verschleiern,
verb. mit einem schleier zudecken. mhd. und mnd. nicht nachgewiesen. fehlt in den wörterb. selbst noch bei Adelung (
versuch), zuerst von Möller (1785) 2, 1265
verzeichnet. 11)
sinnlich: die erste schrift (
Winckelmanns) .. zeigt, wieviel die verschleierten matronen, die man gewöhnlich Vestalen nennt, nicht minder die sogenannte Agrippina .. zu seinen ersten ideen und fäden der kunstgeschichte beigetragen haben. Herder
lit. u. kunst 11, 353 (1821); jetzt führt Hymenäus mit erhobner fackel beide liebende zum brautbett: Psyche ist tief verschleiert. 454; sie (
die Parze) ist verschleiert, hält in der einen hand die schale des todes. 438; in der geschichte der mönche und heiligen konnte sie (
die bildende kunst) keine fortschritte thun, denn mönch und nonne waren verschleiert. 254; da nun einst gewisse leute eine dicht verschleierte person in der morgendämmerung wieder herausgehen gesehen hatten, so war das gemurmel entstanden. Wieland 20, 22; Hilarie stand erschüttert auf, die stirne verschleiernd. Göthe 22, 144; beym dasein ohne gefühl, ohn allen frohen verband mit mond und sonne, mit freunden und gatten, bleibt doch dies arme gewürm in seines lebens ermatten gleich der verschleyerten schaar mit meinem mitleid verwandt. Thümmel 8, 280; nur diese nacht, o welch ein traum! .. es sasz ein fremd verschleiert wesen dort unter unsrer liebe baum. Uhland
untreue; und an der reitbahn verschleiertem thor steht ernst ein krausgelockter mohr. Freiligrath
ged. (1838) 53;
bildlich: da aber der hohlweg sich in zwei aufsteigende thäler spaltet, so verirrte sich der vom schmerz verschleierte mensch. J. Paul 24, 26; dieses auge wurde noch dazu von langen augenwimpern und von etwas schwärmerischem verschleiert oder verschönert. 1, 50; den mond, der bereits über den wipfeln der bäume hing, verschleierten wolken. Spielhagen
plattl. (1879) 1, 227; o ihm ist wohl! wer aber weisz was uns die nächste stunde schwarz verschleiert bringt! Schiller 12, 374 (
Wallenst. tod 5, 3).
part. prät.: tausend dank, dasz sie mir auf ein so anmuthiges geheimnisz halbverschleyert in die ferne hindeuten. Göthe 22, 147; indem sie einst so sprachen, standen sie in einer einsamen rotunde still, wo ein verschleiert bild von riesengrösze dem jüngling in die augen fiel. Schiller
bild von Sais. 22)
übertragen: eine gestalt der schönheit, der liebe, des reizes, der jugend, Bacchus und Apollo, Charis und Aphrodite, unter einem mantel von stein wäre alles, was sie sind, was sie hier durch den künstler sein sollten, verschleiert und verloren. Herder
lit. u. kunst 11, 257 (1821); desto strenger hielt er auf einige hauptpunkte, welche bisher durch ein geringeres hocus pocus waren verschleiert gewesen. Göthe 22, 77; sehet also, das ist die ganze hexerei, die ihr in einen heiligen nebel verschleyert, unsre furchtsamkeit zu miszbrauchen. Schiller
hist.-krit. ausg. 2, 27 (
räub. 1, 1); dieser vorfall hatte auf einen augenblick die hülle von dem geheimnisz hinweggezogen, in welchem der anhang der protestanten bisher verschleiert lag. 7, 119; dieser wollte entweder durch schweigen seine maszregeln verschleiern oder war zu sehr vom auftreten seiner eignen traurigen erbschaft in anspruch genommen. Gutzkow
zauberer v. Rom 7, 32; sie verschleierte ihr geheimnisz, entfaltete aber mit jedem tage immer mehr und mehr ihr treffliches herz. Kotzebue
theater (1840) 39, 198; das gewühl und die ungebundne lustigkeit erquickten mich nach dem seltsam gedämpften und verschleierten bilde, das ich eben gesehen. Heyse
werke 7, 99; des herrn formloses wesen und nur dünn verschleierter realismus. Spielhagen
problemat. naturen 1, 280; ein verschleiertes gelddarlehen. Göschen
vorles. 2,
abth. 2, 303; welch ein gesetz hat uns hieher gebannt? in körper dich und mich verschleyert? Herder
lit. u. kunst 12, 57 (1821). 33)
reflexiv: im süden aber die tridentiner berge und die schöne kühn hereinblickende Mendelspitz verschleierten sich unter den feuchten düften. Heyse
meran. nov. 3, 38.