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voreilig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

voreilig adj.

Bd. 26, Sp. 994
voreilig, adj. , gehört erst der neueren sprache an; Kramer verzeichnet es: ein voreiliger raht, ein voreiliger ausspruch ... precipitato 1 (1700), 280c, dann Adelung und Campe; älter füreilig, das th. 4, 1, 1, sp. 722 fehlt: also füreilig, ... gleichsamb blind und unbedachtsamlich Chemnitz schwed. krieg 2 (1653), 564. — das wort erscheint immer in der ungünstigen bedeutung, die auch bei voreile, voreilen, voreilung sich entwickelt, nicht im engsten sinne einer zu schnellen bewegung im raume, sondern stets in freier anwendung, und zwar meist mit einer zeitlichen vorstellung verbunden: allzuschnell, vorschnell, unbedacht, durch eile die vorsicht, klugheit verletzend, früher als im richtigen augenblick u. ä.; der sinn kann dabei strenger oder milder sein, seltener ist es, dasz v. auf etwas bezogen wird, das eher eintritt oder etwas vornimmt, als man erwartet. 11) alleinstehend: all zu früh, zu v. Göthe 11, 111 W.; nur nicht v., sagte er mit klugem bedacht Freytag (1886 ff.) 11, 124; wie v.! Ebner-Eschenbach (1893 ff.) 4, 106. — das n. substantiviert: ich liebe das voreilige nicht Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 300. 22) auf personen bezogen: voreilige bücherrichter Zimmermann über d. einsamk. (1784) 1, 392; an die voreiligen verbindungsstifter Schiller 11, 122 G.; kein voreiliger sage dir künftig nach vielen jahren, dasz ich noch lebe Jean Paul 1, 301 H.; ha! wie würde sie den voreiligen thoren belachen Tieck (1828 ff.) 2, 316; voreilige demokraten Caroline 1, 109 W.; manche voreilige frauen sah man schon im fenster liegen A. v. Arnim 12, 233 Gr.; voreiliger, warum verbarg dein mund nicht das, was du empfandst Göthe 10, 152 W.; was als voreiliger verdammer der vater that Rückert (1867 ff.) 2, 58. prädicativ: ich war v. genug, zu wünschen Gerstenberg schlesw. lit.-br. 89 (lit.-denkm.); seid nicht v. in euerem anspruch Engel (1801 ff.) 5, 164; ich muste mit dem avertissement etwas v. seyn Lichtenberg br. (1901 ff.) 2, 231; ich bin böse auf mich, dasz ich so v. bin Brentano (1852 ff.) 7, 66. 33) ganz besonders oft wird das adj. auf unpersönliches, nicht gegenständliches bezogen: eine voreilige antwort, urtheil, verdammen, gerücht, maszregel, beschlusz, verdacht, besorgnis, hoffnung, wunsch, schlusz u. s. w.; doch auch: ein voreiliges buch; in adverb. fügung voreiligerweise. — mit voreiligen und unreifen jugendproben d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751 ff.) 5, 379; eine voreilige sucht nach ruhm Herder 23, 540 S.; diese art von voreiligem witze Nicolai lit.-br. 8, 367; durch ihren voreiligen angriff M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778 ff.) 5, 122; verzeihen ew. durchl. eine voreilige bitte Göthe IV 21, 396 W.; ein voreiliger dienst bringt sich um den dank Klinger (1809 ff.) 2, 43; mit voreiliger neugierde Arnim 8, 19 Gr.; dieses voreilige vielleicht O. Ludwig (1891 ff.) 2, 159; die alte voreilige erfindungslust G. Keller (1889 ff.) 1, 273; das voreilige ja, was ich höre Bismarck polit. reden 3, 16 K.; voreilig jauchzen greift in ihre (der schicksalsmächte) rechte Schiller Wallensteins tod 1, 7. oder prädicativ: wenn deine güte nur nicht v. gewesen ist Lessing 18, 258 M.; (der kapitän) schalt dieses urtheil v. und übertrieben Schiller 4, 164 G.; meine furcht war zu v. Immermann 5, 88 B.; dieses ganze rüsten ist etwas v. Bismarck br. an seine braut u. gattin (1900) 435. — es ist v. und fast unsinnig, zu glauben Nietzsche w. 2, 42. — eine feste verbindung ist voreiliger schritt: verzeihen sie meinen unbedachtsamen, voreiligen schritt Herder 15, 175 S.; aber schon bereut der alte den voreiligen schritt Schiller räuber 2, 1. 44) einige besondere wendungen: sein voreiliges holz (mit dem er geschlagen hatte) mir reichend Voss antisymb. 2 (1826), 188; scherzhaft: der herzog selbst verschmähte nicht eine solche voreilige bestattung (eingraben zur übernachtung) Göthe 33, 76 W.praeproperus v., von einem keime, der schon vor seiner trennung von der mutterpflanze sich zur jungen pflanze zu entfalten beginnt Bischoff wb. d. beschr. botanik (1839) 157; ein voreiliger frühlingstag, der schuldlose blumen, die die sonne begrüszen wollten, zum tode führt Brentano (1852 ff.) 6, 421; von einigen voreiligen sonnenblicken gelockt Holtei erz. schr. 14, 71; des hahnes krähen fürchtend, wie das morgensterns voreilig blinken Göthe 50, 300 W. 55) als adv.: v. antworten, schlieszen, urtheilen, verdammen, entscheiden u. s. w.: zu schüchtern, ihn v. um die ursache ... zu befragen Wieland Agathon 1 (1766), 250; er liesz meine mutter vor der hand bei ihrer v. gefaszten meinung Hippel lebensl. (1778 ff.) 1, 55; zu mancher gefährlichen verbindung lud dich der anschein v. ein Göthe 8, 258 W.; (fluch,) den ich v. über dich ausgesprochen habe Tieck (1828 ff.) 8, 215; danke gott nicht zu v. Holtei erz. schr. 7, 55; das schweigen ist zum hüter ihm (dem glück) gesezt, und rasch entflieht es, wenn geschwätzigkeit voreilig wagt, die decke zu erheben Schiller braut von Messina 1, 653. 66) hierzu voreiligkeit, f., in entsprechendem sinne: die v. ist bestraft Cramer d. nord. aufseher (1758 ff.) 2, 75; wir müssen doch der v. ihres vaters zum opfer werden Schiller kabale u. liebe 2, 3; in diesem betrachten werden mir ew. excellenz meine v. verzeihen Göthe IV 22, 277 W.; mit einer zu jugendlichen v. Tieck (1828 ff.) 6, 163; mit der fieberhaften v., die ihn überhaupt characterisirte Hebbel 11, 251 W.; die gräfin hielt inne, erschrocken über die voreiligkeit Ebner-Eschenbach (1893 ff.) 3, 227. — milder: die liebenswürdige v., (etourderie) die auf seinen reisen ihn (Peter d. gr.) zwang, an allen selbst hand anzulegen Herder 23, 444 S.
5669 Zeichen · 148 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Voreilig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Voreilig , -er, -ste, adj. & adv. ungebührlich eilfertig, und darin gegründet, die Regeln der Klugheit im Eilen überschr…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    voreilig

    Goethe-Wörterbuch

    voreilig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    voreiligAdj.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    vor-eilig Adj. : wie schd. Du bischt immer so voʳeilich [FR-Bockh, verbr.]. Südhess. II 867 ; Rhein. II 59 .

  4. Spezial
    voreilig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    vor|ei|lig adj. (unüberlegt) püch ponsé, en prescia, imprescé (-sciá, -sciada). ▬ voreilig sein ester massa püch ponsé; …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit voreilig

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von voreilig

voreilen + -ig

voreilig leitet sich vom Lemma voreilen ab mit Suffix -ig, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von voreilig 2 Komponenten

vore+ilig

voreilig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

voreilig‑ als Erstglied (1 von 1)

Voreiligkeit

PfWB

voreilig·keit

Vor-eiligkeit f. : ' unbesonnenes Verhalten '. Ich kennt mer grad es Maul uf e Steen schlaan weh meiner Voʳeilischkeit [ KU-Rathsw ]. Südhes…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „voreilig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/voreilig/dwb?formid=V12692
MLA
Cotta, Marcel. „voreilig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/voreilig/dwb?formid=V12692. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „voreilig". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/voreilig/dwb?formid=V12692.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„voreilig"},
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  urldate      = {2026-05-19},
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