unnütz,
adj. adv. ,
gth. v. nütz(e).
g. unnuts;
an. únýtr;
ags. unnyt;
afries. unnet;
ahd. unnuzzi, -nuzze;
mhd. unnutze, -nütze;
mnd. unnutte;
mnl. onnutte,
nl. onnut.
wie einerseits die zweisilbige form schon mhd. vorkommt, reicht anderseits die dreisilbige neben der nhd. üblichen kürzeren ausnahmsweise bis ins 19.
jh. (Iffland 1, 252)
und lebt in mundarten fort. die umlautlose form, in oberd. ma. vorwiegend, erscheint in n. schriftsprache selten (Görres
h. allianz 107).
während in ä. spr. nütze
vor nützlich
den vorrang behauptet, ist umgekehrt in n. spr. unnützlich (
s. d.)
vor unnütz
zurückgewichen (Scherer
litgesch. 83).
vgl. unnützig, unnützsam, ohnnutz, keinnütze, nichtsnütz, -nutz, nutzlos. Weigand
syn. 2, 472. 11)
als hauptsächlich verneinender begriff (
vgl. 3). 1@aa)
keinen nutzen (
s.nutzen 1)
schaffend, bereitend, gewährend, unnutzbar: unnüzzen erbe
minnesinger 2, 229
b, 12; zum ersten ist ein saw in all irem leben u. Franck
sprichw. (1541) 2, 31
a, katzen (1545) 1, 82
b, hummeln Voss
ged. 4, 216, mäuler Bräker 1, 204;
intempestus, unreif, gemma (1508) n 3
a; unnützes kraut
unkraut Arigo 670, 23; A. W. Schlegel
Shak. 9, 96;
übertragen Heine 3, 224; eier Lehmann
floril. 2, 726; boden, wasser, gebäude Jacobsson 8, 54
b (
die im bergbau keine nutzungsmöglichkeit bieten)
u. s. w. der Unnütz,
berg am Achensee ('
weil er keine alben hat' Buck
flurnamenb. 193).
nutzlos, ohne den rechten nutzen (
vgl.nutzen 2): ein unnütz leben ist ein früher tod Göthe
Iphig. 115; 138; 21, 7, 15
W.; IV 27, 149
W.; das wissen bleibt u. W. v. Humboldt 1, 283; keiner ihrer unnützesten bürger
Schlesw. litbr. 270, 21
ndr.; Philem. 11; Göthe IV 8, 356
W.; wie inutilis sibi, sibi nequam: der im selbs unnütz, wem nütz? Franck
sprüchw. (1545) 1, 7
a; Wander 4, 1466, 1, 2; sich selbs nichts nutz Keisersberg im
els. wb. 1, 798
a.
adv.: zeit u. anlegen Fr. Wilhelm
sprichw. reg. 561 (die unnütze,
sonst unnütz verstreichende, nicht in anspruch genommene zeit Möser 1, 240;
vgl. Knigge
umgang 1, 34); das buch prangt u. (
unbenutzt u. ohne nutzen zu schaffen) auf dem bret J. Grimm
kl. schr. 1, 116; die rechte gewähren nichts unnützes, der nutzen ... ist die substanz des rechts (
vgl.nutzen 3) Jhering
geist 3
1, 316.
zwecklos (Moritz
nachahmung des schönen [] 9, 28): eine ganz unnütze handlung ist nie schön Herder 23, 145;
mit zwecklos
verbunden Schubart
leben 1, 248; unnitz lange G. Hauptmann
Rose Bernd 144;
ohne grund Holtei
erz. schr. 7, 8.
eitel, vergeblich, thüricht, vanus, futilis: unnütz geschwetz, gepleuder Luther 26, 366, 284
W.; Langbein 31, 142; unnutze wort
vaniloquium, väterb. 2441 R.; Keisersberg
bilgersch. b 2
a; fragen
2. Tim. 2, 13; tauben Hulsius 2, 51
b; flausen Eichendorff 3, 317; den namen gottes u. (
in vanum, frustra) brauchen
ält. katechismen 23
ndr.; Luther 6, 218; 1, 250
W.; H. Sachs 22, 161, 17
G.; die natur macht nichts eitel und unnucz
problem. Aristot. 24
a; unnütze arbeit Alberus, u. arbeiten Eyering 1, 402; der unnützen sternseherkunst Lohenstein
Arm. 1, 82; die reue, die unnützeste (
vgl.b) von allen unangenehmen empfindungen Lessing 17, 179; mit unnützen (
leeren) schatten Nigrinus
von zäub. 120;
vaniloquus ein unnutz, -nitz Diefenbach
gl. 606
b; verbalisiren, unnütze worte machen Voigt
geschäftsführung 2, 540; unnütz fortwandern (
ohne ans ziel zu kommen) Bettine
Günderode 1, 154; unnützberühmt J. Paul 49/51, 421.
das nur noch in ä. spr. gleichbedeutende '
schädlich, verderblich' (derselben [
frucht] schädlich und u. Ruoff
hebammenb. 11;
med. maulaffe 38; unter den raubvögeln den unnützesten Göchhausen
notabilia 148)
wird immer mehr von u.
getrennt: gänszmist ... ist nit unnutz, sondern auch schädlich Herr
feldb. 41
a; Voss
antisymb. 177; Göthe 3, 321; 25, 52
W.; Wander 4, 1466, 4. 1@bb)
nicht notwendig, entbehrlich, überflüssig, vermeidlich u. dgl., unnötig 5
entsprechend, mit dem es bei Lessing 13, 391, 22, 23
in den ausgaben tauscht (
vgl. Göthe 32, 182
W.; Luther
unter unnötig 5; unnot und unnütze 7, 846, 28
W.): die unnütz sorg H. Sachs 6, 145, 24
K.; am Rheinstrom nennt man solche blumen (
viola tricolor) unnütz sorg Bock 201
b; Wirsung
artzneyb. s. v. freyssam kraut; Megiser 2, 260
b;
vgl.sorge II 3; kosten Franck
chron. Germ. 7
a; Lessing 2, 131, 24; bürde Zwingli
d. schr. 1, 323; wort Herder 15, 387, überflusz 306, mühe Kotzebue 3, 265, formen Thibaut
civ. abh. 19, 438, härte Mörike 3, 146, bedürfnis Ebner-Eschenbach 4, 369
u. s. f.; eine unnütze person (
im theaterstück) Dusch (1758) 62; gesinde Göthe 23, 50
W., graszfresser G. Freytag 5, 21. unnützes kaufen Göthe 2, 232, 209
W.; Fischer
schwäb. wb. 6, 206; Göthe 25, 103
W.; das unnützeste Auerbach 17, 60.
prädicativ: aller widerstand ist u. Schiller 13, 333; die götter, u. einer welt 6, 26; das unnützscheinende Göthe 27, 94
W.; u. machen
gespr. 1, 68
B.; Holtei
erz. schr. 17, 113; unnütz! sagte er G. Keller 5, 94 (
vgl. nichts nutz!
weit gefehlt Sanders 2, 455
b).
adv. N. v. Wyle
transl. 15, 10
K.; G. Keller 1, 22;
vgl. unnützerweise S. Fr. Hahn
einl. 4, 242; Göthe IV 21, 297, 10
W.; unnütztheuer Herder 24, 341. 1@cc)
zu nichts helfend, untauglich, unbrauchbar, unvermögend, kraftlos, unwirksam u. dgl.; mit näheren bestimmungen: zu fliegen Keisersberg
granatapfel g 5
b; die gott unnutze weren Luther 15, 72, 23
W.; dem reich und volck u. und schedlich Schenck
schone cronick 12; ich werde ... nicht ganz unnüz dort seyn Caroline 1, 77
W. den spiegel unnütz machen,
perdere, fastnachtsp. 456, 20
K.; verschanzungen u. machen
schleifen Staub - Tobler 4, 888; ir frewdt mach ich uhnnitz H. Sachs 14, 10, 30
G.; pferde unnütze machen (
so dasz sie auf dem gelände nicht zu brauchen sind)
M. I. Schmidt
gesch. d. D. 1, 481 (
mnl. to onnutte maken); u. werden, zergon
vanescere; die gsicht ist u. worden, hat ir krafft verloren Maaler 466
c; das all ire geschosz u. worden Pantaleon
mitnächt. völckeren. hist. 1, 348; A. v. Haller
Alfred 12; ist im die rechte hand dürre und u. worden Fabricius
auszug b. hist. 95; dasz Hildeprands herrschaft u. sein werde
perditum iri br. Grimm
sag. 2, 37 (
veraltet); dweil reden unnütz Ambach
zusaufen b 4
b; spritzen ... war nun u. Stifter 5
1, 324; Schiller 14, 370; das Jesus ... nicht allmechtig, sondern u. were Falckner
franz. chron. 1, 39 (
veraltet).
attributiv: unnucze hilf Steinhöwel
ber. fr. 56; gebäude Krünitz
[] 199, 35; hausrat
u. s. w.; subst. G. Forster 5, 303; wort (
νηκερδές) Voss
Odyssee 14, 509; wünsche Gentz 1, 31; schosz, nebensprossen Oheim
Reichen. chron. 8, 25
Barack; haush.-lex. 1, g 3
a; wein Stumpf
chron. 130
b;
an 2 a
rührend: et is unnütte weer Strodtmann
Osnabr. 265; Campe (
vgl. ein ganz nichtsnutziges wetter;
anders ignava hiems unnuzzer Graff 2, 1122); es unnutzet,
ist schlecht wetter ebda; werfft aus den unnützen knecht
erste d. bibel 1, 98, 54;
Matth. 25, 30; ein trost ... in unserer groszen entwicklungszeit doch, kein unnützer knecht zu sein Varnhagen v. Ense
tageb. 4, 78; leute Luther 19, 654
W.; Agricola
sprichw. h 4
a; ein unnützer greis Triller
betr. 1, 4; arbeiter G. Forster 5, 45; der unnütze Göthe 25, 182
W.; zur arbeit untauglich, schwach Unger-Khull 610
b;
frigidus, iners Alberus,
müsziggängerisch Krünitz 199, 35; Göthe 45, 17
W.; der unnütz
vaurien s. 2 a
ende. rechtlich: so soll dasz selb alles ausz bapstlichem gewalt nichs und onnüz sein Knebel
chron. v. Kaisheim 32; Tschudi
chron. 1, 50;
cassare unnutz machen
gemma (1508) d 3
a; so offt ein bürg ... u. wurd Riederer
rhetor. w 6
b; Staub-Tobler 4, 888. 1@dd)
unbedeutend, gering, wertlos, verächtlich, oft an 2
streifend (
vgl. unnötig 4
ende, ignobilis, gregarius, vilis Alberus,
bliteus Frisius 158
b,
mnl. wb. 5, 851 I C 5): kleine, unnücze ding Arigo 27, 38; man 638, 9; creatur
ew. weisheit betb. 182
a; Zwingli
d. schr. 1, 36; Fronsperger
kriegsb. 1, 128
a; Franck
sprichw. (1541) 1, 10
a; kleider Wickram 5, 225, 2105; die unnützesten kleinigkeiten Herder 16, 148.
gern in ärgerlicher schelte: eine unnütze scartek Neumark
lustw. (1657) 1, 424; unnützes zeug
allg. d. bibl. anh. 53/86, 2591, gerümpel Göthe 46, 46
W., plunder Raabe
hungerpastor 1, 143; sein unnützen balg Hartmann
volksschausp. 207, 318; ein unnützes papegeien - geschwätz Morhof
unterricht 1, 541; quinkeliren E. Th. A. Hoffmann 1, 37.
als ausdruck der bescheidenheit u. selbsterniedrigung: wir sind unnütz knechte
Luc. 17, 10; Zwingli
d. schr. 1, 279; H. Sachs 1, 109, 30
K.; Dedekind
chr. ritter e 6
b; Spee
tugendb. 547;
ungeistlich: Bräker 1, 298; Fr. Schlegel
Athen. 3, 24.
imbecillus Bosworth-Toller 1123
a; Söderwall 2, 164
a; keinnützig
kränklich elsäss. 1, 798
a.
ekelhaft, schmutzig mnl. wb. 5, 850 I A 3; Molema
Groning. 314 (
undeutlich u. mehrdeutig: mit seinem unnutzen geyffer Luther 6, 321
W.; was macht der garstige unnütz in der stuben br. Grimm
märchen 1, 89). 22)
einem mehr positiven begriffe zustrebend. 2@aa)
schändlich, böse, frevelhaft, verworfen; in ä. spr. (
bes. mnl.)
reich entwickelt, noch in ma. lebendig (Staub-Tobler 4, 888; Unger-Khull 610
b, 1; Lexer
Kärnten 200; Schambach 245
a),
in n. spr. abgeschwächt zu nichtsnutzig, unartig, ungezogen (
vgl. unnötig 4): sy seind gemacht unnütz
erste d. bibel 2, 19, 27 (
psalm 14, 3); Bynwalth
vater unser 12; Zwingli
d. schr. 1, 88; pös, unnütz folk
städtechr. 4, 110; umb der unnützen (
nefandus, mnl. wb. 5, 850 I A 3) potzen und götzen willen Luther 10
2, 111
W.; unnutze kinder
verbessert in bosze buben
bibel 1, 25
W.; Petri p 2
a, r 6
a; fremde, unnütze gottesdienste
Jerem. 8, 19 (Adelung
wollte das als '
nicht die gehörige, erforderliche beschaffenheit habend'
verstehen; vgl. Söderwall 2, 164, 6);
ps. 119, 37; das unnütz suffen Manuel
weinspiel 3314
neudr.; solche unnütze, unverschämte buben Schupp 169.
nach der quelle: der unnützeste aller päpste Ranke 38, 112; G. Freytag 8, 62.
in der schelte: du unnutzer hellprandt Eberlin v. Günzburg 1, 199
ndr., bolz Zwingli
d. schr. 1, 48, schnudler Ayrer
process. 492, floh Weise
überfl. gedanken 223
ndr.; ein nar .. est homo nihili, ein unnuczer (
mnd. unnutter,
m.), heylosz blinder unnutz, non est morio Luther 20, 77, 7
W. enger im rechtlichen sinne: sollichs unnützin beredens (1454)
privatbriefe 1, 55
Steinhausen; denselben unnutzen und unrichtigen leuten (1515) Lori
bergr. 151; Tschudi
chron. 1, 76;
pflichtvergessen Staub-Tobler 4, 888;
vgl. mnl. wb. 5, 849.
heute ganz abgeschwächt und mit vorliebe auf das äuszere verhalten bezogen: solcher unnützer bengel Gottsched
schaub. 1, 456; ich bin der
[] unnütze junge, der ihnen damals ihren kunstreichen kasperl verdrehte Storm 4, 81;
so auch der unnütz: dein C. ist und bleibt ein u. Gutzkow 3, 207; diesen unnutz Freiligrath 6, 136;
kosend: mein unnützchen Bismarck
br. a. s. braut 246; J. v. Bismarck
br. 56.
im anschlusz an die ma.: du unnütz Anzengruber 3, 11; der unnutz Rosegger III 8, 263;
nixnutzig volk 48. Pansner
schimpfwb. 74
a. 2@bb)
liederlich, unehrbar, leichtfertig, verschwenderisch u. dgl.; frivolus, temerarius, mendax, gemma (1508) l 2
a;
profligator Frisius 1068
b;
mnl. wb. 5, 849 I A 2, C 2; Staub-Tobler 4, 888: das er ein ander unnücze pübin liebe hat Arigo 567, 3;
pers. rosenth. 5, 14; dieses unnütze mensche hatte aber dennoch der probst so lieb
polit. maulaffe 53; Zentz Unnütz Manuel
weinspiel 3938; Staub-Tobler 4; ein unnützer man blehet sich
Hiob 11, 12; der (
könig) sich entblöszet hatt, wie sich die unnützen leut entblöszend
Züricher bibel (1531)
2. kön. 6 d; unnucze und müessige personen
soll man nicht beherbergen öst. weist. 6, 489, 12; 532, 10; liederliche bettler, vaganten und unnütze landstörtzer Grimmelshausen 3, 351, 14
Keller; seinem unnützen leben Stumpf
chron. 407
a; unnützer haushalter und verschwender Staub-Tobler
a. a. o.; sumptuosus Frisius 1270
a; Fischart
ehzuchtb. 204, 11
H.; unnütz zotten H. Sachs 9, 58, 5
K.; blaterare unnütze und unfletige reden treiben Calepinus
septem 172
a; unnützer schwetzer
balatro, κοπρολόγος Decimator; eine nerrin ... wescht gern und von unnützen, leichtfertigen dingen Barth
weiberspiegel r 6
a; lieder voll unnützer dinge Kretschmann 1, 21.
veraltet bis auf ausdrücke im hausdeutsch wie: sich u. betragen, aufführen
von kindern, thieren, pedere, mingere, cacare (
vgl. 4 a),
oder verdunkelt: ein unnützes wort Bräker 1, 36; E.
M. Arndt 1, vii. 2@cc)
frech, unverschämt, grob, trotzig, zänkisch, widerspänstig, übermütig, hoffärtig u. ä.; Diefenbach
gloss. 26
c;
nov. gloss. 18;
arrogans Henisch 498, 14;
sich unpassend und ohne anstand vertheidigend Danneil 232
a; Staub - Tobler 4, 888, 3.
hoffärtig, stolz Haltrich 38
b;
vorlaut Leihener 89
b;
mnl. wb. 5, 850 I A 4
und 1: unnuze wort
im strafrechtlichen sinne österr. weist. 10, 149, 26; Riederer
rhet. a 3 b;
allgemein: unnütze wort treiben
Grobianus 2775, geben, entbieten Schweinichen 124, mit unnützen worten um sich werfen Kramer (1702) 2, 149
b; ime sey aber an zallongsstad ein unutzer brief herab geschrieben worden Paumgartner
briefw. 187; man fühlt sich versucht, .. ihm auf die unnützen hände zu schlagen Heine 6, 10; einem unnütze worte geben
ihn beleidigen Campe; unnütze worte machen
jem. beschimpfen Sachs-Villatte; unnütze widerworte, antworten geben. eyn hochfertiger, unnützer mann Carbach
Liv. 135
b;
aufrührerisch, hetzerisch 28
b; 53
a; die unnützen fisch,
ketzer Judas Nazarei 14
ndr.; ain unutzer
frecher, unberufener Sterzinger sp. 1, 436; Thersites war ein unnützer wäscher und feindseliger plauderer Er. Alberus
fabeln 8
ndr.; es ist ein unnützer kerl Stieler 1356; ein unnützer quärulant H. v. Kleist 3, 158 (
querelleur Hulsius-Ravellus 380
b). ein unnütz maul Luther 34
2, 374, 38
W.; seine gifftigen, unnützen meuler 26, 199
u. o.; Eyering 1, 520; Hohberg
georg. 3, 85
b; Kramer, Frisch, Kramer-Moerbeek, Schwan;
vgl.maul 7 a, 8 b; garstig 4 b, lose 4;
so heute noch in gewöhnlicher redeweise: ein unnützes maul haben; sein u. maul nicht halten können, überflieszen lassen; die unnützen mäuler der nachbarschaft
u. dgl. sich u. machen
s. 4.
der ausdruck die unnützen mücken (
s.mücke 9, mucke) aus dem kopf beizen Scheffel 1, 174
kann etwas von dieser bed. enthalten; deutlicher ist: hatten des unnützen windes so viel (
machten so viel gegenvorstellungen, widersetzten sich), dasz ich sie (
landstreicher, bettler) wider streichen lassen muszte Pape
garteteufel im theatr. diab. 2, 186
b; unnützen wind (
einen dickfelligen) vertreiben
engl. com. 213, 1
Cr. 2@dd)
durchtrieben, verschlagen, schlau, pfiffig (
vgl. nichtsnutzig
schlau, klug, geweckt, els. 1, 798
b); Haltrich 38
b:
[] klein und u., grosz und faul Petri l l 7
b; klein und u.
ingenio pollet, cui vim fortuna negavit Stieler 1356; der dritte (
schneidergeselle) war ein kleines unnützes ding Br. Grimm
märchen 2, 160; G. Keller 7, 47;
ein schneider mit grauen haaren und mutwilligem, unnützem herzen 1, 67. mit unnütz-feiner miene J. Paul 24/26, 47. 33)
mischung der bedeutungen ist häufig, wobei die n. spr. (
wie im nl.)
dazu neigt, fälle von 2
nach 1
umzubiegen: Luther 30
2, 622
W.; 11, 276
W.; Matth. 12, 36;
2. Timoth. 2, 23; Petri k 2
b; Stieler 1105; Breitinger
crit. dichtk. 2, 120; Göthe 21, 161, 8
W.; 25, 102, 25
W.; Faust 4598.
vieldeutig sind ausdrücke wie unnützer schwätzer, klaffer, plauderer, ein unnützes buch (Krünitz 199, 34), unnütze schmähungen G. Freytag 16, 3 (
vgl.unnütze worte
unter 1 a, 1 b, 1 c, 2 b, 2 c)
und die personennamen Staub - Tobler 4, 888, 4; Hans Unnütz, Matthes U. Wander 3, 7; mamsell Unnütz
von W. v. Heimburg (1893). 44)
ra. u. sein, werden, sich u. machen
in verschiedener bed. 4@aa) u. sein;
vgl. sich u. verhalten Staub-Tobler 4, 888, 3
und c
δ; schimpfen, schmähen, bei offenbarem unrecht noch raisoniren Wegeler
Coblenz 88; sie klagen, ich sei u. auff iren cultum Wicel
ev. Luth. h 3; sie was gar entrüst und unnutz
kunk. evang. f 4;
polit. korr. Mor. v. Sachsen 1, 69;
schriftsprachlich veraltet. nach 2 b
im sinne der dort am ende angeführten ausdrücke: der hund ist u. gewesen. 4@bb) unnütz werden;
nach 2 c:
mnd. wb. 5, 67
a; wo ein solcher trinckt, so wird er unnütz und wild Agricola
sprichw. 699; von der zeit an ... ist Proserpina so giftig und u. worden, dasz .., Lindenborn
Diogenes 1, 186.
veraltet. 4@cc) sich u. machen. 4@c@aα)
nach 1 b
überflüssig, entbehrlich, weil lästig, unangenehm bemerkbar: der elephant machet sich auff seine weise gar u. Olearius
verm. reisebeschr. 68; das hündlein macht sich u.,
bellt unaufhörlich Kramer (1702) 2, 149
b; er ... mache sich nicht durch sein geschrei, durch seinen vergeblichen schmerz u. Herder 3, 61; nur die lehrschwestern machten sich oft u. durch seelenrettende betriebsamkeit Treitschke
d. gesch. 5, 322; nicht ein kügelchen hatte sich dort u. gemacht Holtei 40
jahre 1, 75;
sich unangenehm, unliebsam machen durch unerwünschtes thun, obers. 2, 297
b;
an γ rührend: '
eine anständige gesellschaft durch seine faden späsze u. mutwilligen streiche belästigen; sie machen sich hier einmal wieder sehr u.;
indem zugleich hierin ein zarter verweis liegt, diese späsze zu unterlassen' Krünitz 199, 35. mach dich nicht u.,
lehrer zum schüler Staub-Tobler
a. a. o.; sich ausgelassen, ungehörig benehmen ebda; Schambach 244
a. 4@c@bβ) 1 c
und 2 a/c
entsprechend: etwas unnützes vornehmen Bernd
Posen 331;
vgl. sich nütz machen,
beliebt machen, sich höflich, dienstfertig, gefällig zeigen Spiesz
Henneberg. 175, sich im hause nützlich machen; frau
M. S. zieht überhaupt gegen alle leute los, die ich brauchen kann, und begünstigt einen jeden, der sich u. macht (
doppelsinnig, vgl. α) Bauernfeld 5, 170. 4@c@gγ)
an 2 b (c)
streifend: das mädchen hat sich u. gemacht,
ist liederlich geworden; hier hat sich ein hund u. gemacht, u. aufgeführt, betragen, ist u. gewesen (
pedere, mingere, cacare ist gemeint)
; vgl. sich ein bischen u. machen,
sich liebkosend etwas herausnehmen Göthe 2, 91
W. (
Lilis park 115),
dazu δ. 4@c@dδ)
nach 2 c;
vgl.a;
insb. grob, ärgerlich, erzürnt werden, schimpfen, raisonieren, krakehlen, sich rechthaberisch, hoffärtig, überhoben zeigen, sich etwas herausnehmen, mausig machen (Dor. Schlegel
bei Sanders 2, 455
c).
mnd. wb. 5, 67
b;
facere se imperosiorem, ferociorem (1618) Schmeller 1, 1776; er machet sich unnütze
rixatur, jurgat, disputat, expostulat, alternatur Stieler 1356;
zanken Rädlein, Frisch; man musz
[] sich u. machen,
qui non deliquit, hunc decet esse audacem Aler;
sich, weil man sich beleidigt glaubt, mit dreistigkeit verteidigen (
in der vertraulichen sprechart) Adelung; Danneil 232
a;
sich ohne grund u. wirksamkeit laut machen, widersetzen (
im gemeinen leben) Campe;
faire le mauvais, l'arrogant; sich übermütig laut machen Weigand
synon. 2, 472.
mit präpositionen: rottenses machen sich aus der massen u. mit dem ding Luther 29, 176, 3
W.; an 18, 386, 28
W.; sie solten sich nit u. machen durch ungedult gegen herrn Eberlin v. Günzburg 3, 282
ndr.; expostuliren, sich mit worten unnütz machen Sperander 249
a; über etwas
oder jemand Luther 18, 139, 28
W.; grillenvertr. 3, 125;
beutelschneider 1, 71; Staub-Tobler 4, 888;
obers. 2, 297
b; Dähnert 507
a; auf Miltitz
bei Enders 351
anm. 6; gegen Chr. Thomasius
ged. (1720) 2, 37; Liscow
vorr. 31; wider
quellen z. g. der st. Kronstadt 5, 529; um oder wegen etwas Kramer (1702) 2, 149
b;
mit nebensatz: macht sich sehr u., das .. die gemeine den raht erschlagen hette Hennenberger
landtafel 68.
ohne solche bestimmungen: wenn du jemand gutes thust, so mache dich nicht u.
Sirach 18, 15;
vgl.unnütze karten auswerfen Luther 30
3, 428
W. th. 5, 236;
Alberus controfactus b 1
a; H. Sachs 17, 102, 24
G.; sich garstig und u. machen Hayneccius
Hans Pfriem 1031; Opel-Cohn 432;
pers. rosenthal 4, 10; Liscow 421; wo sich aber ein geringerer unnütze machte, den schlug er mit seinem scepter Lessing 8, 20, 18; Hermes
Sophiens reise 1, 499; bei lebzeiten wurde er (
Göthe) verzogen und machte sich vielfältig u. Ruge
briefw. 2, 368.
heute schriftsprachlich ungewöhnlich. neueres sprachgefühl sucht an nutzlos, unnötig anzuknüpfen Bernd
Posen 331; Götze
gloss.2 220
a. —