verkleiden,
verb. bekleiden, in andere kleider kleiden. zusammensetzung zu einfachem kleiden,
dem ver
theils eine intensivere bedeutung gibt (
durch kleidung zudecken),
theils eine wegweisende (
in andere kleider kleiden).
mhd. nicht nachgewiesen, aber mnd. Schiller-Lübben 5, 379
a (
in der bedeutung: für kleider verbrauchen),
holländ. verkleeden,
schwed. förkläda,
dän. forklaede (
in der heute bei uns üblichen bedeutung).
für beide letzten formen ist kein altnord. wort nachzuweisen, doch sind sie kaum entlehnt, da nahverwandte wörter desselben stammes zahlreich vorkommen. 11)
mit einem kleide, einer umhüllung versehen, zudecken. in dieser bedeutung nur noch in der sprache des handwerkes als kunstausdruck erhalten: die sparren eines daches mit brettern verkleiden; eine thür, ein fenster verkleiden (
mit brettern einfassen); eine hölzerne wand mit einer mauer verkleiden. Adelung
versuch 4, 1456; einen graben verkleiden (
mit mauerwerk versehen, ummauern). Heinsius 4, 2, 1308
b.
bildlich: diese adern an händen, diese knorpeln an fingern, diese knöchel an knieen müssen so geschont und in der fülle des ganzen verkleidet werden, oder die adern sind kriechende würmer. Herder
lit. u. kunst 11, 266 (1821); bemalte decken waren an den wänden verbreitet, der boden des zimmers verkleidet (
mit teppichen belegt). Tieck
ges. nov. 6, 266; die wände waren dunkel, die decke mit einer braunen holzvertäfelung verkleidet. Heyse
kinder d. w.4 1, 99. 22)
in eine neue und dadurch fremdartige umhüllung einhüllen, besonders gern von menschlichen körpern und personificierten dingen gesagt: verkleidete man einen jungen mann in die hauskleidung dieses herrn. Göthe 17, 82; will er uns nicht den erhabnen Messias, den könig des himmels, jenen donnerer gottes, der in der gewaltigen rüstung wider uns stritt, bis wir die neuen welten erreichten .. will er ihn nicht in jene gestalt, die wir tödten, verkleiden? Klopstock
Mess. 2, 569.
part. prät.: wol dahinten sasse eben der jenige .. allein war er barbirt, anders verkleidet und dermassen verstellt, dasz ich ihn beynahe nicht gekant hätte.
Simpl. 3, 364, 26
Kurz; als der itzt ain künig mit purpur verklaidt vertrat, nun ain zurissens haderlumpends, geflicktes knechtlin gebe. Frank
Erasmus lob d. thorheit 23; mit einem jungen Hermaphroditen, der entweder eine art von Platonischem androgyn oder ... weder mehr noch weniger als ein verkleidetes mädchen ist. Wieland 35, 20; Friedrike, die gestern abend an mein verkleidetes selbst so freundlich gesprochen hatte. Göthe 25, 350; unter vermummter hurerei geloben grose keusche treu, die pfaffenköchin schelten hoch und verkleyd huren halten doch. Fischart
dicht. 2, 264, 877
Kurz; eines abends, als der fürst des glaubens, um die schwermuth über seiner söhne flucht zu mildern, durch die straszen Bagdads mit dem groszwesir verkleidet schweifte .. Platen 4, 318 (1848).
mit näherer bestimmung: er schlich sich also am abend des folgenden tages, in einen persischen kaufmann verkleidet, mit einem einzigen vertrauten kämmerlinge aus seinem pallaste. Wieland 8, 349; der heilig geist ernider fert in taubenbild verkleidet. Wackernagel
kirchenl. (
Luther) 3, 25; der Attes wirstu seyn, den Jupiter geneidet, den Rhea lieb gehabt und hat in dich verkleidet. Logau 1, 190, 99 (183
Eitner).
hieher: woraus ich muthmassete, es möchte etwan ein mächtiger fürst seyn, der so verkleideter weisz herumgienge, seiner unterthanen leben und sitten zu erkundigen.
Simpl. 1, 255, 15
Kurz. bildlich (
mit personification des subjectes oder objectes): das schicksal verkleidet seine tücken in maneherlei gestalten. Heyse
b. d. fr. 190; wie das so manche moden in kleidern jetzt sich finden? drum dasz so manche moden sich finden an den sünden. wir machens, wie wirs machen, so künnen unsre jäcken und unart keine moden verkleiden und verdecken. Logau 3, 174, 4 (593
Eitner); da die grausamkeit der rauhen winterlufft baum, feld und wald verkleidet und die empfindlichkeit der zarten kleider schneidet. Günther 790. verkleiden
als kunstausdruck im baufache: verkleiden,
bekleiden, bergen, belegen einen körper mit einer hülle aus anderem materiale. Mothes 3, 420. 33)
geistig, in anderes gewand hüllen, daher anders erscheinen lassen, als es wirklich ist (
dasjenige, als was man die person oder sache erscheinen läszt, durch in, zu
beigefügt): Melpomene schonte ehrsüchtiger tyrannen nicht, noch weniger fröhnte sie und wollte ihren unsinn verkleiden. Herder
lit. u. kunst 12, 262 (1821); die dienstbarkeit ist jetzt in höflichkeit verkleidet: das gute hertze thut das, was man thut und leidet. Logau 3, 176, 19 (595
Eitner); o warum ist das geben so oft nur verkleidetes nehmen und so manches geburtstaggeschenk ein kirchenraub des heiligsten? J. Paul 34, 22; die neuere Hiero Astronomie, welche aus der urgeschichte eine verkleidete sternkunde macht. 44, 23; es verlache aber doch niemand die hoffnungen eines so harmlosen menschen, diese nur schamhaft verkleideten wünsche und freuden, geliebt zu werden und lieben zu dürfen. 58, 86.
verhüllend aufputzen: solch blumen wort leret man die knaben in den schulen und heiszen auff griechisch schemata, auf lateinisch figurae, darumb das man damit die rede verkleidet und schmückt, gleich wie man ein leib mit einem kleinod zieret. Luther 1, 378
b; der name der götter wird alles dieses verkleiden. J. E. Schlegel 2, 562; auch dem deutschen schriftsteller würde es bey einigem fleisze sehr leicht gelingen, die armuth seiner sprache, wenn sie stattete, zu verkleiden. Kalbe,
s. Campe
unter statten. in etwas verkleiden,
einkleiden, verhüllen, unsichtbar machen: wenn ein jüngling z. e. eine allgemeine regel anführt, so kann man ihm fälle aus der geschichte, fabeln, in die diese regel verkleidet ist .. anführen lassen. Kant 10, 419; als er seine liebe für Liane nur in ein inniges beten für sie verkleidete. J. Paul 21, 143; sie wissen es vielleicht noch nicht, herr kandidat, wie ein mensch, der auf ehre hält, seinen leeren magen vor der welt so künstlich in allerlei verkleidet, wie ein kunstgärtner in einem park den geheimen abtritt .. in eine nische .. versteckt. 58, 52. 44)
reflexiv, sich verkleiden,
sich in andere kleider hüllen: 14 mal verkleydet er sich täglich und thuot der kleyder keins nimmer mer
an. Frank
weltb. 232
b; des ewigen vaters einig kind itzt man in der krippen find, in unser armes fleisch und blut, verkleidet sich das ewig gut. Luther 8, 357
b.
sich durch verhüllen in fremdartige kleider verstellen: in der fasznacht wird ein theil der welt sich verkleiden, darmit sie das andere betriegen. Fischart
groszm. 5
neudr.; er ist etwan ein loser krieger, und hat sich so verkleidet, unser viehe und die schliche im wald auszukundigen.
Simpl. 2, 85, 5; die räuber ... wie sahen sie denn aus? wie giengen sie denn? sie hatten sich verkleidet, aber wie? Lessing 1, 307; wie ich wieder nach hause kam, und mir sein betragen auffiel .. da ward ich Spanierin in meinem herzen und griff nach meinem dolch und nahm gift zu mir und verkleidete mich. Göthe 10, 57; man verkleidete sich. mit mänteln, shawls und tüchern drapierte sich die junge gesellschaft in der lächerlichsten weise. Freytag
soll u. haben 1, 235 (1882).
mit näherer bestimmung: (
ich) erpracticirte also den pasz vom boten, schickte meine pferde und diener wieder zu ruck, verkleidete mich in eine weisze und rothe liberey und fuhr also in einem schiff hin bisz nach Cöln.
Simpl. 2, 22, 13
Kurz; er gieng ein auf seiner officier zumuthen und mein gutbefinden, sich in alte lumpen zu verkleiden. 3, 130, 21
Kurz; ich verkleidete mich wie ein landfahrer, der salben feil hat. 2, 28, 26
Kurz; als nun Ninus mit todt abgieng, in manns gestalt sie das reich empfieng. hat sich heimlich verkleiden thon, als ob sie wer Ninus ir son. H. Sachs 2, 3, 179 (8, 702, 10
Keller);
Mops. ich darf als Mopsus keineswegs die reise thun ..
Schm. dann muszt du dich verkleiden scheints.
Mops. als was jedoch?
Schm. je nun als musterreiter, wenn dir dies gefällt. Platen 4, 57 (1848).
übertragen: freilich wurzelt dann auf dem anfallkriege der abtreibungskrieg fort und leider so, dasz sich jener leicht in diesen verkleidet. J. Paul 33, 53. 55)
für kleidung hingeben, auf kleidung verwenden, vgl. nl. verkleeden,
verkleiden i. e. auf kleider wenden, verwenden, aufwenden Kramer 1, 440. desselbigen gleichen auch die bürger und kauffleute mit ubermessigem schmuck und unzellichem wucher und geitz lange gnug jre lust gebüszet, haben sie so viel hundert tausend gülden so lange verkleidet, verthan oder versamlet, sollen sie auch einmal eine busze davon geben. Luther 4, 480
b; und wil mehr verzeren und verkleiden, denn sein pflug kan erernden. Mathesius
Sar. 49
b; es seind viel böser, loser buben, die versaufen, verspielen und verkleiden ihr geld unnützlich.
Syrach 2, 23
a; darumb ... gab er ihm burgundischer elen wolgemessen siben weisz thuches, das mocht er nach dem model seines leibs verkleiden unnd färben, wie er wolte, die stümpff oben ans gesasz oder unden an die schu.
Garg. 304 (1590); auf der einen seite war er (
sein sohn) ihm zu verschwenderisch, weil er ihm zu viel geld verkleidete, verritt und verfuhr. Engel
Stark 8.