ungeschliffen,
part.-adj. adv. zu schleifen,
gth. geschliffen th. 4, 1, 2, 3920; 9, 596.
mhd. ungesliffen;
mnd. ungeslipet;
mnl. nl. ongeslepen;
dän. usleben;
schwed. oslipad;
els. 2, 454
a; Fischer
schwäb. 3, 477; Drechsler
Scherffer 215. ungeschlieffen
pred. 10, 10; Sachs 14, 108, 7
G.; E. Weigel
grund a. tug. 69;
theater d. D. (1768) 13, 564. ungeschlipfen
Rein. Fuchs (1650) 60; ungeschlimpfenen 27. onggeschlaff(t)
lux. 315
b. unbeschliffen
s. sp. 712.
vgl.unab-, -ausgeschliffen; miszgeschliffen Sanders
erg. 452
a. 11)
ursprünglich sinnlich nicht geschliffen (schleifen II A 2 a, b),
nicht durch schleifen geschärft, glatt gemacht, verziert, unpoliert, matt u. ä. (geschliffen 4, 1, 2, 3920, 1): wenn ein eisen stumpff wird und an der schneiten ungeschlieffen bleibt, mus mans mit macht wider scherffen
pred. 10, 10; ungeschliffene gläser Campe; u. schneid nicht Petri 2, v v ii
r; Ruckert 187;
im wortspiel mit wie geschliffen Fischer 477;
steine mnl. wb. 5, 684, 1,
beliebt im vergleich und bild: weil der mensch selbst ... einem ... ungeschliffenen steine ähnlich wäre Lohenstein
Arm. 1, 609
b; ein genie .. ein ungeschliffener demant Nicolai
litbr. 10, 196; Iffland 9, 134; Pocci
kom. 226; Holtei
erz. schr. 8, 245. 22)
übertragen: 2@aa)
nicht geschärft oder ausgebildet durch erfahrung, sachkunde, unscharf von natur, stumpf, dumm, plump, unverständig (
mnl. 2;
vgl. geschliffen 4. 5
und schwed. slipad
listig):
sinn mhd. mnl.; zunge mnl.; Tob. Hübner
sieb. tageszeit 93 (e g'schliffes mul
eine beredte zunge); wort Meyer
und Mooyer
altd. dicht. 51
b, 527,
vgl.c; solche ungeschliffen unchristliche wort Luther 30, 2, 578
W. (
doch worte schleifen
th. 9, 596
glatte worte machen mit dem nebensinn des betrüglichen); sehr unbeschliffen und grobe lügen Cramer
pomm. chr. 2, 166;
in n. spr. nur mit rückkehr zu sinnlicherer vorstellung: ein verständig ohr höret in der musik ganz was anders, als ein ungeschliffenes Reimarus
wahrh. 549, 9; blick Bode
Mont. 2, 49;
vgl. geschliffen 2 (4)
und th. 9, 596. 2@bb)
unverfeinert, unfein, ohne geistigen schliff, ohne anspruchsvollere künstlichkeit, geistigkeit, geistreichigkeit u. dgl. (
vgl. geschliffen 3
und ungepaliert, ungepoliert, unpoliert): also hab ichs u. durch die federn herausz geschütt
städtechr. 11, 804, 4; grob u. mönchisch latein Nigrinus
pap. inquis. 149; reimversen, welche sonsten gar u. lauten Spee
trutzn. 64, 10; kopf Faber 376
b; Lehman 1, 149; Butschky
Pathmos 205 (den kopf schleifen
s. schleifen II A 2 c
und beim depositionsbrauch). witz Heinse 7, 26, verstand, geist
u. dgl., oft mit c
zusammenflieszend. 2@cc)
hauptsächlich rauh, eckig, unfein in sitte, verfahren und benehmen, im höchsten grade ungesittet Adelung,
gth. geschliffen 6.
schon in mhd. ungesliffen,
mnl. ongeslepen
mag die bed. des schleifens (schleifen II A 2 c)
durch lat. impolitus,
ἀνεπίξεστος beeinfluszt sein; entlehnung aus fr. impoli (
zeitschr. f. d. wortf. 4, 131),
engl. unpolished
käme erst für die jüngsten jahrhunderte in betracht. dagegen wirkt wie bei ungehobelt (
s. d.)
handwerks- und depositionsbrauch, das schleifen der berufssprachen (schleifen II A 2 e; Richter
redensarten 72)
deutlich ein. mit dem hintergrund des schleifens
bei der gesellenweihe: man sol aber solchen ungeschlieffen und ungehöbelten (
so oft verbunden) gesellen das handtwerck zu schreiben verbieten und legen Lauterwalt
bedencken (1553)
B 4
a; ungeschliffenen gesellen Deinhardstein 6, 101
wie allgemein. ungeschliffene leute
von den bachanten vor der deposition Kluge
stud. 132 (1720);
undeutlich gegen b
abgegrenzt: den doctorhut auf dasz ungeschliffene gehirn zu setzen Trebellius
narrenk. (1683) 98; 151;
zu 1
zurücklenkend: F. erschöpfte sich in wüthenden vergleichungen zwischen jungen sauschlingeln und alten hauklingen, die beide u. seien Eichendorff 3, 185.
für rüde Kinderling 328, rustical Voigt
geschäftsf. 2. 382, impoli Campe
verd. (1813) 367
a.
synonyma sind zahllos, z. b. unbehauen, -schnitten, -gehobelt, -geglättet, -gekämmt, -gekocht, -geschoren, -striegelt, -waschen
u. s. w., bes. in den mundarten und verwandten spr., z. b. ungehechelt, ungeschroten Ruckert 187, angeschrubbelt, angeschuft
Eupen 10
b, ongeschufft Müller-Weitz 172,
nl. onbeschoft, onbeschaafd,
schwed. ohyfsad
u. dgl. heute unsinnlicher als ungehobelt,
s. d. sp. 712.
die ältere spr. verwendet u.
auch in weiterer, geistig-sittlicher bed., während in der n. spr. der bezug auf die äuszere wohlanständigkeit oder die gesellige bildung vorwaltet (Eberhard-Lyon 784).
von personen oder persönlich vorgestelltem: Sachs 14, 108, 7
G. sp. 729; was were wilder und ungeschliffener denn ein mensch, der weder recht aufferzogen noch ermanet, erinnert und in guten künsten unterwiesen G. Lauterbeck 20
b; ungeschliefene und steinerne hertzen,
die eine schwangere nicht aufnehmen wollen E. Weigel
grund 69; die ungeschliffneste leute von unserm schiff
Simpl. 579
Kögel; wenn in ein ehrbar g'lag ein ungeschliffner kommet Olearius
rosenth. 29; ungerecht, u. gegen menschen Knigge
umg. 1, 16.
zwischen b
und c
steht: ein ungeschliffener (
ungebildeter, unvollkommener, impolitus) mahler Opitz 3, 69; übersetzer Morhof
zs. f. d. wortf. 13, 207;
vgl. unten land.
beliebt als schelte: ein unhöfflicher, ungezogener, ungeschliffener grober röltz
grillenvertr. (1605) 3, 14; wocke Buchholtz
Herk. 316; flegel Stranitzky
ollap. 103, 20
ndr.; kerl Lessing 2, 198; grobiantus Wiederhold 388
b; Pansner 73
a;
vgl. schliffel, schlüffel. das ungeschliffne land
als inbegriff seiner ung. bewohner Lessing 1, 250;
von flöhen Fischart
flöhhaz 269
H.; grillen Kopp
volks- u. studl. 228. nur nicht immer so u.
n. schausp. (1771) 1, 363; Immermann 2, 151; wie u.! Schiller 1, 245. halb u. und halb keck gehört zum heutigen bon ton Meisl
quodl. 4, 11.
von ungeschliffenheit zeugend: er empot jm ein ongeschliffene antwort Hedio
Comines 43; mores Kirchhof
wend. 1, 536; grobheit Zesen
rosenmând 12; ränke Göthe 9, 72, 468
W.; äuszeres Nestroy 2, 167; lebensart Scheffel 1, 129; wörter Anzengruber 2, 237 (
anders oben 2 a). das ungeschliffene zu vermeiden
allg. d. bibl. 97, 283. —