versöhnen,
verb. ;
während im verbum simplex regelrechte entwicklung von üe
zu ü
vorliegt und der stammvocal sich erhalten hat (sühnen),
ist bei versöhnen
der mundartliche vokal ö ( v. Bahder,
grundlagen des nhd. lautsystems 198)
durchgedrungen, aber nur sehr allmählich, und versühnen
ist dann in archaisierender Sprache wieder aufgenommen; vgl. dazu sühne, sühnen
und versühnen.
ahd. suona
ist ein westgerm. wort, ein altnord. són,
f., piaculum (
Sn. Edda 1, 216)
ist zweifelhaft; sonardreyri, sonargltr
haben kurzes o;
dän. forsone,
schwed. försona
sind lehnwörter aus dem deutschen. über das verhältnis von suone
zu nd. swône
vgl. unter sühne.
im ahd. glossirt farsonit
praejudicat (Graff 6, 244)
entsprechend der alten bedeutung judicium des f. suona, vgl. alts. gisônian,
fries. sêna.
mhd. versüenen (
und ohne umlaut versuonen),
zur sühne, zur versöhnung bringen. mhd. wb. 2, 2, 750
b; Lexer
mhd. handwb. 3, 256;
pacatus, versunet, versient, versoent.
pacificare, versünen Diefenbach
gloss. 405
a;
reconciliare, versunen, versünen, versonen, versoenen, versyenen, versenen 487
c;
expiatus, versunet 218
b.
conciliare, versunen, versienen 138
c; vorsonen Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 452
b;
brem. wb. nachtr. 325.
md. versoenen,
conciliare, reconciliare Kilian 2, 727
a (1777),
etzt verzoenen. versünen, befriden Maaler 433
b; versöhnen, vertragen Hulsius
dict. 356
a (1616);
daneben hat er versühnlich, versühnlichkeit (358
a) versühnen Comenius
sprachenthür. übers. von Docemius 908, 911 (1657); Corvinus
verzeichnet im reg. zum fons lat. versöhnen
und versühnen. versöhnen,
reconciliare Schottel 1416 (sühnen 1427). Stieler
hat sönen
neben sünen, versönlich
neben versünlich,
aber nur versönen (2057). versönen, versünen Kramer
deutsch-it. dict. 2, 839
b (1702); Steinbach 2, 604
bezeichnet versühnen
als ein wort, das nicht überall gebräuchlich ist. die regelrechte form ist versöhnen; Frisch 2, 284
c hat als gebräuchliche form nur versöhnen,
ebenso Adelung
und Campe; Luther,
der das wort in der bibelübersetzung auszerordentlich oft anwendet —
zur befestigung des wortes im gebrauch des nhd. haben die religiösen kämpfe des 16.
jh. viel beigetragen —,
hat die formen versunen, versünen (versönen
Hebr. 2, 17;
Col. 1, 20; 22.
Ephes. 2, 16; 2
Corr. 5, 18. versönung
2 Cor. 5, 18; 5, 19. 1
Joh. 2, 2; 4, 10.
in der ausgabe von 1545); Eck: versönen (Kluge
von Luther bis Lessing 82).
beispiele für das eindringen des ö: der macht ainträhtigung zwischen
den êläuten und versœnt die kriegenden Konrad von Megenberg 471, 14 (
bayer. handschr. d. 14. jh.); (
Christus) ist ein versöhner umb unser sünd
Kurrelmeyer, die erste deutsche bibel (1.
Joh. 2, 2). Hertzog Jerg hat sich mit dem ro. kaiser und kinig zuo Insprugk versendt
d. städtechron. 25, 51, 12 (
chronik des Clemens Sender). do aber in solchen läuffen der keyser begert sich zu versönen der kirchen Munster
kosmogr. 425 (1564). versöhner Henisch 1240, 24 (1616).
zur erhaltung der form versühnen
hat die von Luther
ausgehende wirkung viel beigetragen: im geistlichen lied: er leidet, gott uns zu versühnen. dann werden ihm die völker dienen. Cramer
bei Lessing
3 8, 232; Christ ist erschienen, uns zu versühnen.
weihnachtslied von Joh. Falk (o du fröhliche):
weltlich: erst müssen wir in fassung uns versühnen, das untre durch das obere verdienen Göthe
Faust II, 1 (15, 1, 21
Weim. ausg.); (
der feierlich-pedantische astrolog spricht die worte). auch spinnen die weiber der waldfrau ein stück haar am rocken und werfen es ihr ins feuer, um sie zu versühnen Grimm
deutsche sagen nr. 151; lasz ruh und lied sich gatten bei frommem harfenklang, der letzten trauer schatten versühne mit gesang Geibel 2. 15 (1888).
das bedeutungsgebiet des wortes ist allmählich eingeschränkt worden, das tritt klar hervor, wenn wir versöhnen
mit sühnen
und sühne
vergleichen. sühne
hält den begriff der zu entrichtenden busze fest, der sich in versöhnen
verflüchtigt hat. um die herbeiführung eines objectiv notwendigen oder wünschenswerten ausgleichs handelt es sich beim nhd. gebrauch von versöhnen
gewöhnlich nicht mehr, abgesehen von der anwendung des wortes für das verhältnis des sündigen menschen zu gott;
auch hier hat sich indessen der gebrauch eingeengt und in dem sinne von '
entsündigen',
der bei Luther
noch ganz deutlich hervortritt, ist versöhnen
jetzt ganz ungebräuchlich. versöhnen
beschränkt sich im nhd. im allgemeinen auf die subjective sphäre, auf die innerliche umwendung bei der wiederherstellung eines gestörten guten verhältnisses einer person zu einer andern person oder persönlich gedachtem, während in älterer sprache die vorstellung des zustande kommenden objectiven ausgleichs im vordergrunde steht; durch diese einschränkung kann das wort einen gefühlston bekommen, der in der älteren sprache, wenn es sich lediglich um die wiederherstellung eines äuszeren verhältnisses handelt, meistens fehlt. abweichungen von diesem gebrauch sind natürlich auch im entwickelten nhd. möglich. in älterer sprache schlieszt sich das verbum zunächst an den begriff des verbum simplex an, wobei ver
die durchführung der handlung bis zum abschlusz bezeichnet. versühnen
kann also hier neben der uns geläufigen anwendung auch im objectiven sinne gebraucht werden. aus dem gesagten erklärt es sich, dasz versöhnen
im entwickelten nhd. gewöhnlich nur ein persönliches object bei sich hat. 11)
mit dem accusativ der sache; in älterer sprache ganz wie unser sühnen,
nur dasz bei dem verbum simplex der ton zunächst auf dem vorgang, der art und weise des ausgleiches, beim compositum auf dem zustandekommen, dem abschlusz des ausgleiches liegt; doch verwischt sich dieser unterschied leicht: künec edele,du solt mich leben lâ
n. eʒ wirt wol versüenet,swaʒ ich dir hân getâ
n. Nibel. 626, 2; 'ir sluoget mînen œheim.' 'deist doch versüenet.' Gottfried v. Straszburg
Tristan 11582.
als object tritt zu versöhnen
auch die busze, die das gestörte verhältnis widerherstellt, s. unten 3,
b. schuld, sünde, missetat
u. a. versühnen;
so oft in Luthers
bibelübersetzung: und sie sollen jre sünde bekennen, die sie gethan haben, und sollen jre schuld versünen mit der heubtsumma
4 Mos. 5, 7; die gaben der gottlosen gefallen dem höhesten gar nichts, und sünde lassen sich nicht versünen mit viel opfern
Sir. 34, 23; durch güte und trew wird missethat versünet
sprüche 16, 6; zu versönen die sünde des volkes
Hebr. 2, 17; der sol jm seine unwissenheit versünen, die er gethan hat, und wuste es nicht, so wirds jm vergebn
3 Mos. 5, 18. das sol den todt, szunden weg nemen und alle dingk schlichten und versunen
werke 29, 311, 17
weim. ausg.; blut kann versöhnen, was das blut verbrach. Schiller
Maria Stuart 5, 7 (12, 565). so bin ich schuldig einer greuelthat, die keine reu und büszung kann versöhnen!
die braut von Messina 2481 (14, 114); sich versöhnen: das böse, das der mann, der mündige, dem manne zugefügt, das, ich will es glauben, vergiebt sich und versöhnt sich schwer. 406 (14, 30); bald wird mit sieg und mit gebete die schuld der christenheit versöhnt. Novalis 1, 99
Minor. wieder rein machen, was durch schuld befleckt ist (
vgl unten 2,
c)
in gleichem sinne mit persönlichem object: sieben tage soltu den altar versünen, und jn weihen
2 Mos. 29, 37; und sol den lebendigen vogel lassen hin aus fur die stad ins frey feld fliegen, und das haus versünen, so ists rein
3 Mos. 14, 53; und sol also versünen das heiligthum von der unreinigkeit der kinder Israel 16, 16; das land kan vom blut nicht versünet werden, das drinnen vergossen wird, on durch das blut des, der es vergossen hat
4 Mos. 35, 33.
bezogen auf uneinigkeit, krieg u. ä. im sinne von '
zum friedlichen abschlusz bringen' (
vgl. j. Tit. 378, 4
unten unter 2,
d): do wart versont dat lange orloge twischen deme stifte do Bremen unde denn hertogen Heinrike von Bruneswic
d. chron. 2, 1, 242, 21; also wart dat orloghe vorsont 247, 17; dar vorsonede de koning vele kriges under den vorsten van over Rin
d. städtechron. 7, 69, 18; dat se scholden versonen den krich twischen koning Philippo unde koning Otten von Brunswik 132, 12; do disen unfrieden nieman kunde versunen 8, 86, 13; und versuonde die missehelle und gespenne under in 408, 5;
freier mit dheinen sachen moht er den grôzen haz baz versüen. Ottokar
reimchron. 3123; manic vîntschaft unde haz der kunic versuonen hiez. 18571; die fintschafft, die ich zu em trage, die sij vorsienet bi dissem tage;
Alsf. pass. 4045. eiffert und schonet nit hernach zu der zeit seiner grimmen rach, sonder sieht auch an keîn person, die im die rach versünen kan. H. Sachs 19, 249, 12
Keller-Goeze; (und sihet kein person an, die da versüne
sprüche 6, 35). sus wart versüenet der zorn. Hartmann v. Aue
Iwein 8136.
hier ist eine berührung mit dem gebrauch der neueren sprache; in wendungen wie zorn, hasz, feindschaft versöhnen
tritt leicht die zürnende, hassende, feindselige person in der vvrstellung als object des verbums auf, solche verbindungen sind unten unter 2,
b behandelt; älterer und neuerer gebrauch scheidet sich oft auch hier so, dasz bei jenem die wiederherstellung des gestörten verhältnisses, bei diesem die innere umwandlung mehr betont wird. die dichterische sprache bewahrt gröszere freiheit. leid als störung gefaszt, die ausgeglichen wird: mag man bî allen wîben hôch gemüete finden? nein, swæren muot vertrîben, versuonen leit und sendîu herz entbinden, die sæligkeit ligt niuwen an den guoten. Hadamar v. Laber
jagd 653; der sorgen-kummer wirdt durch diese nicht versühnt. Scherffer
Grobianer 278 (1640); der thränen gabe sie versöhnt den grimmsten schmerz. Göthe
Pandora (50, 335
weim. ausg.);
erstatten, ersetzen, wieder gut machen; ir minneclîcheʒ bîligen kan eʒ wol versüenen. Joh. v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 12823. 22)
mit persönlichem object. 2@aa)
object des verbums ist die zürnende, feindlich gesinnte person, die zu gunsten einer andern umgestimmt wird: ein erzürnten oder zornigen versünen unnd begütigen,
delinire commotum Maaler 433
b; (
object zu ergänzen) mit lieblichen worten befriden und versühnen 433
c; anzusprechen (anzureden) zufrieden zu stellen, zu versühnen Comenius
sprachenthür. übers. von Docemius 908 (1657); durch Jesum Christum einen versöhnten gott haben Kramer
deutsch-it. dict. 2, 839
b (1702) einen erzörnten versöhnen, die götter mit vielen opfern versöhnen, auch die nächsten freunde haben ihn nicht versöhnen können Steinbach 2, 604; einen mit geschenken versöhnen 603; seinen feind versöhnen Campe. got mehr ertzurnet den vorsunet Luther
an den christlichen adel 51
neudruck. ich wil jn versünen mit dem geschenk
1 Mos. 32, 20; und der herr ward dem land versünet
2. Sam. 24, 25 (
dagegen vgl. unten Röm. 5, 10). wo mit sol ich den herrn versünen? mit bücken fur dem hohen gott? sol ich mit brandopffern und jerigen kelbern jn versünen?
Micha 6, 6; durch gedult wird ein fürst versünet
sprüche 25, 15; dieses opffer, durch welches du hast wöllen versünt und zufriden gestellt sein Fischart
bienenkorb 82
a (1586); embsigs bedîenen wirdt ihn versühnen Scherffer
ged. 476 (1647); du hast den widersacher mir versöhnt. Göthe
Tasso 5, 2 (10, 226
weim. ausg., vgl. oben 2 Sam. 24, 25). 2@bb)
die person durch ein unpersönliches object umschrieben, unpersönliches personificirt: den zorn gottes versünen unnd gestillen; ein weich und zart gemüt leychtlich zeerzürnen und zeversünen Maaler 433
b; die liebe wirt mit gält versünt,
auro conciliatur amor 433
c; ein zorniges gemüthe versöhnen Steinbach 2, 603; jemandes zorn versöhnen (
mit einem citat aus Ramler), '
in höherer schreibart' Adelung; (
dasz Christus) des vaters zorn versunete Luther 28, 98, 11
weim. ausg.; nicht darumb, .... dasz sie durch jre natürliche krefften und vermögen den zorn gottes stillen, und versönen köndten Gretter
ep. Pauli an d. Römer 26 (1566); vil reine meit, rôse âne dorn ... versüene uns dînes kindes zorn.
minnes. 3, 109
b Hagen; auff das versünet würdt dein zorn und menschlich geschlecht nit wert verlorn. H. Sachs 11, 270, 11
Keller-Goetze; ei wie will ich vor dir bestahn, dein angesicht versöhnen? Spee
trutz-nachtigall 51
Balke; freier gebrauch: aber noch blieb mir etwas übrig, womit ich die beleidigte geseze versönen ... kann Schiller
räuber 5, 2
schauspiel (2, 203). 2@cc)
in älterer sprache im objectiven sinne, einen versöhnen,
ihn entsündigen, von schuld frei machen; vgl. den gleichen gebrauch bei unpersönlichem objecte oben unter 1.: und destages (
am sonntage) wurden wir versünet umbe Adâmes missetât
schwabenspiegel 206
Gangler; und sol also der priester sie versünen, so wirds jnen vergeben
3 Mos. 4, 20; und sol das sündopffer machen, und den gereinigten versünen seiner unreinigkeit halber 14, 19;
dieser objective sinn des verbums ist auch im gebrauch des neuen testamentes wirksam, doch geht das verbum dort in die subjective sphäre über (
vgl. unten unter d); (Christus) hat uns versunet, das gott unns seynn huld gunnet. Luther, Wackernagel
kirchenlied 3, 11
nr. 13, 2; lasz uns werden versühnet durch dein barmherzigkeit. Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 219, 11. 2@dd) einen versöhnen mit einem.
in älterer sprache auch einen versöhnen zu einem, gegen;
ferner: einen einem versöhnen.
als object tritt hier gewöhnlich die person, deren verhältnis zu einem zürnenden, feindseligen umgestaltet werden soll. dann mit pluralischem object: zwei mit einander versöhnen, streitende versöhnen, wir sind versöhnt
u. a.; vernunfft und die red versünt, vereinbaret und verbindt die menschen, under einanderen Maaler 433
c. die erzörnte gemüter versönen Kramer
deutsch-it. dict. 2, 839
b (1702); einen ungehorsamen sohn mit seinem vater versöhnen; er hat die brüder versöhnt, die hausleute versöhnen Steinbach 2, 604; zwei uneinige eheleute wieder versöhnen Campe; iʒ was ein vêhede zwischen dem engele und deme menschen êr dan got mensche wart; zu eime urkunde daʒ di vorsunet wurden sô sante got den engel
myst. 1, 110, 23; (
ein stein) andem man vint ain frawen mit zestrobeltem hâr, der hât ain kraft ze versüenen die êläut K. von Megenberg 408, 24; (
der pabst) vorsonde de vorsten, swar so he mochte
d. chron. 2, 1, 174, 17; daz wir mit der stat zu Muolhuosen voreynet und versuonet sint guotlichen
quelle des 14.
jh. bei Diefenbach-Wülker 569; so wir gott versünet sind, durch den tod seines sons
Röm. 5, 10 (wir sein versünt zuo got
die erste d. bibel hrsg. von Kurrelmeyer); und das er beide versönete mit gott
Ephes. 2, 16 (zuo got a. a. o.); und alles durch jn versönet würde zu jm selbs
Col. 1, 20; (
das christenthum) ist die methode wodurch der mensch, welcher durch sündigen ein feind gottes geworden ist, nach redlichem bereuen ihm wieder versöhnt wird Göthe II, 12, 54
weim. ausg.; dat ic sijn vrient worden bem, ende hi versoent es jeghen mi
Reinaert 2781; darup se worden vorsoynet.
d. städtechron. 16, 119, 570; so sin wir versuonet under ein anderen.
spec. eccl. 156, 511; der uns zwei versuonde vil wol, des wær ich gemeit.
minnes. frühling 9, 19; (
mit abhängigem genetiv:) die wâren alles krieges gar versüenet.
j. Tit. 378, 4; (
vgl. oben krieg versühnen
unter 1); die sie zuo der hinvart solden mit got versüen. Ottokar
reimchron. 3251; das versöhnt mich mit meinem schicksal (
dem ich bis dahin zürnte, mit dem ich unzufrieden war); die schöne umgebung versöhnt mich mit der langweiligen stadt; eine blindheit, die mich allein noch mit meinem barbarischen loos versöhnt Schiller
kabale und liebe 4, 7 (3, 464); dasz beszre überlegung mit einem anerbieten sie versöhnt.
dom Karios 2, 14 (5, 1, 144); aussöhnen
klingt in solchen wendungen weniger gewählt als versöhnen. 2@ee) sich versöhnen (
untereinander oder mit einem anderen).
ein anderes sich versöhnen
s. oben unter 1 (Schiller
die braut v. Messina 406); sich mit gott versönen Kramer
deutsch-it. dict. 2, 839
b (1702); sich mit seinem nachbar, sich wieder mit seinen feinden versönen Steinbach 2, 604; und suln sich och versüen mit allen den die sie beswêret hânt
Germ. 18, 187, 10; fürsüene dich ê mit dînem bruoder Grieshaber
pred. 1, 73 (gagg faurþis gasibjon broþr þeinamma
Matth. 5, 24); er scalt thu thi simla gisdoneanuuið thena sacuualdand.
Hel. 1469; zi gisuonenne thih mit thînemo bruoder
Tatian 27, 1; versüne dich mit deim bruoder
Kurrelmeyer, die erste deutsche bibel (Luther: und versüne dich mit deinem bruder); diu sêle sprichet, daʒ ir zorn sô unmêʒic sî, daʒ er sich mit ir niht versüenen müge
myst. 2, 542, 16; darnach versunte sich die stat mit dem pischof
d. chron. 2, 1, 360, 13; dozwischen versunde sich der küster mit dem bischof
d. städtechron. 8, 140, 12; und besante sine vigende und versuone sich mit in 432, 8; da hat sich der probst gegen inen versüent Valerius Anshelm
Berner chron. 5, 298; wann er nur zu acht tagen, wann es wol geräth, dem gottesdienst beywohne und sich etwan das jahr einmal vermeintlich mit gott versühne Grimmelshausen
Simpl. 2, 260, 20
Kurz; nu versuonen wir uns hiute,ich was dir gester gram.
Wolfdietrich A 111, 1; die beide hie versuonten sich mît rede harte minneclich. H. von Freiberg
Tristan 1107; mit got er sich versüende noch mit der werlde nimmer. K. von Würzburg
Engelhard 3984; im möhte werden alsô wol, swer des frides sich verstüende, daʒ er sich dârnâch versüende. Lamprecht v. Regensburg
Tochter Syon 2572; er versüent sich mit in mit lîhen und mit geben. Ottokar
reimchron. 37 331; es zeugt die schrifft so hell und klar, das man nîcht zgleich dem gelt kan dienen, und dennocht sich mit gott versünen. Waldis
Esop 4, 82, 132
Kurz; dich nur mit gott versöhne, nur auf zum himmel schau. Spee
trutznachtigall 57
Balke; versöhnt man sich, so bleibt doch etwas hängen. Göthe
Faust II, 1 (15, 1, 35
weim. ausg.); sich mit etwas versöhnen,
es nicht mehr mit miszbilligung, feindseligkeit ansehen: ich kann mich nie mehr mit einer meinung versönen, die ich einmal belachte Schiller 4, 35.
in freier wendung: ein mächtiger vermittler ist der tod da löschen alle zornesflammen aus, der hasz versöhnt sich. Schiller
die braut v. Messina 2702 (14, 122). 33)
besonderes: 3@aa)
eigentümliche verwendung des part. praet.: daʒ ein versuonter kus (
kusz der versöhnung, osculum pacis) geschiht understunde von ir zweier munde, Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 4035. 3@bb)
entrichten, zahlen: wanne ein arm man eine eynunge (
busze) versoenet unde virrichtet
quelle bei Crecelius
oberh. wb. 2, 878. 3@cc)
ausbessern, wiederherstellen; dieser gebrauch entsteht vielleicht unter dem einflusse von büszen (
vgl.büszen 1
th. 2,
sp. 572); dasz man die fasse etwas versönet Spittendorff 263; dasz nicht etwan ayterung erfolge, sondern die zarte rippenfehl wiederumb versöhnet und ergänzt werden
quelle d. 17
jh. bei Schmeller 2, 295.