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unwerth

nhd. bis sprichw. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unwerth adj. adv.

Bd. 24, Sp. 2184
unwerth, adj. adv. , gs. zu werth (s. d.). got. adv. unvairþaba; an. úverðr; aschwed. ovärdher; ags. unweorþ; engl. (veraltet) unworth; ahd. unwerd; mhd. mnd. unwert; mnl. onwert; nl. onwaard. zum wechsel der media mit der tenuis, der sich im frühnhd. nicht auf die flectierten formen beschränkt, und zur qualität und schreibung der stammsilbe vgl. werth. gewisse mhd. verbindungen wie unwerder gruoz, lîp veralteten schon im 16. jahrh. (Warlies d. Frankfurter druck des renners 73a verzeichnet für u. die entsprechungen schmählich, schnöde). Adelung meinte, in der edleren schreibart sei unwürdig üblicher, das in der that u. scharfe concurrenz macht; aber beide behaupten doch ihre eigne gebrauchsweise. ganz unangefochten hält sich u. in bed. 2 a und 3 in der ma. Weigand stellt syn. 2, 472 nichtsnutzig, nutzlos, nichtswerth, nichtswürdig, unnütz, unnützlich, u., unwürdig, werthlos, würdelos zusammen. vgl. auszer unwürdig noch unwerthig, -werthlich, -werthsam. da unser wort schon im altgerm. voll entwickelt ist, erübrigt sich eine chronologische bedeutungsgeschichte; auch greift nicht selten eine bed. in die andre über; lat. indignus wirkt bisweilen ein. 11) mit näheren bestimmungen, angabe, wessen man oder etwas nicht werth ist. a) m. gen.: do was er lihte der gnade unwert Mone schausp. d. ma. (1841) 1, 113; so weren sie nicht u. dieser lösung Xylander Polybius (1574) 358; der gröst schimpf der kunst widderfehrt, wenn sie dem dient, ders ist unwerd Rollenhagen froschmeuseler (1595) E 5a; Opel-Cohn 30 jähr. krieg 262; ein mund voll meines lobs ist deiner unwehrt S. v. Birken Pegnitzschäferei (1645) 1; mit was für einem gesichte soll ich es ihnen sagen, dasz ich der ehre ihrer hand u. bin? Lessing 2, 122 M.; wie ist mir die erde ekelhaft! meiner begierden unwerth Wieland Hermann 1, 175; Göthe 23, 126 W.; Tasso 1480; des edlen volks unwerthe gebieter, ihr (Rheinbundfürsten) Stägemann kriegsgesänge (1813) 43; ich bin ihrer theilnahme nicht ganz u. Gutzkow ritter vom geiste 4, 189; jedes bemühns unwert ist der verpestete stall Platen 1, 282 R.; ein ehrunwerther Rückert Nal u. Dam. 194; nach der verbind. der mühe werth: es wird der mühe nicht u. seyn, etwas genauer hinzusehen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 236; Bürger 318 B. u. halten Feyerabendt ungar. chronica (1581) 28b; Stilling 2, 176, achten Göthe IV 15, 148 W., Fr. L. Jahn 1, 9 E., schätzen Weichmann poesie d. Niedersachsen 3, 165, zeigen Iffland 1, 105, bleiben A. G. Kästner 1, 167; Ritter erdkunde 2, 204, scheinen: nicht unwerth scheinest du, o jüngling, mir der ahnherrn, deren du dich rühmst, zu sein Göthe Iphigenie 2058; es scheint mir der beobachtung nicht u., wie man es treibt Ranke s. w. 37, 333; werden: der herr kommt, den weinberg zu befreien, wenn die gärtner seiner aufs unwertheste wurden Herder 9, 272 S.; Meisl theatr. quodlibet 1, 164; sich machen Lohenstein Arm. 2, 153a; Abbt 6, 3, 61. ungewöhnlich nach lat. indignus: daher achten wir viele des unglücks u., welches sie betroffen (glauben, dasz sie es nicht verdienen) Wolff v. d. menschen thun u. lassen 21; vgl. Lohenstein Arm. 2, 1319. ebenso ungewöhnlich das übergreifen in die bed. unwürdig (schon in ä. spr.: Bosworth-Toller 1136b; mnl. wb. 5, 1572): lasz, fern von schreckenbildern und wilder phantasey, die seele sich nichts schildern, was ihrer unwerth sey! Cronegk 2, 158; der letzte (abschnitt) ist des buchs und des verfassers ganz u. Herder 9, 426 S. b) mit inf. und zu: ainem böszwicht, der mit namen zu nennen unwährt Dreyfelder hist. d. hauses Est (1580) 36a; da ich mich nicht u. fühle, auf den gipfeln ... umher zu schauen Göthe IV 41, 136 W.; im ganzen sind die ergänzungen schier u. erwähnt zu werden Cl. Brentano in schr. d. Götheges. 14, 80. c) mit einem durch dasz eingeleiteten nebensatze: hat er (Christus) in (Pilatus) unwerd geachtet, das er im weiter unterricht geben solte Luther 28, 357 W.; unwerth bin ich, dasz man mich nennt ein werk, von dir geschaffen J. Heermann bei Fischer-Tümpel 1, 274; Lohenstein rosen 113; A. v. Haller tageb. s. beob. 1, 56; was wär er dann gewesen? ... u., dasz die erde ihn trüge A. G. Meiszner Alcibiades 1, 230; Gräsze jägerbrevier 92. d) die nähere bestimmung ist zu ergänzen: wie manchen, werth und unwerth (vergessen zu werden), hielt mit glück die sanfte hand (der muse) von ewger nacht (vergessenheit) zurück Göthe 16, 135 W. (auf Miedings tod 49); das volk, zu dem er gesandt war, hatte sich u. (der sendung und des gesendeten) gezeigt D. Fr. Strausz 3, 387. 22) ohne solche bestimmungen, indem das wort in der regel eine gesteigerte bed. erhält. a) wohlfeil; Fischer schwäb. wb. 6, 275; Schmeller-Fr. 2, 991: er (der wein) ... ward an vil enden so unwerd, dasz man ain masz um ain haller gab J. v. Watt 2, 247; jacent pretia praediorum ... die ligenden güter sind unwärd und nit gschig oder theur Frisius 1055b; M. Kleinlawel straszburg. chron. (1625) 46; so ist das korn wolfeil und das gut u. Grimmelshausen traumgesichte 14; in den jahren 1819 bis 21 war das getraid u. Schmeller-Fr. 2, 991; allzu teur geboten macht die wahr u. (unpreiswerth) Petri H 8a; was die ausgemachte summe nicht werth ist Schmeller-Fr. 2, 991. nicht mehr schriftsprachlich. Sachs-Villatte führen an: eine ware u. machen avilir le prix d'une ... b) geringwerthig, werthlos, wenig geschätzt u. dgl.: in der welt ist eisen das unwerdest und geringschetzigst metall Mathesius Sarepta (1571) 78a; in einem geringen, unwehrten gefesz kan man wol einen edlen, teuren, köstlichen schatz haben und tragen Petri K k 5a; hausz so u. und so klein Opitz t. poemata 181 ndr.; unwerther stant J. G. Neukirch anfangsgründe z. t. poesie (1724) 164; ein zuletzt bey uns völlig unwerthes naturerzeugnisz Göthe IV 39, 93 W.; mit der Herder eignen freiheit: so ist es kein unwerthes (auf etwas unbedeutendes weisendes) zeichen, wenn jemand, bei übrigens klaren begriffen, tiefer fühlt Herder 24, 349 S. prädicativ: doch helt man unter denselbigen (kühen) die schwartzen und weiszen für u. und faul Heyden Plinius (1565) 235; Sebiz feldbau (1579) 136; 467; 107; je nützlicher das eisen ist, je unwerter wirds gehalten für andern metallen Petri K k 1a; als unwerd ist (sie taugt nichts) ein mühl, die nicht umgehet, und ein backofen, der nicht heisz ist, so unwerd ist auch ein land, das nicht erbawet ist noch volk hat H 8b; kein kraut auf erd ist so unwerd, es zeiget seinen schöpfer, gott den herren Casp. Füger bei Ph. Wackernagel kirchenlied 4, 12; mir stinkt die erd und ist unwerth mit allen ihren schätzen Silesius seelenlust 119 neudr.; vgl. stinkunwerth und andere verstärkungen unter 3 d; Lehmann florileg. (1662) 1, 456; Prätorius anthropodemus plut. 3, 371; Lohenstein Arm. 1, 15a; Göchhausen notabilia venatoris 219; wann ein ding am unwerthesten, soll man es sauber zusammenhalten Aler (1727) 2, 2110a; Fischer schwäb. wb. 6, 276; Martin-L. els. wb. 2, 858b. u. werden: es vallet alles uf die erd, gold wirt denn unwerd Mone schausp. d. ma. (1846) 1, 278; ein schön kleyd, das man täglich braucht, wird u. (man achtet und schätzt es nicht mehr) Lehmann florileg. (1662) 2, 791; von münzen und assignaten: Fischer schwäb. wb. 6, 275; Tschudi chron. 1, 322; drauf seien sie (ohrfeigen) ... wie die assignaten in der revolution u. worden Hebel 2, 181, 3 B. (vgl. 3). oft von nichtconcreten begriffen: das der gleyszner leer und frumkeit gleich unwerd ward Luther 20, 508 W.; 32, 72 W.; mich oft und dick gar fast beschwert, das tugent ist so gar unwert Schwarzenberg trostspruch 572 ndr.; bi dem volk ist nüt unwerders, argwenigers und verlümbters dann die geistlichen recht N. Manuel 219 B.; Calvin institutio (1572) 41; ehre, so die vielen mitgeteilet, wird sie u. und verachtet Fr. Wilhelm sprichw. register (1577) m 2a; kunst ist u. Petri M m 2a; der todt macht alle ding unwerd P 2b; angeboten dienst ist u. und stinkt J 4a (vgl. mnl. wb. 5, 1566 2 A; Tunnicius 124 Hoffmann); Moscherosch insomnis cura 68 ndr.; dasz nach ihnen (den aposteln) andre kamen, die das christenthum u. machten (vgl. mnl. enen onwert maken einem seinen hohen rang nehmen wb. 5, 1566), was konnten sie dawider? Herder 19, 126 S.; es ist ein einzelner mensch, dessen gestalt und charakter die rede werth oder u. macht Göthe 23, 202 W.; er kannte das verhalten jedes einzelnen und hielt dessen namen demgemäsz werth oder u. Ranke s. w. 15, 305; unwerthachtung M. Mendelssohn 3, 382; der unwerthgeachtete Herder 19, 197 S.; das würdige mit dem unwürdigen, das werthe mit dem unwerthen durcheinander gerüttelt Göthe II 4, 282 W.; das schlechte, unwerthe O. Ludwig 5, 277. c) unedel, niedrig, verachtet, verächtlich u. dgl.; ignobilis, contemtibilis, obscurus, dejectus Graff 1, 1012: ansehen der unwerden magd Luther 29, 454 W.; der ich ein unwerder, verachter mensch, ja wurm bin 3, 287b Jen.; das ich unter andern menschen der geringst und unwerdest so vermessen bin 1, 6a Jen.; die von so unwerdten menschen geschmecht werden Xylander Polybius (1574) 481; mein unwehrtes haupt Weckherlin 2, 354 F.; dein unwerther vater Triller poet. betrachtungen 1, 613; sammelplatz unwerther persönlichkeiten Caroline 1, 104 W.; wie kann ich unwerter und ungefüger geselle eine solche je ersetzen oder vergüten? G. Keller 4, 56. vom namen H. Sachs 1, 228, 29 K.; Wurstisen Arnoldi Ferroni hist. 1, 513; Valvassor ehre des h. Crain (1689) 1, 50. prädicativ: da aber der herr sahe, das Lea unwerd war, macht er sie fruchtbar 1. Mos. 29, 31; ich werde fürhin under andern göttern gantz unwerdt sein Schaidenreiszer Odyssea (1537) 55b; H. Sachs 17, 65, 13 G.; Spreng Ilias 9b; Daniel Sudermann hohe geistreiche lehren (1622) 6a; aber sehr tröstlich ist es allen frommen und aufrichtigen hertzen, wie gering und elend, wie veracht und unwärth sie in dieser welt seind, dasz sie von gott in acht genommen werden J. Dyke nosce te ipsum (1638) 653; Rist friedew. Teutschland 148; ist ein mann alt und arm auf erd, so ist er wie ein hund unwerth Lehmann florileg. (1662) 1, 16; ich bin elend und ganz unwerth Erlach volkslieder 1, 243; ebenso wie die folgenden prädicativen verbb. nicht mehr üblich; u. halten: wo solichs ein edelmann tet, würd er von seinen genossen sein leben lang dester untreuer und unwerter gehalten Wilwolt v. Schaumburg 134 lit. ver.; H. Sachs 1, 209, 37 K.; J. Wild neue reisbeschreibung (1613) 29; und wie ein groszer theil der welt mich unwerth, toll und schimpflich hält J. Chr. Günther (1735) 114; u. haben: nit dasz er (Christus) sin muoter unwert hätte, sunder dasz er iren handel ufthäte, was er bedüte Zwingli d. schr. 1, 75; u. machen: das bildestürmen habe ich also angryffen, das ich sie zuerst durchs wort gottes ... unwerd und veracht machte Luther 18, 67 W.; sich u. vor der welt machen Eberlin v. Günzburg 3, 234 ndr.; Schupp (1663) titelbl.b; Schottel haubtspr. 243; sich u. machen s'attirer de la haine, se rendre indigne Frisch (1730) 639 geht in bed. 3 über. d) von thieren und gegenständen, die ihrer eigentlichen bestimmung nicht entsprechen: ein alt unwerder gaul H. Sachs 5, 148, 33 K.; würgt einen feisten han, der unwerth ist gemacht und nicht mehr buhlen kan Opitz (1690) 1, 157; vgl.u. untauglich zur arbeit els. wb. 2, 858b; vom wege: pilgerf. d. träumenden mönchs 10 773 B.; und du, gewölbte leyer ..., ehmals stumm und unwerth (vernachlässigt) Ramler lyr. ged. (1772) 182. e) irritum nichtig, unwerd, unkreftig Schöpper g 2a. veraltet. dise bewärnussen will ich nit mit gröszerer vile unwert oder maszleidig machen Zwingli d. schr. 1, 178; rosz, reuter, wagen und auch pferdt werden unversehens unwerth, wo gott nicht mit ist auf der seidt S. Hebel belagerung der st. Bethulia (1566) A 4a. f) Herder wagt: einem todten andenken, das man zur unwerthen (unverdienten) entsündigung gott vorzeigte 20, 209 S. vgl. Wolff v. d. menschen thun u. lassen 21 oben unter 1; mnl. wb. 5, 1572. 33) durch ausdrückliche (oder nur zu ergänzende) beziehung auf das logische subject wird u. stark gefühlsbetont. vgl. invisus Bosworth-Toller 1137a; ingratus, putidus mnl. wb. 1566, zornig, wütend 1571. a) mit dativ d. p. α) in älterer, im 17. jahrh. abreiszender entwicklung, die zu unwirsch führte: do der riche chunich vernam daz, daz im hine wider enboten was, iz was im vil unwert (er ergrimmte darüber), er sprach, iz muose rechen sin swert jüng. Judith 133, 1 Diemer; mhd. wb. 3, 602b; vgl. mnl. enen onwert (gram) werden wb. 5, 1571; mnd. unwertliken, -wertsam wb. 5, 98a; gottes wort schnidet als ein schwert: dem wirt súnt unwert (er haszt, verfolgt, bestraft sie) Mone schauspiele d. ma. (1846) 1, 282; der welt ist er (der leichnam) unwerde, man tregt in zu dem grab Hätzlerin 287, 72; sölichs gefiele H. J. nit, mit der sorg, er wurde inen unwerd docum. z. g. d. b. Hans Waldmann 2, 211; wie dem hoffertigen unwerd (vulg. abominatio) ist, was gering ist, also ist der arme dem reichen auch unwerd (exsecratio) Sirach 13, 24; es (gottes wort) ist uns unwert (wir lieben es nicht) allein us der ursach, dasz wir in nit erkennend Zwingli d. schr. 1, 206; mancher lobet eyn frembdes schwert. hett ers, es were yhm gantz unwerdt (er machte sich gar nichts aus ihm) Agricola sprichw. (1534) P 5b; ein verschnittner, den frauwen ein unwerder mann Frisius 36a; der auch der warheit zu viel schwert, der wirdt gott und der welt unwehrt Meichszner land- u. lehenrecht (1566) 73a; der abt ... was inen gar unwAert und trugend groszen unwillen zu im Tschudi chron. 1, 187; Fischart bienenkorb (1588) 138a; die stärke des ausdrucks nimmt ab: es war ir alle und ein jede person unwerth und abmütig, die nit auch wie sie der welt anhengig war Fabricius auszug bewerter hist. (1599) 182; die gansz ist mir auch nicht unwerth W. Spangenberg ganskönig 4, 347; vgl. bei miar seind dreibäzner net so u. Fischer schwäb. wb. 6, 276; und wird ihr (der natur) alles unwehrt, was sie zuvorhin hat erfreuet J. Böhme 2, 422; inen selbst waren sie u. (sie demütigten sich vor sich selbst) und geringe und in der welt verachtet J. Arndt nachfolge Christi (1631) 22. β) ein unwerther gast, als solcher u. sein, werden (mhd. wb. 3, 602b; mnl. wb. 5, 1569); unbeliebt, ungern gesehen, unwillkommen, lästig u. dgl.; noch oberd. lebendig, und so denn auch bei Chph. v. Schmid, Auerbach, Scheffel (s. b): Seiler 300b; els. wb. 2, 858b; Fischer schwäb. wb. 6, 275; Schmeller-Fr. 2, 991. es sind hier gleich auch stellen berücksichtigt, in denen der dativ fehlt (vgl. c): mit den ich mein guot so miltigklich getailt hab, den selben byn ich yetz ain unwerder gast Fortunatus (1509) 5 ndr.; also war der gut alte vater gantz unwerd und ubel versorget Luther 16, 498 W.; Murner schelmenzunft 28 ndr.; gäst, die unwerd seind ohn wahl, die finden auch platz ring und schmah und ist ir willkom dün und kahl Kirchhof wendunmuth 4, 86 Ö.; du bist gar ein unwerter gast, weil du nichts guts hinder dir last H. Sachs 9, 149, 21 K.; da sie nun etlich tag allda verharret hatten und unwerd worden den inwonern (dann sie mögen die frembden nit lang umb si gedulden), speiszten si unsere schiff mit aller notdurft A. Diether (1550) 2, 1b; besuch deine freunde selten, sonst wirstu ein unwerder gast bey ihnen Petri K 7b; alle tag umb den hert ist den sontag u. H 7b; armer mann unwerther gast Lehmann florileg. (1662) 1, 53; heuer hatten wir die stube voll zum theil sehr unwerther gäste Bräker 2, 136; die alten eltern werden im hause verheirateter kinder bald u. Schmeller-Fr. 2, 991; ich will net u. sein, niemand zur last fallen Fischer schwäb. wb. 6, 276; du bist uns noch nicht u. und hast nichts zu eilen Auerbach 13, 36; dorfgesch. 1, 161. dann auch uneigentlich: Lotharius ... zohe bald als ein onwerder gast in Italia wider in Teutschland S. Franck Germ. chron. (1539) 171b; eunuchus ... den weybern ein unliebliche kurzweyl oder ein unwerder gast Frisius 488a; postreuter (1620) 53; diese zusätzer waren etlichen burgern lieb und wärth, aber vielen auch fast unwärth Grasser schweizer. heldenb. (1625) 96.; im sprichw.: armuot ist ein unwerder gast S. Franck sprichw. (1541) 1, 39a; armuot ist ein last, das alter ein unwerder gast klugreden (1548) 146a; der winter ist ein unwerther gast für alte leut Kirchhofer schweiz. sprichw. 204; Uhland volksl. 41 B 1. γ) in der n. schriftspr. verblaszt diese bed. und neigt zu 2 b: ach, bin ich dann gott so gar u.? Schubart briefe 1, 119 Str.; lasz mich dir nicht so u. seyn S. Geszner 2, 109; denn unwerth bist du (sonne) früh und spat dem, der kein gut gewissen hat C. A. Overbeck verm. ged. (1794) 62. b) mit dem dativ entsprechenden bestimmungen: es ligt ouch der zusatz noch in den vier stetten, wiwol an etlichen orten unwerd (1529) polit. corresp. d. st. Straszburg 1, 379; also würt den geitigen nichtz dan die arbeit, das sie es gesamelt haben und sich unwert gemacht gegen andern lüten Pauli schimpf u. ernst 124 Ö.; u. bey H. Sachs 8, 427, 11 K.; Petri E e 1a; u. allenthalben Nas eins u. hundert 2, K 8b; die arme waise fühlte es nur zu gut, dasz sie in dem hause sehr u. und überlästig sey Chph. v. Schmid 6, 96; er ist u. vor den menschen und u. vor sich selber Auerbach n. dorfgesch. 2, 91; 'bin u. hier worden, herr Markwart' rief ich Scheffel (1907) 3, 42. c) ohne solche bestimmungen. ire in fastidium unwAerd werden, den leuten erleyden, in ein verachtung kommen Frisius 475b; sordere alicui res aliqua dicitur unwärd und von eim veracht und verschmAecht seyn, wenn einen ein ding anstinkt und nichts mer darauf hat 1227a; dedignor unwirdig achten, unwerd halten, ... ein unwillen und verdrusz haben 371b; odium vitae facere sein läben hassen und unwAerd machen 534b: so weysze ich wol, ye lenger ich das (leben) bewar, ye unwerder es wirt Arigo decam. 600, 22 K.; gott und das recht, wilche nicht leiden wollen, dem liebsten zu dienen und den unwerdesten zu lassen Luther 19, 650 W.; all worheit leyt ietz uff der erd: wer mit umbgat, der ist unwerd Murner schelmenzunft 36 ndr.; betlen verdirbt niemandt, man wirt aber sein unwerdt S. Franck sprichw. (1541) 1, 80b; Fischer schwäb. wb. 6, 276; vil fragen ist unwerdt klugreden (1548) 131a; ähnlich Fr. Wilhelm sprichw. reg. F β 24; Petri H h 1a; er (der klappermann) schwatzt sich eh arm und unwerdt dann reich und angenem klugreden (1548) 102b; Scheit Grobianus 4 ndr.; ich armer, unwerder terminierer! N. Manuel 438 B.; wer dient, bisz das er wird unwerd, dem ist undank zum lohn beschert Rollenhagen froschmeuseler A 1b; heut lieb und werth wird bald u. Petri I i 1b; da kein noth, da ist hülf u. Lehmann florileg. (1662) 2, 575; beschert ist u. Binder 21; in dieser welt finden sich auch tröster, die aber mehrmals sein unwehrte und leidige tröster J. Feinler geistl. türkenglocken (1663) 130; sihe! wie unwehrt die undankbarkeit den menschen macht Francisci seelenlabende ruhstunden (1678) 1, 182; mit trawerigkeit und jalousie richt man nichts anderst ausz als sich unwehrt zu machen Elis. Charl. v. Orleans 4, 229 H.; ich lernte gar nichts, wurde immer unwerther Gotthelf (1855) 1, 81; alterthümelnd brüder Grimm sagen 2, 177 nach Binhardus thür. chron. 134. d) die intensität der empfindung wird durch verstärkende zusammensetzung, zusätze und vergleiche gesteigert (vgl. mnl. onwert als een slijc): stinkunwert Fischer schwäb. wb. 6, 275; war ich ... jetzt aber so u., dasz mich die hunde anpiszten Grimmelshausen Simplic. 311 Kögel; u. wie gänsmist Grimmelshausen bei Wander 4, 1489; Fischer schwäb. wb. 6, 275; wie der stockfisch am ostertag Aurbacher bei Schmeller-Fr. 2, 991; wie der speck in einer judenkuchel Abr. a s. Clara etwas f. alle 1, 516; und vieles andere, z. b. Fischer schwäb. wb. 6, 275 f. 44) adv.: die davon nicht todt blieben, sein gefenglich und jemmerlich, unwerder als das viehe weggeschleppet ... worden script. rer. livonic. 2, 223; ein weizenkörnlein in der erde liegt erst ... u. Herder 31, 344 S.; jener (Young) ... wetteiferte ... in seinen satyren mit Swift, den er sehr u. (durchaus nicht nach verdienst) behandelt 18, 106 S.; sonst (z. b. Schiller 12, 7 G.) in undeutlicher construction, die auch prädicative auffassung zuläszt. vgl. mit unwerder masz (indignis modis) Terenz (1499) 99a. in parenthese 'ohne es zu verdienen' Weckherlin 2, 150, 79 F.
20404 Zeichen · 516 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unwêrth

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Unwêrth , -er, -este, adj. et adv. der Gegensatz von werth, so fern es so viel als würdig bedeutet, mit welchem es denn …

  2. Sprichwörter
    Unwerth

    Wander (Sprichwörter)

    Unwerth 1. Als vnwerth ist ein Mühl, die nicht vmbgehet, vnd ein backofen, der nicht heiss ist; so vnwerth ist auch ein …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unwerth

8 Bildungen · 6 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von unwerth

un- + werth

unwerth leitet sich vom Lemma werth ab mit Präfix un-.

unwerth‑ als Erstglied (6 von 6)

unwerthen

DWB

unwert·hen

unwerthen , v. , nullo in pretio, nullo loco habere Dentzler (1716) 333 b . vgl. mhd. mnd. unwerden mnl. onwerden; engl. unworth. —

unwerthig

DWB

unwerthig , adj. , minderwerthig, werthlos, verächtlich: nichts konnte mir angenehmer sein, als die zum theil höchst unwerthigen angriffe, d…

unwerthlich

DWB

unwerth·lich

unwerthlich , adj. adv. , mhd. unwertlich, -lîche, mnd. unwertlik, -like indignanter noch schweizerisch: Gotthelf Uli der knecht 67 ; 347. v…

unwerthnussi

KöblerAs

unwerth·nussi

unwerthnussi , st. F. (ī), st. N. (ja)? nhd. „Unwertigkeit“, Unwille ne. indignation (N.) ÜG.: lat. indignatio SPs Hw.: vgl. ahd. *unwerdnus…

unwerthsam

DWB

unwerth·sam

unwerthsam , adj. , gs. zu werthsam; mnd. unwertsam: ein unwertsam ( unwirsches ) wort Keisersberg baum d. seligkeit (1518) 25 a . dem adj. …

Ableitungen von unwerth (2 von 2)

unwerthe

DWB

unwerthe , f. , contemptus, vilitas Aler (1727) 2, 2110 a . mundartlich in redensarten, ' wo es gerne wie eine localbezeichnung auftritt ' F…

verunwerthen

DWB

verunwerthen , v. , der neueren schriftsprache fremd; mhd. wb. 3, 605, mnd. Schiller-Lübben 5, 481 , frühnhd. spärlich belegt, auch mundartl…

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Cotta, M. (2026). „unwerth". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unwerth/dwb?formid=U12976
MLA
Cotta, Marcel. „unwerth". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unwerth/dwb?formid=U12976. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „unwerth". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unwerth/dwb?formid=U12976.
BibTeX
@misc{lautwandel_unwerth_2026,
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