vormachen,
verb. ,
vgl.fürmachen th. 4, 1, 1,
sp. 770;
mhd. vürmachen Lexer 3, 586; vormachen, vorgstalten,
praeformare Maaler 476
a; vormachen,
praescribere, anteire, praeire, praelucere, adumbrare, oculis subjicere ... Stieler 1201; Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 8
a; für-
et vorgemacht,
präs. ich mache vor,
praeficio Steinbach 2, 8; Adelung; Campe (
als '
niedrig, aber nicht verwerflich');
zum landschaftlichen gebrauch vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1664;
schweiz. idiot. 4, 48; Martin-Lienhart 1, 644
b; Hügel
d. Wiener dialekt 183
b; Rosenhagen
Aachener mundart 158
a;
wb. d. luxemb. mundart 470
b; Bauer-Collitz 36
b; Meyer
d. richtige Berliner 148
b; Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 474; Schmidt-Petersen
wb. d. nordfries. spr. 46
a;
mnld. voremaken Verwijs-Verdam 9, 1020. 11)
an der vorderseite von etwas anbringen, vor etwas herstellen: projectum, ein vortach, das wo vorgemacht ist Corvinus
fons lat. (1646) 425; einen hügel v.,
praesepire aggerem, einen graben v.,
praeducere fossam Steinbach 2, 8; einen zaun, ein brett, den riegel, die läden v.; sich eine schürze v.
u. ä.; und wird an statt des spröszleins ein gäbelein daselbst vorgemacht Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 195; dasz die reisenden, wenn sie nicht wollen um ihr gesicht kommen, einen sonderlichen flor v. müssen Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719) 6; (
im bilde:) darum musz man dem dinge einen knoten v. Schwabe
belust. (1741) 3, 162; wer nicht will, dasz man ihm ins fenster hinein sieht, der musz gardinen v. Holtei
erz. schr. 7, 151. —
jetzt ungewöhnlich: (
wenn) sie eine reine schürze vorgemacht hätte Möser (1842) 2, 97; sie können ja eine serviette v. Grabbe 1, 411
Bl. —
freier: ich bin von dem herrn verleger dieses wercks ersucht worden, eine kurtze vorrede vorzumachen Schröter
allzeit fertiger hauszverwalter (1712)
vorrede. 22)
mit dem dat., vor jemandem etwas machen zur belehrung oder nachahmung: wie mans ihnen (
den kindern) vormachet, so machen sie es nach Gottsched
crit. dichtk. (1751) 127; machte er alle, auch die weiberrollen, seinen schauspielern mit einer täuschenden wahrheit vor Sturz (1779) 1, 14; die gewöhnlichen leser, denen man auch die reflexionen v. musz, die aus den factis flieszen G. Forster (1843) 7, 198; macht ihr pantomimisch das stehlen vor Göthe 9, 83
W.; erlauben sie, dasz ich ihnen das genau vormache Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 4, 53; er brachte nur das gut zuwege, was er sich vorgemacht sah G. Keller (1889) 1, 143; ders ihm dann vormachte, wies sein sollte W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 1, 351; ich enruche, wer min gedichte swacht, di rede ist mir vorgemacht Brun v. Schonebeck
d. hohelied 639; und dennoch darf ich mich (trutz Momus) unterstehen, die vorgemachte baan dem Opitz nachzugehen Rachel
sat. ged. 14
ndr.; du machest manches mit, weil man dirs vorgemacht Rückert (1867) 8, 216. 33)
zur unterhaltung, schaustellung u. ä.: weil ein solcher mann auf mancher universität noch fehlet, der einem was lustiges und lächerliches v. könne Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) 325; (
der pudel) macht mir seine künste unbefohlen vor Lessing
Minna v. Barnhelm 1, 8; das volk aber ist zufrieden, dasz die hanswürste ihm da droben späsze vormachen Göthe IV 39, 27
W.; ich habe hier in diesen bäncken wie ein narr gestanden, dem ein schwarzkünstler faxen vormacht H. v. Kleist 1, 15
E. Schm. ähnlich: ihm einige witze vorzumachen Gaudy (1844) 2, 123. 44)
von der unter 3
behandelten bedeutung ausgehend in reich entwickelter übertragener anwendung, aber mit verschlimmertem sinne, indem es auf täuschung abgesehen ist, die nicht zur unterhaltung dienen soll. 4@aa)
mit bestimmtem object, z. th. in fester verbindung; besonders häufig ist jemandem einen blauen dunst v.:
glaucoma alicui ob oculos objicere einem einen blawen dunst vor die augen machen
nomencl. lat.-germ. (1634) 214; nach dem er denen augen der zuseher einen blawen dunst vorgemachet Prätorius
d. abentheuerl. glückstopf (1669) 28. —
übertragen: seinen lesern ... blauen dunst vorzumachen Schwabe
belust. (1741) 3, 570; (
ob) sein witz seinem verstande einen blauen dunst vormachte Bode
Tristram Schandi (1774) 1, 126; ihr wähnt mit diesen erbärmlichen gaukeleyen ... (
gott) einen blauen dunst vorzumachen Schiller
räuber 2, 3;
harmloser: ein märchenerzähler, der dem volke seinen blauen dunst vorgemacht G. Keller (1889) 3, 236;
scherzhaft, mit dem eigentlichen sinne spielend: später kannst du mir ein bissel einen blauen dunst v. Raimund 1, 171
Glossy-Sauer. — blauer nebel: (
ich hab) einen blauen nebel oft vorgemacht, wenn ich sollte lehren und etwas erklären Fr. Th. Vischer
dicht. w. 3, 241; welche durch ihre prahlereyen und lügen den leuten wind vormachen Neukirch
anfangsgründe z. t. poesie (1724) 637; weil er vielleicht seine ursachen mag gehabt haben, seinem bruder ... solchen wind vorzumachen Lessing 17, 22
M.; die leute ahnen auch längst, dasz die welt ein groszes loch hat, wo all der wind, den man ihnen seit tausend jahren vorgemacht, zwecklos wieder durchbläst ins leere Gutzkow
ritter vom geist (1850) 1, 168. — glaubst du, dasz ich mir ein x für ein u v. lasse? Chamisso (1836) 6, 123; (
bürger,) denen man kein x mehr für ein u v. kann G. Keller (1889) 6, 279; die reine sachlichkeit, die niemand ein x für ein u vormache Weigand
d. gärten gottes (1930) 271. 4@bb)
in gleichem sinne in zahlreichen anderen verbindungen: um den lesern ein blendwerk vorzumachen
d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751) 1, 478; sich durch die kunstgriffe der sophisten ein blendwerk v. zu lassen Wieland
Agathon (1766) 1, 223; hat auch wohl Dido mir ein blendwerk vorgemacht? J. E. Schlegel (1761) 1, 113; uns selbst und unsern lehrern keinen schein vorzumachen Schleiermacher (1834) I 5, 617; so machen sie sich scheine vor und träumen nur sieg und herrschaft E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen (1845) 3, 127. — oder hast du mit einem anderen angesicht der menschen augen sovil jar daher ein geplärr vorgemachet? Wurstisen
Pauli Ämilii ... hist. (1572) 1, 351 (
hier also ausgehend von der unter 1
behandelten bedeutung); dergleichen narrheiten müssen sie einem gereisten nicht v.
samml. v. schauspielen (1764) 3, 10; da hättest du nur hören sollen, was für ein kluges gewäsche mir der junge vormachte maler Müller (1811) 1, 72; (
er) macht dir windbeuteleien vor Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 3, 225; wenn wir uns einige blaue wunder vormachen G. Keller (1889) 7, 131;
nd. maak mi bloots keen fisimatenten vör Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 474. 4@cc)
die ungünstige bedeutung tritt auch bei unbestimmtem object oder absoluter anwendung hervor: sich etwas v., du kannst mir viel, nichts v., er macht ihm nur etwas vor
u. ä.: wer am besten schwatzen, den leuten etwas v. und die ohren jucken konte Arnold
kirch- u. ketzerhist. (1699) 2, 98
b; wer am gründonnerstag sechzig ist gewest, der läszt sich nichts v. O. Ludwig (1891) 2, 44; machte er sich vor, der abbruch sei ihm schon recht Hans Grimm
d. gang durch d. sand (1916) 227; wo ist das landgut denn? wo ist denn wohl die pracht von ihrem groszen herrn, wie sie mir vorgemacht Hafner
lustspiele (1812) 3, 93.
auf einen entschlusz bezogen: was er unter dem fremden himmel ganz zu vergessen hoffte und sich vormachte, durch ein neues leben abbüszen zu wollen O. Ludwig (1891) 1, 310. 4@dd)
doch auch gemildert wie vorstellen: dasz nemlich die gefahr, im falle wir eine seeschlacht verlieren solten, so grosz nicht sei, als man sie uns vormachet Krämer
leben u. tapffere thaten (1681) 288; du machst dirs zu fürchterlich vor; ein stich in den arm Göthe 38, 166
W. 55) vor-
in zeitlichem sinne wie vorher
im part. prät.: sie legten den stain in sein vorgemacht bedt von mörtel S. Franck
chron. Germ. (1538) 313
b; inmaszen dann auch die herrn ... den vorgemachten schlusz ... keinesweges wollen aufgehaben oder cassiret
verh. d. schles. fürsten u. stände 4, 130
Palm; man pflegt im sprüchwort zu sagen: vorgemacht und nachbedacht hat manchen in grosz ... (
leid gebracht) C.
F. Weisze
lustspiele (1783) 3, 333. 66)
in der Schweiz im sinne von vorarbeiten, zurücklegen, ersparen schweiz. idiot. 4, 48. 77)
hiervon abgeleitet: vormacher, m., im sinne von vormachen 2: ein v. findet bald einen mitmacher Fr. L. Jahn 2, 687
E. —