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ungeschliffen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungeschliffen part.-adj. adv.

Bd. 24, Sp. 850
ungeschliffen, part.-adj. adv. zu schleifen, gth. geschliffen th. 4, 1, 2, 3920; 9, 596. mhd. ungesliffen; mnd. ungeslipet; mnl. nl. ongeslepen; n. usleben; schwed. oslipad; els. 2, 454a; Fischer schwäb. 3, 477; Drechsler Scherffer 215. ungeschlieffen pred. 10, 10; Sachs 14, 108, 7 G.; E. Weigel grund a. tug. 69; theater d. D. (1768) 13, 564. ungeschlipfen Rein. Fuchs (1650) 60; ungeschlimpfenen 27. onggeschlaff(t) lux. 315b. unbeschliffen s. sp. 712. vgl.unab-, -ausgeschliffen; miszgeschliffen Sanders erg. 452a. 11) ursprünglich sinnlich nicht geschliffen (schleifen II A 2 a, b), nicht durch schleifen geschärft, glatt gemacht, verziert, unpoliert, matt u. ä. (geschliffen 4, 1, 2, 3920, 1): wenn ein eisen stumpff wird und an der schneiten ungeschlieffen bleibt, mus mans mit macht wider scherffen pred. 10, 10; ungeschliffene gläser Campe; u. schneid nicht Petri 2, v v iir; Ruckert 187; im wortspiel mit wie geschliffen Fischer 477; steine mnl. wb. 5, 684, 1, beliebt im vergleich und bild: weil der mensch selbst ... einem ... ungeschliffenen steine ähnlich wäre Lohenstein Arm. 1, 609b; ein genie .. ein ungeschliffener demant Nicolai litbr. 10, 196; Iffland 9, 134; Pocci kom. 226; Holtei erz. schr. 8, 245. 22) übertragen: 2@aa) nicht geschärft oder ausgebildet durch erfahrung, sachkunde, unscharf von natur, stumpf, dumm, plump, unverständig (mnl. 2; vgl. geschliffen 4. 5 und schwed. slipad listig): sinn mhd. mnl.; zunge mnl.; Tob. Hübner sieb. tageszeit 93 (e g'schliffes mul eine beredte zunge); wort Meyer und Mooyer altd. dicht. 51b, 527, vgl.c; solche ungeschliffen unchristliche wort Luther 30, 2, 578 W. (doch worte schleifen th. 9, 596 glatte worte machen mit dem nebensinn des betrüglichen); sehr unbeschliffen und grobe lügen Cramer pomm. chr. 2, 166; in n. spr. nur mit rückkehr zu sinnlicherer vorstellung: ein verständig ohr höret in der musik ganz was anders, als ein ungeschliffenes Reimarus wahrh. 549, 9; blick Bode Mont. 2, 49; vgl. geschliffen 2 (4) und th. 9, 596. 2@bb) unverfeinert, unfein, ohne geistigen schliff, ohne anspruchsvollere künstlichkeit, geistigkeit, geistreichigkeit u. dgl. (vgl. geschliffen 3 und ungepaliert, ungepoliert, unpoliert): also hab ichs u. durch die federn herausz geschütt städtechr. 11, 804, 4; grob u. mönchisch latein Nigrinus pap. inquis. 149; reimversen, welche sonsten gar u. lauten Spee trutzn. 64, 10; kopf Faber 376b; Lehman 1, 149; Butschky Pathmos 205 (den kopf schleifen s. schleifen II A 2 c und beim depositionsbrauch). witz Heinse 7, 26, verstand, geist u. dgl., oft mit c zusammenflieszend. 2@cc) hauptsächlich rauh, eckig, unfein in sitte, verfahren und benehmen, im höchsten grade ungesittet Adelung, gth. geschliffen 6. schon in mhd. ungesliffen, mnl. ongeslepen mag die bed. des schleifens (schleifen II A 2 c) durch lat. impolitus, ἀνεπίξεστος beeinfluszt sein; entlehnung aus fr. impoli (zeitschr. f. d. wortf. 4, 131), engl. unpolished käme erst für die jüngsten jahrhunderte in betracht. dagegen wirkt wie bei ungehobelt (s. d.) handwerks- und depositionsbrauch, das schleifen der berufssprachen (schleifen II A 2 e; Richter redensarten 72) deutlich ein. mit dem hintergrund des schleifens bei der gesellenweihe: man sol aber solchen ungeschlieffen und ungehöbelten (so oft verbunden) gesellen das handtwerck zu schreiben verbieten und legen Lauterwalt bedencken (1553) B 4a; ungeschliffenen gesellen Deinhardstein 6, 101 wie allgemein. ungeschliffene leute von den bachanten vor der deposition Kluge stud. 132 (1720); undeutlich gegen b abgegrenzt: den doctorhut auf dasz ungeschliffene gehirn zu setzen Trebellius narrenk. (1683) 98; 151; zu 1 zurücklenkend: F. erschöpfte sich in wüthenden vergleichungen zwischen jungen sauschlingeln und alten hauklingen, die beide u. seien Eichendorff 3, 185. für rüde Kinderling 328, rustical Voigt geschäftsf. 2. 382, impoli Campe verd. (1813) 367a. synonyma sind zahllos, z. b. unbehauen, -schnitten, -gehobelt, -geglättet, -gekämmt, -gekocht, -geschoren, -striegelt, -waschen u. s. w., bes. in den mundarten und verwandten spr., z. b. ungehechelt, ungeschroten Ruckert 187, angeschrubbelt, angeschuft Eupen 10b, ongeschufft Müller-Weitz 172, nl. onbeschoft, onbeschaafd, schwed. ohyfsad u. dgl. heute unsinnlicher als ungehobelt, s. d. sp. 712. die ältere spr. verwendet u. auch in weiterer, geistig-sittlicher bed., während in der n. spr. der bezug auf die äuszere wohlanständigkeit oder die gesellige bildung vorwaltet (Eberhard-Lyon 784). von personen oder persönlich vorgestelltem: Sachs 14, 108, 7 G. sp. 729; was were wilder und ungeschliffener denn ein mensch, der weder recht aufferzogen noch ermanet, erinnert und in guten künsten unterwiesen G. Lauterbeck 20b; ungeschliefene und steinerne hertzen, die eine schwangere nicht aufnehmen wollen E. Weigel grund 69; die ungeschliffneste leute von unserm schiff Simpl. 579 Kögel; wenn in ein ehrbar g'lag ein ungeschliffner kommet Olearius rosenth. 29; ungerecht, u. gegen menschen Knigge umg. 1, 16. zwischen b und c steht: ein ungeschliffener (ungebildeter, unvollkommener, impolitus) mahler Opitz 3, 69; übersetzer Morhof zs. f. d. wortf. 13, 207; vgl. unten land. beliebt als schelte: ein unhöfflicher, ungezogener, ungeschliffener grober röltz grillenvertr. (1605) 3, 14; wocke Buchholtz Herk. 316; flegel Stranitzky ollap. 103, 20 ndr.; kerl Lessing 2, 198; grobiantus Wiederhold 388b; Pansner 73a; vgl. schliffel, schlüffel. das ungeschliffne land als inbegriff seiner ung. bewohner Lessing 1, 250; von flöhen Fischart flöhhaz 269 H.; grillen Kopp volks- u. studl. 228. nur nicht immer so u. n. schausp. (1771) 1, 363; Immermann 2, 151; wie u.! Schiller 1, 245. halb u. und halb keck gehört zum heutigen bon ton Meisl quodl. 4, 11. von ungeschliffenheit zeugend: er empot jm ein ongeschliffene antwort Hedio Comines 43; mores Kirchhof wend. 1, 536; grobheit Zesen rosenmând 12; ränke Göthe 9, 72, 468 W.; äuszeres Nestroy 2, 167; lebensart Scheffel 1, 129; wörter Anzengruber 2, 237 (anders oben 2 a). das ungeschliffene zu vermeiden allg. d. bibl. 97, 283. —
6154 Zeichen · 181 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungeschliffen

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Ungeschliffen , -er, -ste, adj. et adv. nicht geschliffen, sowohl im eigentlichen Verstande. Ungeschliffene Edelsteine. …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ungeschliffen

    Goethe-Wörterbuch

    ungeschliffen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    ungeschliffen

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ung e schliffe n 1. eigentl. nicht geschärft Dü. 2. bildl. ungehobelt, grob Mittl.

  4. Sprichwörter
    Ungeschliffen

    Wander (Sprichwörter)

    Ungeschliffen Ungeschliffen schneidet nicht. – Simrock, 10658; Petri, II, 558; Körte, 6146; Braun, I, 4656; Lohrengel, I…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungeschliffen

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ungeschliffen

un- + geschliffen

ungeschliffen leitet sich vom Lemma geschliffen ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungeschliffen 2 Komponenten

ung+e+schliffen

ungeschliffen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungeschliffen‑ als Erstglied (1 von 1)

ungeschliffenheit

DWB

ungeschliffen·heit

ungeschliffenheit , f. , gth. der geschliffenheit ( doch ist dies oft nur rückbildung aus u.), nach ungeschliffen 2 c. dän. uslebenhed. für …

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APA
Cotta, M. (2026). „ungeschliffen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ungeschliffen/dwb?formid=U07365
MLA
Cotta, Marcel. „ungeschliffen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ungeschliffen/dwb?formid=U07365. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „ungeschliffen". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ungeschliffen/dwb?formid=U07365.
BibTeX
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