unparteiisch,
adj. adv. ,
gth. v. parteiisch.
mlat. impartialis (
engl. franz. impartial).
frühnhd. auch (
dem mhd. unpartîic,
mnl. onpartiich
entsprechend) unpartiig, -tigig, -tig (Staub - Tobler 4, 1624; Fischer 6, 207)
und unparteisch, -partisch (
mhd. unpartîsch,
dän. upartisk,
schwed. opartisk;
nhd. unparteysch
noch bei J. C. Günther 381, Besser 1, 41); unpartigisch, -teigisch, teidisch (Under Eyck
d. närrische atheist [1722] 238;
nl. onpartijdig); unpartheyesch Stumpf
chron. 712
c;
mnd. unpartiesch.
vgl. unparteilich, -parteisam. 11) parteiisch 1
entsprechend (
vgl. Murray 5
2, 75
c, 2): das frey, onsectisch, unpartheisch christenthum Franck
paradoxa 7
b.
veraltet. 22) parteiisch 2
entsprechend: neuter, οὐδέτερος Decimator; das ist unpartheyisch, so wol den menschen gesondt als ungesondt Guarinonius 110.
neutralis Alberus;
eselkönig 67; dasz in dem parnasso die frag vorgefallen, weil das wörtlein neutral undeutsch, desgleichen das wörtlein unparteisch halb und halb sei, wie man es auf gut deutsch geben möchte Opel-Cohn 390;
zum heutigen unterschied von neutral
und u. Eberhard
syn. 5, 247;
vgl. parteilos.
insbesondere beim rechtsstreit: ain unparteischer man
hist. volksl. 163, 488
L.; Keisersberg
evangelib. 52
a; ort J. v. Watt 2, 342;
in formelhafter verbindung: ein gemeiner unpartheyischer schultheisz Fronsperger
kriegsbuch 1, 3
b; richter, gericht, urtheil, recht
u. s. w.; u. urtheilen Kramer (1702) 2, 182
c;
subst. Frisius 392
b; Staub - Tobler 4, 1625; Luther 30
3, 416.
beim kampf: b. d. liebe 194
b; der unparteiische zeuge, der unparteiische Laube 1, 61, 62; Kluge
studentenspr. 132
a.
physikalisch: unparteiisches (
retractorisches) eisen Krünitz 199, 60.
im weiteren sinne: die weisheit ... ist ... unparteisch
Jacob. 3, 17; ein gleicher, unparteiischer got Franck
sprichw. (1541) 2, 142
a; aufrichtig zu sein, kann ich versprechen, u. zu sein aber nicht Göthe 42
2, 129, 17
W.; jeder findet am ende in der eignen brust seinen unpartheiischsten richter R. Schumann 4, 277. ich bin so u. wie ein sunensteubel Schwabe
tintenfässl 40; die sonne ist ein unpartheisches liecht
V. Weigel
güld. griff h 2
a.
im engeren sinne: uninteressiert, gleichgültig Lohenstein
Arm. 2, 127
a; Gaudy 8, 95.
verbindungen: dy an den sachen unparteys weren (1491)
lehnsurkunde Schlesiens 1, 462, in Münster
cosmogr. 7, drob Lessing 3, 112, 58, zwischen Herder 5, 285, zum urtheilen Sturz 2, 108. 33)
gth. v. parteiisch 2,
nicht feindlich, nicht rebellisch: darmit sie gleich als gebruter fridlich und unpartheisch neben einander regieren solten H. Gholtz
leb. bilder c 5
b.
veraltet. nach un IV C
oder unter einflusz von uneinig
gleich parteiisch:
obers. 2, 599
b. 44)
gth. v. parteiisch 3;
ohne üble parteilichkeit, unbeeinfluszt, unvoreingenommen, unbefangen, gerecht, ehrlich, lauter u. ä.; sincerus, lautus, candidus: eins yeden vorstendigen und unpartheyschen lesers Emser
a. d. stier zu W. 7
ndr.; beim einschenken Scheit
Grob. 1902;
beim orgelspielen Stoppe
Parnasz 219; unpartheyischere menschen Lichtenberg
briefe 2, 175;
superl. Nicolai
litbr. 3, 131; den Hamburgischen Unpartheyischen Correspondenten Kotzebue 2, 26;
subst. Grabbe 1, 377; unparteyschen gemüts Franck
Turckey a 2
a; Moscherosch
gesichte 546; ohr J. C. Günther 381; einsichten
d. Merkur 1, 19; geschichte Dahlmann
fr. revol. 323; kühnheit Göthe 7, 90
W.; das tiefste, unparteiischste schweigen Bismarck
pol. reden 4, 24; wahl Sleidan
reden 94; taxa Rätel
chron. Schles. 469;
adv. Göthe
Tasso 1519; u.-vornehm Holtei
erz. schr. 7, 89.
dazu unparteiischheit, f. Göthe
gespr. 2, 279
u.