verbrauchen,
verb. consumere, ahd. farbrûhan (
nach einer glosse des 12.
jahrh.: verbruchte,
supererogaverit) Graff 3, 281;
mhd. aus früherer zeit nicht nachgewiesen und bei Lexer
fehlend, im 15.
jahrh. in glossarien: abuti, verbruchen Dief.
nov. gloss. 5
a;
aus dem beginne des 16.
jahrh.: abuti, verbruchen
gloss. 6
b;
peragere, verbringen
vel verbruchen
nov. gloss. 424
b;
mnd. nicht nachgewiesen, doch z. b. nl. verbruiken. 11)
vermittels gebrauchs hinwegschaffen, verwenden, aufbrauchen: verbrauchen,
abuti, absumere, consumere, conterere Maaler 415
c; und soll nicht mehr (
pulver) auff einmal zu dem geschütz und der schantz genommen, weder ein tags verschossen und der notturfft nach verbraucht kann werden. Fronsperger
kriegsb. 1, 36
b; wein verbrauchen,
vinum consumere, es ist halb verbraucht,
dimidia ex parte consumptum est Maaler 415
c; der krancke hat die tropfen verbraucht. Steinbach 1, 188; die ganze klamme war entstanden, dasz man nach und nach die calcinirten schiefer abgeräumt und verbraucht hatte. Göthe 25, 325;
dasjenige, was aus dem verbrauchten gegenstande entsteht, mit zu
beigefügt: eine junge birke, die zu reifen verbraucht werden soll, wird in mitten getrennt. Göthe 55, 123; diesz gilt auch von seiten der scheite des älteren holzes, welches zu dauben oder sonst verbraucht wird.
ebenda; farben zu einem bilde, geld zu etwas verbrauchen; verbrauchte er ja sein wenig geld zum verbessern des landes. Gotthelf
ges. schr. 19, 356;
wenn der verbrauchte gegenstand nicht allein, sondern im vereine mit andern gegenständen zu etwas neuem das material liefert, so können statt zu
auch die präp. an
oder bei
stehen: er verbrauchte viele steine beim hausbau, am hause;
von abstracten dingen: verbraucht ich nur die gute zeit. Fischart
dicht. 1, 47, 1743
Kurz; er folgte .. seinem stummen vater nach, der unter allen sprachen die menschliche am wenigsten verbrauchte, dafür aber selber ein organisirter wild- und vogelruf war. J. Paul 54, 14; aber die Preuszen verbrauchen ihre ganze kraft, 14000 mann werden nach und nach in dies eine dorf hineingeworfen. Treitschke
deutsche gesch. 1, 740;
part. praet. adjectivisch: ich habe auf mehr grabmählern einen losgespannten oder gar zerbrochenen bogen, nicht als das attribut des Amors, sondern als ein von diesem unabhängiges bild des verbrauchten lebens überhaupt, gefunden. Lessing 8, 231. 22)
vermittels gebrauchs abnützen, unbrauchbar, untauglich machen, utendo rem deteriorem reddere Stieler 222,
usu conficere Frisch 1, 128
a: nehmt und verbraucht sie (
die wollene mütze) gesund. Voss
id. 176; es war ein altes, verbrauchtes instrument. Gutzkow
ritter vom geist 1, 371. 33)
abstract, meist nur im partic. praet., durch häufige anwendung wertlos, ohne erfolg, wirkungslos: was soll mir (dasz ich unsern streit durch diesz verbrauchte gleichnisz kürze!) ein mahl voll überflusz und kunst? Gotter 1, 465; diese nannten es (
das trauerspiel) hochschule für die wissenschaft der gähnerei, des mittelmäszigen mittelmeer, und ähnliche verbrauchte bilder. Platen 299; würde ich nicht vollends alles verderben, wenn ich zu den verbrauchten wendungen unserer dichter und prosaisten .. meine zuflucht nehmen .. wollte? Thümmel 4, 185; und mit diesem verbrauchten köder hatte er den armen fisch gefangen. Heyse 12, 54; ein so verbrauchtes mittel. Spielhagen
werke 17, 64. 44)
reflexiv selten, seine kräfte aufbrauchen, bis zu ende ausnützen: ich kam nach Amerika, ich wollte kein persönliches glück mehr auf der welt, ich wollte mich nur noch verbrauchen. Auerbach
forstmeister 1, 192.