verneinen,
verb. ableugnen, als falsch zurückweisen. zusammensetzung mit dem seltenen neinen (
s. o. 7, 592),
mhd. verneinen,
mnd. vornênen. 11)
ableugnen. 1@aa)
ohne object: von allen geistern, die verneinen, ist mir der schalk am wenigsten zur last. Göthe 12, 25; ich bin der geist, der stets verneint. 12, 70.
unkenntlich machen: jenes (
licht) blendet, diese (
finsternis) verneint im übermasz. 60, 38. 1@bb)
mit accus. der person als object: auch wie er wird verneinet gar von Juden und auch ander leut. Thiebolt Gart
Joseph K 3 (1540); wenn ihr seht, wie sie sich gebärden, die um etwas zu scheinen, mich gerne möchten verneinen. Göthe 4, 362; auf ewig hast du mich bejahet, dasz ich dich ewig nie verneine. Rückert
ges. ged. 2, 441; 1@cc)
mit accus. der sache: das sind die seligen, den gott jr ungerechtigkeit erlesst und verneint, darumb das sie die bekennen oder verjahen. Luther 1, 20
b; ich wil (sage ich) solchs schweigen und setze es gleich, das der keiser Heinrich habe unrecht gehabt und der bapst recht (das die historien doch verneinen). 2, 447
b; er gabe zur antwort, er hats mich geheiszen, der ander verneinets. Wickram
rollw. 14, 29
Kurz; es würt auch das Venus, ob gleich das Lucretius verneint, nimmer leugnen, das on unsers gewaltes beistandt jr krafft krafftlos .. sei. S.
Frank Erasmus lob d. th. 7
b; Rhenanus verneint es, und will sy seyen dises nitt anfänger.
weltb. 35
b; hencker so tödten keinen, und teuffel so nicht gern peinen, müssen jhr art und eyd verneinen. Fischart
groszm. 10
neudr.; welche aber der hexen aussehen verneinen, die stellen ihnen nur Simonem den zauberer vor, welcher vom bösen geist in die lufft erhoben wurd und auf St. Peters gebet wieder herunter gefallen.
Simpl. 1, 178, 3; gleicher gestalt wenn man ein allgemeines verneinendes urtheil abgefasst und man hat gefunden, dasz eine sache unter eben diese art gehöret, davon geurtheilet worden, so hat man auch von ihr verneint, was der gantzen art abgesprochen worden. Wolff
vern. ged. von den kräfften des menschl. verstandes; man hat ebenmäszig gefraget, ob Myrons kuh, mehr gefallen würde, wenn man sie mit haaren bekleidete? und es scharfsinnig verneinet. Herder
lit. u. k. 11, 265 (1821); der gebrauch des weins, der die geringe grenze einer besonnenen gerechtigkeit und billigkeit, die selbst der tyrann, als mensch nicht ganz verneinen kann, augenblicklich durchbricht. Göthe 6, 206; ich sage: hauptsächlich; denn ich verneine nicht die möglichkeit eines gleichzeitigen einflusses der luftbeschaffenheit der höchsten schichten der atmosphäre. Humboldt
kosmos 3, 589; spieler, das musz ich dir verneynen, dein spilerey ist gar verschmecht, verbotten in kayserlichem recht. H. Sachs 1, 227 (3, 49, 14); das kan ich warlich nicht verneinen, ich erkenn ewr noth bey der meinen. 2, 4, 5 (9, 21, 31); dann es ist erschollen in alle land, mit fug kann ichs nit vorneinen, dorumb leid ich hon und schand.
hist. volksl. arch. f. sächs. gesch. n. f. 2, 367; so thut jr wie die Juden dort und werfft nach Christo nur mit steinen, mit böstun, plagen und mit peinen, das jr die warheit mit verneinen. Fischart
dicht. 1, 126, 54
Kurz; wer disz verneynt, ist auch keyn mann, ohn weiber würd die welt zergahn. Kirchhof
wendunm. 4, 232
Österley; nicht du, der niemanden den lohn so er verdienet, will verneinen. Wekherlin 381 (
od. 1, 8); wan niemand dan (o mein got) deine lieb und gütte kan verneinen, so sih doch an, wie schwer, wie voll, wie trüb, mein hertz, mund, aug von trawren, klagen, weinen. 109 (
ps. 25, 15); wan, herr, sunst weder hayl noch hilf, wan die feind deine macht verneinen. 56 (
ps. 17, 8); es verleidet ihm auch wol ein freund sein werk, und des kritikers laune verneint es, und der pfuscher meint er könne es auch. Platen 278.
part. soviel ist gewisz, dasz ungeachtet aller geschichten von erscheinungen und handlungen des geisterreichs .. ich doch jederzeit der regel der gesunden vernunft am gemäszesten zu sein erachtet habe, sich auf die verneinende seite zu lenken. Kant 10, 454. 1@dd)
mit abhängigem relativem satze: der richter wird erscheinen in grosser majestat, dem keiner kan verneinen was er begangen hat. Rist
sabb. seelenlust 13.
mit abhängigem dasz-
satze: denn es können die widersacher selbst nicht verneinen noch leugnen, das viel und die höhesten, nöthigsten artikel der christlichen lere ... durch die unsern wieder an den tag bracht sein. Luther 6, 379
b; denn damit dasz er spricht, wer an mich gleubt, der wird gröszere werck thun, verneint er nicht, das solche werck durch seine kraft müssen geschehen. 7, 73
b; welcher mensch wird verneinen können, dasz das heiligthum ehren und anbetten, nit ein grosze abgötterey sey. Fischart
brotkorb 3
b (1584); ich kan und wil nit verneinen, dasz .. Kirchhof
wendunm. 400
a; mehr als gewisz ists und es wirds auch nimmermehr kein verständiger verneinen, dasz es einen manns menschen .. nicht übel anstehet, wann er vieler sprachen erfahren.
Simpl. 4, 351, 2;
mit accus. c. infin.: disem stimpt zuo, das Christus im evangelio vernaint, iemands guot zuo nennen sein, dann den ainigen gott. S. Frank
Erasmus lob d. thorh. 62; dasz jhr seit rebellierte leuth kündt îhr gar nit verneinen. Soltau
volksl. 457 (1619); wan man dan nicht kan verneinen dasz allhie tausend müh wider uns sich stets aufleinen. Wekherlin 600; ein todt ding man den buchstab meint, mag doch keins wegs werden verneint, dasz kund macht, was verborgen scheint. Kirchhof
wendunm. 4, 37. 22)
manchmal auch versagen (
stärker als ableugnen): verneinte gerechtigkeit,
justitia denegata Stieler 1349; ists wohl ein glück zu nennen, was in gegenwart ausschlieszend wegweist alles was ergötzlich lockt, abwesend aber jeden trost verneinend, quält? Göthe 40, 411; sollt er den zutritt mir verneinen? ich bin der mann das glück ihm zu beschleunen. 41, 97; zarte frühlingskinder weinet, liebe hat sie (
die natur) euch verneinet, euch das selige gefühl. Schiller
hist.-krit. ausg. 11, 11.
mit miszachtung beiseite setzen: soll dich das alter nicht verneinen, so must du es gut mit andern meinen; muszt viele fördern, manchem nützen, das wird dich vor vernichtung beschützen. Göthe 47, 148. 33)
gewisse art oder (
meist gute)
eigenschaften absprechen (
beliebt in d. philos. sprache d. partic.): Winkelmann hat über die kunstwerke der Aegypter offenbar nur nach griechischem maszstabe geurtheilt, so also verneinend sehr gut, aber nach eigner natur und art so wenig geschildert, dasz .. Herder
phil. u. gesch. 2, 240 (1821); eigentliche bosheit war vielleicht nicht in diesem verneinenden bestreben, ein selbstischer muthwille mochte sie gewöhnlich anreizen. Göthe 17, 248; aber was soll eine wunderlich verneinende strenge gegen etwas unvermeidliches? 22, 44; dasz er jedoch bei allen seinen arbeiten verneinend und zerstörend zu werke ging, war ihm selbst unangenehm. 26, 97.