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weg(e)warte

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weg(e)warte f. m.

Bd. 27, Sp. 3146
weg(e)warte,f. weg(e)wart,m. bezeichnung von pflanzen, namentlich von cichorium intybus L., von ihrer eigenschaft sich immer der sonne zuzuwenden früher auch heliotropium, solsequium genannt, sonnenwirbel, sonnenwendel: von dem wegwart. ayn chrawt daʒ hayʒʒet solsequium ... daʒ sich gen der sunn auf tut oder chert J. Haupt über d. md. arzneibuch des meisters Bartholomaeus, Wiener sitzungsberichte 71, 526; also hat auch wegwart die wurtzel ein besondere angeborne influentz von der sonnen, das sicht man an ihren blumen, die sich allzeit gegen der sonnen neigen Paracelsus 2, 306 A; so hat er doch sein hertze gott, wie die wegewarte ihre blätter stets der sonne zu vereinbaren v. Lohenstein Arminius 2, 754a. vgl. auch wegleuchte, wegluge, wegmann, wegweise, wegwurz. 11) ob das masc. oder das fem. das ursprüngliche ist, läszt sich nicht entscheiden. das m. konnte sich wie bei wegbreit und wegtritt aus dem f. entwickeln, aber auch mit übergang zum f. (vgl. blumennamen wie aster, lilie, ranunkel) ist zu rechnen. spätahd. intuba, wegewarthe, wegwart Steinmeyer-Sievers gl. 3, 559, 3, solsequium, wegewart, wegwart 565, 23, wo aber weg(e)wart auf einer kürzung beruhen kann, also das m. nicht erweist. mhd. der und (s. u. Vintler) die wegwart, in frühnhd. glossaren wegewart, wegwart (Diefenbach gl. 541c solsequium, wegewarte). im 16. jahrh. ist wegwart (selten wegewart) zuweilen m. (Ryff spiegel d. gesundheit 45b. Maaler 481a. Matthioli durch Camerarius 153b), vereinzelt n. (s. u. Lonicerus), meist f., auch in der erweiterten form wegwarten (Bock 104a. Uhland volksl. 114). seit dem 17. jahrh. wird das f. gewöhnlich als wegwarte angesetzt, daneben wegwart (dies ist masc. bei Lohenstein Arminius 2, 304b. Rondeau. Frisch), wegewart viehbüchlein (1667) 45. Paulus 269 (auch als beiname eines mitglieds der fruchtbring. gesellschaft bei Neumark 241), wegewarte Arminius 2, 754a. Adelung. Campe. Rosegger 14, 208. mundartlich kommt das wort jetzt als m. vor in österreich. gegenden Schöpf 806. Loritza 141. Lexer 252. Unger-Khull 623a, als f. wird es angegeben aus Baiern Schmeller 2, 877, Schwaben Fischer 6, 549 und dem oberen Baden zeitschr. f. d. mda. 1913, 324. 22) die wegwarte hat ihren namen davon, dasz sie gern an wegen wächst: wegwart oder wegweisz wirdt also genannt, dieweil es in allen wegen gemein wächszt Lonicerus 125a; wie die wegwarte und die feuerblume ... am borde des weges sich neigen Geszner 2, 51; an der strasze, rauh und hart, über hingeworfne steine, blüht die blaue wegewart. Ed. Paulus ges. dicht. 269. daher in sprichwörtlicher wendung: auch wächst in Italien, Frankreich und England nicht die weisheit als wegwart wild an der landstrasze F. L. Jahn 2, 407. -warte wird gewöhnlich als 'die wartende' genommen nach der im 15. jahrh. bei Vintler auftretenden sage, dasz die wegwarte eine verwandelte jungfrau sei, die auf ihren geliebten warte: und vil die jehent, die wegwart sei gewesen ain frawe zart und wart irs puelen noch mit smerzen. pluemen der tugent 7838 Zingerle. diese auch von neueren dichtern (Söhns unsere pflanzen 113 f.) behandelte sage ist wol ein nachklang der erzählung in Ovids Metamorphosen von der von Phöbus verlassenen Clytie, die in eine blume verwandelt worden sei, die sich immer der sonne zukehrt; als diese blume sah man im mittelalter die wegwarte an (die darum auch sponsa solis heiszt); Wickram in den Metam. 7, 178 Bolte läszt Clycie in solsequium, die wegweisz (= wegwarte) verwandelt werden. Omeis sagt an diese sage anknüpfend von der wegwarte: weil sie nicht kan himmelfarten, pflegt sie hier am weg zu warten, sieht der sonne sehnlich nach. Eginhard u. Emma 147; (ferner stehen einige deutsche lieder und sagen, nach denen das mädchen zur strafe in eine wegwarte verwandelt wird). es ist indes doch fraglich, ob die sage in Deutschland so früh heimisch gewesen ist, dasz die benennung auf sie zurückgeführt werden könnte. nominale bildungen von warten 'exspectare' als 'der (die) wartende' kommen sonst nicht vor, während warte, wart als 'aufseher, hüter' in zusammensetzungen häufig ist (das f. ist nicht belegt). die auffassung von wegwarte als 'die am wege schauende' wird durch das synonyme wegluge empfohlen; im schweiz. id. 3, 1229 wird zu dem pflanzennamen luegen, feldluegen 'ackerhohlzahn' bemerkt 'die gestalt und die farbigen flecken auf den blättern geben der blüte das aussehen eines lauernden gesichtes'; auch schwäb. luege kommt als name mehrerer pflanzen vor Fischer 4, 1326 (furdluege 2, 1848), was überall vergleich mit einem gesicht oder auge voraussetzt (vgl. auch auge in pflanzennamen z. b. in mhd. vridelsouge, das Steinmeyer-Sievers gl. 3, 566, 23 für sponsa solis, die wegwarte, steht). diesen benennungen könnte sich wegwarte anschlieszen, das erst durch spätere ausdeutung zu einer am wege wartenden geworden sein wird. will man aber keine genaue entsprechung von wegluge und wegwarte annehmen, so könnte dies auch als 'weghüterin' (oder wenn das masc. älter ist, als 'weghüter') zu deuten sein; Tabernaemontanus 469b faszt es als 'custos viae' auf. die in mengen am rand der wege stehende pflanze sah man als zu deren bewachung dienend an. im ndl. kommt neben wegenwaart, wegwarte auch wegenwachter (in alter quelle wechwachte) vor Heukels 67 vgl.wegwächter 2. im ahd. (Steinmeyer-Sievers gl. 3, 267, 32) steht wegewahta, -waht für bacina, das schwarze bilsenkraut, hyoscyamus niger L., das häufig an wegen wächst. 33) wegwarte bezeichnet a) in erster linie arten und varietäten von cichorium. auf die gattung im allgemeinen geht auch: eliotropium Diefenbach gl. 198c, sponsa solis 547a, solsequium 644b, dionisia nov. gl. 136a; wegwart, hintlauff, ringel, sunnenwirbel, solsequium, elitropium. voc. theut. (1482) nn 3b; cicorea, solsequium, sponsa solis, wegwart oder sonnenwürbel Gersdorff wundartzney 90b (Brunschwig u. Ryff s.wegluge); ambubeia, wegwart, wegwyse, hindtleuft Frisius 82a; wägwart, chreston, cichorea, cichoreum Maaler 481b; wegwart, wegwyse, chreston, ambubeia 487b; ambubeia, cichorium, intybus erraticus, wegwart, wegweisz Faber (1587) 44a; wegwart, wegweisz, hindleuffe, sonnenwirbel Wirsung artzneybuch reg.; cichorion, abugia, wegweisz, blaw wegwart, hindtleufft, sonnewend Zehner nomencl. (1645) 166; ich wils (chicorée) alleweil in dem teütschen botanicum nachsuchen undt es wider lernen; da habe ichs, es heist wegwart, wegweisz, wegling Elis. Charl. v. Orleans briefe (1720) 28; wegwart, wegweisz, cichorium, chreston, chondrilla Aler 2, 2157b. von arten sind zu unterscheiden: α) die gemeine cichorie, cichorium intybus L.: wegewart, wegwisse, hindtleuff, ambubeia, intybus agrestis Gesner erdgewächse 6; wegweisz, wegwart, cichorium vel intybus sylvestris Emmelius nomencl. 80; gemein wegwart Tabernaemontanus (1664) 466b; wilde blawe wegwart Fuchs (1543) cap. 263; wilde wegwarte Nemnich 2, 1038. als varietäten führt Tabernaemontanus 469b weisz wegwart, leibfarb oder purpurrothe wegwart an. β) die gartencichorie, cichorium intybus sativum L.: nächst dem lattich haben wir den zamen wegwart Ryff spiegel d. gesundtheit 39b; zahme wegwarten Tabernaemontanus 469b (varietät: weisze zahme wegwarten); zamblawweewart, wegweisz, hindleufft Blancard lex. med. renov. 228; das breite oder grosz wegweisz oder wegwart Lonicerus (1716) 231; grosze hohe wegewarte Nemnich 2, 1039. γ) die endivie, cichorium endivia L.: chreston, wegwart oder zame endivia Frisius 218b; zam breyt wegwart Fuchs cap. 263; zahme endivien oder wegwarten Tabernaemontanus 476a; seris, wegwart oder wegweis Calepinus 1334b; seris, endivien, wegwart Kirsch 1092a. b) geel wegwart Fuchs cap. 263, Tabernaemontanus 468b, die gelbe wegwarten Bock (1595) 104a, gelbe wegwarte Linné deutsch 9, 21. Nemnich 4, 961 ist habichtkrautartiges bitterkraut, picris hieracioides L.: picris, wegweisz, wegwartz Kirsch 909. c) gelbe wegwarte, das mauerhabichtskraut, hieracium murorum L. Nemnich 3, 148. d) grosze wegwart Friese (Straszb. 1519) bei Pritzel-Jessen 397b ist der löwenzahn, die kuhblume, taraxacum officinale L.: solsequium maius, ryngel, wegewarte Diefenbach gl. 541c; das ander geschlecht der wilden wegwarten Fuchs cap. 263; das pfafferörlein oder wilt wegwart Comenius janua (1644) 36. vgl.wegwartblume. e) der knorpelsalat, chondrilla juncea L. Matthioli durch Camerarius (1586) 153b; klein wegwart oder wegweisz Corvinus fons lat. (1646) 187; kleiner wegwart, condrillon Frisch 2, 428c; gelbe wegwärtel Nemnich 2, 1023; gelbe wegwart Holl 199c. f) das sigmarskraut, malva alcea L. Fischer 6, 550. g) die gänsedistel, sonchus asper Vill. ebenda. h) zuweilen tritt (wie auch umgekehrt) wegwarte für den wegerich ein: Diefenbach gl. 642a lanceola, 644a septenervia, wegwart; jetzt im oberen Baden zeitschr. f. d. mda. 1913, 324. 44) die wegwarte erfreut durch ihren schönen anblick: das edle kraut wegwarten macht guten augenschein. Uhland volksl. 114. sie wird gern in der blumensprache verwendet: die (scham, zucht usw.) kennent guote krüter wol ... hochenmuot, vergiszmeinnicht, pringent sy zuo der geschicht, wegwart die ist guot darzuo, ich main das sie ieht wirser túw. mhd. minnereden 13, 319 Matthäi. besonders im liebesleben: ach röslin, bis mein wegewart, freundlichen ich dich bitt, mein holderstock zu aller fahrt, darzu vergiszmeinnicht! Hoffmann v. Fallersleben gesellschaftslieder 1, 166 (1545); vgl. auch wegweisblume. hohe kräfte wohnen der wegwarte (bes. der weiszblühenden) und ihrer wurzel inne. in der richtigen weise ausgegraben, schützt sie, wenn man sie bei sich führt, gegen böses, bes. gegen hexen und ist ein mittel zu allerlei zauberkünsten, sie erweckt liebe, macht unsichtbar, zerbricht fesseln und öffnet alle thüren und schlösser (Wuttke volksaberglaube § 139). auch sonst fand die pflanze manche nützliche verwendung. besonders als heilmittel früher (und noch jetzt) sehr geschätzt: medicus. Ipocras ist mein nam genant. menge kreuter sind mir pekant: wegwart, schelkraut und nardispicat. altd. passionsspiele a. Tirol 334, 1358 Wackernell; auch dint wol zu der kreuter sum merchein-blümlein und die wegwarten. H. Sachs 21, 169, 10 Götze; wegwarten und wermut durch einander gebrant oder gesotten und truncken privatbriefe des m. a. 2, 58 Steinhausen; man soll inen (den pferden) auch geben wermut, sonnengürtel, wegwart ... under dem grasz Seutter hippiatria 12; ein gurgelwasser und recept von dreyen gemeinen wurtzel epfich, fenchel und wegwart Garg. 298 Alsleben; die bletter der blawen wegwarten auff alle heisze und hitzige geschwär, geschwulst und machtblattern geleget, miltert den schmertzen ... das gebrandt wasser ist treffenlich guot zuo dem hitzigen magen und lebern, zuo allen brennenden febern Bock kräuterbuch (1595) 105a; es kühlen auch alle kräuter, welche weisz sind, als die rüben, artischocken, wegwarten Harsdörffer t. secretarius 1, Uuu 1a; zur leber sind gut die wasser vom sauerampfer, ehrenpreisz, wegwart v. Hohberg Georgica 1, 237; die blätter und blumen, sonderlich der wilden (wegwarte), eröffnen, saubern, temperiren und reinigen die galle Chomel 8, 2279; wegwart ... vertreibt wartzen Alberus dict. FF 4a. als speise: ihre speise muszten mit bedeckten schüsseln aufgetragen werden, ob gleich nur rettich, rüben, salat und wegwarten darinnen Harsdörffer schauplatz jämmerl. mordgeschichte3 565; der wegwarth und schlangenwurtz ... gäben ... niedliche speisen ab v. Lohenstein Arminius 2, 304b; isset sie (die wegwart) alsdann im salat mit öl und zucker Marperger küch- u. kellerdict. 212b; in diese suppe viel wegwarth, lactucke nebst allerhand ... kräutern thun v. Fleming vollk. t. jäger 310. seit dem 18. jahrh. als kaffeesurrogat sehr verbreitet Karmarsch u. Heeren3 2, 360, vgl. wegluge. 55) die zusammensetzungen (meist zu 3 a) gehen theils von wegwart- theils von der schwachen stammform wegwarten- aus:
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wëgewartef.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    wëgewarte f. plantago ( die pflanze). vil die jechen die wegwart sei gewesen ein fraw zart und wart irs pulen noch mit s…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wēgewarte

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Wēgewarte , plur. inusit. der Nahme einer Pflanze, welche an den Wegen und Ackerrändern angetroffen wird, Cichorium …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wegewarte

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Ableitung von wegewarte

wegewart + -e

wegewarte leitet sich vom Lemma wegewart ab mit Suffix -e.

Zerlegung von wegewarte 2 Komponenten

wege+warte

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wegewarte als Zweitglied (1 von 1)

Gartenwêgewarte

Adelung

garten·wegewarte

Die Gartenwêgewarte , plur. die -n, die Wegewarte oder Cichorie, so fern sie in Gärten gebauet wird, welche sich nur durch die tiefern Einsc…

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Cotta, M. (2026). „wegewarte". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wegewarte/dwb?formid=W11653
MLA
Cotta, Marcel. „wegewarte". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wegewarte/dwb?formid=W11653. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wegewarte". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wegewarte/dwb?formid=W11653.
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