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weibisch

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weibisch adj.

Bd. 28, Sp. 420
weibisch, adj. spätmhd. wîbisch Lexer 3, 814, nnl. wijfsch Kramer 1, 2070; Kilian 807a. den hd. mundarten fremd, dagegen ist weiwəsch dem Nösner siebenb. und dem moselfr. gemeinsam, mithin für das moselfr. des 12. jahrh. vorauszusetzen. am eingang der geschlossenen wortgeschichte steht clev. wijfsch enervis, muliebris, effeminatus Schueren teuth. 350. 476. 498 Verdam. neben frühe ostfr. zeugnisse (Arigo dec. 636 Keller; Stainhöwel cl. mul. 83 Drescher) stellen sich zahlreichere alem.: Wittenweiler ring 23, 42; N. v. Wyle transl. 56; Riederer spiegel d. rhet. 35b; Brant narr. 4, 4; Terenz (Str. 1499) 81b, lex. Brack (1483) 5b; gemma gemm. (Str. 1508) k 2b. demnach scheint das wort rhein- und mainaufwärts gewandert zu sein. den bösen sinn brachte es, wie viele adj. auf -isch aus dem md. mit (s. beitr. z. gesch. d. d. spr. 24, 464ff.). die form weibisch gilt allg.; weiberisch, aus östr. mundart (Unger-Khull 824a) mehrfach bei Abr. a. S. Clara (etw. f. alle 1, 344; weinkeller 157) taucht sonst nur bei Stieler 2471 auf. die zusammensetzung altweibisch auszer bei Zwingli und Voss (th. 1, 275) auch bei Luther, Maaler, Frischlin. II. ohne tadel wird weibisch ganz im sinn von weiblich gebraucht und steht neben diesem in den wb.: weybisch, weyblich, das den weyberen zuo gehört muliebris Maaler 490c. gerade lex. hält sich der gute oder neutrale sinn lange, bis Pomey 3, 339a und Rädlein 1, 1039, erst Adelung 5 (1786) 123 nennt ihn veraltet. lit. sind subst. und präd. gebrauch in diesem sinn schwach vertreten: wan ein menlin wirt gepflantzt bei den weibischen, das ... der rauch von dem winde gefürt werde zu dem weibischen Petr. de Cresc. ackerbau (1531) 14b; (der papst) hat villeicht sorg gehabt, esz mochten christen seyn, die wider menlich noch weybisch weren Luther 8, 168 Weim., dagegen der attr. stark und überall: gebt dem weibischen als dem schwechsten werckzeuge seine ehre 1. Petr. 3, 7; Jupiter im fünfften hause und in einem weibischen (himmels-)zeichen schr. d. ver. f. gesch. d. Neumark 11, 99 (1531); lasz die weibischen lieb farn Sachs 12, 289 Keller; weibische armeen mit helden waffen und -gemüthe Treuer d. Dädalus 1, 81; weibische arbeit opera muliebria Stieler 2471; leg du dir weibische kleiderlein an flecht dir dein haar in leide Göthe I 38, 243 Weim. bes. fest ist der gebrauch, wo männlich, -isch, mann den gegensatz bilden: ein christ vertuschet nit das weibisch geschlecht mit manlichem Hedio chron. Germ. 291a; zweyerley arth der beum sind, männisch und weibisch Paracelsus 1, 1022 C; ich bin zwar nur ein weib, doch war ich so behertzet, als wol kein mann nicht ist. an mir als die gestalt war sonsten weibisch nichts Fleming d. ged. 114. besonders deutlich ist die abwesenheit jedes bösen sinnes in verhältnissen, die körperlich gegeben sind: da er Heva verfluchte, nam er yhr nicht den weyblichen leyb, noch weybische gelidmas Luther 11, 398 Weim.; im weibischen cörper seind die harngäng kürtzer Ryff anat. F 5b; in dieser weibischen gestalt, worein ihn die liebe verkleidet hatte Wieland Agathon 1, 388; (die rüster grüszte) mit einer weibischen, doch verständlichen stimme Apollonium Prätorius anthr. plut. 1, 232, desgleichen in der stellung neben ausdrücklichen lob: weibische tugend und gelehrsamkeit Lindenborn Diogenes 1, 56; weibische, zarte, liebe knaben Herder 1, 281; einer fast weibischen anmuth und zierlichkeit Holtei erz. 6, 128. stets ohne tadel ist schlieszlich die gruppe weibisch bild 'weibsbild' Clemens flugschr. 1, 349 (Erfurt 1521), vergl. nnl. wijfsch beld Kilian 807a, weiblich I C 2, weibsbild. IIII. auf hd. boden eingebürgert und lebendig geblieben ist weibisch durch seine entwicklung zum bösen sinn. damit erst bekam es daseinsrecht neben weiblich: lachen ist männlich, weinen dagegen weiblich (beim manne weibisch) Kant 10, 282; von einem manne, der wie ein weib aussieht, sagt man nicht, er sehe weiblich, sondern weibisch aus Wieland Lucian 1, 6; wer wird sich ... die mühe geben, ein gewirr ... weiblicher und weibischer hofkabalen zu enträthseln? Herder 23, 188; gegen die weibliche, ja weibische manier Gervinus d. dicht. 5, 159. II@AA. in attributivem gebrauch II@A@11) gelangt ein adj., das seiner bildung nach bedeutet 'dem wesen der frau entsprechend' nothwendig zu dem bösen sinn 'weibliche schwachheit zeigend', wenn es vor mann und seine bed.-verwandten tritt: die geuchmat zuo straff allen wybschen mannen Murner geuchm. titel; thörichte weiber, als auch weibische männer J. G. Schmidt rockenphil. 1, 22; ein weibischer mann ist unendlich unerträglicher als ein männliches weib Hippel ehe (1774) 114; beaux oder fops heiszen in Engelland alle weibische manns-personen Apinus gl. 68; einem solchen weibischen jüngling Wickram 2, 214 Bolte; ein weibischer Adonis Triller poet. betr. 1, 155; solcher weibischer und geizbeseszner mensch Fischart ehzuchtb. 242 Hauffen; fruchtbare lant geben ... weibisch leut sprichw. klugreden (1548) 180a; das arm, tzaghafft, weybisch volck Luther 10 i 1, 664 Weim.; molle agmen ... ein weybische schaar oder hauff Frisius dict. (1556) 64a; einer weibischen nation Sulzer theorie2 3, 715; wir werden den weibischen Italienern ähnlich Gottsched crit. dichtk. (1751) 741; elende tugenden unsers weibischen zeitalters Lessing 13, 210; eine männlich kräftige natur in einer fast weibischen zeit Scherer lit.-gesch. 137; weibische heüpter Vadian a. gott 62 neudr.; den verzagten pfaffen und weibischen bischöffen Hutten 1, 390; weybische kriegsknecht N. Herman in Clemens flugschr. 2, 267; die weibischen theologi Paracelsus 2, 636 Huser; Medea ... die ihre weibische und weichmüthige unterthanen durch stetige übung dapffer und starck gemacht hat Hohberg georg. cur. 1, 168; von den romanschreibern ihren weibischen helden ... angedichtet Gottsched vern. tadl. 1, 114; den weibschen sänger Lessing 1, 54; ein weibischer prinz 2, 372. gefestigt wird weibisch in dem so erlangten bösen sinn, wo es neben bez. männlicher wesen tritt, die schon selbst scheltwörter sind: ir wybschen geuch solt üch des schammen, das ir uff gredtsche berd uch ertlen Murner geuchm. v. 1790 Uhl; die weybischen, leychtfertigen pfaffen Luther 8, 510 Weim.; weibischen platlinge C. Spangenberg mansf. chron. 183b; hundsfutt Fischart Garg. 38 neudr.; memmen Thomasius nachahm. d. Franz. 3 neudr., Schiller 13, 90; kerl Ludwig (1716) 2419; kerlchen Wieland Lucian 1, 430; flüchtling Meissner skizzen 2, 41; stutzer Becker weltgesch. 3, 3. das im sinn von 'weichlich' gefestigte weibisch kann nun verbindungen eingehen, die ihm nach s. etym. sinn versagt wären: wilchs alleyn die weybischen kinder und groben bloche rümen können Luther 8, 485 Weim.; weychlinge ... die nicht gut noch tauglich, ihre weibische weiber, geschweige statt oder land zu regieren sind Moscherosch ges. 156 Bobertag. der gegensatz zu männlich und mann bleibt stets lebendig, auch wo er nicht ausgesprochen wird: weil ich ein papist war, hat ich mich geschemet Christum zu nennen; ich dacht: Jesus ist ein weibischer nam, sonder Aristotelem, Bonaventuram Luther tischr. v. Schlaginhaufen 464 Preger. II@A@22) eine wichtige übergangsstufe bildet der begriff des weiblichen luxus, der mehr oder minder abstract gefaszt sein kann: die eer der kirchen würt erleuchtet nit in weltlicher reinlichkeit, scheinbarlichem bracht und weibischem gezier, sunder in einem reinen geist Hutten in Schades satiren 2, 26; weibisch pomp das. 25; diese eure weibische zierat Zinkgref apophth. (1628) 40; wibschen tandt Murner geuchm. v. 384 Uhl; um eine weibische kleider-pracht zu erkauffen disc. d. mahlern 2, 122; weibsche reichthumb Agricola bergw.-buch 8; eine weibische üppigkeit Herder 3, 37, der aber auch völlig concret ausgedrückt wird: galbana ein weych odder weibisch kleyd Alberus dict. Jiiija; ain mann soll fliehen ain gar zuo weibische oder kostliche klaidung Mayr sprüchw. (1567) C 6a; wohl hängt ihm ein weibisches frauengewand nachlässig und schleppend hernieder Arent mod. dichterchar. 37. sonst sind sachbez. neben attr. weibisch nur möglich als ausdruck eines affects oder träger eines thuns: eine weibische threnen-fluth Weise pol. redner 453; thränen Salis ged. 8; umarmung Wieland I 1, 387; (ein ritter) der sich blosz mit seinem weibischen gesichte ... eingeschmeichelt haben mochte Schnabel Felsenb. 390 neudr.; von der einem ... poeten so unanständigen weibischen schamröthe Sturz 2, 57; der mit ungeschickter hand die weibische spindel dreht Wieland Agathon 2, 64; schade für einen helden, wenn er durch weiche gesänge und durch ein weibisches instrument die nerven seiner seele abspannen wollte Schubart ästh. d. tonkunst 31. damit ist der übergang zu den beiden wichtigsten verw.-arten des attr. weibisch gewonnen: II@A@33) es charakterisiert ein thun irgendwelcher, zunächst allgemeinster art: wollüsten, weibisch und schendtlich leben Achacius chron. Sleidans (1557) 151a; weibisches wesen nannten sie es Laube 15, 106; wie wenig weichlichkeit und weibisches thun einem hohen rittersohn gezieme Chézy erz. 2, 208; aus diesen ... weibischen sitten C. F. v. Moser beherz. (1763) 386; er sinnt den gegenmitteln nach, um dem zu weibischen bezeigen in zukunft bestens vorzubeugen Hagedorn poet. werke 2, 181; weibische niederträchtigkeiten Laukhard leben 4, 216. ein thun allg. art deckt stets der ausdruck weibisch ding Keisersberg sünden d. munds 42a; Luther 18, 103 Weim.; Montanus schwankb. 119 Bolte, dafür weibisch stück Heyden Plinius 482. weiterhin wird das thun specialisiert: ein weybischer, unmannlicher gang Frisius dict. (1556) 670a; keine weibische oder kindische kurtzweil Harsdörffer t. secr. 2, 158; weibisch und weich geber Hutten 4, 7; ein unmännliches wesen, weibische gebehrden Ranke 27, 88. oft ist es ein reden, das dann an sich tadelhaft sein kann: weybisch, kindisch, münchisch und sophistisch klagen sind das Luther 11, 355 Weim.; zürnend schalt der knabe seiner schwester weibisch klagen Chamisso 4, 107; die mägde ... stürtzten sich mit einem weibischen geheule in das unterhausz Thomasius ernsth. ged. 2, 337; so weybische und nerrische lugen Karlstadt bei Luther 15, 383 Weim.; mit weibischen schmeeworten Schades satiren 1, 62; ohne einige weibische auszred Moscherosch ins. cura 18 neudr.; ein weibisches, ja kindisches gelispele Neumark palmb. 53. oder das sprechen wird erst durch die beiwörter tadelhaft: der marschalk, der weibischen befell und unordenliche straffe tette, muste es ... bezalen Kantzow chron. v. Pommern 247; ein alt weibisch prophecey Eyering prov. 3, 190; man lasse doch die französische als ein weibische sprache fahren d. sprach ehrenkranz (1644) 126; die weibische sprache der galanterie Schiller 3, 536; plötzlich verliesz ihn der weiche und weibische ton Zimmermann einsamk. 3, 491; ihr habt eine weibische art zu erzählen Klinger theater 1, 96; mit seinem weib'schen fleh'n Fouqué bilders. 1, 250. das thun wird weiter verinnerlicht zum denken: ist abermal ein menschlicher und weybischer gedancken Luther 24, 530 Weim.; ein mannsbild mit einem weibischen verstand sei der ärgste hermaphrodit Opel-Cohn 30 jähr. krieg 388; weibische unvernunft Ayrer dram. 3, 2043 Keller; grillen Zimmermann nationalstolz 295; bedenklichkeit Schubart briefe 2, 179; weibisches zagen, ängstliches klagen wendet kein elend Göthe I 4, 99 Weim. aus dem denken wird ein empfinden: geeignet ... weibische empfindungen einzuflöszen Ayrenhoff 6, 164; unter weibischem gefühle Schubart leben 2, 196, das gern auch in einzelne affecte zerlegt erscheint: widderümb hat Lea auch eine weibische anfechtung Luther 24, 530 Weim.; als sye aber ausz weibischer trutzigkeit verharret Hedio Josephus 277a; mit weibischen grimmen entzündet buch d. liebe 114c; weibische kleinmüthigkeit Weise klügste leute 196; ungeduld Lohenstein (1679) G. Wilhelms lobschr. vorr.; wollust Olearius or. reisebeschr. anh. 95; Wieland I 1, 144; zärtlichkeit Gottsched neuestes a. d. anm. gelehrsamk. 8, 17; Schiller 13, 415; furchtsamkeit Lessing 1, 59; schüchternheit Nicolai Nothanker 2, 153; feigherzigkeit Archenholz England u. It. 1, 44; laune Arndt schr. f. s. l. Deutschen 1, 226; wuth Eichendorff 2, 252; kleingeisterei Gervinus d. dicht. 5, 10; gram Holtei 18, 214; heimweh Geibel 5, 7. damit ist der punkt erreicht, an dem das thun in einen zustand übergehen kann. II@A@44) seelenzustände erhalten früh und oft das attr. weibisch: wer solt doch nit hie lachen solches weybisches und aller ding munchisches weichmuths? Luther 8, 298 Weim.; was ist ... das gar ungestalte und gar zu gemeine jetzige neygen und bücken ... anderst, dann ein überausz grosze weibische und kindische weyche? Moscherosch ges. 2, 95; Alexander ... vertauschte seine vorige lebensart mit der weibischen weichlichkeit der Medier Wieland Lucian 2, 235; weibische zärtlichkeit F. H. Jacobi 1, 202; verzärtelung Rabener 4, 263; unvermögen Lessing 6, 390; leichtsinn Görres 2, 328; schwäche Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 21. weiter wird die seele selbst unter wechselnden ausdrücken so genannt: man kann tag und nacht lesen und liest doch kaum den meszlichen zuwachs dieser stützen ... weibischer seelen durch Laukhard leben 2, 284; disem handel, den er mit eynem weibischen gemüt fürgenommen hett Carbach Livius (1551) 422a; das christentum mache weibische und betrübte gemüther Fleming vollk. t. soldat 11 § 4; weibisch art muliebris animus Schönsleder Nn 3b; weiber, wann sie ... das weibisch herz an jren männern mercken Fischart ehzuchtb. 240 Hauffen. II@BB. substant. gebrauch bleibt selten, zumal auf personen bezogen: kein ehebrecher, kein weybischer werdt ins reich gottes eingehen Nas antipap. eins u. hundert 2, M 2a. sonst nur sächlich: ein weib, das sich an gleich weibischem ergötzt Heine 3, 355 Elster; der componist hat sich zu hüten, dasz er nicht in's süszliche und weibische verfalle Schumann 1, 291. ohne den gleichlaufenden gebrauch von weiblich (s. d. II) nicht denkbar: das ewig weibische brachte sie herunter R. Wagner 4, 64. häufiger sind nur die alten genetive, von nichts, (et)was, viel, wenig abhängig: nichts gemalets oder weybischs hatten sie Stumpf Schwytzerchr. 59b; so wie es was sanftes, was weibisches verräth, wenn man musik liebt Hippel lebensl. 2, 205; etwas albernes und weibisches Wieland Lucian 3, 239; (der amfibrach) hat viel weibisches und unedles Voss zeitmessung 151; verdammt wenig weibliches ist an dir! dafür ist ... desto mehr weibisches an manchen jungen herren Holtei erz. 4, 96. II@CC. als präd. adj. steht weibisch II@C@11) am häufigsten bei sein: weytter, meyn lieben getrawen, dürfft yhr derhalben nicht weybisch und verzaget seyn N. Herman in Clemens flugschr. 2, 269; lasz tausend weibisch, feig, und blöde schmeichler seyn Gottsched d. schaub. 4, 188; Rom erschrickt, Augustus selber lernet nunmehr weibisch seyn Schönaich Hermann 16; noch bin ich nicht so weibisch und so feigherzig im unglück geworden Bürger 263a Bohtz. das verb kann ausgelassen werden: will der den krieg verstehen? so weibisch in der lust? und doch ein held im streit? Giseke (1767) 63 Gärtner; der zehnte (männerkopf), gescheut, weibisch und schlau Lavater phys. fragm. 1, 210; was ist besser, zügellos oder weibisch? Hippel lebensl. 3 ii 174; er ... verachtete dergleichen als weibisch Polenz Büttnerbauer 1, 152. ist das subj., statt einer person wie bisher immer, eine sache, so ist's meist ein thun: Otho gedacht von trauworten sterben oder fliehen were gantz weibisch Franck chron. Germ. 90a; sich den zorn lassen übergehn ist weibisch sprüchw. 1, 71b; dieweil weynen weibisch ist buch d. liebe 225b; Livius sagt, der Gallier erstes gefecht sei mehr dann mannlich, das letzte weniger dann weibisch abentheur v. allerh. min. (1656) 931; unsere feinde können von ihm lernen, wie eitel und weibisch ihre bemühung ... sey Liscow samml. 509; bereun? das wäre memmenhaft und weibisch Schlegels Shakespeare 9, 63. ein thun kann träger der vorstellung sein, auch wo als gramm. subj. eine sache steht: geh! ich reisze mich los, obgleich der männlichen tugend thränen zu weibisch nicht sind Klopstock oden 1, 44. selten ist eine sache auch logisches subject: ewr kleider seind so weibisch gar, gleich wie sie trägt der frawen schar Murner Virgil f 3b. II@C@22) weibisch werden, lex. von Calepinus (1598) 1190b bis Steinbach 2, 958, hat nothwendig stets ein persönliches subj.: die capp hanen ... werden frawen suchtiger denn vorhyn und gantz weybisch Luther 10 ii 279 Weim.; so wird in der innigsten einheit der ehe der mann nicht weibisch Steffens was ich erlebte 10, 129 f.; indem aber die männer den frauen und mönchen so manches stück arbeit abnahmen, ward darum das geschlecht nicht weibisch und mönchisch Riehl d. arbeit 153. II@C@33) weibisch machen zunächst mit pers. object: (unglück ist zu verlachen, damit es) nicht die menschen blöd mach, weibisch und verzagen Fischart Eulensp. 15 f. Hauffen; die ... natur, welche ... die leute eben so wohl träge als weibisch macht Lohenstein Arminius 2, 27a; o süsze Julia! deine schönheit hat so weibisch mich gemacht Schlegels Shakespeare 1, 89. als äquivalent der einzelpersönlichkeit stehen leib und mut A. v. Eyb d. schr. 1, 33; gemüt Petrarcha trostb. 18b; Bode Montaigne 1, 277; herz S. v. Birken lorbeerh. 37; männerseele Voss antisymb. 1, 177. auch eine masse, ein volk kann als object stehen: wir machend durch wollust die jugend anfencklich weybisch Frisius dict. (1556) 383; oder wil Rom ... Deutschland ... weibisch machen? Lohenstein Arminius 1, 18b; als ob er die Griechen dadurch weibisch gemacht hätte Wieland Lucian 3, 71. gelegentlich ist das obj. (ein mensch) ausgelassen, so in den wb. von Frisius (1556) 462b bis Steinbach 2, 958; (Fortuna zu Virtus:) ich mach mütig unnd frey, du machst weybisch und blöd Sachs 3, 197 Keller. unpers. object ist nur unter bes. umständen möglich: nur der miszbrauch der dichtkunst und redekunst macht eine sprache weibisch und kraftlos a. d. biblioth. 4 ii 16. II@C@44) neben wechselnden verben steht weibisch zunächst als präd. acc.: ein weychling ... der sich weibisch ... stellet Alberus dict. Siijb; wolst du mich so für weibisch achten? W. Spangenberg glücksw. 313; entspr. bei halten Lohenstein Arminius 1, 47a; schelten Günther ged. (1735) 307; nennen Rabener schr. 4, 170; erziehen Novalis 1, 146 Minor. den übergang zu nomin. fügungen können die pass. vermitteln: es werdend auch etliche (hähne) also weybisch erboren, dasz sy weder kräyend noch die hüner voglen wöllend Heuszlin Gesners vogelb. 78b. als präd. nom. steht weibisch neben scheinen, aussehen, klingen: obgleich etliche sachen darinnen weibisch scheinen Harsdörffer frauenz.-gespr. 3, 300; der jüngling wollte nicht in locken weibisch erscheinen Göthe I 49, 79 Weim.; ich kenn den herrn, er sieht fast weibisch aus Arnim 20, 222; das, was ein edler Grieche singt, dem vollen ohre weibisch klingt J. G. Jacobi 2, 163. II@DD. attr. und präd. gebrauch zugleich gehören zu: II@D@11) die steigerungsformen, selten, aber zu allen zeiten möglich: weibischer, weibischte Adelung 5, 123; ich würde auch auszer zweyfel noch weibischer ... worden seyn Lohenstein Arminius 2, 86b; entspr. Ayrenhoff 5, 22; welcher man das weibischte und unedelste hertz hat Barth weibersp. F 5b; warum hingst du dein herz an den weibischesten unter allen männern? Schröder dram. 1, 151. II@D@22) die bed. castriert: eynen wijfsch ind onherdelick maken off ontmannen Schueren teuth. 498b Verdam; eviratus ... dem auszgehauwen ist, weybisch Frisius dict. (1556) 487b; entspr. Boltz Terenz 39a; Albertinus hirnschl. 30. II@D@33) die nur aus wb. nachzuweisende bed. weibersüchtig, -toll: Maaler 490c; Frischlin nomencl. 89b; Ravellus (1616) 401b; Pomey 3, 339a. II@EE. adv. weibisch, stets mit tadel, steht gewöhnlich vor verben: könige pflegen nicht szo bübisch zu liegen, noch so weybisch tzu toben Luther 10 ii 262 Weim.; (der ritter soll sich) über den gemeinen mann nicht zu köstlich und zu weibisch zieren Fronsperger kriegsb. 1 g 1b; dasz er gar weibisch geredet gehabt Prätorius winterfl. 209; fiel ihm der käiser weibisch umb den hals Lohenstein Agr. G 6a; ob du dich hierbey verdrieszlich, zornig oder weibisch anstellen werdest Thomasius kl. t. schr. (1707) 440; anderthalb jahrhundert trugen wir weibisch das weiberjoch Jahn 1, 310; geh, schlage weibisch dich zum weiblichen geschlechte Zachariä poet. schr. 1, 54; denn feigheit haszte meine seele, und weibisch hat sie nie gebebt Schubart ged. 2, 55; wer die strengeste wahrheit sich weibisch nicht, wer sie sich ritterlich sagen darf Herder 27, 130; verworfener, dir steht es nicht mehr an, in zartem mitleid weibisch hinzuschmelzen Schiller 12, 571; also trotz ich dem ergrimmten schiksal, das, wenn ich weibisch klage, triumfirt Platen dram. nachl. 107, 69. seltener begegnet adv. weibisch vor part.: ein priester fast weibisch gekleidet Rätel Curäi schles. chron. 15; weibisch gesinnte gemüther Fleming vollk. t. soldat 5 § 16; monotheismus ist ... der überwundene pantheismus, nicht der blosz verdammte ... oder weibisch beklagte Schelling 2 ii 69; ein weibisch schwankender mann Jahn Mozart 4, 579. jung ist es vor präd., noch jünger vor attr. adj.: wer ist so weibisch feig, der dieses leben schont? Bodmer crit. ged. 4 neudr.; dasz ich für meinen freund selbst weibisch zärtlich bin Schwabe belust. 2, 542; (sie ziehen) weibisch eitel daher Wieland 16, 124 (Cyrus 4, 26); du weibisch thör'ger mann Fouqué held d. nordens 1, 173; dem weibisch eitlen bedauern Holtei erz. 37, 34; dem zärtlich erzogenen und fast weibisch stutzerhaften knaben Mommsen m. gesch.4 3, 17.
21768 Zeichen · 486 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Weibisch

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Weibisch , -er, -te, adj. et adv. 1. * In dem weiblichen Geschlechte gegründet, demselben eigen und angemessen; eine ver…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    weibisch

    Goethe-Wörterbuch

    weibisch [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    weibischAdj.

    Pfälzisches Wb.

    weibisch Adj. : ' schwächlich, weichlich ', weiwisch [BZ-Dernb Lambert Penns 176].

  4. Spezial
    weibisch

    Russ.-Dt. Übers. (de-ru)

    weibisch abwertend бабский пренебр. , бабий пренебр. ein weibischer Mann - мужчина с бабскими чертами, с бабской внешнос…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weibisch

4 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von weibisch

weib + -isch

weibisch leitet sich vom Lemma weib ab mit Suffix -isch.

weibisch‑ als Erstglied (1 von 1)

weibischheit

DWB

weibisch·heit

weibischheit , f. , weibischer sinn: wibscheit effeminalitas Diefenbach gloss. 195 c ; ist das teütsche volck ... verfürt ... von mannlichei…

Ableitungen von weibisch (3 von 3)

unweibisch

DWB

unweibisch , adj. : H. Sachs 17, 441, 25 G. in der bed. von unweiblich c. —

verweibischen

DWB

verweibischen , v. : allg. d. bibl. 71, 518. —

weibische

DWB

weibische , f. , ysop s. weinespe .

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „weibisch". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/weibisch/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „weibisch". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/weibisch/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „weibisch". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/weibisch/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_weibisch_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„weibisch"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/weibisch/dwb},
  urldate      = {2026-05-12},
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