unwerth,
m.,
mangel an werth und dessen gs.; mhd. unwert (
auch n.);
dän. uværd;
engl. unworth.
vgl. mnd. unwerde,
mnl. onwerde,
nl. onwaarde.
syn. ab-, minderwerth. a)
selten dem adj. 1
b entsprechend: was hab ich nicht um weisheit dich gebeten? vielleicht verleihst du sie, wenn ich die gaben ins meer versenkt, erkennend meinen unwerth, sie zu besitzen und sie klug zu brauchen Bauernfeld 3, 135. b)
dem adj. 2
a entsprechend; Fischer
schwäb. wb. 6, 276: sie (
etliche hällinger und handwerker) machen unkauf und u. im salz (1515) Lori
bergrecht 151; anno 1484 ist der wein so überflüssig gewachsen und in solchem unwerd gewesen S. Franck
zeytb. (1531) 210
b; ... kam der unwerd sogar in zwillich Knebel
chron. v. Kaisheim 431
lit. ver.; den vermischten u. und die beischlege solcher behemischen müntz
Johannsfrederichen ... voreinigung der müntz halben (1534) A 3
a, erstlich hat er alle güldine und silberne müntzen in einen u. gebracht und dargegen eine eiserne müntz zu gebrauchen aufgericht Xylander
Plutarch (1580) 21
a; wo das holtz gantz im unwerthe und gar nicht an den mann zu bringen ist Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 187; die groszen plätze der neuen stadt ist man nur dem unwerthe des raumes zu jener zeit schuldig Göthe 34, 243
W. c)
dem adj. 2
b entsprechend;
α)
nichtschätzung: soliche confect ... auch bei dem gemeinen man in groszen unwerdt kommen Ryff
confectb. (1548) 23
b;
nichtgeschätztes ding (
vgl. H. Seuse
d. schr. 72, 12
B.): einen u. musz man aufheben; auf einen u. kommt wider ein werd Schmeller-Fr. 2, 992.
nicht mehr schriftsprachlich. β)
werthlosigkeit: wann die menge den u. macht Guarinonius
greuel (1610) 1311; Schottel
haubtspr. 98; lächerlich ..., aus fehlern, die zu verbessern sind, auf den u. einer ganzen sache zu schlieszen Scheibe
crit. musicus (1745) 75; u. der reime, träumereien, des lebens, seines zwecklosen treibens, der einkleidung, vieler verhältnisse, britischer märchenerzähler, meiner lebensrichtung, irdischer herrlichkeit, der teppiche
u. s. w. Gottsched
d. neueste 2, 311; Gotter 3, 72; J. G. Forster
an Sömmerring 339; J. A. Feszler
Attila 108;
allg. d. bibl. anh. 53/86, 2561; A. v. Armin 7, 89; Gervinus
gesch. d. d. dicht. 1, 270; Bismarck
br. an s. braut 3; Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 51; Fontane I 5, 173; demnach haben sehr viele handlungen ... nicht geradezu u. Schopenhauer
br. 108
Gr.; bildlich: spät, wann dies (
pöbellästerung) im raubgewimmel längst des unwerths busze zahlt Bürger 75
b B.; wenn das gemeine in seinem unwerth ruhig sich verbirgt Schiller 13, 384
G.; groszer, notorischer, eigentlicher, politischer und patriotischer, ästhetischer
u. s. w. u.: Abr. a
s. Clara
Judas 3, 571;
allg. d. bibl. 111, 440; Steffens
was ich erlebte 4, 167; Immermann 18, 157
B.; Hebbel
br. 4, 89
W. von personen: ihr aber bleibt zu jeder zeit in eurem unwerth, wie ihr seid
griech. dramen 1, 206
Dähnhardt; da doch ... er oft mit eigenen thränen seinen unwehrt beweinte Lohenstein
Arm. 2, 323
b; o lasz mich einen vorhang vor das ganze, mir allzu helle schauspiel ziehen, dasz in diesem schönen augenblicke mir mein unwerth nicht zu heftig fühlbar werde Göthe
Tasso 838; u. irgend eines geliebten gegenstandes 25, 21
W.; Platen
dram. nachlasz 143
Petzet; o mach mich stolz durch dein vertrauen, dasz ich in unwerth nicht vergeh! R. Wagner 2, 103; Ebner-Eschenbach 6, 249. gefühlter, moralischer, eigner u.
F. H. Jacobi 5, 424; Hegel 18, 186; A. v. Droste-Hülshoff 2, 229.
bildlich: ich meine die folie, die ... unter dem glasstein meines unwerths liegt Gotter
nachlasz (1802) 275; in deines unwerths schlamme Seume
ged. (1804) 271.
für die unwerthe person in ergebenheitsphrase: zum dank sich hier mein u. büget
engl. comöd. 119
Creizenach. γ) werth und u.;
zunächst in der verb. eine sache in ihrem werth und (oder) u. (beruhen) lassen,
in dignitate aut indignitate relinquere quid Frisch (1730) 639; (1741) 2, 443
c;
vgl. nl. ik laat dat in zijne waarde en onwaarde
nl. wb. 10, 2189: ob der Türk nach Luther gefragt, läszt man in seinem werd und unwerd beruowen Nas
eins u. hundert 1, 17
a; Henricpetri
generalhist. (1577) 295; J. Wittich
consilium apologeticum (1594) 172; lieszen auch die ... deductionsschrift auf seinem (!) wert und u. beruhen Ensz
fama austriaca (1627) 411
a; im übrigen aber lasse ichs in seinem werth und u. beruhen Grimmelshausen
Simplic. 152
Kögel; Micrälius
Pommerland 1, 49; Buchholtz
Herkuliskus 662; denn, was man insgemein de principiis moralibus connatis zu schwatzen pfleget, lassen wir zwar ietzo in seinem werth und u. beruhen Chr. Thomasius
einl. in d. vernunftlehre (1691) 293; es mag dieses in seinem werth oder u. so lange beruhen, bis andere die probe hiervon gesehen Amaranthes
frauenzimmerlex. 586; entweder lassen sie sie (
d. weissagungen der bibel) auf ihrem werth oder u. beruhen Jung-Stilling 3, 415
Gr. variiert: bleibt also dieselbige historia in seinem (!) werdt und unwerdt stehen J. Marbach
v. mirakeln u. wunderzeichen (1571) K 3
a; aber ich lasse es zu diesem mal auf seinem u. bestahn Ayrer
processus (1600) 321; wil ich zum beschlusz den freundlichen leser gebetten haben, disz büchlein fur seinen werdt und unwerdt verbleiben lassen Reuter v. Speir
kriegsordnung A 3
b; als lässet man es dahin gestellet sein und diese etlicher Stetiner bezüchtigung auf irem wert und u. ersitzen Chemnitz
schwed. krieg 1, 79; die nichtige auszforderung liesze er auf ihrem unwerd beruhen Buchholtz
Herkuliskus 22; was die generalen zu wasser anbetraf, die liesz P. endlich in ihrem werth und u. A. U. v. Braunschweig
Octavia 4, 701; ich lasse in seinem werthe und unwerthe, ob B. ... abgeschlagen worden Lohenstein
Ibrahim sultan lobschrift H 1
b; gesetzt, man wollte diese begriffe vors erste unbestritten in ihrem werthe oder unwerthe lassen Lessing 9, 19
M.; den werth oder u. eines vorgebens dahingestellt seyn lassen Adelung.
allgemein: den wehrt und unwehrt aller vorfallenden dinge zu beurtheilen
vern. tadlerinnen 2, 34; den werth oder u. solcher ... künsteleyen Lessing 10, 204
M.; M. Mendelssohn 2, 59; Kant 3, 44
ak. ausg.; wenn du keinen werth und u. drein legst, wirds auch gewisz gut seyn Göthe IV 18, 21
W.; werth und u. irdischer dinge, menschlicher thaten 21, 248
W.; IV 4, 287
W.; 47, 318
W.; sie hat gar keinen werth, sondern wirklichen u. Caroline 1, 223
W.; werth des einzelnen beim u. des ganzen Gutzkow (1872
ff.) 7, 130; werth und u. des lebens, der erfindung fürst Pückler
briefw. 3, 173;
hwb. d. staatswiss. 6
2, 57; schriftstellerischen, sittlichen werth oder u. Knigge
roman m. lebens 2, 6; Bettine
frühlingskranz 88. d)
der bed. des adj. 2
e entspricht die rechtsformel von unwerden '
rechtsungültig',
deren form durch anlehnung an von unwirden (Schmeller-Fr. 2, 992), unwürden (Haltaus 1972),
mnd. van unwerde (
wb. 5, 96
b),
mnl. onwerde (
wb. 5, 1556 B 2)
sich erklärt: sölichs alles und iedes erkennen und entkleren wir nichtig und von unwerden
d. st. Worms reformation (1513) 34
b; so vill bitten sie, das ir ... die andern (
gesetze) auch unkreftig von unwerden machet Carbach
Livius 257
a. e)
die dem adj. 3
entsprechende, im mhd. stark entwickelte bed. klingt frühnhd. nach; z. b. in solchem unwert (
indignatio) und unwillen besas der pfaff die pfarr
zimmer. chron. 2, 596; wie die guet fraw herausz, kam sie bei seinen bruederen ... in groszen u. (
ward sie von den br. feindselig verfolgt) 3, 125; mit groszem u. (
mit beschwerlichem verdrusz) 4, 77. —