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verzieren

mhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verzieren vb.

Bd. 25, Sp. 2619
verzieren, vb. , verschönern, mit schmückendem zierrat versehen. zur etymologie vgl. zieren teil 15, sp. 1171. kraft seiner vorsilbe wird verzieren überwiegend in perfektiver aktionsart (vgl. zieren I) gebraucht und ersetzt in diesem bereich seit dem 18. jh. mit rasch zunehmender verbreitung das schwindende simplex; seltener und vornehmlich im 19. jh. begegnet auch die imperfektive verwendung ('zur zierde gereichen' und in diesem sinne 'schmücken', vgl. zieren II). während mhd. belege fehlen, ist neben seltenerem mnd. vorsieren, verschieren (s. u. 3) besonders mnl. versieren reich bezeugt (mnd. mnl. -s- aus hd. -z-, vgl. zier, f., teil 15, sp. 1139. — nicht hierher gehört gleichlautendes mnd. vorsieren, mnl. versieren 'ersinnen, bedenken, beschreiben' aus visieren, mlat. visare, vgl. Verwijs-Verdam mnl. wb. 8, 2430 und 9, 543). die lexikalischen buchungen des 15. und 16. jhs. stammen sämtlich aus dem niederrheinisch-westfälischen gebiet: tzyerlick of vertzyert ornatus, comptus v. d. Schueren teuth. 353a V.; expolire vertzeren of slecht (glatt, schön) machen voc. gemma (Köln 1495) H 4a. hierher oder zum folgenden: adornare verzieren of becleyden ebda A 5a (verwandte elsäss. gemmen haben das simplex: zyeren [Straszburg 1508] a 5a; zieren [Hagenau 1510] a 5a). zum teil liegen vom späteren hd. gebrauch abweichende, meist dem mnl. zuneigende anwendungen vor, denen gelegentlich hochdeutsches zieren entspricht. 'mit etwas versehen, ausrüsten, ausstaffieren' (vgl. Verwijs-Verdam 8, 2429): myt greden (stufen) off trappen to vertzieren gradare v. d. Schueren teuth. 132a V.; ondersetten, besticken ... samensetten, vertzieren stipare ebda 261a (vgl. stipare cyeren off ondersetzen mit staken etc. voc. gemma [Köln 1495] X 3a; cyeren etc. gemma gemmarum [Hagenau 1510] A 3a). wohl mit dem nebensinn des ausstattens verbunden auch 'auszeichnen, ehren' (vgl. zieren III A 1, sp. 1181 und Verwijs-Verdam 8, 2428): preditus verciert, begaeft, verheven vel pre aliis datus, dicitur sublimatus, ornatus, clarus vel ante positus voc. gemma (Köln 1495) S 3a; erwerdeliken, iemande verzyren of begiftigen, et sy mit worden, werken offte schryften honestare, honorare, condecorare (um 1500) zs. f. dt. wortf. 15, 306. verziert in der bedeutung 'vermessen' scheint sich dem unter zieren III B 1 (sp. 1182) behandelten verwendungsbereich anzuschlieszen: presumptuosus virczirt Diefenbach gl. 458a. dagegen steht der (imperfektive) gebrauch 'zur zierde gereichen' der späteren verwendung näher: weinich spreken vorsyret de vrouwen rarus et exiguus femellam sermo venustat Tunnicius sprichw. nr. 680 Hoffmann v. Fallersleben (vermutlich nach nl. vorbild: luttel sprekens verciert die vrouwe altniederländ. sprichw. 9, 29 Hoffmann v. Fallersleben); das hd. bevorzugt auch hier das simplex: wenig red ziert ein weib S. Franck sprichw. (1541) 183b. — mundartlich begegnen verzeere Hönig Köln 195 und in abgeleiteter form fertsiærigə Abegg ma. v. Urseren 27. 11) die bedeutung von verzieren erschöpft sich fast ausschlieszlich in der oben erwähnten bedeutung: einen gegenstand verschönern bzw. schmücken durch besondere bearbeitung oder durch anbringen schmückenden zierats, wobei material und art des schmückenden beiwerks teils genannt, teils nicht genannt werden. die bedeutung des seit dem 15. jh. belegten, seit dem 18. jh. zahlreich bezeugten wortes ist bis heute unverändert geblieben: Siena ist ... mit vilen costlichen gebewen verzirt Abr. Ortelius schawplatz d. erdbodems (1572) 36a; e. ch. d. werden ... hiesige stadt aus- und inwendig verziert allhier finden (1664) urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg 5, 1013 Haeften; Appius Silanus ... verwiese es ... dem Lucius ... der Julia ... und Messalina gar hoch, dass sie sich so verzieret hatten A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 235; viel treppen hübsch bemahlt, viel bänke schön verziert, und pforten nach der kunst ansehnlich aufgeführt König ged. (1745) 206; inwendig ist diese kirche zwar sehr verziert, aber noch ganz nach alter art Nicolai reise d. Deutschland u. d. Schweiz (1783) 2, 340; er wollte es (das horn eines einhorns) dem könige Franz von Frankreich schenken, aber vorher reich mit golde verzieren lassen Göthe I 43, 169 W.; wohl besasz sie eine abschrift des buches der bücher, in schwarzen sammet mit silbernen schlössern und beschlägen eingebunden, durch fromme zarte bilder verziert Fouqué d. zauberring (1812) 3, 52; mit rosen, cypressen und flittergold möcht ich verzieren lieblich und hold dies buch wie einen totenschrein Heine s. w. 1, 34 Elster; er verzierte die (brief-)bogen mit kleinen entzückenden vignetten Kahlenberg Eva Sehring (1901) 170; ein graublauseidenes mit goldenem zweig verziertes kleid Carossa winterl. Rom (1947) 20; zwei grosse körbe, ... umwunden von tannenzweigen und verziert mit schleifen und seidenbändern, fielen besonders auf O. M. Graf unruhe (1948) 407. — liegt dem wort verzieren der genannten gruppe von belegen stets eine bewuszte absicht zu schmücken zugrunde, so ist in einigen belegen keine bewuszt schmückende wirksamkeit, sonder nur beobachtung eines naturgegebenen zustandes, der den eindruck des schönen erweckt, gegeben. meist in imperfektiver verwendung: heerden und weinberge verzierten die ufer und hügel an dem gedachten flusse anmuth. gelehrsamk. 7, 511 Gottsched; um das wohnhaus des lords zieht sich ein sammetweicher grasplatz weit hinaus an den hügel, hier und dort durch einzelne gruppen von buchen mit üppigem wuchs, von laube strotzend, verziert J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 407; die vielen säulen und bildwerke des schlosses ... hatten wind und wetter ... mit dem schönsten laubwerke verziert Brentano ges. schr. (1852) 5, 35. das attributiv gebrauchte part. prät. verziert, meist in verbindung mit charakterisierendem adverb, das grad oder art der verzierung näher bestimmt: gestern zeigte sie uns ... eine sogenannte toilette, ein kostbar verziertes kistchen Göthe IV 23, 44 W.; den schweren, schön verzierten deckel ebda I 23, 258 W.; das von weiszen, weichen ginster und weidenzweigen zierlich gewickelte ... gothisch verzierte, stylisierte ... erbhühnernest Brentano ges. schr. (1852) 5, 82; an der ... reich verzierten kasse (einer schaubude) ... sasz eine junge dame Holtei erz. schr. (1861) 11, 166; eine gotisch verzierte orgel Mörike w. 3, 14 Göschen. auszerhalb des sichtbaren bereichs besonders von musikalischen erscheinungen: die verzierten cadenzen sind gleichsam eine composition aus dem stegereif Bach art d. clavier zu spielen (1759) 1, 116; nur hört man die melodie jetzt oft in andern tonarten und verziert singen Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 70; er ... verzierte seinen gesang zuweilen mit so schönen neuen manieren, besonders im duett Heinse s. w. 5, 198 Sch.; es ist (in Mozarts oper 'Mitridate') nicht ein ... gleichmäszig reich figurirter gesang, bei welchem aus dem kern der hauptmelodie die verzierenden passagen herauswachsen O. Jahn Mozart (1856) 1, 282; der waldboden war trocken wie im sommer, und sobald wir ihn betraten, fing Dortchen an zu singen und zwar ein wirkliches volkslied und im tone, wie das volk selber singt, treuherzig und selbst mit den kleinen schnörkeln verziert, die jenes anzuhängen pflegt G. Keller ges. w. (1889) 3, 213. 22) in seltener bezeugten, heute nicht mehr geläufigen negativen anwendungen hat sich der abwertende charakter der vorsilbe ver- durchgesetzt. so kann verzieren geradezu die bedeutung 'verunzieren, entstellen' annehmen: der, so da fragt, wie weit die nase, könne zieren ein menschlich angesicht, auch offtmahl es verzieren Tobias Hübner siebentageszeit (1661) 287; es eckelt mir für mir, die runtzelschlaffe wangen verzieren meine zier. die schwindsucht frist mich noch, die stirne schrumpelt aus Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 75; verzieren u. verunzieren dedecorare, turpitudine notare Stieler stammb. (1691) 2647; verzieren zuweilen so viel als verunzieren Hederich dt.-lat. (1777) 2, 3314. in anderer auffassung: verzieren durch geschmacklose oder überladene zier verstellen, entstellen Campe wb. (1811) 407. partizipal verziert, etwa 'verkünstelt, verbildet im sinne übertriebener geziertheit': eitle, hochnasige, verbildete, verputzte, verzierte, verwelschte, verklimperte, verdudelte, verschauspielerte bleichsüchtlinge Fr. L. Jahn w. 2, 825 Euler; diese buben ... so verschwärmt ..., diese könige, so veraltet, verregieret und verspielet ..., diese damen so verzieret, verzu- und veranmuthet Brentano ges. schr. (1852) 1, 256. — bei ironischer anwendung der bed. 1 wird hingegen der eigentliche sinn von verzieren 'ausschmücken, verschönern' in verschiedenem grade nur in frage gestellt: jede (der jungen damen) war auf eine eigenthümliche art aufgesetzt, garnirt und verziert Sturz schr. (1779) 1, 55; alle unsere jetzigen (frauen-)moden ... tragen nichts zur erhöhung deiner reizungen bei. diese werden vielmehr nur versteckt, beladen und auf eine recht gothische art verziert Möser s. w. (1842) 1, 91; bei welcher gelegenheit ich denn in der anmuthigsten nähe den nicht unbedeutenden bart bewundern konnte, der ihr zartes kinn verzierte Suckow liebesgesch. (1829) 81; sie sind ins narrenhaus geschickt worden ... diese Römerin hätte ihr haupt ... mit hörnern verziert ... und ihr haus wäre recht eigentlich das haus eines narren geworden Waiblinger ges. w. (1839) 2, 271; so auch die grosse kammer der söhne, welche mit den spuren einiger nicht zu tiefer studien und den werkzeugen des ländlichen müssigganges, mit angelzeug und vogelgarnen verziert war G. Keller ges. w. (1889) 1, 190; auch verschiedene zaunstücke waren (am wege) zu sehen, ... sie ... waren mit zerschlagenen töpfen und zerbrochenen krügen verziert Langgässer märk. Argonautenfahrt (1950) 302. umgangssprachlich: sie verziert die wand (von einem mädchen, das beim tanze sitzen bleibt, keinen tänzer bekommt) Rückert unterfrk. ma. 191. 33) auch in übertragenem gebrauch ist das wort in positivem wie in abgewertetem sinne vertreten. 3@aa) bildlich im sinne der konkreten bedeutung 'durch schmückendes beiwerk verschönern': vnde my, blote mensche, cleden wilt mitten cleyderen der godliker minnen vnde my verschieren wilt mitter margriete (perle) der othmodicheit bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5 (1880) 445a; man mag sie nun (die natürliche theologie) durch noch so viel laubwerk und schnörkel verzieren und verstecken, als man immer will Kant I 3, 404 akad.; wie mancher schnitzte über die gnadenwirkungen den bogen so fein, dasz er brach! er verzierte ihn so schön, dasz er ihn nie zu spannen wagte Herder 20, 75 S.; und das gebäude (das buch), dessen fundament gut gelegt war, hätten andernfalls andere vollenden und verzieren können Haller staatswiss. (1816) 1, 40. 3@bb) abstrakter auf gegenstände des geistes, der phantasie angewandt, 'verschönern, ausschmücken': jene auffallenden allegorien ... können uns eigentlich nicht anziehen, von welcher art auch das talent sei, das sie verziert Göthe I 40, 217 W.; wie wird die phantasie, die schon die wirklichkeit aufschmückt, erst träume verzieren Jean Paul w. 3, 174 Hempel; sei nun Shakespeare objectiver als Schiller, so sind doch seine historischen dramen ... weiter nichts als poetisch verzierte chroniken Grabbe w. 4, 158 Bl.; zwar hast du schön verziert die bilder des gefühls Platen w. 1, 628 Hempel. 3@cc) in negativem sinn. meist die bedeutung verschönern ironisch in frage stellend: von dannen her auch die bücher der cathol. vntersassen der ro. kirchen, nämlich Eckij. Phigij ... vnnd anderer dergleichen mehr, also fein gescheckieret sein, vnd mit federn von allerley farben auff indianisch verziert, ... biszweilen ziehen sie ein zeugnusz ausz der schrifft bei dem halsz herzu, biszweilen ausz den vättern Fischart binenkorb (1588) 59b; überschwemmungen, erdbeben, ungewöhnliche luftzeichen, unnatürliche finsternisse ... hatten die geschichte dieser dunklen periode (des verfalls Roms) verziert Jung-Stilling s. schr. (1835) 3, 130; übrigens giebt es hier noch andere spektakelstücke, z. b. le vaisseau amiral, mit einer förmlichen seebataille verziert (1805) Jacob Grimm an Wilhelm in: briefw. (1881) 37; kein auctor in folio, quart usw. war darunter, welchen der vetter nicht durch die tollsten, seltsamsten ... randbemerkungen verziert hätte Raabe hungerpastor (1864) 2, 5; stellte er (ein denunziant) eine schriftliche ehrenerklärung aus, worin er sich als lügner bekannte. diese erklärung liesz ich mit randglossen verziert ... wortgetreu abdrucken briefe von u. an Herwegh (1896) 259; und der älteste gewann den mut, seine bedenken mit einem trockenen hüsteln verziert zu äuszern G. Keller ges. w. (1889) 2, 97. das ausstatten der sprache mit schmückenden wendungen ironisierend: denn fast die ganze rede ist durch solche wendungen verziert. jedoch haben die gegen ende seines lebens geschriebenen reden weniger dieses jugendliche Fr. Schlegel s. w. (1846) 4, 190. die bedeutung 'verschönern' angenähert an 'beschönigen': welch wunderbare grille! eure (der philosophen) art von ehre verlangt eine gewisse romanhafte wendung des geistes. ... eine sonderbare seele, einen eigenen geschmack, diese grillen verziert ihr mit dem namen tugend Göthe I 45, 56 W.; hierauf liesz mich der rasende Pistojeser keine weitern gründe vorbringen und versetzte wüthend: verziere du die sache wie du willst, Benvenuto! ebda I 43, 307.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verzierenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    ver-zieren swv. adornare Dfg. 14 a ( 1507 ).

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verzieren

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Verzieren , verb. regul. act. mit Zierrathen versehen, für das gemeinere auszieren, ein Kleid, ein Zimmer verzieren. Der…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verzieren

    Goethe-Wörterbuch

    verzieren [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    verzieren

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    verzieren in der Abl. unverziert.

  5. Spezial
    verzieren

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ver|zie|ren vb.tr. abelí (-lësc), inforní (-nësc), fá sö, decoré (-rëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verzieren

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Ableitung von verzieren

ver- + zieren

verzieren leitet sich vom Lemma zieren ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verzieren 2 Komponenten

ver+zieren

verzieren setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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