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wardein

mnd. bis sprichw. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wardein m.

Bd. 27, Sp. 1986
wardein, m. münzprüfer, erzprüfer. 11) ein lehnwort aus dem romanischen, durch das niederländische vermittelt. mndl. wardijn ist umbildung eines nordfranz. wardien (für gardien), mlat. guardianus 'aufsichtsbeamter'; indem anlehnung an waerd 'wert', waerdeeren 'abschätzen' erfolgte, nahm das wort die besondere bedeutung 'aufseher über die münze' an, in der es nach Deutschland übertragen wurde. es erscheint am anfang des 15. jahrh. in den Rheinlanden, zunächst in der form auf -in: wardyn zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 2, 424 (1409); ferner waradin Diefenbach-Wülcker 894 (Weim. archiv 1523); wardin Rollenhagen Froschmeuseler M 4a (1, 2, 14). Hake bergchronik (um 1600) 84; gwardin Schreittmann probierbchlin (1578) 52a. die gewöhnliche form wardein kann auf wardîn zurückgeführt werden, doch scheint auszerdem ein nordfranz. wardain darin enthalten, das auf mlat. *guardanus zurückführt (wardain, Lüttich 1323, bei Godefroy 8, 324, daneben wardans; eswardeins ordonnances de Liège 1, 463, v. j. 1414 u. ö.), dazu mengl. wardein (daneben wardane) Stratmann-Bradley 669; waerdeyn und weerdeyn 'praefectus monetae' Kilian 649, mnd. werdein Schiller-Lübben 5, 674. ostfries. urkundenb. 2, 449 (1495), kölnisch werdeyn akten z. gesch. d. st. Köln 2, 556, 1 (1475). auf wardeie führt der pl. mnd. wardeyen Schiller-Lübben 5, 600, bei Lessing 11, 273 wardaien. vereinzelt erscheint wardian bei Halke handwb. der münzkunde 384. — der noch empfundene zusammenhang mit mlat. guardianus führt dazu, dasz man im anlaut auch gu setzt: guardein Mathesius Sarepta (1587) 136b (wardein 59a, in der ausgabe von 1579 auch quardein nach Göpfert 71, an quartieren (s. d.) 'die scheidung durch die quart vornehmen' angelehnt?), Minerophilus (1730) 707 (von waradein auf guardein verwiesen), auch Jacobsson 4, 591a, Krünitz 233, 334 (auch quardein), Lampadius handwb. d. hüttenkunde (1817) 216 führen noch diese form (neben wardein) an; gwardin Schreittmann a. a. o. Schmeller 2, 988 (16. jahrh.). — häufig erscheint ein zwischenvokal: waradin Diefenbach-Wülcker a. a. o.; waradein Mathesius Sarepta (1571) 55b. Stieler 1482. 2411 (neben wardein). Dentzler 2, 342. Minerophilus 707. Jacobsson 4, 591a (neben wardein). — den plur. bildet Ercker, beschr. aller mineral. ertzt (1580) 2b gwardeinen, Kretschmann (1784ff.) 5, 129 wardeins. — mnd. werdein (vgl. auch werdeiner neben wardeiner) zeigt, dasz auch in Deutschland anlehnung an wert stattgefunden hat, wie auch noch belege aus neueren schriftstellern (u. 2 c) einen zusammenhang mit wert hervortreten lassen. 22) während im romanischen nur die allgemeinere bedeutung 'aufsichtsbeamter' nachgewiesen ist (in den ordonnances de Liège z. b. eswardein des bleis, des vins, des drappiers 1, 463. 469. 476), auch im mnd. neben 'münzprüfer' noch 'wertbestimmer von tuchwaren' Lübben handwb. 573a vorkommt, herrscht im hd. ausschlieszlich die verengte bedeutung. 2@aa) zuerst erscheint wardein als münzbeamter, der die auszumünzende metallmasse und die münze selbst auf ihren vorgeschriebenen metallgehalt untersucht: auch sal der wardyn, der die ysen hat, das gelt offcziehen (abwägen) und nach dem lod verschen, ee man es münczet zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 2, 424 (münzverein zwischen Pfalz, Baden u. Speier 1409); s. f. g. wollen auch etlich personen ... darzu ordnen, die uff die montz sehen sollen, auch ein wardeyn setzen, damit der montz gleich und eyntrechtig mocht nachgegangen werden acten der ständetage Preuszens 5, 659 (1521); so du nach der feinen marck probiren wilt, wie es die müntzmeister, gwardin und goltschmid etc. pflegen zu brauchen Schreittmann probierbchlin 52a; es waren die müntzmeister und eisenschneider bapsts diener und hetten keinen probierer, auffzieher, noch wardein, machten also falsche müntz Reiszner Frundsberg 140b. im folgenden wird er hinter dem münzmeister genannt: das ain jede obrigkeit zu irem munzen redlich und bericht munzmaister, wardein und probirer zu bestellen phlichtig sein soll reichstagsakten, jüng. reihe 3, 617 (1522); wie Eheberg über das ält. deutsche münzwesen und die hausgenossenschaften 171 zeigt, wurde im 14. jahrh. in Straszburg ein wardein (noch huoter genannt) zur controlle von münzmeister und hausgenossen ernannt; durch diese befugnis konnte es kommen, dasz der wardein über dem münzmeister stand: die gesellen sullen deme muntzmeister ind dem wardeyn ... gehorsam syn, ind were eynche zweyschelicheit tusschen dem muntzmeister ind den gesellen, dairumb sall der wardeyn as yre overste sy untscheiden akten z. gesch. d. stadt Köln 2, 556, 4 (um 1475) Stein. vgl. u. wardeiner cod. dipl. Siles. 2@bb) beim bergwerk, in der hütte, hat der wardein die erze auf ihren metallgehalt zu prüfen: bei unserm waradin auff dem Schneeberg Diefenbach-Wülcker 894 (Weim. archiv 1523); drauff antwort man die plick (das blicksilber) in den zehenden, da schlegt der wardein und silberhüter eine probe ausz Mathesius Sarepta 59a; damit wir alsdann ... solche ärzt durch unsern wardein probiren, und nach befundener prob unsere knapschaft allda in arbeit anstellen (zu) lassen v. Lori sammlung des baier. bergrechts 417b (1636); wardein ist ein beeydigter bedienter, der das ertz uff alle metall probieret Junghans gräublein ertz (1680) F 3a, ähnlich Minerophilus (1730) 707. Lampadius handwb. der hüttenkunde (1817) 216; sucht doch der wardein auf alle weise die edlern metalle zu reinigen, um ein bestimmtes gewicht des reinen goldes und silbers ... festzusetzen Göthe 47, 147 Weim. ausg.; oder sprengten gold in den sand und brachten den mit voller hand, lieszen ihn all wardin probiren, das man daran nichts könd verlieren. Froschmeuseler M 4a (I, 2, 14); und dieses gold, jetzt nur noch goldes traum, einst war es stufe, schlackenfrei, gediegen ... anstaunend masz das kleinod der wardein. v. Gaudy (1844) 23, 15. noch jetzt gebräuchlich: probirer oder wardein, untersucher der erze oder hüttenprodukte Karmarsch-Heeren3 7, 61. im folgenden nicht 'prüfer des gehaltes', sondern 'abschätzer', zu wert in beziehung gebracht: dann sollt ihr mir sagen, ein treuer wardein, wie viel ich wohl werth bis zum heller mag sein. Bürger 66b (der kaiser und der abt). 2@cc) bildliche verwendung bei neueren schriftstellern: weit, so weit die winde fliegen, liegt mein (des corsaren) flutend königreich. blanker stahl ist mein wardein, treib' ich meine schatzung ein. Geibel 2, 36 (Juniusl.) prüfer von geisteserzeugnissen: so habe ich ihn (den gedanken) doch nach meiner eignen kenntnisz so genau als möglich abgewogen, ihn auch von unsern moralischen wardeins prüfen lassen; und da haben wir herausgebracht, dasz manches gold sey, wenn es gleich anfänglich nicht glänzt Kretschmann (1784ff.) 5, 129; nur auf diese weise kann der höheren kritik vorgearbeitet werden ... zu dem allen aber gehört die treue eines wardeins, dem seine pflicht gegen das grosze publicum angelegen ist Göthe briefe 25, 242 Weim. ausg.; und doch hat Franz Horn eine litteraturgeschichte geschrieben, doch ist für einen weiten kreis er das ästhetische orakel, der kritische wardein geworden, der den poetischen gehalt nach seinem dafürhalten schätzt Hallische jahrbücher 1840, 527. zu wert in beziehung gesetzt: ihrer (der menschenvereinigungen) ringe zahl ermiszt kein rechner; der einzelnen eigenwerth wird vom wardeine nicht geschätzt, und kein forscher ordnet ihrer bahnen rang Jahn volksthum 456, auch ist nicht nötig, dasz du just ein langohr in dein wappen setzest. sei deines eignen werts wardein — du giltst so hoch wie du dich schätzest. Heine 1, 291 Elster.
7645 Zeichen · 139 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    wardeinM.?

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    wardein , M.? nhd. Wardein, Wertbestimmer von Tuchwaren und Münzwährung Vw.: s. g-, lāken- Hw.: s. werdein; vgl. mhd. wa…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wardeīn

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Wardeīn , des -es, plur. die -e, ein verpflichteter Beamter, welcher den Gehalt der Metalle und Mineralien zu unters…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wardein

    Goethe-Wörterbuch

    Wardein [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wardein

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Wardein , verpflichteter sachkundiger Beamter, der den Gehalt der Münzen und Erze untersucht.

  5. Sprichwörter
    Wardein

    Wander (Sprichwörter)

    Wardein Ein getreuer Wardein! – Eiselein, 628.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wardein

15 Bildungen · 7 Erstglied · 7 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von wardein 2 Analysen

warde + -in

wardein leitet sich vom Lemma warde ab mit Suffix -in.

Alternativen: ward+-e+-in

Zerlegung von wardein 2 Komponenten

ward+ein

wardein setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wardein‑ als Erstglied (7 von 7)

wardeinen

DWB

warde·inen

wardeinen , verb. als wardein prüfen, an werde ' wert ' angelehnt ' schätzen ': werdeynen, arbitrari, estimare, taxare Teuthonista 5 b . 479…

wardeiner

DWB

ward·einer

wardeiner , m. dasselbe wie wardein: mit Steffan dem monczmeister zu uberkomen und auch eym wardiner umb die cleidunge und sust der nottet F…

wardeinschop

KöblerMnd

wardein·schop

wardeinschop , F. nhd. „Wardeinschaft“, Amt der Wardeinen E.: s. wardein, schop L.: Lü 573a (werdein/wardeinschop)

wardeinsherr

DWB

wardein·s·herr

wardeinsherr , m. , ratsmitglied, das die aufsicht über die münze hat (?): Eggerstein, bau und wardeinsherr Groten geschichte der stadt Nort…

wardein als Zweitglied (7 von 7)

lākenwardein

KöblerMnd

lākenwardein , M.? nhd. Tuchwardein, Aufseher über die Tuchherstellung E.: s. lāken (1), wardein L.: MndHwb 2, 725 (lākenwant/lākenwardein),…

Múnzwardeīn

Adelung

Der Múnzwardeīn , des -es, plur. die -e, ein Wardein, d. i. verpflichtete Person, in den Münzanstalten, welcher den innern Gehalt oder wahre…

Münzwardein

DRW

Münzwardein, m. zum Grdw. vgl. DWB. XIII 1986 Beamter an einer Münze (IV), der die Münzherstellung, insbesondere die Einhaltung der gesetzli…

Peterwardein

Wander

peter·wardein

Peterwardein Von Peterwardein können nicht alle Leute sein. »'S darf ein paar meinetwegen, auch von wo anders hergeben.« ( Alex. Baumann, Si…

Spezialmünzwardein

DRW

spezial·münzwardein

Spezialmünzwardein, m. wie Spezialwardein daß ein jeder standt, welchem die gemeine craiß-müntz-stätt nicht annehmlich, einen besondern ... …

Spezialwardein

DRW

spezial·wardein

Spezialwardein, m. Münzwardein einer einzelnen Herrschaft; zT. zugleich Silberschauer bdv.: Spezialmünzwardein biß die herrschafft solcher m…

Stadtwardein

DRW

stadt·wardein

Stadtwardein, m. Münzwardein im Dienst einer Stadt (III) vgl. Stadtmünzmeister der fuͤrstl. muͤnzmeister und der stadt-guardein so sich bey …

Ableitungen von wardein (1 von 1)

wardeine

KöblerMnd

wardeine , M.? Vw.: s. wardein