vergällen,
verb. gallig, bitter machen, mhd. vergellen.
zusammensetzung zu gällen (
th. 4
1, 1190),
dessen bedeutung nicht geändert wird, doch verdrängt vergällen
das einfache gällen. 11)
in ursprünglicher bedeutung, durch galle bitter machen, kaum mehr nachzuweisen, doch z. b. in der nd. schriftsprache um die mitte des vorigen jahrhunderts noch geläufig, da im brem. wb. 2, 478 gallen
mit vergällen
erklärt wird, für welche ursprüngliche bedeutung sonst lieber vergallen
gesagt wird (
s. d.).
häufiger in erweiterter bedeutung bitter, unschmackhaft machen: ein brunn, ein mutterhertz wird aber nicht vergällt, wenn gleich die süsze bach in saltzicht wasser fällt, ein kind die sanffte gunst in heiszen grimm verkehret. Lohenstein
Agripp. 1 (15), 493;
meist nur bildlich: ist nicht der unauslöschliche eindruck jedes ekelhaften eben das, was uns in der welt so oft verfolgt, uns manche gute speise verdirbt und manchen guten trunk vergällt. Göthe 15, 265; was mir am tage das essen vergällt. Tieck 1, 172; wer unsre muttermilch der liebe will vergällen, der weise: dasz von ihm was süszers könne quellen als aus der mutterbrust. Lohenstein
Agripp. 1, 539; man wählt und man verwirft nach dem geschmack des kranken, der voller ungeduld auf manche kost verfällt, die mitten im genusz der ekel ihm vergällt. Hagedorn 1, 41; meinen schlaf soll das nicht stören, nicht vergällen meinen wein. Gökingk 1, 65; was wird sie thun? die leier ihm zerbrechen, ihm den geschmack an freuden der natur vergällen? Gotter 1, 335; deine mutter — o im busen hölle! einsam sitzt sie in dem all der welt, durstet ewig an der freudenquelle, die dein anblick fürchterlich vergällt. Schiller
kindesmörderin; in den entweihten pokal rauscht wein von dummheit vergället. Zachariä 2, 38. 22)
in abstracter bedeutung, widerwärtig machen, verekeln: mhd. faiger sî, der dar ûf stelle wie er sich (
dat.) unverschult vergelle ains andern fröude und gelück. Laszberg
liedersaal 2, 575, 2; untriuwe gerne ûf dem gelît der dicke nach ir stellet, alliu liut sie vergellet. 2, 577, 67;
nhd. selten mit persönlichem objecte: doch leider wissen wir: dasz man uns stricke spinnt .. bei stadt und pöfel uns durch falschen ruff vergällt. Lohenstein
Agripp. 1 (11), 350; der kronsucht süszer traum stellt eltern kinder für als gifft erfüllte schlangen, vergällt als drach und molch den, der offt nichts begangen. 1 (18), 570; wenn sich Octavie bei blühender gestalt, wenn er sie küsset todt für seinen flammen kalt, bei seinen seufftzern taub, bei seiner gunst vergället, ja steinerner als stein Pigmalions anstellet? 1 (4), 115;
mit personification von leblosen: desz todes furcht ist tod, mehr als der tod; der tod verkürtzt, was ihn vergällt: der furchte bittre noth. Logau 3, 17, 71 (456
Eitner);
häufiger mit sächlichem objecte: schulstreiche ... die mir die tage meines standes am meisten vergällt oder versüszt haben. Hamann 2, 438; aber himmel, welches unerwartetes schrecken unterbrach hier meine herzbrechende periode und vergällte mir das wort im munde. Thümmel 1, 10; der teufel sah, wie jeder schwartze streich, den Faust erlebte, sein herz mehr vergällte. Klinger 3, 234; geh! elender! dasz deine gegenwart meine freude nicht vergälle. Göthe 15, 74; dieses glück wurde mir durch den gedanken, ihm meine pflicht geopfert zu haben, so vergällt, dasz .. Heyse
nov. (10.
samml.) 37; doch sterben war uns leicht, er kont uns erst den tod vergällen durch aller folter art. A. Gryphius (1698) 1, 133; nichts übertreff' auch jetzt die frauenlist, nichts meine kunst, mich glücklich zu verstellen, und einem herrn, der so unfehlbar ist, die weitre lust zum wetten zu vergällen! Hagedorn 2, 158; oft, wenn sie die freuden, die reinsten mir vergällt, verzweifl' ich fast. Göthe 10, 303; wer zuerst auf dieser welt wanderbündel schnürte, hat die stille lust vergällt, welche mir gebürte. Rückert 353; doch die sehnsucht kenn' ich jetzt, die auch dich (
den schlummer) vergällt. Platen 7; eure freude ist itzo sehr vergällt.
Felsenb. 2, 571; das herz war wohl seit dem ergusse des ersten tropfen bluts vergällt, das sich zu gut zum mitgenusse der freuden dieser menschen hält. Thümmel 2, 111; wo ich ihn nicht hab ist mir das grab. die ganze welt ist mir vergällt. Göthe 12, 177; vergällend konntest du versüszen mir alles, was mein sinn erkor, wie wand ich mich zu deinen füszen und weinte mich zu dir empor. Platen 11; viel eher findet man bei so vergällten trieben, drei helden, die sich gern in gleicher grösze sehn .. als zweene dichter, die sich lieben. Hagedorn 1, 96; und wenn nur viel frommer ersterben von deiner vergälleten zungen, so meinst du, es sei dir gelungen. P. Gerhard 2, 21
Gödeke; am allermeisten zwar (
fürcht ich), dasz etwan dich hierzu mein langer weg bewogen und ein vergälltes maul dir etwas vorgelogen, damit du dich und mich so setzest in gefahr. Fleming 651; wir menschen sein so toll, und tödten den, der uns vom tode helffen soll. ihr gantz vergälltes volck, ihr gar verstockter sinnen noch thierischer als thier! 13; wird meiner Muse zorn sich auch zu sehr ergieszen? läszt sie nicht schon zu viel vergällte worte flieszen? Canitz 139.