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unnütz

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unnütz adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1210
unnütz, adj. adv. , gth. v. nütz(e). g. unnuts; an. únýtr; ags. unnyt; afries. unnet; ahd. unnuzzi, -nuzze; mhd. unnutze, -nütze; mnd. unnutte; mnl. onnutte, nl. onnut. wie einerseits die zweisilbige form schon mhd. vorkommt, reicht anderseits die dreisilbige neben der nhd. üblichen kürzeren ausnahmsweise bis ins 19. jh. (Iffland 1, 252) und lebt in mundarten fort. die umlautlose form, in oberd. ma. vorwiegend, erscheint in n. schriftsprache selten (Görres h. allianz 107). während in ä. spr. nütze vor nützlich den vorrang behauptet, ist umgekehrt in n. spr. unnützlich (s. d.) vor unnütz zurückgewichen (Scherer litgesch. 83). vgl. unnützig, unnützsam, ohnnutz, keinnütze, nichtsnütz, -nutz, nutzlos. Weigand syn. 2, 472. 11) als hauptsächlich verneinender begriff (vgl. 3). 1@aa) keinen nutzen (s.nutzen 1) schaffend, bereitend, gewährend, unnutzbar: unnüzzen erbe minnesinger 2, 229b, 12; zum ersten ist ein saw in all irem leben u. Franck sprichw. (1541) 2, 31a, katzen (1545) 1, 82b, hummeln Voss ged. 4, 216, mäuler Bräker 1, 204; intempestus, unreif, gemma (1508) n 3a; unnützes kraut unkraut Arigo 670, 23; A. W. Schlegel Shak. 9, 96; übertragen Heine 3, 224; eier Lehmann floril. 2, 726; boden, wasser, gebäude Jacobsson 8, 54b (die im bergbau keine nutzungsmöglichkeit bieten) u. s. w. der Unnütz, berg am Achensee ('weil er keine alben hat' Buck flurnamenb. 193). nutzlos, ohne den rechten nutzen (vgl.nutzen 2): ein unnütz leben ist ein früher tod Göthe Iphig. 115; 138; 21, 7, 15 W.; IV 27, 149 W.; das wissen bleibt u. W. v. Humboldt 1, 283; keiner ihrer unnützesten bürger Schlesw. litbr. 270, 21 ndr.; Philem. 11; Göthe IV 8, 356 W.; wie inutilis sibi, sibi nequam: der im selbs unnütz, wem nütz? Franck sprüchw. (1545) 1, 7a; Wander 4, 1466, 1, 2; sich selbs nichts nutz Keisersberg im els. wb. 1, 798a. adv.: zeit u. anlegen Fr. Wilhelm sprichw. reg. 561 (die unnütze, sonst unnütz verstreichende, nicht in anspruch genommene zeit Möser 1, 240; vgl. Knigge umgang 1, 34); das buch prangt u. (unbenutzt u. ohne nutzen zu schaffen) auf dem bret J. Grimm kl. schr. 1, 116; die rechte gewähren nichts unnützes, der nutzen ... ist die substanz des rechts (vgl.nutzen 3) Jhering geist 31, 316. zwecklos (Moritz nachahmung des schönen [] 9, 28): eine ganz unnütze handlung ist nie schön Herder 23, 145; mit zwecklos verbunden Schubart leben 1, 248; unnitz lange G. Hauptmann Rose Bernd 144; ohne grund Holtei erz. schr. 7, 8. eitel, vergeblich, thüricht, vanus, futilis: unnütz geschwetz, gepleuder Luther 26, 366, 284 W.; Langbein 31, 142; unnutze wort vaniloquium, väterb. 2441 R.; Keisersberg bilgersch. b 2a; fragen 2. Tim. 2, 13; tauben Hulsius 2, 51b; flausen Eichendorff 3, 317; den namen gottes u. (in vanum, frustra) brauchen ält. katechismen 23 ndr.; Luther 6, 218; 1, 250 W.; H. Sachs 22, 161, 17 G.; die natur macht nichts eitel und unnucz problem. Aristot. 24a; unnütze arbeit Alberus, u. arbeiten Eyering 1, 402; der unnützen sternseherkunst Lohenstein Arm. 1, 82; die reue, die unnützeste (vgl.b) von allen unangenehmen empfindungen Lessing 17, 179; mit unnützen (leeren) schatten Nigrinus von zäub. 120; vaniloquus ein unnutz, -nitz Diefenbach gl. 606b; verbalisiren, unnütze worte machen Voigt geschäftsführung 2, 540; unnütz fortwandern (ohne ans ziel zu kommen) Bettine Günderode 1, 154; unnützberühmt J. Paul 49/51, 421. das nur noch in ä. spr. gleichbedeutende 'schädlich, verderblich' (derselben [frucht] schädlich und u. Ruoff hebammenb. 11; med. maulaffe 38; unter den raubvögeln den unnützesten Göchhausen notabilia 148) wird immer mehr von u. getrennt: gänszmist ... ist nit unnutz, sondern auch schädlich Herr feldb. 41a; Voss antisymb. 177; Göthe 3, 321; 25, 52 W.; Wander 4, 1466, 4. 1@bb) nicht notwendig, entbehrlich, überflüssig, vermeidlich u. dgl., unnötig 5 entsprechend, mit dem es bei Lessing 13, 391, 22, 23 in den ausgaben tauscht (vgl. Göthe 32, 182 W.; Luther unter unnötig 5; unnot und unnütze 7, 846, 28 W.): die unnütz sorg H. Sachs 6, 145, 24 K.; am Rheinstrom nennt man solche blumen (viola tricolor) unnütz sorg Bock 201b; Wirsung artzneyb. s. v. freyssam kraut; Megiser 2, 260b; vgl.sorge II 3; kosten Franck chron. Germ. 7a; Lessing 2, 131, 24; bürde Zwingli d. schr. 1, 323; wort Herder 15, 387, überflusz 306, mühe Kotzebue 3, 265, formen Thibaut civ. abh. 19, 438, härte Mörike 3, 146, bedürfnis Ebner-Eschenbach 4, 369 u. s. f.; eine unnütze person (im theaterstück) Dusch (1758) 62; gesinde Göthe 23, 50 W., graszfresser G. Freytag 5, 21. unnützes kaufen Göthe 2, 232, 209 W.; Fischer schwäb. wb. 6, 206; Göthe 25, 103 W.; das unnützeste Auerbach 17, 60. prädicativ: aller widerstand ist u. Schiller 13, 333; die götter, u. einer welt 6, 26; das unnützscheinende Göthe 27, 94 W.; u. machen gespr. 1, 68 B.; Holtei erz. schr. 17, 113; unnütz! sagte er G. Keller 5, 94 (vgl. nichts nutz! weit gefehlt Sanders 2, 455b). adv. N. v. Wyle transl. 15, 10 K.; G. Keller 1, 22; vgl. unnützerweise S. Fr. Hahn einl. 4, 242; Göthe IV 21, 297, 10 W.; unnütztheuer Herder 24, 341. 1@cc) zu nichts helfend, untauglich, unbrauchbar, unvermögend, kraftlos, unwirksam u. dgl.; mit näheren bestimmungen: zu fliegen Keisersberg granatapfel g 5b; die gott unnutze weren Luther 15, 72, 23 W.; dem reich und volck u. und schedlich Schenck schone cronick 12; ich werde ... nicht ganz unnüz dort seyn Caroline 1, 77 W. den spiegel unnütz machen, perdere, fastnachtsp. 456, 20 K.; verschanzungen u. machen schleifen Staub - Tobler 4, 888; ir frewdt mach ich uhnnitz H. Sachs 14, 10, 30 G.; pferde unnütze machen (so dasz sie auf dem gelände nicht zu brauchen sind) M. I. Schmidt gesch. d. D. 1, 481 (mnl. to onnutte maken); u. werden, zergon vanescere; die gsicht ist u. worden, hat ir krafft verloren Maaler 466c; das all ire geschosz u. worden Pantaleon mitnächt. völckeren. hist. 1, 348; A. v. Haller Alfred 12; ist im die rechte hand dürre und u. worden Fabricius auszug b. hist. 95; dasz Hildeprands herrschaft u. sein werde perditum iri br. Grimm sag. 2, 37 (veraltet); dweil reden unnütz Ambach zusaufen b 4b; spritzen ... war nun u. Stifter 51, 324; Schiller 14, 370; das Jesus ... nicht allmechtig, sondern u. were Falckner franz. chron. 1, 39 (veraltet). attributiv: unnucze hilf Steinhöwel ber. fr. 56; gebäude Krünitz [] 199, 35; hausrat u. s. w.; subst. G. Forster 5, 303; wort (νηκερδές) Voss Odyssee 14, 509; wünsche Gentz 1, 31; schosz, nebensprossen Oheim Reichen. chron. 8, 25 Barack; haush.-lex. 1, g 3a; wein Stumpf chron. 130b; an 2 a rührend: et is unnütte weer Strodtmann Osnabr. 265; Campe (vgl. ein ganz nichtsnutziges wetter; anders ignava hiems unnuzzer Graff 2, 1122); es unnutzet, ist schlecht wetter ebda; werfft aus den unnützen knecht erste d. bibel 1, 98, 54; Matth. 25, 30; ein trost ... in unserer groszen entwicklungszeit doch, kein unnützer knecht zu sein Varnhagen v. Ense tageb. 4, 78; leute Luther 19, 654 W.; Agricola sprichw. h 4a; ein unnützer greis Triller betr. 1, 4; arbeiter G. Forster 5, 45; der unnütze Göthe 25, 182 W.; zur arbeit untauglich, schwach Unger-Khull 610b; frigidus, iners Alberus, müsziggängerisch Krünitz 199, 35; Göthe 45, 17 W.; der unnütz vaurien s. 2 a ende. rechtlich: so soll dasz selb alles ausz bapstlichem gewalt nichs und onnüz sein Knebel chron. v. Kaisheim 32; Tschudi chron. 1, 50; cassare unnutz machen gemma (1508) d 3a; so offt ein bürg ... u. wurd Riederer rhetor. w 6b; Staub-Tobler 4, 888. 1@dd) unbedeutend, gering, wertlos, verächtlich, oft an 2 streifend (vgl. unnötig 4 ende, ignobilis, gregarius, vilis Alberus, bliteus Frisius 158b, mnl. wb. 5, 851 I C 5): kleine, unnücze ding Arigo 27, 38; man 638, 9; creatur ew. weisheit betb. 182a; Zwingli d. schr. 1, 36; Fronsperger kriegsb. 1, 128a; Franck sprichw. (1541) 1, 10a; kleider Wickram 5, 225, 2105; die unnützesten kleinigkeiten Herder 16, 148. gern in ärgerlicher schelte: eine unnütze scartek Neumark lustw. (1657) 1, 424; unnützes zeug allg. d. bibl. anh. 53/86, 2591, gerümpel Göthe 46, 46 W., plunder Raabe hungerpastor 1, 143; sein unnützen balg Hartmann volksschausp. 207, 318; ein unnützes papegeien - geschwätz Morhof unterricht 1, 541; quinkeliren E. Th. A. Hoffmann 1, 37. als ausdruck der bescheidenheit u. selbsterniedrigung: wir sind unnütz knechte Luc. 17, 10; Zwingli d. schr. 1, 279; H. Sachs 1, 109, 30 K.; Dedekind chr. ritter e 6b; Spee tugendb. 547; ungeistlich: Bräker 1, 298; Fr. Schlegel Athen. 3, 24. imbecillus Bosworth-Toller 1123a; Söderwall 2, 164a; keinnützig kränklich elsäss. 1, 798a. ekelhaft, schmutzig mnl. wb. 5, 850 I A 3; Molema Groning. 314 (undeutlich u. mehrdeutig: mit seinem unnutzen geyffer Luther 6, 321 W.; was macht der garstige unnütz in der stuben br. Grimm märchen 1, 89). 22) einem mehr positiven begriffe zustrebend. 2@aa) schändlich, böse, frevelhaft, verworfen; in ä. spr. (bes. mnl.) reich entwickelt, noch in ma. lebendig (Staub-Tobler 4, 888; Unger-Khull 610b, 1; Lexer Kärnten 200; Schambach 245a), in n. spr. abgeschwächt zu nichtsnutzig, unartig, ungezogen (vgl. unnötig 4): sy seind gemacht unnütz erste d. bibel 2, 19, 27 (psalm 14, 3); Bynwalth vater unser 12; Zwingli d. schr. 1, 88; pös, unnütz folk städtechr. 4, 110; umb der unnützen (nefandus, mnl. wb. 5, 850 I A 3) potzen und götzen willen Luther 102, 111 W.; unnutze kinder verbessert in bosze buben bibel 1, 25 W.; Petri p 2a, r 6a; fremde, unnütze gottesdienste Jerem. 8, 19 (Adelung wollte das als 'nicht die gehörige, erforderliche beschaffenheit habend' verstehen; vgl. Söderwall 2, 164, 6); ps. 119, 37; das unnütz suffen Manuel weinspiel 3314 neudr.; solche unnütze, unverschämte buben Schupp 169. nach der quelle: der unnützeste aller päpste Ranke 38, 112; G. Freytag 8, 62. in der schelte: du unnutzer hellprandt Eberlin v. Günzburg 1, 199 ndr., bolz Zwingli d. schr. 1, 48, schnudler Ayrer process. 492, floh Weise überfl. gedanken 223 ndr.; ein nar .. est homo nihili, ein unnuczer (mnd. unnutter, m.), heylosz blinder unnutz, non est morio Luther 20, 77, 7 W. enger im rechtlichen sinne: sollichs unnützin beredens (1454) privatbriefe 1, 55 Steinhausen; denselben unnutzen und unrichtigen leuten (1515) Lori bergr. 151; Tschudi chron. 1, 76; pflichtvergessen Staub-Tobler 4, 888; vgl. mnl. wb. 5, 849. heute ganz abgeschwächt und mit vorliebe auf das äuszere verhalten bezogen: solcher unnützer bengel Gottsched schaub. 1, 456; ich bin der [] unnütze junge, der ihnen damals ihren kunstreichen kasperl verdrehte Storm 4, 81; so auch der unnütz: dein C. ist und bleibt ein u. Gutzkow 3, 207; diesen unnutz Freiligrath 6, 136; kosend: mein unnützchen Bismarck br. a. s. braut 246; J. v. Bismarck br. 56. im anschlusz an die ma.: du unnütz Anzengruber 3, 11; der unnutz Rosegger III 8, 263; nixnutzig volk 48. Pansner schimpfwb. 74a. 2@bb) liederlich, unehrbar, leichtfertig, verschwenderisch u. dgl.; frivolus, temerarius, mendax, gemma (1508) l 2a; profligator Frisius 1068b; mnl. wb. 5, 849 I A 2, C 2; Staub-Tobler 4, 888: das er ein ander unnücze pübin liebe hat Arigo 567, 3; pers. rosenth. 5, 14; dieses unnütze mensche hatte aber dennoch der probst so lieb polit. maulaffe 53; Zentz Unnütz Manuel weinspiel 3938; Staub-Tobler 4; ein unnützer man blehet sich Hiob 11, 12; der (könig) sich entblöszet hatt, wie sich die unnützen leut entblöszend Züricher bibel (1531) 2.n. 6 d; unnucze und müessige personen soll man nicht beherbergen öst. weist. 6, 489, 12; 532, 10; liederliche bettler, vaganten und unnütze landstörtzer Grimmelshausen 3, 351, 14 Keller; seinem unnützen leben Stumpf chron. 407a; unnützer haushalter und verschwender Staub-Tobler a. a. o.; sumptuosus Frisius 1270a; Fischart ehzuchtb. 204, 11 H.; unnütz zotten H. Sachs 9, 58, 5 K.; blaterare unnütze und unfletige reden treiben Calepinus septem 172a; unnützer schwetzer balatro, κοπρολόγος Decimator; eine nerrin ... wescht gern und von unnützen, leichtfertigen dingen Barth weiberspiegel r 6a; lieder voll unnützer dinge Kretschmann 1, 21. veraltet bis auf ausdrücke im hausdeutsch wie: sich u. betragen, aufführen von kindern, thieren, pedere, mingere, cacare (vgl. 4 a), oder verdunkelt: ein unnützes wort Bräker 1, 36; E. M. Arndt 1, vii. 2@cc) frech, unverschämt, grob, trotzig, zänkisch, widerspänstig, übermütig, hoffärtig u. ä.; Diefenbach gloss. 26c; nov. gloss. 18; arrogans Henisch 498, 14; sich unpassend und ohne anstand vertheidigend Danneil 232a; Staub - Tobler 4, 888, 3. hoffärtig, stolz Haltrich 38b; vorlaut Leihener 89b; mnl. wb. 5, 850 I A 4 und 1: unnuze wort im strafrechtlichen sinne österr. weist. 10, 149, 26; Riederer rhet. a 3 b; allgemein: unnütze wort treiben Grobianus 2775, geben, entbieten Schweinichen 124, mit unnützen worten um sich werfen Kramer (1702) 2, 149b; ime sey aber an zallongsstad ein unutzer brief herab geschrieben worden Paumgartner briefw. 187; man fühlt sich versucht, .. ihm auf die unnützen hände zu schlagen Heine 6, 10; einem unnütze worte geben ihn beleidigen Campe; unnütze worte machen jem. beschimpfen Sachs-Villatte; unnütze widerworte, antworten geben. eyn hochfertiger, unnützer mann Carbach Liv. 135b; aufrührerisch, hetzerisch 28b; 53a; die unnützen fisch, ketzer Judas Nazarei 14 ndr.; ain unutzer frecher, unberufener Sterzinger sp. 1, 436; Thersites war ein unnützer wäscher und feindseliger plauderer Er. Alberus fabeln 8 ndr.; es ist ein unnützer kerl Stieler 1356; ein unnützer quärulant H. v. Kleist 3, 158 (querelleur Hulsius-Ravellus 380b). ein unnütz maul Luther 342, 374, 38 W.; seine gifftigen, unnützen meuler 26, 199 u. o.; Eyering 1, 520; Hohberg georg. 3, 85b; Kramer, Frisch, Kramer-Moerbeek, Schwan; vgl.maul 7 a, 8 b; garstig 4 b, lose 4; so heute noch in gewöhnlicher redeweise: ein unnützes maul haben; sein u. maul nicht halten können, überflieszen lassen; die unnützen mäuler der nachbarschaft u. dgl. sich u. machen s. 4. der ausdruck die unnützen mücken (s.mücke 9, mucke) aus dem kopf beizen Scheffel 1, 174 kann etwas von dieser bed. enthalten; deutlicher ist: hatten des unnützen windes so viel (machten so viel gegenvorstellungen, widersetzten sich), dasz ich sie (landstreicher, bettler) wider streichen lassen muszte Pape garteteufel im theatr. diab. 2, 186b; unnützen wind (einen dickfelligen) vertreiben engl. com. 213, 1 Cr. 2@dd) durchtrieben, verschlagen, schlau, pfiffig (vgl. nichtsnutzig schlau, klug, geweckt, els. 1, 798b); Haltrich 38b: [] klein und u., grosz und faul Petri l l 7b; klein und u. ingenio pollet, cui vim fortuna negavit Stieler 1356; der dritte (schneidergeselle) war ein kleines unnützes ding Br. Grimm märchen 2, 160; G. Keller 7, 47; ein schneider mit grauen haaren und mutwilligem, unnützem herzen 1, 67. mit unnütz-feiner miene J. Paul 24/26, 47. 33) mischung der bedeutungen ist häufig, wobei die n. spr. (wie im nl.) dazu neigt, fälle von 2 nach 1 umzubiegen: Luther 302, 622 W.; 11, 276 W.; Matth. 12, 36; 2. Timoth. 2, 23; Petri k 2b; Stieler 1105; Breitinger crit. dichtk. 2, 120; Göthe 21, 161, 8 W.; 25, 102, 25 W.; Faust 4598. vieldeutig sind ausdrücke wie unnützer schwätzer, klaffer, plauderer, ein unnützes buch (Krünitz 199, 34), unnütze schmähungen G. Freytag 16, 3 (vgl.unnütze worte unter 1 a, 1 b, 1 c, 2 b, 2 c) und die personennamen Staub - Tobler 4, 888, 4; Hans Unnütz, Matthes U. Wander 3, 7; mamsell Unnütz von W. v. Heimburg (1893). 44) ra. u. sein, werden, sich u. machen in verschiedener bed. 4@aa) u. sein; vgl. sich u. verhalten Staub-Tobler 4, 888, 3 und c δ; schimpfen, schmähen, bei offenbarem unrecht noch raisoniren Wegeler Coblenz 88; sie klagen, ich sei u. auff iren cultum Wicel ev. Luth. h 3; sie was gar entrüst und unnutz kunk. evang. f 4; polit. korr. Mor. v. Sachsen 1, 69; schriftsprachlich veraltet. nach 2 b im sinne der dort am ende angeführten ausdrücke: der hund ist u. gewesen. 4@bb) unnütz werden; nach 2 c: mnd. wb. 5, 67a; wo ein solcher trinckt, so wird er unnütz und wild Agricola sprichw. 699; von der zeit an ... ist Proserpina so giftig und u. worden, dasz .., Lindenborn Diogenes 1, 186. veraltet. 4@cc) sich u. machen. 4@c@aα) nach 1 b überflüssig, entbehrlich, weil lästig, unangenehm bemerkbar: der elephant machet sich auff seine weise gar u. Olearius verm. reisebeschr. 68; das hündlein macht sich u., bellt unaufhörlich Kramer (1702) 2, 149b; er ... mache sich nicht durch sein geschrei, durch seinen vergeblichen schmerz u. Herder 3, 61; nur die lehrschwestern machten sich oft u. durch seelenrettende betriebsamkeit Treitschke d. gesch. 5, 322; nicht ein kügelchen hatte sich dort u. gemacht Holtei 40 jahre 1, 75; sich unangenehm, unliebsam machen durch unerwünschtes thun, obers. 2, 297b; an γ rührend: 'eine anständige gesellschaft durch seine faden späsze u. mutwilligen streiche belästigen; sie machen sich hier einmal wieder sehr u.; indem zugleich hierin ein zarter verweis liegt, diese späsze zu unterlassen' Krünitz 199, 35. mach dich nicht u., lehrer zum schüler Staub-Tobler a. a. o.; sich ausgelassen, ungehörig benehmen ebda; Schambach 244a. 4@c@bβ) 1 c und 2 a/c entsprechend: etwas unnützes vornehmen Bernd Posen 331; vgl. sich nütz machen, beliebt machen, sich höflich, dienstfertig, gefällig zeigen Spiesz Henneberg. 175, sich im hause nützlich machen; frau M. S. zieht überhaupt gegen alle leute los, die ich brauchen kann, und begünstigt einen jeden, der sich u. macht (doppelsinnig, vgl. α) Bauernfeld 5, 170. 4@c@gγ) an 2 b (c) streifend: das mädchen hat sich u. gemacht, ist liederlich geworden; hier hat sich ein hund u. gemacht, u. aufgeführt, betragen, ist u. gewesen (pedere, mingere, cacare ist gemeint); vgl. sich ein bischen u. machen, sich liebkosend etwas herausnehmen Göthe 2, 91 W. (Lilis park 115), dazu δ. 4@c@dδ) nach 2 c; vgl.a; insb. grob, ärgerlich, erzürnt werden, schimpfen, raisonieren, krakehlen, sich rechthaberisch, hoffärtig, überhoben zeigen, sich etwas herausnehmen, mausig machen (Dor. Schlegel bei Sanders 2, 455c). mnd. wb. 5, 67b; facere se imperosiorem, ferociorem (1618) Schmeller 1, 1776; er machet sich unnütze rixatur, jurgat, disputat, expostulat, alternatur Stieler 1356; zanken Rädlein, Frisch; man musz [] sich u. machen, qui non deliquit, hunc decet esse audacem Aler; sich, weil man sich beleidigt glaubt, mit dreistigkeit verteidigen (in der vertraulichen sprechart) Adelung; Danneil 232a; sich ohne grund u. wirksamkeit laut machen, widersetzen (im gemeinen leben) Campe; faire le mauvais, l'arrogant; sich übermütig laut machen Weigand synon. 2, 472. mit präpositionen: rottenses machen sich aus der massen u. mit dem ding Luther 29, 176, 3 W.; an 18, 386, 28 W.; sie solten sich nit u. machen durch ungedult gegen herrn Eberlin v. Günzburg 3, 282 ndr.; expostuliren, sich mit worten unnütz machen Sperander 249a; über etwas oder jemand Luther 18, 139, 28 W.; grillenvertr. 3, 125; beutelschneider 1, 71; Staub-Tobler 4, 888; obers. 2, 297b; Dähnert 507a; auf Miltitz bei Enders 351 anm. 6; gegen Chr. Thomasius ged. (1720) 2, 37; Liscow vorr. 31; wider quellen z. g. der st. Kronstadt 5, 529; um oder wegen etwas Kramer (1702) 2, 149b; mit nebensatz: macht sich sehr u., das .. die gemeine den raht erschlagen hette Hennenberger landtafel 68. ohne solche bestimmungen: wenn du jemand gutes thust, so mache dich nicht u. Sirach 18, 15; vgl.unnütze karten auswerfen Luther 303, 428 W. th. 5, 236; Alberus controfactus b 1a; H. Sachs 17, 102, 24 G.; sich garstig und u. machen Hayneccius Hans Pfriem 1031; Opel-Cohn 432; pers. rosenthal 4, 10; Liscow 421; wo sich aber ein geringerer unnütze machte, den schlug er mit seinem scepter Lessing 8, 20, 18; Hermes Sophiens reise 1, 499; bei lebzeiten wurde er (Göthe) verzogen und machte sich vielfältig u. Ruge briefw. 2, 368. heute schriftsprachlich ungewöhnlich. neueres sprachgefühl sucht an nutzlos, unnötig anzuknüpfen Bernd Posen 331; Götze gloss.2 220a. —
20234 Zeichen · 562 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unnütz

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unnütz , -er, -este, adj. & adv. nicht nütz, d. i. keinen Nutzen habend oder bringend, zu keiner Absicht brauchbar. Ein …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unnütz

    Goethe-Wörterbuch

    unnütz [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Unnütz

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Unnütz , Berg, s. Achensee .

  4. modern
    Dialekt
    unnützAdj.

    Pfälzisches Wb.

    un-nütz Adj. : 'ohne Nutzen, untauglich, vergeblich', -nitz [vereinzelt, Lambert Penns 158]. 's esch net u. [ NW-Gimmdg …

  5. Sprichwörter
    Unnütz

    Wander (Sprichwörter)

    Unnütz 1. Der jhm selbs vnnütz, ist niemandt nütz. – Gruter, III, 19; Petri, II, 400; Egenolff, 132 b; Klosterspiegel, 1…

  6. Spezial
    unnütz

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|nütz adj. 1 da degun ütl, por nia 2 (überflüssig) dessurora.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unnuetz

13 Bildungen · 11 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von unnuetz

un- + nuetz

unnuetz leitet sich vom Lemma nuetz ab mit Präfix un-.

unnuetz‑ als Erstglied (11 von 11)

unnützelich

Lexer

unnuetz·elich

un-nützelich , un-nützlich adj. BMZ s. v. a. unnütze, dispendiosus Dfg. 185 c . Fromm. 2,456 b . mit dat. d. p. iuwer rede ist mir unnutzlic…

unnützelîche

Lexer

unnuetz·eliche

un-nützelîche , un-nützelîchen adv. ib. Ludw. Fromm. 2,456 b . daʒ irʒ sô gar unnützelîche machet Berth. 396,39. wie unnutzelîchen du lebest…

unnützen

DWB

unnützen , verb. , s. DWB unnütz 1 c; Strodtmann Osnabr. 265 ; vgl. verunnützen Staub-Tobler 4, 892 . —

Unnützes

Wander

Unnützes Willst du nichts Unnützes kaufen, musst du nicht auf den Jahrmarkt laufen. – Körte, 6183; Simrock, 10724.

unnützig

DWB

unnützig , adj. , seitenstück zu unnützlich, unnütz; mhd. in unnützeclîche enthalten, mnd. unnuttich, mnl. onnuttich, nl. onnuttig, dän. uny…

unnützlich

DWB

unnuetz·lich

unnützlich , adj. adv. , gth. v. nützlich. ahd. unnuzlîh, mhd. unnütz(e)lich, mnd. unnuttelik, mnl. onnuttelijc, nl. onnuttelijk, aschwed. o…

Ableitungen von unnuetz (2 von 2)

unnütze

DWB

unnütze , f. , gth. v. nütze, f. Österreicher Columella 1, 73 . unnützheit, f., das unnützsein R. Wagner 8, 45 ; vgl. ahd. nuzzeheit Graff 2…

verunnützen

DWB

verunnützen , v. , ' nutzlos machen, zu grunde richten ' schweiz. id. 4, 892; das mir die unflät nüt umbkarten oder sunst anders verunnutzt …