vorreden,
verb. , fürreden
fehlt th. 4, 1, 1,
sp. 788 (
s. unten 2
den beleg aus Logau);
prefari vor-, vurreden Diefenbach 453
c;
anteloquor, praeloquor ich red vor Er. Alberus
nov. dict. genus (1540) 27
b; Maaler 476
b; für-
sive vorreden Stieler 1546; vorreden Adelung; Campe;
vgl. schweiz. idiot. 6, 565;
mnld. vorereden Verwijs-Verdam 9, 1059. 11)
vorhergehend reden, eher als ein anderer Adelung ('
nur im gemeinen leben'); vorreden, vor einem andern reden,
praetoqui Maaler 476
b; du must mir nicht vorreden,
non dei parlare prima di me Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 293
c; (
der weise schweigt) seinen mund laszt er im nit vorreden
sprichwörter (1548) 171
a. —
vorsprechen, damit ein anderer nachspricht: schweeren nach dem, wie es einem vorgeredt ist,
conceptis verbis jurare Frisius
dict. (1556) 280
b; der richter redt inen vor, sy sprechend im all nach H. R. Manuel
d. weinspiel vor 3528. —
belehrend, vorbildlich: vorreden, einen lehren wie er reden soll Hulsius-Ravellus 389
b. 22)
einleitend reden, von einer rede, die einer handlung, that vorausgeht; auf die hauptsache hinführend oder auch absichtlich mit vielen worten zurückhaltend reden; ferner dann entsprechend dem prägnanten sinn von vorrede
von schriftlicher darlegung: vorreden, ein vorred thun Maaler 476
b; praeliminiren, vorreden, nicht auff die hauptsache kommen Spannutius (1720) 352; deszhalb in welicher sach vorredens not ist, da sol die red senfft ... sin Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) c 4
b; ich halte dafür, dasz diese meine sinngetichte viel fürredens oder fürsprechens nicht bedürffen Logau 1
E.; (
welche) destwegen so viel vorredens vom Thumelich gemacht hatte Lohenstein
Armin. (1689) 2, 1139
a; (
prologsprecher:) der vorredende thracische Bosphorus
ders. Ibrahim sultan (1680) b 4
a; übrigens habe ich hier wenig oder nichts vorzureden
M. Claudius
Asmus (1775) 4, v; (
verf.) redet hier zur zweiten auflage vor Jean Paul I 2, 6
akad. ausg.; das französische volk auf eine belehrende weise in die wohlthaten seiner neuen verfassung vorredend einzuleiten Dahlmann
gesch. d. franz. revolution (1845) 243. —
kühner: s ist eine vorredende einleitung, oder eine einleitende vorrede Bode
Tristram Schandi (1776) 5, 124; einige vorredende worte über das allgemeine des hier ausgeführten unternehmens Görres
heldenb. v. Iran (1820) 1, vi; mancherlei vorredende und erläuternde aufsätze W. H. Riehl
musikal. charakterköpfe (1899) 1, 349. 33)
von früherer besprechung, erzählung: den er, wie vorgeredt, gefangen und überwunden het
hertzog Aymon (1535) h 5
b; des salamanders (von dem vorgered) Thurneyszer
magna alchymia (1583) 7. 44)
im entwickelten nhd. schwindet der zeitliche sinn von vor,
durch das vielmehr die gegenwart eines hörers vorausgesetzt wird, an den der sprechende (
oder bei übertragung der schreibende)
sich richtet, dieser gebrauch geht also von der räumlichen bedeutung des präfixes aus. dabei kann das verbum in neutralem sinne gebraucht werden (
beachte die älteren belege): jemandem etwas vorreden, '
dasz er es höre' Adelung,
meist aber stellt sich in der sprache der gegenwart ein beisinn ein, vor allem in ungünstigem sinne: viele worte machen über einen gegenstand, besonders um die meinung des andern zu beeinflussen, dann aber ungenaues oder unwahres jemandem geflissentlich vortragen: einem etwas vorreden,
suggerere aliquid alicui, dictis aliquem mulcere Stieler 1546; einem so was vorreden,
persuadere qualche cosa ad uno con bei discorsi, farglielo credere Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702);
die färbung des sinnes wird durch den zusammenhang bestimmt, doch kann vorreden, sich vorreden, sich vorreden lassen
auch prägnant in ungünstigem sinne gebraucht werden. 4@aa)
sehr häufig ist die verbindung vorreden von,
wozu jetzt meist noch ein unbestimmtes accusativobject tritt: du muszt glauben, dasz ich offenbarungen gehabt habe, wenn ich meinen schülern vom teufel vorreden konnte Schwabe
belust. (1741) 1, 121; das macht, dasz ich ihr ohn unterlasz tausend gutes von euch vorrede Stranitzky
ollapatrida 377
Wiener ndr.; Kyno aber redet ihm von unzucht vor Bürger 265
a Bohtz; wie konnte er es wagen, ihnen von liebe vorzureden Klinger (1809) 1, 419; das heiszt wohl nicht ein gedicht einführen, wenn man der freundin immer davon vorredet Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 120; wie könnte ich von freiheit euch vorreden Bettine
dies buch gehört d. könig (1843) 1, 117; was ihr mir vorgeredet vom göttlichen schutze ..., das ist mir zu hoch Holtei
erz. schr. (1861) 17, 105; wir müssen ihr so was vorreden von beistand und hilfe Fontane I 5, 91; dasz voll zagen selbst Doralise sich nicht traut, ihm mehr von stillstand vorzureden Gries
Ariosts ras. Roland (1804) 3, 243. 4@bb)
mit über
verbunden: mir hat sie ein langes und breites darüber vorgeredet Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 2, 153. 4@cc)
mit bloszem, gewöhnlich unbestimmtem accusativobject: ein schöner herr! sie haben eine braut und reden mir solch zeug vor Stephanie
d. jüng.
singspiele (1792) 138; er hat uns vorgeredt den teufel und seine groszmutter Holtei
erz. schr. (1861) 23, 96; dasz er sich nichts vorredete, sich nichts einbildete O. Jahn
Mozart (1856) 1, 568;
ebenso prägnant: (
sie) lieszen sich ... betimpeln und beschwatzen und sagten aus, was Opitz ihnen vorredete Fontane I 6, 23; dam kan ma himmel und helle virreda, a tutts ne (
er thuts nicht) Rother
d. schles. sprichw. 303
b. 4@dd)
mit abhängigem satze: dasz er sich so lange vorredete, wie er sterblich in die unbekannte verliebt sei Gaudy (1844) 14, 144; er redete ihm vor, diese schwierigkeiten entstünden nur durch die ... minister Laube (1875) 3, 76. 4@ee)
mit dem bloszen dativ und einer adverbialen bestimmung, prägnant: o! die herren können einem recht schön vorreden Stephanie
d. jüng.
lustspiele (1771) 77. 4@ff)
eigenthümliche wendungen: dieszmahl aber ist es meiner menschlichkeit bedürfnisz, den möglichen lesern dieses buches einige worte vorzureden Feszler
Alonso (1808) 1, iii (
einiges in einer vorrede vorzutragen, die unter 2
behandelte bedeutung wirkt dabei ein). —
in mündlichem vortrag: liesz ihn wort, zu solchen sachen verordnet (
verfluchungen sind gemeint), vorreden Lorichius
paedagog. principum (1595) 216. 55)
mit beachtenswerter sinnesverschiebung: er hat vorgeredt,
obscurius id dictitavit, clanculum illud mussitavit quelle im schweiz. idiot. 6, 565 (17.
jh.).