vollmächtig,
adj. ,
nicht von vollmacht
abgeleitet, sondern durch voll
verstärktes mächtig,
ganz vermögend, völlig im stande; es wird dann aber auf vollmacht
bezogen und nimmt die bedeutung von bevollmächtigt
an. mhd. volmehtec
mhd. wb. 2, 9
b; Lexer 3, 450; Jelinek
mhd. wb. 881; Diefenbach-Wülcker 585; Schmeller-Fr. 1, 1564; Fischer 2, 1630;
schweiz. idiot. 4, 68;
brem. wb. 1, 466; ten Doornkaat-Koolman 1, 570
b;
nld. volmachtich Verwijs-Verdam 9, 871.
aus dem nd. ins dän. übernommen, wo fuldmægtig
als amtsbezeichnung gebräuchlich ist. vollmächtig,
valens Steinbach 2, 70. Adelung
und Campe
verzeichnen das wort nicht mehr. 11)
in allgemeiner anwendung. die ganze macht habend, ausübend; souverain, frey, niemand unterworfen, unbeschränkt, v., der höchste Sperander (1727) 665
a; ist dann nit gott der vollmächtigste herr über seine gnaden Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 265;
von menschen: ein ieder mensch der vollmächtig wolbedacht und freyen willen hat Dannhauer
catechismusmilch (1657ff.) 1, 469; wäre kein reich jemals in der welt gewest, da nicht dessen vollmächtigste könige ... gebundene hände gehabt hätten Lohenstein
Arminius 2, 68
a; der vollmächtige rath, der sich selber ergänzte, führte wieder das regiment Treitschke
d. gesch. 3, 578;
mit betonung der rechtsgültigkeit: do wan ersten de hilge romische kerke einen vulmechtigen pawes
d. städtechron. 7, 345 (
Magdeburg);
ebenso von einer versammlung: ein vollkommen vollmächtig concilium Tschudi
chron. helv. (1734ff.) 2, 8; die competenten sagen: das parlament ist v. und vollberechtigt Venedey
die wage (1848) 1, 15. —
mit dem gen., ganz eines dinges mächtig: de is nicht fulmechtig siner sinne
brem. wb. 1, 466; unsere voreltern auch vielmals seind ihres begerens vollmechtig worden Paracelsus
opera (1616) 1, 923 b
H. 22)
auf unpersönliches bezogen, entweder ganz allgemein, sehr stark, gewaltig, oder die beherschung betonend: des ich euch dann vollmechtige ursachen anzeygen will Wickram 1, 140
L.; ich bin der got Schaday, das ist, ein volmächtige überflüssige genüge Franck
paradoxa 3
a; das königreich groszen Britanien in friedsame besitzung und volmechtige handt zu uberlieffern
Amadis 313
lit. ver.; dieweil er (
S. Franciscus) ein vollmächtiger leben dann Christus selbs gelebt hat Fischart
bienenkorb (1588) 19
b; das vollmächtige wort gottes
quelle von 1645
im schweiz. idiot. 4, 68; sein nein was nein gerechtig. sein ja was ja vollmächtig Zinkgref-Weidner
teutscher nation weisheit 3 (1653), 25.
in eigenthümlicher verbindung: also erlangte dieser fürst fast eine vollmächtige botmäszigkeit (
herschaft) Lohenstein
Arminius (1689) 1, 365
a. —
selten in neuerer sprache, in allgemeiner bedeutung: schon seine erste erscheinung als historisches volk (
Germanen) ist so v. Avé-Lallemant
d. deutsche gaunerthum 3, 4. 33)
als adv.: dasz sie alle übertretung im feld und in der schlacht v. bestraften J. v. Müller
w. (1810ff.) 1, 217. 44)
während vollmächtig
als verstärkung von mächtig
in der neueren sprache wenigstens aufgefaszt werden kann, ist es gänzlich veraltet in der an vollmacht
angelehnten bedeutung. 4@aa)
von personen, bevollmächtigter: procurator, anwalt, gemechtigter, vollmechtiger, gewalthaber Schöpper
syn. 90
b ndr.; einen vollmächtig machen,
plenipotentiarlo Kramer 2 (1702), 9
c; selbs oder durch die volmächtigen gewalthaber Riederer
rhetoric (1493) a 6
b; rät und volmechtig anwelde Luther 18, 340
W.; nachdem von dem lande ein vollmächtiger ausschusz gemacht war worden Schweinichen
denkw. 402
Ö.; alldahin erschienen auch des landes volmechtige abgesandten Rätel
Curäi chron. v. Schlesien (1607) 454; den (
dienst) hast du schon — bey mir! und zwar als mein vollmächtiger haushofmeister v. Ayrenhoff
w. (1814) 4, 315; nannte sich den vollmächtigen der regierung Zschokke
schr. (1824ff.) 1, 33. 4@bb)
auf unpersönliches bezogen. vollmacht enthaltend, beweisend; oft im älteren curatorialstil mit gewalt verbunden, so viel als vollmacht: er sendet ein bischoff mit volmächtigem gwalt Franck
chron. Germ. (1538) 189
a; so sollte er seine bottschaft mit vollmächtigem gewalt ... auf den reichstag abschicken
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778
ff.) 5, 39. —
in allgemeinerem sinne: nachdem nu der kirch ... heiliger geist beywonet, hat sy billich von Christo volmächtigen gwalt, durch ir lerer heilige schrift ... auszelegen Berthold v. Chiemsee
theologey 103
R. —
doch kann auch die mit vollmacht ausgerüstete gesandtschaft gemeint sein: so sol ain ietliche oberkeit sein volmechtigen gewalt schicken
d. städtechron. 25, 125 (
Augsburg); es kamen auch dohin ... graven und edlen in eigner person oder mit vollmechtigem gewalt Münster
cosmogr. 481. — gewaltsame,
f.: mit vollmächtiger gewaltsam
urk. z. gesch. Maximilians 2
lit. ver. —
autorisiert und daher rechtsgültig: dat schal syn vest unde vulmächtich na lude des breves Schiller-Lübben 5, 557
a;
scherzhaft s. unter vollmacht 3
das citat aus Fischart
Garg. 126
ndr. 55)
hierzu vollmächtigkeit, f., in allgemeiner bedeutung (1-2) Lexer 3, 450; Schiller-Lübben 5, 557
b; (
er soll) durch solche seine tägliche übung eine solche stärcke und v. erlanget haben Prätorius
anthrpodemus pluton. (1666) 2, 56.