Basler chron. 4, 81 (1479); neben wylanth doctor Oecolampadien und Grynei seligen grabe
das. 4, 103 (1541); nachdem es gott also gefallen ... den weiland wol-ehrenvesten ... aus dieser sterbligkeit abzufordern Weise
pol. redner (1677) 437.
alte actensprache kennt nam. selig
neben weiland: Agnesen der Häninen, wylant Hansen des Hanen sälgen tochter
zs. f. gesch. d. Oberrh. 21, 170 (
Feldkirch 1402); frow Ennelin von Bubenberg ... wilend des gestrengen herrn Heinrichs von Bubenberg, ritters, sel. verlasznen elichen gemachel Tschachtlan
Berner chron. 287, 16
Studer; als mir weilend
N. selig für zehen guldin jerlichs zinses ... verschriben Hug
rhet. 203
b.
bei vornehmen treten höfische formeln hinzu: als sich zwuschent wilent dem durchluchtigen hochgebornen fürsten ... loblicher gedechtnisz ... und uns ... krieg erhept
Basler chron. 3, 518 (1477); zu löblicher nachgedechtnusz der edelen frawen ... weiland des edlen ... gemahel Scheit
fröl. heimfart (1553) A 1
a; weiland landgraffen Wilhelmen, christlicher und hochgelobter gedächtnusz Kirchhof
wendunm. 2, 198; weiland Carol dem
V. allerglorwürdigsten andenckens Schupp
schr. (1663) 686.
diese formeln werden auch einmal verhöhnt: weiland ehrwürdiger gedechtnusz bruder Matthes Kloppenstumpe Fischart
Garg. 323
neudr. die bez. auf tote kann weiter gesichert werden durch die erwähnung von hinterbliebenen: der erbern Margrethen, weylennd Veitten von Rechbergs verlassenn wittib
urk. z. gesch. Maximilians 106
Chmel (1496); frow Henricam ... weiland graf Eberharts von Würtenbergs nachgelassne wittib
zimm. chron. 1, 262; Joseph Hechstetern, weiland Hansen Hechsteters verlausne sune
städtechron. 23, 224 (
Augsb. 1530). A@2@cc)
diese bez. auf tote wird so geläufig, dasz sie schon früh keiner sicherung weiter bedarf: zu den zeiten der erleuchtigen fursten weilend Leupolts und Fridreichs, herzogen ze Osterreich
rechte u. freih. d. st. Wien 1, 169
Tomaschek (1368); wegen der frommen ... gebrüder, wilend hern Marquarts von Emptz ritters elichen sün
weisth. 5, 206 (
St. Gallen 1431); die ordenung durch weilant den cardinale zu Gurck ... gemacht
Frankfurts reichscorr. 2, 761
Janssen. so wird weiland
ganz in der weise des frz. feu(e)
zwischen namen und titel verstorbener gesetzt: frow Agnesen wiland küngin ze Ungern Vadian
d. hist. schr. 1, 449
Götzinger; Dalburg, weiland bischof zue Wurms Aventin
bair. chron. 1, 15; Celtis und Johannes Stabius, weilend kaiserlicher maiestat poeten 1, 121; Agnet weyland des wolgebornen ... tochter Thym
Thedel v. Wallmoden 4
neudr.; von dem ... wolgelarten herrn ... weyland pfarherrn zu Streuffdorff Eyering
prov. 3,
vorr. 2
b; bey der leichbeysetzung der durchleuchtigen ... fürstinn ... unser weiland gnädigen fräuleins Neumark
fortg. mus. lustw. 2 (1657) 21.
in aller regel sind es vornehme, die man so ehrt: denk- und ehrenmahl weyland seiner hoch-reichsgräfl. excellence König
ged. (1745) 545.
auch dieser gebrauch fordert wider spottende nachbildung heraus: die weyland wohl-edele ... frau Schlampampe Reuter
Schlamp. krankh. 140
neudr.; weiland die hochaufgeblasene, ehr- und tugend-dürftige frau, frau Ampulla von und zu Schweins-blase Lindenborn
Diogenes 1 (1742) 328; so schön und zuthätig als weiland fräulein Rosaurens Murner war Musaeus
volksm. 1, 12
Hempel. A@2@dd)
scherzhaft werden mit weiland
auch sachen als '
selig verschieden'
bezeichnet: unsere weiland berüchtigte fruchtbringende gesellschaft Archenholz
Engl. 2 (1785) 93; Benomotapa ... ist ... nicht der name eines landes, sondern einer herrschaft (wie Aethiopien, oder weiland empire français) Ritter
erdk. 1, 144; der russische staat war für Preussen unzweifelhaft ein weniger lästiger nachbar als weiland die polnische republik Treitschke
d. gesch. 1, 424. BB.
wo weiland
unmittelbar neben namen steht, kann man gel. zweifeln, ob es als '
vormals'
aufzufassen ist oder als '
der verstorbene': fröhlicher ... als Dafnis weiland sang ich des pinienhains gesäusel Voss
ged. 3 (1802) 264; ein pudelkopf, so führt ihn weiland Carl der zwölfte im holzstich Pfeffel
poet. vers. 1 (1812) 20; als weiland Napoleon die tenne fegte Arnim 15, 7 (1826); glücklicher als weiland freund Schlemihl Herwegh
ged. e. lebendigen (1841) 182; wie weiland sankt Johann Geibel 1 (1888) 181.
aus solchen fällen, die auch für frühere zeit vorauszusetzen sind, hat sich weiland
zum adjektiv entwickelt, wie es auch von theoretikern angesetzt wird: adj. ohne umendung im sinn von 'gewesen, vormahlig' Campe 5 (1811) 644
b;
entspr. schon Adelung 4 (1801) 1454.
dasz gleich gebrauchtes selig (
th. 10 i 523
f.)
eingewirkt hat, wird deutlich bes. am nachgestellten weiland: das privilegium, so vom käyser Carl weyland ... erhalten war Micrälius
a. Pommerl. (1640) 4, 6; kein besserer mann ... als der vater des Horatius Flaccus weiland E.
M. Arndt 1 (1892) 6. B@11)
stellung unmittelbar vor namen bleibt selten und hart: durch weyland Carolum Martellum Stumpf
Schwytzerchr. 405
b; wegen unsers gnädigsten königes, weilandt Arcial
engl. kom. (1624) J i i
a; sinnbildert fort, unbesonnene mystiker, wie weiland Haase Voss
antisymb. 2 (1826) 302; aus dem besten romane des seligen weiland Spiesz Pückler
briefw. 2, 350; weiland Alexander dem grossen war unter des hauses genossen ein arzt von hoher kunst Grillparzer 2, 217
Cotta. ebenso vor unflectierter standesbez.: der weiland herr kanzler Hebel
schatzk. 291
Behaghel; ein weiland herzog François
Reckenb. 1 (1871) 87; er erkundigte sich bescheiden, wen das gemäl vorstelle, und Hans Adam erklärte ihm, seine weiland gemahlin Felicitatem Händel von Gobelsburg Handel-Mazzetti
Jesse (1911) 32.
der anstosz schwindet, sobald die casusbeziehung deutlich wird: dieweil sein brueder sellig, weiland herr Wörnher, also jung tods verschiden
zimm. chron. 1, 171; unser weiland wehrtes fräulein Neumark
fortg. mus. lustw. 2 (1657) 40; mein weyland seliger vater Lessing 1, 361
M. (1748).
das ist in obliquer fügung am häufigsten der fall: haven mir wilant Barbaren von Gladbachs memoria und jargezit gehalten
buch Weinsberg 2, 82
Höhlbaum (1556); die widwe wilant doctoris Frederici Achtii
das. 2, 282 (1574); kurtzweilige ... lebens-beschreibung eines weiland frischen ... und tapfferen soldaten Grimmelshausen 2, 3
Keller; deines weiland bruders weib verzehrt in grams gesellschaft ihren leib
Shakespeare 5, 159 (
thy sometimes brother's wife);
entspr. Hamlet 1, 2; zur sicherheit aber verstärke ich den effect mit weiland Althings hinterlassenen schriften Grabbe 1, 458
Blumenthal; unter grafen ... und weiland staatsministern E.
M. Arndt 2 (1892) 5; mit den weiland heidnischen orakeln Holtei
erz. schr. 15, 173; da ich mich neulich nach diesem weiland hausfreunde bei ihr erkundigte Storm 3, 187; der vergleich dieses ehrenpostens mit demjenigen eines weiland ... marschalls im ... hispanischen heere G. Keller 3, 82.
auch hier wird die fügung hart, sobald der casus undurchsichtig bleibt: das werkzeug deiner laune ruhte im trocknen dintenfasz, nach weiland fürstenbrauch Gotter 1, 245. B@22)
am häufigsten steht das adj. weiland
vor titel und namen eines verstorbenen: weiland kaiser Friderich der drit Hug
rhet. 118
b; von ... weyland keyser Ottens des ersten gemahel Münster
kosm. (1550) 570; durch weyland keyser Friderichs des dritten forstmeyster Sebiz
feldb. (1579) 565; von weilandt pfaltzgraf Ludwigen
Heidelb. statuten (1580) 160; bei dem weiland allerheyligsten papst Julio Fischart
bienenk. (1588) A 3
b; seinem, wolte gott dasz ich nit sagen müste, weiland allerdurchleuchtigstem reichshaupt Birken
ostl. lorbeerh. (1657) 5
a; es hat dem herrn gefallen, die weiland durchlauchtigste groszmächtige frau, Luise ... königin von Preuszen ... aus unserer mitte abzurufen Schleiermacher II 4, 26.
die titelträger sind in alter zeit stets vornehme, erst seit dem 17.
jahrh. auch bürgerliche: weylandt Niclas Hoffmans buchhalters hinterlassene erben
verh. d. schles. stände 1, 58
Palm; den weiland conrector Erlenbach Gerstenberg
d. lit.-denkm. 128, 116; wandrer, es ruhet hier weiland schiffer Euphorion Herder 27, 28
Suphan. B@33)
diese gebrauchsweisen haben wider spöttische nachbildung herausgefordert: er wächst nicht überall im deutschen reiche, und viele berge, hört, sind, wie die weyland Creter, faule bäuche, und nicht der stelle wehrt Claudius 3, 117; die mutter klagte ihr leid und ihres sohns gefahr dem Kauz, dem weiland pädagogen der hohen brut des königs aar Pfeffel
poet. vers. 8, 71; sie machte ihn aufmerksam, der heutige tag ... gelte für einen unglückstag. warum? wird sie wahrscheinlich ebenso wenig mit genügenden gründen zu belegen vermocht haben, als es späterhin weiland Rudolf Zacharias Werner vermochte Holtei
erz. schr. 6, 88.
bes. werden sachen, einrichtungen, pläne, körpertheile durch das vorgesetzte weiland
als '
selig verschieden'
bezeichnet: der gnädige herr gibt seinem rappen den sporn, und galoppirt weich über der weyland ärndte Schiller 2, 26
G.; unsre weiland monarchie ist nun einmahl todt und abgethan Wieland 31 (1799) 271; dasz dieser (
rezensent) ihre philosophie die weiland - elementar - philosophie nennt Fichte 2, 532; es war die anhöhe, auf welcher die weiland luftfabrik zu stehen kommen sollte Immermann
Münchh. 3
2, 192; warum schreiten sie ... so eilig, dasz man ihre weiland waden bis zu ihren strumpfbändern sieht? G. Büchner
nachgel. schr. 180; die weiland nationale partei, heute ganz versunken in den sumpf der phrasen Treitschke
briefe 2, 418 (1865). CC.
dem substantiv gleich kann weiland
von präp. abhängig gemacht werden: darmit sy von weylond her den fursten von Osterreich gefreyt seind Knebel
chr. v. Kaisheim 346; die heutigen barbaren sind noch die barbaren von weiland E.
M. Arndt
erinn. (1840) 159; würdevoll erzählt der greis von weiland, von verschollnem oder halb verschollnem K.
F. Meyer
ged.9 26.
diese möglichkeit theilt weiland
mit den sinnverwandten je(her), ehedem
usw., aber es ist in seiner wortart undurchsichtiger als jene und wird in dieser fügung gel. grosz geschrieben: auch das ähnliche hat der russische knuter mit dem römischen von weiland, dasz er selbst ein verbrecher ist E.
M. Arndt
wand. (1858) 56.
so hat die fügung die substantivirung des worts erleichtert. Campe
hat mit der weiland
frz. le ci-devant
nachgebildet: die ausgewanderten weilande sind zwar anderer meinung hierüber
verd.-wb. (1813) 190
a; weilands 5 (1811) 644
b; zum kampf! wir fahren nach dem eiland. noch lebst du; bald bist du ein weiland Immermann 13, 136
Hempel. während diese masc. scherzhaften klang bewahren, ist das neutr. in ernster dichtung möglich: weg fragen ums dämmernde weiland! E.
M. Arndt 5, 239
Rösch u. Meisner. DD.
ganz vereinzelt ist weiland
conjunction im sinn von '
während': wie ich hab zur zeit meim nackber geld geliehen auff den acker weiland er noch war im leben, welchs er mir nicht widergeben Rebhun
dramen 19
Palm.