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verspeien

nhd. bis Dial. · 3 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verspeien verb.

Bd. 25, Sp. 1380
verspeien, verb. form. ahd. farspîwan respuere Graff sprachschatz 6, 365; respuit firspiuuit, farspiuuit Steinmeyer-Sievers gloss. 1, 238, 30; despumantes ... firspuwente 1, 797, 23; mhd. verspîwen, verspîen mhd. wb. 2, 2, 513b, Lexer mhd. handwb. 3, 245. 11) der stamm geht ursprünglich nach der zweiten ablautklasse, endigt auf w (Wilmanns d. gramm. 3, 39, § 22), und für -iw- stellt sich -iuw- ein (3, 41, § 23 anm.); die formen mit erhaltung des w sind zwar ahd. noch vorherrschend (Braune ahd. gramm.2 § 110 anm. 1), aber überwiegen schon mhd. nicht mehr: daʒ si sîn minneclichez antlüte verspiuwen deutsche pred. 1, 58 Grieshaber; daʒ sint die speichella mit den er verspiuwen wart 153. die regelrecht daraus entwickelte nhd. form ist alemann. verspeu(w)en: einen verspeüwen und jm übel reden, mores alicuius despuere Maaler 431c; da erspieglent eüch wol und gnueg in seinem verschwollnen, verwunden, zerschlagnen, verspeüthen, güetigen, ellenten angesicht Villinger chron. 52 lit. ver.; das durch sollich leren dem gottis wort kein nachteil noch yntrag geschehe, dan wo das geschehe, sol man es verwerffen, verspotten, verspewen, als gifft vnd selen mord Eberlin v. Günzburg schriften 3. 16 neudr.; also dasz jetzt die welt anfing, entweder jhn zuachten gring, oder gleich ab seim plick zuscheuen vnd gäntzlich jhne zuverspeuen Fischart jesuiterhütlein 1, 230, 16 Hauffen. noch mundartlich verspaüen, jem. bespeien Martin-Lienhart wb. d. elsäss. mundarten 2, 533b; daneben alem. verspüwen: die kranken, die nüts ynnemen wellend, weder das jnen schad ist, und was jnen heilsam ist, verspüwend sie Zwingli werke (1828) 2, 4, 34. 22) die form verspuwen geht vermuthlich auf eine andere gestalt der wurzel zurück (Wilmanns d. gramm. 3, 41 § 23 anm.); sie ist md. und ndd.: wie man in verspûwen unde kroenen solte mit einer dürnînen krônen d. mystiker 292, 26; despuere, verspuwen Diefenbach gloss. 176c; conspuere, verspuwen 145a; afflixerunt per sanguineum fletum, verspuien 16b; verspuwen, -spuien, conspuere, despuere Diefenbach-Wülcker 567, nld. verspuwen, smaden, beschimpen, hoonen, uitjouwen Verdam mndl. hdwb. 637b; daneben verspoen ebd.; verspouwen respuere, despuere, abominari Kilian (1599) 604b. doch auch obd.: nam darmit das papir vnd zerraisz das in manigfaltig stückli. vnd als sy oft mit jren füssen dar vf getrat ouch die verspuwt. warf sy in die äschen des füres Niclas von Wyle translationen 34 Keller; mit geiszlen und schwacheiten gepynget, mit speichlen verspúwet, mit dornen gekrOenet der ewigen wiszheit betbüchlin (Basel 1518) 107a. die starke form des praet. und part. verspu(w)en erklärt sich aus dem im mndl. üblichen, im obd. vereinzelten übertritt des verbs in eine andere klasse (theil 10, 1, sp. 2075): er hat menschens pildes niht, groses unreht im geschiht, sie hant in verspuen schauspiele des mittelalters 1, 35 Mone; also verspotten vnd verspuwen sye Christum Eberlin v. Günzburg schriften 2, 103 neudr. 33) das innere w wandelt sich im bair.-österr. häufig zu b (Weinhold mhd. gramm. § 165): wie gar gedultic dû wære sô man dîn spotte und lästerte und schalt unde sluoc unde bant und versmâhte und verspeip David v. Augsburg d. mystiker 1, 345, 36 Pfeiffer; ich wird verspiben und verspott altd. passionsspiele aus Tirol 355 Wackernell; du hast uns vil zu laidt gethan: hast verspiben uns und unsere kind 412 (v. 2983); auch die wandlung des w zu palatalem g (j) ist zu belegen (Weinhold § 222): conspuere, verspeygen Diefenbach gloss. 145a, Diefenbach-Wülcker 567; dô lie sich got verspîgen an sîn antlüte predigten 2, 63 Grieshaber. vorauszusetzen hierzu sind formen mit ausfall des w, die dann die zwischenlaute entwickeln (Braune ahd. gramm.2 § 110 a. 3). 44) formen mit ausfall des w finden sich ahd. besonders im alemannischen (Braune § 331 a. 3). sie machen in mhd. zeit den mit w gebildeten das feld streitig, um in der nhd. schriftsprache die herrschaft anzutreten; neben das alte prät. spê(o) tritt eine jüngere form spei, die dann der nhd. spie weicht: mit allen iren sinnen den ungelouben si verspei passional 414, 25 Köpke; ein prät. mit r-consonant (spirn) ist für das compositum nicht zu belegen. verspihen, -speyhen Diefenbach gloss. 1, 45a; verspihen 219b; verspyen Diefenbach-Wülcker 567; verspeyen, voc. 1482 ii 8b; verspeyen, verachten Maaler 431c; Stieler 2082; besptzen, verspeyen Corvinus fons latinitatis (1646) 826; Schottel 647a; Kirsch 2, 313b; Kramer teutsch-ital. dict. 2, 861b; verspiehen, präs. ich verspeihe Steinbach 2, 625; Frisch 2, 299a; Adelung und Campe; mnd. vorspîen Schiller-Lübben 6, 308a; nld. verspiën Verdam mnld. hdwb. 637a; verspyhen, veronwerdigen ..., blameren v. d. Schueren teuthonista 249b Verdam; ostfries. ferspêen, ferspêjen, verspeien, verspucken ten Doornkaat Koolman 1, 466a. 55) schwache formen des verbs finden sich im mhd. neben den starken (Weinhold mhd. gr. § 408): si quamen ouch gegangen mit blindelicher witze vor sin schone antlitze daʒ si an im virspieten sie ludemeten vnde schrieten passional 62, 77. daʒ im sîn antlütze wart verspît Berthold v. Regensburg 254, 10; besonders das part. prät. setzt sich in der schwachen form durch: verspeyet Diefenbach gloss. 145a, Diefenbach-Wülcker 567; verspeyet Maaler 431c; verspeit Kirsch 2, 313b; starke und schwache form nebeneinander verzeichnet Kramer teutsch-it. dict. 2, 861b: verspeyet, verspyen; die starke allein Steinbach 2, 625: verspiehen (supin. ut adj.); Adelung bezeichnet im gegensatz zum stammwort in dieser zusammensetzung die schwache, Campe die starke als üblicher. Luther, H. Sachs, Fischart, die schlesischen dichter und Herder wenden nur die schwache form des part. prät. an, gewöhnlich in formelhafter verbindung mit synonymen verben; für Luther ist daneben ein schwaches prät. zu belegen: die kriegsknecht aber ... verspeyten jn Marc. 15, 19, für Herder ein starkes prät.: man sagte, sie verläugneten Christum, und verspieen das kreuz als ein teuflisches werkzeug werke 15, 101 (aus dem Teutschen Merkur 1782). im 19. jahrh. erlischt der gebrauch des wortes in der schriftsprache zu gunsten von anspeien, bespeien; mundartlich ist es im oberdeutschen, schlesischen und ostfriesischen bezeugt. bedeutung und gebrauch. AA. das verb bezeichnet zunächst das auswerfen des speichels und ist gebildet wie got. fra-letan, fra-wairpan (von sich lassen, werfen); die grundbedeutung ist also 'ausspeien': exspuere, verspihen Diefenbach gloss. 219b; despuere, verspuwen 176c; schwäb. verspeien, speien Fischer schwäb. wb. 2, 1343; absolut: was ligt daran, wann schon die drei gelerten (wo sie es anderst lesen werden) verspeien (mit dem nebenbegriff der verachtung) S. Franck mor. encom. 95, 1 Götzinger; als ausdruck gehässiger gesinnung: diese dachten und jene schrien, diese lachten und jene verspien F. Rückert werke 12, 58, BB. mit beziehung auf ein object. B@11) eine person oder sache anspeien, mit speichel bewerfen, stets mit verächtlichem nebensinn: conspuere, verspihen, verspeyhen, verspeygen Diefenbach gloss. 145a; verspeyen, conspuere, besptzen, verspeyen Corvinus fons lat. 826; verspeien, despuere, consputare Kirsch 2, 313b; verspeyen, sconsputacchiare, sputacchiare per dispetto e ignominia, sputar' etc. in viso Kramer teutsch-it. dict. 2, 861b; ich verspeihe, consputo, inspuo ... er verspieh ihn, sputo eum adspergebat Steinbach 2, 625; verspeyen, consputare, inspuere Frisch 2, 299a; zum zeichen der verachtung anspeien Adelung und Campe; elsäss. verspäuen, jem. bespeien Martin-Lienhart wb. d. elsäss. mundarten 2, 533b; ostfries. ferspêen, ferspêjen, verspeien, verspucken ten Doornkaat Koolmann 1, 466a. B@1@aa) dinge anspeien: welcher mensch lobt sollich verbot der pfaffen ee vnnd hilfft handthalten ..., der thut nit kleyner sund, dan so er ein crucifix verspewet Eberlin v. Günzburg 2, 33 neudr.; das kreuz verspeien war der allbekannte übergang zum mahomedanismus Herder werke 15, 86; die kirchenschätz seind all entwend, bildter vnd altar gar verbrend vnd das creutz Christi gar verspeit J. Ayrer dramen 780, 2 (Machumet IV) lit. verein; in der literatur, besonders der älteren, wird verspeien fast ausschlieszlich von der passion Christi gebraucht: mhd. wie diu klârheit des êwigen liehtes verspiuwen unde verspottet unde geitwîʒet wart? d. mystiker 2, 183, 35 Pfeiffer; daʒ im sîn antlütze wart verspît Berthold v. Regensburg 1, 254, 10; daʒ si sîn minneclicheʒ antlütze verspiuwen d. predigten 1, 58 Grieshaber; sein klares gesicht wird bedecket, verspeit, angeplärr't und beflecket, das haar zuraufft und zurissen, die wangen grimmig zuschmissen A. Gryphius oden 4, 9, 10 Palm; und als ein lotterbub frech, garstig, ungescheuet, dir deinen bart geraufft, dein angesicht verspeyet. o weh, dasz unsre schuld dir ursacht solche pein, und unsre missethat musz so gebüsset seyn! S. Dach 245 Oesterley; du edles angesichte! dafr sonst schrickt und scheut das grosze welt-gewichte, wie bist du so verspeyt? P. Gerhard bei J. V. Pietsch schriften (1740) 382 (Fischer-Tümpel 3, 413 hat bespeyt); o allerschOenstes angesicht, wie bistu zugericht! o sonne der gerechtigkeit, wie ist dein glantz verspeit! Scheffler heil. seelenlust 68 neudr. B@1@bb) eine person anspeien: mhd. daʒ sint die speichella mit den er verspiuwen wart d. predigten 1, 153 Grieshaber; und gieng ûf den berg und gedâhte waʒ er lîden solte und wie man in verspûwen und kroenen solte mit einer dürnînen krônen d. mystiker 1, 292, 26 Pfeiffer; vgl. auch den oben unter form' 2) citierten beleg aus schausp. d. mitt. 1, 35, 114 Mone (Marienklage). in verbindung mit synonymen verben ist besonders beliebt die wendung verspeien und verspotten: einen verspeyen und verspotten, sputtar' etc. uno in viso (in faccia) sconsputacchiarlo e schernirlo Kramer teutsch-it. dict. 2, 861b; einen verspeihen und verspotten aliquem consputare et cavillari Steinbach 2, 625; wan er wirt geantwert den heiden, vnd er wirt verspot, vnd wirt gegaiselt, vnd angesput (var. verspeyt) cod. Teplensis 1, 108 c. 18 Huttler; vnd des menschen son wird vberantwortet werden den hohenpriestern vnd schrifftgelerten, vnd sie werden jn verdamnen zum tode, vnd vberantworten den heiden, die werden jn verspotten vnd geisseln, vnd verspeien, vnd tOedten Marc. 10, 34; mit geiszlen und schwacheiten gepynget, mit speichlen verspúwet, mit dornen gekrOenet der ewigen wiszheit betbüchlin (Basel 1518) 107a; also verspotten vnd verspuwen sye Christum Eberlin v. Günzburg schriften 2, 103 neudr.; vnnd wann Christus alhie ain warer gott, vnd mensch nicht so gtigklich gelitten het, sich verspeyen, verspotten, schlagen vnnd tOedten lassen, so wAer kain wunder Joh. Nas d. antipap. eins vnd hundert (1567f.) 2 L viija; da des menschen son muss auff erden den heyden uberantwort werden, da er muss von den schrifftgelerten, hohenpriestern und den verkerten verspot wirt werden und verhönet verspeit, gegeysselt und gekrönet H. Sachs werke 11, 257, 25 Keller-Götze; er ward nicht allein auffgehangen, sondern erst wie ein dieb gefangen. verspeit, verschmehet vnd verhOent B. Krüger aktion v. d. anfang und ende der welt (1580) E viija; ich werde nun gescheuet, verspottet vnnd verspeyet Venusgärtlein 65, 21 neudr.; ich lasse mich mit dornen krönen, verspeyen, geisseln und verhönen, mit mördern gleich geschätzet stehn S. Dach 102 Oesterley; hOert! wie sie ihn, zu hAeuffung seiner pein, aufs allerschimpflichste verspotten und verspeyn Koenig ged. (1745) 584. B@22) die vorstellung des körperlichen anspeiens tritt allmählich zurück und der verächtliche sinn noch mehr in den vordergrund: verspeyen, verachten, respuere, deridere; verspeyet, derisus Maaler 431c; respuo, .., verspeien, verachten Aventinus werke 1, 429, 9 Lexer (rudimenta grammaticae); Jesus ist von den juden verspeyet worden, und wirds noch heut von christen Kramer teutsch-ital. dict. 2, 861b; verspeyen, bespotten etc. mit spottgesichtern, oder spottmAeulern, bespotten, uytjouwen, vergnyzen Kramer hoch-ndd. dict. 247b; verspeyen, ... exspuendo contemnere Frisch teutsch-lat. wb. 2, 299a; mit spott und verachtung behandeln Campe; verspeyen, verspotten, verhöhnen Weinhold schles. wb. 92a. B@2@aa) personen: versmohet es denne jenre (der böses zugefügt hat) als ob er in verspúwe, dar umbe sol der mensche (dem böses widerfahren ist) nút ablossen, er tuo ime einen sunderlichen dienst als verre er iemer vermag Tauler pred. 381, 18 Vetter; potuisset aliud signum dare, cum ridiculum fuerit gentibus, die die juden verspeith haben propter hoc signum Luther 14, 271, 8 Weim.; et prociderunt (tyranni): postquam apostoli ceperunt praedicare, lagen sie wie die toten hund, sicut hodie: ubi euangelium praedicaum, verspeiet man sich (= sie), man darff sie nit schlahen 15, 521, 33; zu letzten ist es der guoten frawen auch fürkummen, die dann auch von manchem verspeit ward Wickram rollwag. 119, 26; so nuhn da ein zwangnusz ist, wie kan man dann einen verachten, oder verspeyen, der solches thut? Paracelsus 1, 259 A (1616) Huser; der himmel kan morgen vil gunsten verleyen dem schlechsten, den heute die grossen verspeyen Logau sinnged. 153 lit. ver., alle, die dich jetzt verspeyen, werden Jesu! Jesu! schreyen B. Neukirch ged. 66 (1744). B@2@bb) sachen: noch darff der babst hie yn der jubil bullen mit der faulen, verlegen ... war, die alle menschen verlangst verspeyet, widder komen Luther 18, 255, 20 Weim.; euangelium est contempta res et verbum crucis; ... ideo sputo significatur, das mans wirt verspeihen 11, 168, 7. B@2@cc) selten reflex. form: fleisz dich des grundts so du denselbigen kanst, du wirst dich selbs ab solcher bosselarbeit verspeyen Paracelsus chir. schriften (1618) 170 b; drumb weil sie also farn dahin ist zu letzt schand vnd spot jhr gwin, nicht von andern leuten allein sondern auch sie sich selber verspeyn Agricola musica instrumentalis deudsch 135 Eitner. B@33) das anspeien drückt oft gehässige gesinnung aus. B@3@aa) zunächst körperlich, mit giftigem speichel bewerfen: wie der Olaus in seiner histori von den hausschlangen meldt, welche wiewol sie erstlich zam ... doch zuletzt ... plOezlich jre milte art inn eyn wilde Aendern, ... vnd jedem der herzu nahet, ... widerstand thun vnd mit gifft sie verspeien vnd bestreiten Fischart ehzuchtbüchlin 247, 2 Hauffen. B@3@bb) in übertragner verwendung bei personen: einen verspeüwen und jm übel reden, mores alicuius despuere Maaler 431c; hat die tugend ihre hasser, die sie lAestern und verspeyn Stoppe parnasz (1735) 229. dann dient es zum ausdruck des fluches: Lucifer sprach, dasz er verspeyet werde Ayrer proc. jur. 2, 11 (1600); siehst mich an für ein solches weib, dasz ich hab ander männer lieb, so sey verspeit, du ehrndieb! Jac. Ayrer dramen 1314 lit. ver. (Valentin u. Ursus 1). B@3@cc) zum ausdruck des fluches bei sachen: etwas verspeyen und verfluchen, sconsputacchiare una cosa per detestatione ed esecratione, e male dicendola Kramer teutsch-it. dict. 2, 861b; des cardinals name ward on vnser zuthun verspeiet vnd verdampt Luther werke 6, 326a Jen. ausg.; verspeyet vnnd vermaledeyet sey aller auffgewandter vnkosten Ayrer proc. jur. (1600) 3, 1. B@44) sinnesverwandt ist: verspeyen, ... inspuendo faciem rejicere Frisch teutsch-lat. wb. 2, 299a mit dem sinn des abscheus und der entrüsteten zurückweisung; bisweilen kann es dabei auch auf die anschauung ausspeien, von sich speien zurückgehen, etwas dem speichel ähnliches, unreinliches von sich geben, besonders bei sächlichem object. B@4@aa) bei personen: dawider genzlich in verspei ir tugenthafte kuscheit passional 492, 70 Köpke; ja wrde Masanisz uns mit samt unsern flammen nach einst gebster lust nicht asz (!) ein gift verspein? Lohenstein Sophonisbe 2, 297 (1689 s. 29); so birgst du endlich, grab, das ungeheuer, verspieen von der menschheit, wie der geier aus einer flugschrift auf Napoleon angeführt bei Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 108 neue folge. B@4@bb) mit sächlichem object: mit allen iren sinnen den ungelauben si verspei passional 414, 25 Köpke; niemalen pflegt man etwas zuuerspeyen, es sey dann etwa ein greulich stinckendes ding Aeg. Albertinus zeitkürtzer (1603) 151; hat der teuffel nicht gesagt: von den menschen kompt anders nichts als böses? so verspey ich dann die boszheiten die in meinem gemüth sind, aus furcht, des teüffels sage möchte wahr werden Olearius persian. baumgarten 9, 13; verspeiet derhalben die corinthische hohe zatzenstifft, solonisch wolffshlen Fischart Garg. 90 neudr. (cap. 5); solche tolle trgereyen pflegt man eyfrigst zu verspeyen Hoffmannswaldau ged. 4, 367 (1697 ff. Neukirch). hier mag auch auf den bei Grimm rechtsaltertümer2 2, 525 (882) vermerkten brauch hingewiesen werden, dasz die schöffen beim urtheil ausspeien. B@55) in oberdeutschen mundarten lebt verspeien in der bedeutung von 'erbrechen' und 'durch erbrechen verunreinigen': die kleinen kinder verspeien ihre kleider, ihre wärterinnen. das bett verspeien, ... verspucken, verkotzen Fischer schwäb. wb. 2, 1343. CC. substantivirter infinitiv: kaufte ers (das kreuz) zum verspeien wieder? Herder werke 15, 93 Suphan; dergleichen bestimmtere züge ... sind freilich aus dem erfolg in die reden Jesu hineingetragen; während andere, wie z. b. das verspeien (Luc. 18, 32) aus der weissagung Jes. 50, 6 ... genommen wurden D. F. Strauss schriften 3, 297. DD. das adj. gebrauchte part. prät. kommt im anschlusz an B 1 b bis auf Herder nur schwach vor (vgl. unter form, abschnitt 5): consputus, verspeyet Diefenbach gloss. 145a; Diefenbach-Wülcker 567; verspeit, consputatus Kirsch 2, 313b; da erspieglent eüch wol und gnueg in seinem verschwollnen, verwunden, zerschlagnen, verspeüthen, güetigen, ellenten angesicht Villinger chron. 52 lit. verein; Pilatus nach dem Jesus numb, fürt in rausz zum volck widerumb, also gegeyselt und gekrönt, verspot, verspeyet und verhönt H. Sachs werke 1, 310, 9 Keller; der mit der gantzen last des vaters vngenaden, vnd vnser bösen that hengt an dem holtz beladen, gepreszt, verspeyt, gedrückt, veracht, geschmäht, verspott, verlassen von der welt, vnd wegen jhr von gott Opitz deutsche poemata 189 neudr.; so müssen wir verjagt, verhöhnt, verspeyt, verlacht, entzeptert, sonder trost und hoffen tag und nacht umirren, weil wir sind, und unter fremden füszen, ja rauer dienstbarkeit das harte leben schlieszen! A. Gryphius Leo 3, 265 (86 lit. ver.); ob's besser sey beschimpfft, befleckt, entblOeszt, verspeiet, zerrissen, ausgelacht, geschAendet und entweihet, die blthen erster scham wie hure bssen ein, als eines kAeysers braut in seid und purpur seyn? Lohenstein Ibrahim Sultan 4, 71 (1680 s. 73); vnd hast am kreutz als wie ein dieb vnd mörder da gehangen, verhöhnt, verspeyt und sehr verwundt P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 374b; den wahren gottes sohn verfolgten sie sehr hart, dasz er nach ihrem wuntsch zu letzt gefangen ward, und hin und her geschleppt, von jedermann gehejet, mit schlAegen abgelohnt, gegeiszelt und verspeyet G. Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 304; er ist wie ein lamm das vor seinem scheerer verstummet — verspottet, gegeisselt und verspeiet — auf Golgatha in einer dornenkrone ans kreuz geheftet worden M. Claudius werke 7, 268; der arme jude (Uriel Acosta) ... endigte damit, dasz er als ein neuaufgenommener in der synagoge seiner glaubensgenossen, schimpflichentblöszt, mit füszen getreten, gepeitscht, verspeiet, ... sich selbst den tod gab Herder werke 17, 273 Suphan. vgl. auch verspeizen, verspeuzeln, verspeuzen, verspirzen, verspürzen, verspützen.
19631 Zeichen · 334 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verspeienv., trs

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Verspeien , v. trs . unregelm. ( s. Speien ), aus Verachtung anspeien; und uneigentlich mit Spott und Verachtung behande…

  2. modern
    Dialekt
    verspeien

    Schweizerisches Idiotikon

    verspeien Band 10, Spalte 24 verspeien 10,24

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verspeien

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Ableitung von verspeien

ver- + speien

verspeien leitet sich vom Lemma speien ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verspeien 2 Komponenten

vers+peien

verspeien setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — verspeien kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verspeien". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verspeien/dwb?formid=V04370
MLA
Cotta, Marcel. „verspeien". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verspeien/dwb?formid=V04370. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verspeien". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verspeien/dwb?formid=V04370.
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