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versöhnen

nhd. bis spez. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

versöhnen verb.

Bd. 25, Sp. 1350
versöhnen, verb. ; während im verbum simplex regelrechte entwicklung von üe zu ü vorliegt und der stammvocal sich erhalten hat (sühnen), ist bei versöhnen der mundartliche vokal ö ( v. Bahder, grundlagen des nhd. lautsystems 198) durchgedrungen, aber nur sehr allmählich, und versühnen ist dann in archaisierender Sprache wieder aufgenommen; vgl. dazu sühne, sühnen und versühnen. ahd. suona ist ein westgerm. wort, ein altnord. són, f., piaculum (Sn. Edda 1, 216) ist zweifelhaft; sonardreyri, sonargltr haben kurzes o; n. forsone, schwed. försona sind lehnwörter aus dem deutschen. über das verhältnis von suone zu nd. swône vgl. unter sühne. im ahd. glossirt farsonit praejudicat (Graff 6, 244) entsprechend der alten bedeutung judicium des f. suona, vgl. alts. gisônian, fries. sêna. mhd. versüenen (und ohne umlaut versuonen), zur sühne, zur versöhnung bringen. mhd. wb. 2, 2, 750b; Lexer mhd. handwb. 3, 256; pacatus, versunet, versient, versoent. pacificare, versünen Diefenbach gloss. 405a; reconciliare, versunen, versünen, versonen, versoenen, versyenen, versenen 487c; expiatus, versunet 218b. conciliare, versunen, versienen 138c; vorsonen Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 452b; brem. wb. nachtr. 325. md. versoenen, conciliare, reconciliare Kilian 2, 727a (1777), etzt verzoenen. versünen, befriden Maaler 433b; versöhnen, vertragen Hulsius dict. 356a (1616); daneben hat er versühnlich, versühnlichkeit (358a) versühnen Comenius sprachenthür. übers. von Docemius 908, 911 (1657); Corvinus verzeichnet im reg. zum fons lat. versöhnen und versühnen. versöhnen, reconciliare Schottel 1416 (sühnen 1427). Stieler hat sönen neben sünen, versönlich neben versünlich, aber nur versönen (2057). versönen, versünen Kramer deutsch-it. dict. 2, 839b (1702); Steinbach 2, 604 bezeichnet versühnen als ein wort, das nicht überall gebräuchlich ist. die regelrechte form ist versöhnen; Frisch 2, 284c hat als gebräuchliche form nur versöhnen, ebenso Adelung und Campe; Luther, der das wort in der bibelübersetzung auszerordentlich oft anwendetzur befestigung des wortes im gebrauch des nhd. haben die religiösen kämpfe des 16. jh. viel beigetragen —, hat die formen versunen, versünen (versönen Hebr. 2, 17; Col. 1, 20; 22. Ephes. 2, 16; 2 Corr. 5, 18. versönung 2 Cor. 5, 18; 5, 19. 1 Joh. 2, 2; 4, 10. in der ausgabe von 1545); Eck: versönen (Kluge von Luther bis Lessing 82). beispiele für das eindringen des ö: der macht ainträhtigung zwischen den êläuten und versœnt die kriegenden Konrad von Megenberg 471, 14 (bayer. handschr. d. 14. jh.); (Christus) ist ein versöhner umb unser sünd Kurrelmeyer, die erste deutsche bibel (1. Joh. 2, 2). Hertzog Jerg hat sich mit dem ro. kaiser und kinig zuo Insprugk versendt d. städtechron. 25, 51, 12 (chronik des Clemens Sender). do aber in solchen läuffen der keyser begert sich zu versönen der kirchen Munster kosmogr. 425 (1564). versöhner Henisch 1240, 24 (1616). zur erhaltung der form versühnen hat die von Luther ausgehende wirkung viel beigetragen: im geistlichen lied: er leidet, gott uns zu versühnen. dann werden ihm die völker dienen. Cramer bei Lessing3 8, 232; Christ ist erschienen, uns zu versühnen. weihnachtslied von Joh. Falk (o du fröhliche): weltlich: erst müssen wir in fassung uns versühnen, das untre durch das obere verdienen Göthe Faust II, 1 (15, 1, 21 Weim. ausg.); (der feierlich-pedantische astrolog spricht die worte). auch spinnen die weiber der waldfrau ein stück haar am rocken und werfen es ihr ins feuer, um sie zu versühnen Grimm deutsche sagen nr. 151; lasz ruh und lied sich gatten bei frommem harfenklang, der letzten trauer schatten versühne mit gesang Geibel 2. 15 (1888). das bedeutungsgebiet des wortes ist allmählich eingeschränkt worden, das tritt klar hervor, wenn wir versöhnen mit sühnen und sühne vergleichen. sühne hält den begriff der zu entrichtenden busze fest, der sich in versöhnen verflüchtigt hat. um die herbeiführung eines objectiv notwendigen oder wünschenswerten ausgleichs handelt es sich beim nhd. gebrauch von versöhnen gewöhnlich nicht mehr, abgesehen von der anwendung des wortes für das verhältnis des sündigen menschen zu gott; auch hier hat sich indessen der gebrauch eingeengt und in dem sinne von 'entsündigen', der bei Luther noch ganz deutlich hervortritt, ist versöhnen jetzt ganz ungebräuchlich. versöhnen beschränkt sich im nhd. im allgemeinen auf die subjective sphäre, auf die innerliche umwendung bei der wiederherstellung eines gestörten guten verhältnisses einer person zu einer andern person oder persönlich gedachtem, während in älterer sprache die vorstellung des zustande kommenden objectiven ausgleichs im vordergrunde steht; durch diese einschränkung kann das wort einen gefühlston bekommen, der in der älteren sprache, wenn es sich lediglich um die wiederherstellung eines äuszeren verhältnisses handelt, meistens fehlt. abweichungen von diesem gebrauch sind natürlich auch im entwickelten nhd. möglich. in älterer sprache schlieszt sich das verbum zunächst an den begriff des verbum simplex an, wobei ver die durchführung der handlung bis zum abschlusz bezeichnet. versühnen kann also hier neben der uns geläufigen anwendung auch im objectiven sinne gebraucht werden. aus dem gesagten erklärt es sich, dasz versöhnen im entwickelten nhd. gewöhnlich nur ein persönliches object bei sich hat. 11) mit dem accusativ der sache; in älterer sprache ganz wie unser sühnen, nur dasz bei dem verbum simplex der ton zunächst auf dem vorgang, der art und weise des ausgleiches, beim compositum auf dem zustandekommen, dem abschlusz des ausgleiches liegt; doch verwischt sich dieser unterschied leicht: künec edele,du solt mich leben lân. eʒ wirt wol versüenet,swaʒ ich dir hân getân. Nibel. 626, 2; 'ir sluoget mînen œheim.' 'deist doch versüenet.' Gottfried v. Straszburg Tristan 11582. als object tritt zu versöhnen auch die busze, die das gestörte verhältnis widerherstellt, s. unten 3, b. schuld, sünde, missetat u. a. versühnen; so oft in Luthers bibelübersetzung: und sie sollen jre sünde bekennen, die sie gethan haben, und sollen jre schuld versünen mit der heubtsumma 4 Mos. 5, 7; die gaben der gottlosen gefallen dem höhesten gar nichts, und sünde lassen sich nicht versünen mit viel opfern Sir. 34, 23; durch güte und trew wird missethat versünet sprüche 16, 6; zu versönen die sünde des volkes Hebr. 2, 17; der sol jm seine unwissenheit versünen, die er gethan hat, und wuste es nicht, so wirds jm vergebn 3 Mos. 5, 18. das sol den todt, szunden weg nemen und alle dingk schlichten und versunen werke 29, 311, 17 weim. ausg.; blut kann versöhnen, was das blut verbrach. Schiller Maria Stuart 5, 7 (12, 565). so bin ich schuldig einer greuelthat, die keine reu und büszung kann versöhnen! die braut von Messina 2481 (14, 114); sich versöhnen: das böse, das der mann, der mündige, dem manne zugefügt, das, ich will es glauben, vergiebt sich und versöhnt sich schwer. 406 (14, 30); bald wird mit sieg und mit gebete die schuld der christenheit versöhnt. Novalis 1, 99 Minor. wieder rein machen, was durch schuld befleckt ist (vgl unten 2, c) in gleichem sinne mit persönlichem object: sieben tage soltu den altar versünen, und jn weihen 2 Mos. 29, 37; und sol den lebendigen vogel lassen hin aus fur die stad ins frey feld fliegen, und das haus versünen, so ists rein 3 Mos. 14, 53; und sol also versünen das heiligthum von der unreinigkeit der kinder Israel 16, 16; das land kan vom blut nicht versünet werden, das drinnen vergossen wird, on durch das blut des, der es vergossen hat 4 Mos. 35, 33. bezogen auf uneinigkeit, krieg u. ä. im sinne von 'zum friedlichen abschlusz bringen' (vgl. j. Tit. 378, 4 unten unter 2, d): do wart versont dat lange orloge twischen deme stifte do Bremen unde denn hertogen Heinrike von Bruneswic d. chron. 2, 1, 242, 21; also wart dat orloghe vorsont 247, 17; dar vorsonede de koning vele kriges under den vorsten van over Rin d. städtechron. 7, 69, 18; dat se scholden versonen den krich twischen koning Philippo unde koning Otten von Brunswik 132, 12; do disen unfrieden nieman kunde versunen 8, 86, 13; und versuonde die missehelle und gespenne under in 408, 5; freier mit dheinen sachen moht er den grôzen haz baz versüen. Ottokar reimchron. 3123; manic vîntschaft unde haz der kunic versuonen hiez. 18571; die fintschafft, die ich zu em trage, die sij vorsienet bi dissem tage; Alsf. pass. 4045. eiffert und schonet nit hernach zu der zeit seiner grimmen rach, sonder sieht auch an keîn person, die im die rach versünen kan. H. Sachs 19, 249, 12 Keller-Goeze; (und sihet kein person an, die da versüne sprüche 6, 35). sus wart versüenet der zorn. Hartmann v. Aue Iwein 8136. hier ist eine berührung mit dem gebrauch der neueren sprache; in wendungen wie zorn, hasz, feindschaft versöhnen tritt leicht die zürnende, hassende, feindselige person in der vvrstellung als object des verbums auf, solche verbindungen sind unten unter 2, b behandelt; älterer und neuerer gebrauch scheidet sich oft auch hier so, dasz bei jenem die wiederherstellung des gestörten verhältnisses, bei diesem die innere umwandlung mehr betont wird. die dichterische sprache bewahrt gröszere freiheit. leid als störung gefaszt, die ausgeglichen wird: mag man bî allen wîben hôch gemüete finden? nein, swæren muot vertrîben, versuonen leit und sendîu herz entbinden, die sæligkeit ligt niuwen an den guoten. Hadamar v. Laber jagd 653; der sorgen-kummer wirdt durch diese nicht versühnt. Scherffer Grobianer 278 (1640); der thränen gabe sie versöhnt den grimmsten schmerz. Göthe Pandora (50, 335 weim. ausg.); erstatten, ersetzen, wieder gut machen; ir minneclîcheʒ bîligen kan eʒ wol versüenen. Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 12823. 22) mit persönlichem object. 2@aa) object des verbums ist die zürnende, feindlich gesinnte person, die zu gunsten einer andern umgestimmt wird: ein erzürnten oder zornigen versünen unnd begütigen, delinire commotum Maaler 433b; (object zu ergänzen) mit lieblichen worten befriden und versühnen 433c; anzusprechen (anzureden) zufrieden zu stellen, zu versühnen Comenius sprachenthür. übers. von Docemius 908 (1657); durch Jesum Christum einen versöhnten gott haben Kramer deutsch-it. dict. 2, 839b (1702) einen erzörnten versöhnen, die götter mit vielen opfern versöhnen, auch die nächsten freunde haben ihn nicht versöhnen können Steinbach 2, 604; einen mit geschenken versöhnen 603; seinen feind versöhnen Campe. got mehr ertzurnet den vorsunet Luther an den christlichen adel 51 neudruck. ich wil jn versünen mit dem geschenk 1 Mos. 32, 20; und der herr ward dem land versünet 2. Sam. 24, 25 (dagegen vgl. untenm. 5, 10). wo mit sol ich den herrn versünen? mit bücken fur dem hohen gott? sol ich mit brandopffern und jerigen kelbern jn versünen? Micha 6, 6; durch gedult wird ein fürst versünet sprüche 25, 15; dieses opffer, durch welches du hast wöllen versünt und zufriden gestellt sein Fischart bienenkorb 82a (1586); embsigs bedîenen wirdt ihn versühnen Scherffer ged. 476 (1647); du hast den widersacher mir versöhnt. Göthe Tasso 5, 2 (10, 226 weim. ausg., vgl. oben 2 Sam. 24, 25). 2@bb) die person durch ein unpersönliches object umschrieben, unpersönliches personificirt: den zorn gottes versünen unnd gestillen; ein weich und zart gemüt leychtlich zeerzürnen und zeversünen Maaler 433b; die liebe wirt mit gält versünt, auro conciliatur amor 433c; ein zorniges gemüthe versöhnen Steinbach 2, 603; jemandes zorn versöhnen (mit einem citat aus Ramler), 'in höherer schreibart' Adelung; (dasz Christus) des vaters zorn versunete Luther 28, 98, 11 weim. ausg.; nicht darumb, .... dasz sie durch jre natürliche krefften und vermögen den zorn gottes stillen, und versönen köndten Gretter ep. Pauli an d. Römer 26 (1566); vil reine meit, rôse âne dorn ... versüene uns dînes kindes zorn. minnes. 3, 109b Hagen; auff das versünet würdt dein zorn und menschlich geschlecht nit wert verlorn. H. Sachs 11, 270, 11 Keller-Goetze; ei wie will ich vor dir bestahn, dein angesicht versöhnen? Spee trutz-nachtigall 51 Balke; freier gebrauch: aber noch blieb mir etwas übrig, womit ich die beleidigte geseze versönen ... kann Schiller räuber 5, 2 schauspiel (2, 203). 2@cc) in älterer sprache im objectiven sinne, einen versöhnen, ihn entsündigen, von schuld frei machen; vgl. den gleichen gebrauch bei unpersönlichem objecte oben unter 1.: und destages (am sonntage) wurden wir versünet umbe Adâmes missetât schwabenspiegel 206 Gangler; und sol also der priester sie versünen, so wirds jnen vergeben 3 Mos. 4, 20; und sol das sündopffer machen, und den gereinigten versünen seiner unreinigkeit halber 14, 19; dieser objective sinn des verbums ist auch im gebrauch des neuen testamentes wirksam, doch geht das verbum dort in die subjective sphäre über (vgl. unten unter d); (Christus) hat uns versunet, das gott unns seynn huld gunnet. Luther, Wackernagel kirchenlied 3, 11 nr. 13, 2; lasz uns werden versühnet durch dein barmherzigkeit. Opel-Cohn dreiszigj. krieg 219, 11. 2@dd) einen versöhnen mit einem. in älterer sprache auch einen versöhnen zu einem, gegen; ferner: einen einem versöhnen. als object tritt hier gewöhnlich die person, deren verhältnis zu einem zürnenden, feindseligen umgestaltet werden soll. dann mit pluralischem object: zwei mit einander versöhnen, streitende versöhnen, wir sind versöhnt u. a.; vernunfft und die red versünt, vereinbaret und verbindt die menschen, under einanderen Maaler 433c. die erzörnte gemüter versönen Kramer deutsch-it. dict. 2, 839b (1702); einen ungehorsamen sohn mit seinem vater versöhnen; er hat die brüder versöhnt, die hausleute versöhnen Steinbach 2, 604; zwei uneinige eheleute wieder versöhnen Campe; iʒ was ein vêhede zwischen dem engele und deme menschen êr dan got mensche wart; zu eime urkunde daʒ di vorsunet wurden sô sante got den engel myst. 1, 110, 23; (ein stein) andem man vint ain frawen mit zestrobeltem hâr, der hât ain kraft ze versüenen die êläut K. von Megenberg 408, 24; (der pabst) vorsonde de vorsten, swar so he mochte d. chron. 2, 1, 174, 17; daz wir mit der stat zu Muolhuosen voreynet und versuonet sint guotlichen quelle des 14. jh. bei Diefenbach-Wülker 569; so wir gott versünet sind, durch den tod seines sons m. 5, 10 (wir sein versünt zuo got die erste d. bibel hrsg. von Kurrelmeyer); und das er beide versönete mit gott Ephes. 2, 16 (zuo got a. a. o.); und alles durch jn versönet würde zu jm selbs Col. 1, 20; (das christenthum) ist die methode wodurch der mensch, welcher durch sündigen ein feind gottes geworden ist, nach redlichem bereuen ihm wieder versöhnt wird Göthe II, 12, 54 weim. ausg.; dat ic sijn vrient worden bem, ende hi versoent es jeghen mi Reinaert 2781; darup se worden vorsoynet. d. städtechron. 16, 119, 570; so sin wir versuonet under ein anderen. spec. eccl. 156, 511; der uns zwei versuonde vil wol, des wær ich gemeit. minnes. frühling 9, 19; (mit abhängigem genetiv:) die wâren alles krieges gar versüenet. j. Tit. 378, 4; (vgl. oben krieg versühnen unter 1); die sie zuo der hinvart solden mit got versüen. Ottokar reimchron. 3251; das versöhnt mich mit meinem schicksal (dem ich bis dahin zürnte, mit dem ich unzufrieden war); die schöne umgebung versöhnt mich mit der langweiligen stadt; eine blindheit, die mich allein noch mit meinem barbarischen loos versöhnt Schiller kabale und liebe 4, 7 (3, 464); dasz beszre überlegung mit einem anerbieten sie versöhnt. dom Karios 2, 14 (5, 1, 144); aussöhnen klingt in solchen wendungen weniger gewählt als versöhnen. 2@ee) sich versöhnen (untereinander oder mit einem anderen). ein anderes sich versöhnen s. oben unter 1 (Schiller die braut v. Messina 406); sich mit gott versönen Kramer deutsch-it. dict. 2, 839b (1702); sich mit seinem nachbar, sich wieder mit seinen feinden versönen Steinbach 2, 604; und suln sich och versüen mit allen den die sie beswêret hânt Germ. 18, 187, 10; fürsüene dich ê mit dînem bruoder Grieshaber pred. 1, 73 (gagg faurþis gasibjon broþr þeinamma Matth. 5, 24); er scalt thu thi simla gisdoneanuuið thena sacuualdand. Hel. 1469; zi gisuonenne thih mit thînemo bruoder Tatian 27, 1; versüne dich mit deim bruoder Kurrelmeyer, die erste deutsche bibel (Luther: und versüne dich mit deinem bruder); diu sêle sprichet, daʒ ir zorn sô unmêʒic sî, daʒ er sich mit ir niht versüenen müge myst. 2, 542, 16; darnach versunte sich die stat mit dem pischof d. chron. 2, 1, 360, 13; dozwischen versunde sich der küster mit dem bischof d. städtechron. 8, 140, 12; und besante sine vigende und versuone sich mit in 432, 8; da hat sich der probst gegen inen versüent Valerius Anshelm Berner chron. 5, 298; wann er nur zu acht tagen, wann es wol geräth, dem gottesdienst beywohne und sich etwan das jahr einmal vermeintlich mit gott versühne Grimmelshausen Simpl. 2, 260, 20 Kurz; nu versuonen wir uns hiute,ich was dir gester gram. Wolfdietrich A 111, 1; die beide hie versuonten sich mît rede harte minneclich. H. von Freiberg Tristan 1107; mit got er sich versüende noch mit der werlde nimmer. K. von Würzburg Engelhard 3984; im möhte werden alsô wol, swer des frides sich verstüende, daʒ er sich dârnâch versüende. Lamprecht v. Regensburg Tochter Syon 2572; er versüent sich mit in mit lîhen und mit geben. Ottokar reimchron. 37 331; es zeugt die schrifft so hell und klar, das man nîcht zgleich dem gelt kan dienen, und dennocht sich mit gott versünen. Waldis Esop 4, 82, 132 Kurz; dich nur mit gott versöhne, nur auf zum himmel schau. Spee trutznachtigall 57 Balke; versöhnt man sich, so bleibt doch etwas hängen. Göthe Faust II, 1 (15, 1, 35 weim. ausg.); sich mit etwas versöhnen, es nicht mehr mit miszbilligung, feindseligkeit ansehen: ich kann mich nie mehr mit einer meinung versönen, die ich einmal belachte Schiller 4, 35. in freier wendung: ein mächtiger vermittler ist der tod da löschen alle zornesflammen aus, der hasz versöhnt sich. Schiller die braut v. Messina 2702 (14, 122). 33) besonderes: 3@aa) eigentümliche verwendung des part. praet.: daʒ ein versuonter kus (kusz der versöhnung, osculum pacis) geschiht understunde von ir zweier munde, Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 4035. 3@bb) entrichten, zahlen: wanne ein arm man eine eynunge (busze) versoenet unde virrichtet quelle bei Crecelius oberh. wb. 2, 878. 3@cc) ausbessern, wiederherstellen; dieser gebrauch entsteht vielleicht unter dem einflusse von büszen (vgl.büszen 1 th. 2, sp. 572); dasz man die fasse etwas versönet Spittendorff 263; dasz nicht etwan ayterung erfolge, sondern die zarte rippenfehl wiederumb versöhnet und ergänzt werden quelle d. 17 jh. bei Schmeller 2, 295.
18727 Zeichen · 298 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Versöhnen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Versöhnen , verb. regul. act. 1. Man versöhnet zwey Personen mit einander, wenn man Ursache wird, daß sie alle bisherige…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    versöhnen

    Goethe-Wörterbuch

    versöhnen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    versöhnen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ver|söh|nen I vb.tr. apajé (-jëia), mëte a öna, reconzilié (-iëia) II vb.refl. sich versöhnen se reconzilié, fá la pesc,…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit versoehnen

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Ableitung von versoehnen

ver- + soehnen

versoehnen leitet sich vom Lemma soehnen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von versoehnen 2 Komponenten

ver+soehnen

versoehnen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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