verbauen,
verb. ,
ahd. nicht nachgewiesen, mhd. häufig verbûwen,
daneben verbouwen,
nhd. verbauen
mit schwacher flexion. reste einer starken noch im mhd., nhd. part. praet. verbauen Nic. v. Jeroschin 255
Pfeiffer. Schm. 1, 185
Frommann (
selten). bauen
ist in verbauen
nur in der bedeutung aedificare verwendet worden. 11)
zum bauen verwenden, durch bauen aufbrauchen: ob einer herkäme .. dem sol man denn holtz geben zu siner nothurfft, der das vertrösten mag das er das verbuwen und nit erfulen lassen welle.
weisth. 1, 126 (
von 1472); auch sollen die gemelden herrn von Erbach kein bauholz in dem Minchwalt hauen, sie wollen es dann verbauen uff dem hofe zu Frenkfeld. 1, 483 (15.
jahrh.); bauholz, steine verbauen
u. s. w.; ähnlich sein geld verbauen,
geld durch bauen aufbrauchen: in diesem jahr han ich Seb. Schärtlin mein hausz wiederum erneuret und darin verbauet und an hauszrath gebessert 5000 fl. Schärtlin
lebensbeschr. 349; alsz begeren wir du wollest .. ohne unseren expressen befehl ein höheres nicht verbauen.
Weimar. staats -
archiv 1679; er hat sein gantzes erbgut verbaut,
omnes spes hereditarias in aedificiis exstruendis consumsit. Steinbach (1734) 1, 74; ich habe hier an 100 000 ducati verbaut. Göthe 37, 254; wofür verbaut ich denn mein geld? Gellert 1, 186;
beim hereinziehen schon fertiger baue in einen neubau kann man, sofern man dieselben als aufzubrauchendes material auffaszt, von verbauen
sprechen: die scheunen sind zu häusern verbaut. Auerbach
dorfgesch. 1, 47.
in bildlicher verwendung: das biographische bauholz .. steht schon so hoch vor mir auf dem zimmerplatze, dasz ichs nicht verbauen könnte. J. Paul 21, 64; ich habe in diesen zwei bändchen erst vier oder fünf bogen aus der alten auflage verbaut. 18, x (
vorr.).
der gegenstand, wozu etwas baulich verbraucht wird, ist durch präpositionen beigefügt; ist das zu erbauende das material, woraus der bau in der hauptsache errichtet wird, so wird zu
bevorzugt; wird der gegenstand, zu dessen herstellung das verbauen geschieht, als in der hauptsache fertig gedacht, so dasz das zu verbauende nur angefügt wird, so steht in
mit dativ oder accusativ: steine der alten burg wurden in den neubau verbaut;
in älterer zeit auch an: so süllen unse bürger ... 400 phunt heller an der stat vorbuwen und an den buwe legen. Bechstein
henneb. urkb. 1324. 22)
durch bauen unbrauchbar, unzugänglich machen, zubauen, durch bauen versperren, officere aedificando Stieler 102. 2@aa)
mhd. (
der herre) sprach zu sinen knechten: dirre Leonhart der erlôset alle gevangen: nu wil ich disen undene in den turm legen und wil den turm lâʒen vorbûwen innewendig.
myst. 1, 237, 11;
nhd. so solle derselbe Johannes Jorgen Ernste die andern fenster und liechte ... nicht verbuwen, sundern ime dieselben fenstere unverbuwet, unverhindert blieben lassen. Michelsen
thür. rechtsdenkm. 393 (
ende des 15.
jahrh.); fragt der schultheis weiter, wo meiner gn. h. graffen zu
Sp. kaiserliche hohe strasze hingehe ... ob dieselbige verschmählert oder übersteindt seie oder nicht? darauff sie geantwortet ... solch jetzt gemelte strasz solle unverbauet oder unversteindt 30 schue weit und breit sein.
weisth. (1556) 2, 204; maschinen solcher art machen es freilich dem autor leicht hinter seinem dintenfasse in dunkle verbaute haushaltungen ... hell hinunter zu sehen. J. Paul 21, 68.
durch zwischenschieben eines baues absperren: mhd. und eʒ sol nieman da inne niht wonen, und eʒ sol dem pfarrehofe und auch der pfarre hause daʒ lieht nimmer da von werden verpawen.
Nürnb. polizeiordn. 288;
nhd. dasz einer dem andern zu weit einrucket, oder den zaun zu hoch aufführt, als wolt er ihm den lufft verbawen. Fischart
Garg. (1590) 378; diese schöne aussicht hat er nicht nur zumauern lassen, sondern auch noch die fensteröffnungen mit bohlen und täfelung weit hinein verbaut. Tieck 17, 74; ein holzhaufen, der mir den günstigsten prospect auf die feuermauer und den quai verbaute. Heyse
kinder d. welt4 1, 156; kein reicher mann verbauet uns mond- und sonnenschein. Voss 4, 106;
in bildlicher verwendung: ein kleiner schnabel wird aus ihrem kleinen kinn; zu flügeln werden ihre hände, ihr busen wird mit einem kropf verbaut. Gellert 1, 50; ein mond, der nicht die sonne am tag verbauet, sondern ihr fernes licht aus seiner höhe der nacht zuwirft. J. Paul 22, 99; wie man im physischen herbste weiter und mehrere dörfer sieht, weil das gesunkene laubwerk keine mehr verbauet. 20, 133; das tolle gebein rannte fort, die linke hand mit der rechten verbauend. 10, 46.
von abstracten dingen: weil die weite dichte körperwelt so nahe vor uns die geisterwelt verdrängt und verbauet. 21, 47. 2@bb)
absperren, mit der nebenbedeutung zum schutze oder zur abwehr einer sache. wie bei absperren
u. ähnl. wird entweder das zu schützende oder das abzuwehrende im accusativ beigefügt: eine festung verbauen,
in vertheidigungszustand setzen; aber wo die schlösser auff bergen ligen, soll man nach allem vortheil die straszen dermaszen verbauwen und gehe machen, damit der feind kein leichten oder sicher zugang haben mag. Fronsperger (1596) 2, 29; da gabs ein streit, der mensch verbawet den eingang mit bäumen, hinder diesem pollwerck schützt er sich. Fischart
Garg. (1590) 377.
so wohlverbaut,
nach auszen wolgeschützt durch mauern: daʒ erste theil (
des gutes) ist ... mit guten scheunen, stellen und schüttböden, einem verwahrten, wohlverbauten hofe versehen.
Weimar. staats-arch. (
Teichwolframsdorf) 1578;
bildlich: wird es (
das gemüth) gleichsam in einer wohlverbaueten vestung vor allem anlauff und bestürmung sicher sein. Schuppius 781; den feind verbauen: trangen demnach auff Newenburg, ein stättlein, so bedarff gros sorg, dieweil der Rein mit seinem lauff tringt also starck und hefftig drauff, und laszt sein macht so streng da schawen, das man jn nicht gnug kan verbawen. Fischart
dicht. 2, 193
Kurz. 2@cc)
durch belagerung absperren: mhd. si gedâchten, daʒ nicht tochte ir wesin dâ, sint si wêrn vorbûwit sâ von den vîndin sô starc. Nic. v. Jeroschin 36
c (255
Pfeiffer);
nhd. wer ihn mit gewalt uberziehen .. verunrechten oder verpawen wolt.
Frankf. arch. (
Gelnhausen) 1502.
in bildlicher anwendung: er hat mich verbawet und mich mit gall und mühe umbgeben.
klagelieder 3, 5,
danach: er hat mich so verbaut, mit gall und müh umbgeben, in finsternisz gelegt, als die so nicht mehr leben. Opitz 3, 37. 33)
fehlerhaft, falsch bauen: er hat das haus verbaut, das haus ist verbaut. 44)
bergmännisch, zu ende bauen, ausbauen: baue verbauen,
baue mittels zimmerung oder mauerung verwahren, um sie gegen zusammenbrechen zu schützen; nach beendigter schicht nicht eher ausfahren, als bis der ort gehörig verbaut ist. Veith
bergwb. 518.
ausbauen mit der nebenbedeutung ohne entgelt, freibauen: kuxe verbauen,
bestimmte kuxe zu einem beitrage zu den betriebskosten nicht heranziehen, gleichwol aber im falle der ausbeute den besitzern derselben die darauf entfallende ausbeute entrichten; (
es) sein die gewerken .. die erb- und kirchenkux auff ihren kosten zu verlegen und zu verbawen schuldig. Span
bergkurtel (1636)
bei Veith
bergwb. 518. 55)
reflexiv, sich verbauen,
mittels baues sich absperren: zum vierdten gehört auch groszes vorbedencken darzu, wo man sich für einem läger starck und wol verbaut hat und vermeinet sicher zu sein, dasz die auff der andern läger ... mögen mir nit in rücken schieszen. Fronsperger (1562) 2, 20; in sollichem entluoffen ir bei drei hundert ... in das schlosz Engelstatt .. die verpawten sich also darinn, das in der gähe niemand zuo in mocht kommen. Baumann
quellen 1, 769; deshalb die keiserischen sich nicht verbauwen, sondern tag und nacht in der ordnung gestanden und auf den feind gewartet.
historie d. v. Frundsberg bei Schm. 1, 185
Frommann; bildlich: alle schranken fallen, in denen ich vor Russen mich verbaut. Chamisso 4, 54. 66)
falsch bauen, sich durch bauen in nachtheil bringen: spätmhd. das sie sich an der vorgenannten grubin sere vorbuwet und doran faste schaden genommen habin.
ernestin. ges.-archiv (
Weimar) 1440;
nhd. weil nu ein ehrbar rath und stadt weisz, dasz er lang und treulich gedienet, dazu auch sich verbauet, sonst auch keinen sondern zugang hat, bitte ich. Luther
briefe 5, 756. 77)
im bergwesen, eine zeche verbauet sich,
eine zeche liefert so viel ausbeute, als zu ihren kosten erfordert wird. Adelung (1780) 4, 1375: waren die zubuszen der gewerken nicht mehr nöthig, verbaute sich die zeche durch ihr erträgnisz selbst .. so wurde zuerst die bis dahin geleistete zubusze zurückerstattet. Wenzel
handb. d. österr. bergrechts bei Veith
bergwörterb. 518.