vormalen,
verb. ,
vgl. erstes fürmalen
th. 4, 1, 1,
sp. 771; Fischer
schwäb. wb. 2, 1863; vormalen,
depingere, obumbrare Maaler 476
a; vormalen,
adombrare, designar di grosso Hulsius (1605) 1, 155
b; vormalen,
alicui aliquid ad pingendum proponere, praeire pingendo Stieler 1222; für-
et vorgemahlt,
präs. ich mahle vor,
propono ante oculos Steinbach 2, 14; vormahlen Adelung; Campe;
als lehnwort dän. foremale. —
die schreibung ohne h
hat sich erst im 19.
jh. durchgesetzt: rühmliche thaten, die man ihm auch in geberden und begeisternden tänzen vormahlet Herder 13, 312
S.; mir ihre kleinsten reize vorzumahlen Wieland I 3, 14
akad. ausg.; mahlte ihm eine hölle vor Göthe 43, 343
W.; ich will ihm sagen, was elend ist — will es ihm vormahlen in allen verzerrungen des todes Schiller
kab. u. liebe 3, 6; ich hatte meinen gedanken so oft die pracht Roms ... vorgemahlt Tieck (1828) 16, 7. —
hybride st. form des part. prät.: bley für gold vorgmallen Brandis
d. tirol. adlers ehrenkr. (1678) 75;
vgl.malen 1,
th. 6,
sp. 1500. 11)
im eigentlichen sinne vor etwas malen: (
Timantes) musz mit schwacher hand und vorgemahlten decken die mängel seiner kunst und jenes haupt bedecken Pietsch
geb. schr. (1740) 219. 22)
im eigentlichen sinne vor jemandem oder für jemanden malen, damit er das gemalte sieht oder es nachmalt; dann auch freier vom zeichnen: v., also malen, das ein ander nachfolgen soll Hulsius-Ravellus (1616) 389
b; vorbild ... ein solches bild, welches ein maler seinem schüler vormalet, und darnach er sich richten soll Gottsched
beob. (1758) 157. —
freier: Caylus will, sie (
die maler) sollen nicht allein handlungen aus dem Homer mahlen, sondern sie sollen sie auch vollkommen so mahlen, wie sie ihnen Homer vormahlt Lessing 10, 235
M.; der sonn und mond, wald und thal ... auf ölgetränktem papier uns so deutlich vormalte Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 212. —
langsam und deutlich vorschreiben: indem ich ihnen die buchstaben vormahlete und kennen lehrete Schnabel
Felsenburg 216
Ullrich. 33)
übertragen, der einbildungskraft darstellen, anschaulich machen; vgl. ausmalen,
bei dem das gewicht auf der ausführlichkeit der darstellung liegt. vormalen
verlangt wegen des vor-
fast immer einen dabeistehenden dativ: v.
etiam metaphorice dicitur: ostendere, monstrare Stieler 1222. 3@aa)
dabei kann der eigentliche sinn des verbums den ausdruck beeinflussen: jemandem, sich etwas mit lebhaften farben v.
u. ä.; er mahlte ihm mit verführerischen farben die vergnügungen vor, deren er sich beraube Wieland
Agathon (1766) 2, 16; seine alten und neuen sünden dem herzog gelegentlich mit den grellsten farben vorzumalen Schubart
br. 1, 237
Strausz; ich will dir diese aussichten nicht mit dichterischen bunten farben vormahlen Göthe 11, 103
W. — was mir meine glühende einbildungskraft in tausend üppigen bildern vorgemalt E. Th. A. Hoffmann 2, 66
Gr.; so fällt ihn Morpheus an und mahlt ihm in der nacht durch graue bilder vor, was er bey lichte dacht A. Gryphius
trauersp. 34
Palm. (
da) der poetische pinsel das vermögen hat, dem gemüthe diese schönheiten ... recht lebhaft vorzumalen Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 122; (
dem) publicum die flachsten, plattesten menschen ... nicht vorzumahlen, — vorzupinseln Klinger (1809) 11, 258. 3@bb)
näher dem ursprünglichen sinne stehende verbindungen, das object gegenständlich vorgestellt: unsre neuen gesetzgeber mögen dem menschen ... schwerdt und rad v. Möser (1842) 1, 398; wie hat er mich gebeten, überredet, goldne berge vorgemalt Kotzebue
dram. w. (1828) 10, 55; (
tage,) an welchen ich ... mir von der phantasie goldene luftschlösser v. liesz Immermann 1, 106
B. —
Macbeth sieht den dolch wirklich vor sich: das blutige geschäft, das ich vorhabe, mahlt dies meinen augen vor H. L. Wagner
theaterstücke (1779)
Macbeth 2, 4. 3@cc)
die vorstellung einer person erwecken oder etwas, das einer person zugehört, der einbildungskraft darstellen; solche verbindungen sind in älterer sprache häufiger als in der neuzeit: da er (
Terenz) auch seinen Demeam auff den schlag vormahlet Hayneccius
Hans Pfriem 3
ndr.; solche butzenlarven und (
den kindern) vorgemahlte gesichter erschröcken die arme jugend offt Moscherosch
insomn. cura parent. 83
ndr.; dadurch werden auch fromme regenten vorgemahlet Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 107; kann sich denn die phantasie nicht einen schrey denken, ohne sich jene verzerrungen des gesichts vorzumahlen? Gerstenberg
hamb. n. zeitg. 193
dt. lit.-denkm.; vom gemeinen haufen, dem sie (
die furcht) ... die urgroszväter, in ihre leichentücher gehüllt, aus den gräbern erstanden vormahlt Bode
Montaigne (1793) 107; menschen, die man sich nach erzählungen vormalt E.
M. Arndt (1892) 1, 174; wenn ich sie (
die geliebte) dir vormale Stifter (1904) 1, 56; ein jeder (
heilige) in solcher gestalt, wie in die legenda vormalt W. Spangenberg
ausgew. dicht. 62
M. 3@dd)
dann verblassend in nicht zu erschöpfenden verbindungen: dann ich sich eigenlich gott an im ein exempel und warnung uns vorgemalt haben Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 200; darin ich ... einer frommen person vorgemahlet habe die eitelkeit desz menschlichen lebens Spee
güld. tugendb. (1649) 243; dem murrenden volcke ... die fehler des krieges vorzumahlen Lohenstein
Armin. (1689) 2, 828
a; ihm die gräuel des papistischen sauerteiges recht lebhaft vorzumalen Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 2, 127; auf einer seite mahlt man mir das mögliche glück Lotharios ... vor Göthe 23, 192
W.; worin er ihm sein unrecht grell vormalte A. v. Arnim 7, 67; der frommen abschied musz fürwahr nicht anders sein, als wie ihn zwar des herren wort uns vor wil mahlen S.
Dach 113
Ö. 3@ee)
mit abhängigem satz: der herr hat uns vorgemalet, was er vor eyn geberde furet unter seynen jüngern Luther 34, 1, 320
W.; hat seinem sohn deszwegen wohl trewlich vorgemahlet, was der adel seye Moscherosch
ges. (1650) 2, 421; habe ich dir ... nicht alles vorgemahlet und zu gemüthe geführt, wie dirs ergehen würde Ad. Olearius
pers. rosenth. (1696) 57 (3, 27); indem sie ihm vormalte, welch einen herrn er als mann der Eva spielen könne
M. Meyr
erz. aus d. Ries (1868) 1, 51; die fabel malt euch vor, was allemal geschah Haller
gedichte (1882) 191. 3@ff)
sehr frei: die musik ... soll dem ohre die empfindungen und leidenschaften v.
d. neueste aus d. anmuth. gelehrs. (1751) 3, 695; malen sie sich den ton, den sie schon sonst gehört ... in der einbildung vor Gerstenberg
schlesw. litbr. 335
dt. lit.-denkm. 44)
natürlich kann das wort in übertragener anwendung auch in ungünstigem sinne gebraucht werden, doch wird es im entwickelten nhd. nicht mehr so prägnant wie vormachen
verwendet, was Adelung
behauptet: '
eine unwahrheit als wahrheit glauben machen'; virmōlen,
vorschwindeln luxemb. wb. 470; durch vorgemahlte frembde weiszheit überredet und gewunnen Moscherosch
ges. (1650) 2, 113; weil er den ... vielleicht nur aus einem gemeinen geschrey vorgemahlten mangel annoch nicht befünde Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 831; was Hippias ... zur behauptung des Epicureismus vormahlet Wieland
Agathon (1766) 2, 57; mahlt langes leben for, betäubs darmit die herzen Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch s. reimgetichte (1647) 6. bis ihm die herrn zehn thaler als redliche bezahler, nicht etwa vorgemahlet, nein baar und blank bezahlet Voss
ged. (1802) 6, 134.