wasserwage,
f. 11)
bezeichnung eines werkzeuges zum bestimmen der wagerechten lage (
vgl.wage III 7
o, wägen III 3
c, wasser II A 2
b ζ, wassereben, -gleich, -pasz, -recht)
und der abweichung davon, wobei wasser-
die bedeutung nach verschiedenen, im sprachgefühl sich z. th. kreuzenden, richtungen bestimmt. 1@aa)
ursprünglich wird damit gemeint '
ein instrument ..., welches man bei wasserleitungen nötig hat' Ch. Wolff
mathem. lex. 784, '
ein werkzeug, das gefäll eines flieszenden wassers ... zu bestimmen' Adelung;
das wort ist wol als übersetzung von libra aquaria (
nach Stratico
eine art wagebalken)
entstanden: wie man das wasser füglichen layten mag ..., welche abwegung aber furnemlichen geschicht durch die dioptram, (
oder) wasserwag, oder chorobaten
Vitruv deutsch von Rivius (1548) 254
a (8, 6),
dann auch wiedergabe von chorobates 254
b. Dentzler 343
b.
Vitruv ed. Rode
anh. 16,
dioptra Steinbach 2, 1009; es sollen (
wasser-) hauptmann und richter ... ein klein und grosz wasserwagen ... bey sich haben
weisth. 3, 468 (
Wetterau 1611); eine grosze hölzerne wasserwaage, eine kleine silberne wasserwaage, eine ordentliche messingene, mit einer gläsernen röhre versehene wasserwaage
instrumente des wassergerichts der Wetterau, protokoll von 1777,
zeitschr. f. rechtsgesch. 6, 21.
im bergbau wird damit in erster linie die möglichkeit des wasserabflusses untersucht: es wird aber mit der wasserwag gebotten, dasz die wasser ausz eim platz in den anderen platz flieszen
Agricola durch Bech (1621) 451.
sie besteht hier aus einem gradbogen mit bleilot Junghans
gräublein ertz (1680) F 3
a. Jacobsson 2, 144
a: seiger ist das bley an den faden der wasserwage v. Schönberg
berginform. (1693) 2, 87. 1@bb)
die werkzeuge behielten den namen auch bei allgemeinerer verwendung: wie sich ein büchsenmeister halten soll mit seinen instrumenten, es sey zirckel, quadranten, ... winckelmasz oder bleyscheidt, wasserwag Fronsperger
kriegsbuch 2 (1573) E e 2
a;
nivelliren, mit der wasserwage messen Kinderling 140; ein quadrant, unten am rohr befestigt und mit einer wasserwaage versehen, miszt die grade der höhe über dem horizont G. Forster (1843) 3, 389; man prüft den grund mit beil und hacken, mit wünschelruthen, wasserwagen. Kind
ged. (1806) 172; ich sage dir: die wasserwage zittert, der boden bebt, die zeit gebiert ein neues. Grillparzer
2 6, 193 (
Libussa 3).
bildlich: die wasserwage, den grad der göttlichkeit heiliger schriften ... zu wägen, ist mir nicht gegeben Herder 9, 273
Suphan. beim gebrauch des wortes tritt dann die vorstellung in den vordergrund, dasz die ruhige wasseroberfläche parallel ist der wagerechten linie, von der bei der messung ausgegangen wird; so wird z. b. bei Leupold
theatrum staticum 325
und Helfft
wb. der landbauk. 404
hiervon die bezeichnung abgeleitet, s. auch 2. 1@cc)
bald stellt sich neben die allgemeinere eine engere bedeutung '
wage, in der wasser oder eine andere flüssigkeit die wagerechte linie angibt' (
so definirt auch Heyne
2 3, 1338). Leupold 315. 325
theilt die wasserwagen
in perpendicul-, häng-
und wasserwagen
im engeren sinne, er kennt auch schon die wage mit der luftblase 328,
die jetzt besonders als wasserwage
bezeichnet wird: (
es fehlten) zwey wasserwagen; weshalb er aber selber auf die glashütte gehen müsse, um die röhren in seiner gegenwart blasen zu lassen Göthe
briefe 30, 188
Weim. ausg. 22) '
das horizontale gleichgewicht des wassers': dasz das wasser seine wasserwage halte, und natürlicher weise nicht höher fliesze, als der ort ist, da es entspringet Behrens
Hercynia curiosa (1712) 103.
die wagerechte wasseroberfläche, der wasserspiegel: dasz der alte fuszboden der kathedralkirche ... 8 zoll niedriger, als die wasserwage des meeres sei Kant 9, 14.
allgemeiner '
wagerechte oberfläche, richtung': die erhöhte luftsäule steigt über die wasserwage der übrigen 9, 88,
vgl. 9, 79; man nehme hierauf ein gefäsz mit einem glasboden, richte es dergestalt, dasz der boden mit der wasserwage parallel sei Göthe
naturwiss. schriften 5, i, 187 (mit der wage des wassers 189); dasz (
durch die schiefen gesimse) das gefühl der wasserwage und des perpendikels, das ... der grund aller eurhythmie ist, in uns zerrissen und gequält wird
werke 31, 114; da ich ja auch an den blick von unten hinauf und in der wasserwage gewöhnt bin
briefe 31, 39
Weim. ausg. 33)
werkzeug, das specifische gewicht eines (
flüssigen oder festen)
körpers, sein verhältnis zur schwere des wassers zu bestimmen, ähnlich einer gewöhnlichen wage oder eine senkwage Leupold 206
f. 223: 'gefunden! gefunden!' — schrie ich mit gröszerem entzücken, als jener Grieche, der durch einen zufall die wasserwaag' erfand Schubart
leben u. gesinnungen 2, 252. 44)
beim sensenschmieden das eintauchen der stahlstäbe, bis ein nach einem normalstabe festgestellter wasserstand erreicht ist, zur eintheilung auf die einzelnen sensen Pierer
univ.-lex.4 18, 925.