vorteilhaftig,
adj. (
s. auch vortelhaftig),
in gleicher bedeutung wie das vorhergehende wort, in älterer sprache häufiger als dieses; rixosus vorteylhefftig Diefenbach
gloss. 499
c; vorteilhafftiger kempffer Faber
thes. (1587) 136
a,
s. unter 2; vortheylhafftig, vortheylig, dem es nur umb nutz und gewinn zu thun ist Hulsius-Ravellus (1616) 390
b; vortheilhafftiger spieler, der
die karten packen und die würffel kneipen kan Rädlein (1711) 1018
a;
avantageux vortheilhafftig, ein- träglich Wächtler (1714) 49;
ebenso Ludwig
t.-engl. lex. (1716) 2350; Aler (1727) 2, 2129
a; vortheilhaftig
verzeichnet als gleichbedeutend mit vortheilhaft Steinbach 2, 806,
ebenso Frisch 2, 367
b. Adelung
und Campe
erwähnen es nicht mehr, im laufe des 18.
jh. ist es veraltet. mnd. vordêlhaftig Schiller-Lübben 5, 331
b,
vgl. brem. wb. 1, 439. 11)
vorteil wird in älterer sprache von besonderen kunstgriffen, besonders des handwerks, dann freier von jeder geschicklichkeit, die für einen bestimmten zweck besonders dienlich und förderlich ist, gebraucht (
s. vorteil 5
u. 6).
in entsprechendem sinne erscheint vorteilhaftig: hertzog Wenceslaus, als ein lustiger und vorteilhafftiger mann Rätel
Curäi schles. chron. (1607) 106; die rechenkunst rechnet die zahlen zusammen, wie sie durch einander vortheilhafftig (
kunstgerecht) mögen summiret ... werden Comenius
janua (1644) 240; neue vortheilhafftige art, einen ast geschwind von einem baum abzuhauen Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 219; nicht eine verzagte flucht, sondern eine vortheilhaftige kriegesart Lohenstein
Armin. (1689) 1, 38
b. —
als adv.: wann sie sich nit vortheilhaftig in die wag stellen Fischart
Garg. 341
ndr.; diese leichte wahre (
Kroaten) ging sehr vortheilhafftig durch Grimmelshausen
Simpl. 135
ndr.; wollen sie aber je zur seiten aus, musz ihnen fein vortheilhafftig vorgelaufen werden Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 282; wie vortheilhafftig Herrmann die schlachtordnung gemacht Lohenstein
Armin. (1689) 1, 3. —
im gegensatz zu mühevoll: viel wird durch grosze mühe, viel leicht und vortheilhafftig ergriffen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 5, 9. 22)
besonders häufig aber wird diese bedeutung fördernder geschicklichkeit verschlimmert, zunächst etwa zu listig, verschlagen, dann aber vor allem zu eigennützig, gewinnsüchtig, mit betrug, gewinn und vorteil suchend, vgl. vorteil 7,
vorteilhaft 1: der wein ist ein vorteilhaftiger kempffer (
dolosus luctator), er hemmet oder nimpt gefangen die füsze vorerst Faber
thes. (1587) 136
a; noch vil billicher und mehr soll man dise streitige und vorthailhaftige reden aus der ehlichen gemeinschaft verbannen Fischart 3, 142
Hauffen; Dasus, des Pamphili knecht, ist verschmitzt, listig und vorteilhafftig Riccius
Terentii com. Andria (1586) 57; saget, dasz er wol ursach hette, dem feindseligen und vortheilhafftigen gegentheil im wenigsten nicht zu willfahren Ayrer
hist. proc. juris (1604) 577; du steckest voller bösen list, dein hertz gar vortheilhafftig ist Spreng
Ilias (1610) 4
b; (
füchse, welche, wenn sie) gefahr vermercken, eben so geschwind als vortheilhafftig sich aus dem staub machen Grimmelshausen
Simpl. 3, 43
Keller. —
zur weiteren verschlimmerung der bedeutung vgl. die oben vor 1
angeführten wörterbücher: vortheilhafftig,
suo lucro inserviens Frisch 2, 367
b; durch ettlicher handthierer und vorkäuffer eygennützigs, vortheylhafftigs suchen und beginnen
ordnunge, wie sich handtwercker u. handthierer verhalten sollen (1579) a 2
a; ihr vortheilhafftigs, betrieglichs hertz mit dem kleid der einfalt bedecken Critiphilus
martyrolog. Hordei 25; (
ob er) redlich ... oder aber geitzig ... vortheilhafftig ... sey Hohberg
georg. curios. (1682) 1, 12. ein vortheilhafftig mensch verhaszt ihm nimmer nicht benügen laszt zu seinem teil H. Sachs 19, 57
K.-G.; wer vorteilhafftig ist, brauchet vil dück und hinderlist 20, 505.
adv.: (
sich) schendlich oder vortheilhafftig nehren Mathesius
Sarepta (1578) 26
b; pikken, abpikken, das ist, ihm vortheilhaftig zuheimschen Schottel
haubtspr. 334
b; (
der) ihme dessen meiste haabe durch seine bunden stäbe, ein gantz unlöbliches, ja gleichsam diebisches mittel, gansz vortheilhafftig abgezwackt Grimmelshausen 4, 722
Keller. 33)
schon in älterer sprache und bis ins 18.
jh. hinein in der üblichsten bedeutung von vorteilhaft,
nützlich, förderlich: wo man aber dieffe wassergreben mag haben, ist forteilhaftiger Dürer
underricht zur befest. d. stett (1527) a 1
b; dasz viel vortheilhafftiger were, kleinere stück zu brauchen Fronsperger
kriegsb. 2 (1573) e 5
a; eine vortheilhafftige heyrath Chr. Weise
polit. redner (1677) 486; ist nichts vortheilhafftiges auszzurichten Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 34; ein süszes und vortheilhafftiges praemium laborum Neukirch
anfangsgründe z. t. poesie (1724) 364; weil sie eine solche arbeit für vortheilhaftig gehalten Gottsched
beytr. z. crit. historie (1732) 1, 1; (
da bei Homer) die kunst mehr in der wahl der gedancken und vortheilhaftigsten umstände ... verstecket liegt Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 41; sein (
Jesu) leiden wäre ihnen vortheilhaftig A. v. Haller
br. über d. wichtigsten wahrh. d. offenbarung (1772) 174. 44)
in eigentümlicher anwendung auf eine person bezogen: gewehr und waffen ... machen die wehrlosen menschen ... bewehrt, starck und fortheilhafftig (
setzen sie in vorteil) Kentz
guldener handwercksboden (1629) 66. 55)
bei der anwendung auf militärische, kriegerische verhältnisse ist die beziehung auf orte besonders zu beachten, vgl. vorteilhaft 4, 6: werder ..., so gar vortheilhafftig lag Grimmelshausen
Simpl. 1, 392
Kurz; (
mit der reiterei) bei einem vortheilhaftigen orte mit gewalt einzubrechen Schottel
horr. bellum grammaticale (1673) 60; auff einem vortheilhafftigen hügel Lohenstein
Armin. 1, 810
a; (
festungen anlegen) an die vortheilhafftigsten örter und grentzen v. Fleming
d. vollk. t. soldat 391. — wetzten gleichwohl durch etliche vortheilhafftige treffen die scharte ein wenig wieder aus Lohenstein
Armin. 2, 37
a. 66)
das adv. in der allgemeinen bedeutung von vorteil bringend, nützlich, förderlich, günstig: die wissenschaft, sich fremder thorheit vortheilhafftig zu bedienen Lohenstein
Armin. 2, 181
a; wie vortheilhaftig konnt er nicht von leichtvergeszlich hohen sachen fast ewige begriffe machen Stoppe
Parnasz 373. 77)
wie vorteilhaft
und günstig
in veredeltem sinne (
s. vorteilhaft 5),
guten eindruck machend und von dem eindruck, der bewirkten meinung selbst: eine vortheilhafftige arbeit (
wird gebildet) durch den gehörneten Bacchum mit einer sichel in den händen Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 106; (
sie) sind nach und nach bei uns dieser von seinem stilo gefaszten vortheilhaftigen begriffe los geworden J. P. Weise
ungezwungene heimbeleuchtung (1747) 14. — ermangelte er nicht, dann und wann gar vorteilhaftig von meinem bruder zu reden A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 174; dasz das annehmlichste frauenzimmer sich meiner so vortheilhafftig erinnert Menantes
allerneueste art höfl. u. gal. zu schreiben (1718) 122; da selbiges (
urteil der kritiker) vor meine parthie nicht allzu vortheilhafftig klappen solte Schnabel
insel Felsenburg vorr. 3
Ullrich; wegen seines angenehmen witzes dem kaiser vortheilhaftig bekannt geworden A. v. Haller
Usong 343; ich hört auch, wie dein mund ... von meiner redlichkeit so vortheilhaftig sprach Günther 1, 156
Krämer.