verheben,
verb. durch heben beseitigen, fortrücken, zurückrücken, mhd. verheben,
mnd. vorheven.
in älterer zeit hatte das zeitwort mehrfach eine bedeutung, die sich eng an die bedeutungen des einfachen hebens
anschlosz; so mhd. er verhûb daʒ swert und slûg.
Malagis 64
ab bei Lexer 3, 125;
mnd. do wart verheven de licham des werden ... und wart besloten in deme altare. Korner 31
a. Schiller-Lübben 5, 366
a.
dieselbe fehlt dem nhd. und überall hat ver
hier die bedeutung des einfachen zeitworts geändert. 11)
durch heben fortschaffen: verheben,
in alienum locum tollere. Stieler 807; welcher ain stain uffhept mit fräveller handt und mit würfft und den verhept, der ist verfallen die grosze busz.
weisth. 1, 280;
hieraus entwickelt sich die bedeutung '
zuhalten, verdecken'
: mhd. ich vermache ein venster mit glase für die sunnen; wan tête ich ein bret dâfür, so verhüebe eʒ mir den tag.
myst. 1, 305, 25
Pfeiffer; nhd. verheb das mul,
opprime os. Terent. (1499) 142
b; verheb jm das maul, thuo im das maul zuo,
os opprime. Maaler 420
d; zeuch das pferdt in einen notstall, und geusz jms in den hals und verheb jhm die naselöcher bisz es begindt zu trensgen. Seuter
rossarznei 41; gott aber denen (
löwen) s mul verhuob, das er on schaden kam darvon.
trag. Joh. K 4;
mit angabe dessen, womit man etwas zudeckt: und fleiszen sich scheützlich zu schreien, verheben jre mund mit den tartschen, das der hall herwider gell. S.
Frank chron. (1539) 7
a. 22)
das beseitigen durch heben kann in vorwärtsschieben oder zurückschieben oder in emporheben bestehen, daher (
aus ersterer sinnlichen bedeutung entwickelt)
die abstracte bedeutung vorrücken, vorwerfen, vorhalten, welchen drei zeitwörtern ja auch der begriff des hinwegthuns vom bisherigen platze zu grunde liegt. gewöhnlich mit tadelndcr nebenbedeutung; ohne object: so haben unser eltern auch den pfaffen etwan in gebrauch gegeben unser güter viel, meinthalben ich nit verheben will; doch ist gewest derselben muth, dasz solichs komm der seel zu gut. Hutten 5, 63
Münch; mit accusativ: ob sie aber Christus wol eben hart anferet und verhebt jr jr heidentumb und nennet sie ein heidnischen hund. Mathesius
Sar. 5
a; was gott armen sündern erlesst .. das hatt uns kein teufel zu verheben. 153
b; und wie Christus seinem wirt die unhöfligkeit verhebet Luc. 7.
hist. v. Jes. Christo 1, 110
b; das sind auch bittere salsen .. wenn man jm alle tag verhebt: du überlegst mich wie ein wetter ein dorf.
hochzeitpred. 114
a; nit vergebens verhebt es David so hoch denjenigen, so sich auff gots wort nit versteen. Frank
chron. vorr. a 4
a; Joathan ... verhuob dem volck sein undanckbare trewlose handlung durch ein fein gleichnus. 44
b; ein jüngling, welcher ein meidlin für eine jungfraw, die doch keine war, zu der ehe genommen hatte, beklaget sichs und verhub ihr es volgendts zum allerhöchsten.
Guicciardinis erquickstunden (1574) 10; einem eine sache verheben,
vitio vertere alicui rem. Stieler 807; wir waren warlich alle sat, drumb keiner zu verheben hat dem andern was. Chryseus
hofteufel G; dasz hab ich ir also verhobn, dasz dergleichen that nicht sei zu lobn. J. Ayrer
tr. v. d. stadt Rom 5
a; wann icht ein armer kmpt zum wein und ein wenig thut frölich sein, dasselb jm bald verhoben wird, sam ob es jm gar nicht gebuort. Eyering 2, 481; ein mensch, wie klug er ist, so lernt doch allzeit und stets nicht widerstrebt, dem kan man nichts verheben. Opitz 1, 184; den Poll, der Themis sohn, der jhm nach billigkeit verhebe diesen hohn. Tscherning (1642) 228; und wer auch euch verhübe disz, der müszte sein kein mensch gewisz. Fleming 315; du willst mir meine grausamkeit verheben, in meinung meinen geist auf deine bahn zu lenken. Hoffmannswaldau
getr. schäfer 78;
mit abhängigem satze: das er jm verhebt, er habe jm das sein abgeessen. Agricola
sprichw. 53
b; wie sagt St. Johannes der heilige apostel, da ihm etliche verhuben, dasz er seine vögelein hatte, ein bogen der stetigs gespant ist, verlamet. Schuppius 834; einem verheben, dasz man im gutes gethan,
beneficia alicui exprobrare commemoratione illorum. Frisch 1, 432. 33)
zurückschieben, zurückhalten, verhindern: verheb nit mit gewalt den stramen des flusses.
Züricher bibel (1530) 632
b; wenn der fuchs den hasen nit weit von dannen zu sein vermerkt, so verhebt er den athem, dasz er weder schnaufe noch keiche. Heyden
Plinius 254; (
der panther) verhebt den athem und stellet sich dermaszen als ob er todt were.
Plinius v. Dhaun 110; die wunde war so grosz, dasz ich sie mit der hand nicht bedecken, noch das blut verheben konnte. Fel. Würtz
pract. der wundarzn. (1612) 101; dasz es sich stopffet und den harn verhebt. Paracelsus 2, 768 A; das weinen verheben. Adelung
versuch 4, 1446; auch sang zur ehr dem stolzen kaiser sich Flaccus mehr als einmal heiser. doch einst verhob ein schneller husten sein morgen-loblied auf Augusten. Thümmel 2, 231. 44)
einen eines dinges überheben: etlich sein also bescheiden, ir unwissenheit zu bekleiden! ... will er des lesens sein verhaben, spricht er: es sein bösz buchstaben. Waldis
Esop 4, 54, 298
b;
hierzu ein reflexiv: aber doch sol man sich darumb nicht so hoch verheben stoltziglich. Römolt
bog. 6
b. 55) verheben,
falsch, in ungeschickter weise heben. 5@aa) die karten werden verhoben,
im kartenspiele, wenn sie falsch abgehoben werden; ein rohes buch wird verhoben,
wenn die lagen unrecht abgehoben werden. Adelung
versuch 4, 1446. 5@bb)
reflexiv, zu eignem schaden ungeschickt heben: sich verheben,
sich durch heben schaden thun, etwas verrenken oder verletzen. Adelung
versuch 4, 1446; die beiden damen muszten ihn (
den korb) selbst wieder an beiden henkeln zum sprachgitter hinausschleppen, wo sie sich bald damit verhoben hätten, um ihn nur an die öffnung hinaufzubringen. Gutzkow
zaub. von Rom 7, 48;
mitunter auch transitiv: ich habe mir etwas verhoben (
durch aufhebung eines schweren koffers).
dram. werke 3, 11.