ungeschicklichkeit,
f. ,
mangel an geschicklichkeit und gth. der geschicklichkeit.
neben mhd. ungeschicketheit,
mnl. ongescicketheit, ongeschickenisse
stellt sich im 15.
jh. ungeschicklikait (
Taulerdrucke für älteres ungeschicketheit), ungeschicktlicheit (
Terenz 1499);
auch später noch ungeschicklickeyt ( Luther), ungeschücklikeit (Carlstadt), ungeschicklicheit (
Carolina), ungeschichligkeit (
wie ungeschicht
für ungeschickt) Frisius 288
b, ungeschlickigkeit Duez 102
u. ä. vgl. ungeschick, ungeschicktheit, ungeschicktlichkeit.
über das äuszere verhältnis zu ungeschicktheit
s. ungeschicklich (
schon in Frischlins
nomcl. 172
steht iners ungeschickt
neben inertia ungeschicklichkeit,
ähnlich Wickram 2, 244, 31,
wie heute). Staub-Tobler 8, 528.
für inhabilität Kinderling 283. 11) ungeschicklich 2, geschicklichkeit 1
entsprechend, unrichtige beschaffenheit, unzulänglichkeit, hindernder umstand, übelstand, unzuträglichkeit: gleich wie das goldt und sylber (
durch läuterung) von allen jhren ungeschickligkeiten hinweg genommen werden Parac. 1, 811 a;
schlechtes wetter 2, 650 (onghescickenisse weders
mnl. wb. 5, 676);
impedimenta naturae Frisius 654
b; des bodens u. Sebiz 20; man saget, so der adler zuo hohem alter komme, ... so könne er von der ungeschickligkeit wegen des wachsenden ... schnabels nicht mehr essen Heyden
Plin. vorr. 3
a; Staub-Tobler 528 a.
abstracter für geistliche unaufgelegtheit, dürre Tauler
serm. (1508)
reg. 3
a;
pred. 304, 11
V.; voreingenommenheit Keisersberg
post. 2, m
b;
für ungelegenheit, unzuträglichkeit: die monopolia haben dem reich ... viel ungeschicklichkeiten und ungemach zugefügt Frisch 2, 177
b aus 'Carol. IV. imp. capitul. art. 7';
Bair. landtsordn. (1553) 22
b; wenn sonst keyn ungeschicklicheyt (
hindernder umstand, der es unschicklich [
vgl. 5]
erscheinen läszt) da ist, were es kein sund, wer am abent oder mitternacht mesz hielt Luther 10, 2, 242, 28
W.; ungeschickligkaiten nach der orthographia reformieren Ickelsamer 27; ungeschicklikheit und gebrechen diser tragedien Vogelgesang-Cochlaeus
gespr. 13
ndr.; die armuth und u. der sprache (
vgl. 3) Gottsched
d. neueste 4, 620; Geiler scheidet zwischen der narrheit, die eine folge von u. und gebrechen der natur ist, und ... Gervinus
g. d. d. 2, 355,
doch wird der unaufmerksame heutige leser u. 4
verstehen; dasz diese bed. der n. spr. im wesentlichen verloren gegangen, lehrt: dasz hier (
im Hamlet) ein ganzes königliches haus durch innere verbrechen und ungeschicklichkeiten (
bethätigungen der unzulänglichkeit, H. ist der aufgabe nicht gewachsen) zu grunde geht Göthe 22, 164, 8
W. N
1,
wofür N
2—C unschicklichkeiten.
vgl. miszgeschicklichkeiten
unzuträglichkeiten Heine 3, 375.
in ä. spr. gern von krankhaften zuständen (
vgl.üble geschicklichkeit
und indispositio) Höfler 566
b:
cachexia ungeschicklichheyt des leibs Alberus; des magens Wirsung (1588) 65
c; der nieren 479
b; indisposition, unpäszlichkeit und ungeschlickigkeit
invaletudo et mala dispositio Duez 102.
allgemeiner für defectus Carolina 2; Frisius 288
b (
vitium).
verblassend und mit 2, 5
gemischt: die u. des glücks zu ersetzen Göthe IV 4, 164, 4
W. (
ut importunitati fortunae consulerem). 22) ungeschicklich 3
entsprechend, importunitas, intempestivitas Alberus: nach u. derselben zeit Rätel
schl. chr. 384,
aber undeutlich. veraltet. 33)
wie ungeschicklich 4
verkehrtheit, ungereimtheit: die thorheit und u. derer weiber verlachen, welche sich bereden lassen, das eine den mon vom himmel zihen könne Fischart
ehzb. 179, 5
H.; für soloecismus u. und miszbrauch zereden und zeschreyben Frisius;
veraltet oder verdunkelt (auch habe ich mich ... über die u. verwundert, womit das grosze format der kupfer ... angepriesen wird Görres
br. 3, 122).
länger erhält sich die bed. '
untauglichkeit, nichteignung, ungeeignetheit': jhe mehr ... der menschen ungeschickligkeit für sich gehet Parac. 2, 418; die u. des werckzeuges Lohenstein
Arm. 2, 545
b;
einer circulatio Heinichen
generalb. 846; die u. des werkes für die bühne
F. Schlegel
mus. 1, 445.
unüblich geworden. 44) ungeschicklich 6
entsprechend, doch reicher entwickelt. vgl. geschicklichkeit 3
und ungeschickt 5.
mangel an natürlicher begabung und deren äuszerung (geschicklichkeit 3 a) Wolff
v. gott 229.
unbefähigung, unfähigkeit (gesch. 3 b): ihre u. sich auf andre art zu vergnügen Möser 3, 130; die u. unsrer musiker, sänger und tänzer in der kunst der gesetzgebung Gerstenberg
rec. 243, 11
ndr.; u. zu J. J. Engel 3, 7;
von sachen (
der d. sprache grobheit und u. Morhof
unt. 1, 3)
eher nach 3
weisend. unklugheit, unweisheit (geschicklichkeit 3 c): wo gott ... das imperium nit erhielt, so möcht es durch die ungeschicklickeyt und sorg und untrew der menschen nit lang bestehen Franck
chron. G. 21
a;
verblassend Brentano 5, 319.
heute fast nur mangel an körperlicher und geistiger gewandtheit (geschicklichkeit 3 e, c),
an kunst, fertigkeit, tüchtigkeit u. s. w. und deren gegentheil; unerfahrenheit, unwissenheit, trägheit, dummheit u. dgl. Zedler 49, 1458: aber usz unfürsichtigkait und auch ausz ungeschicklichkeit der leut ... ist Hanns Thoman und zwen knecht mit ime mit zweyen pferden hinweg komen
Th. v. Absberg 137; plump ist mehr eine u. des körpers als der seele oder der sitten Gottsched
beob. 121; Bode
Mont. 4, 459; die kleinen ungeschicklichkeiten
im spiel Steub
drei sommer 1, 58;
für einen vogel, der aus dem neste gefallen war die kleine u. Therese von Bacheracht
H. Burkart 36; durch seine (
des chirurgicus) ungeschicklichkeit Gersdorff
wundarzney 2
a; der schauspieler Göthe 47, 271, 26
W.; er entschuldigte sich wegen seiner u. im französischen vortrage derselben (
einwürfe) Gottsched
d. neueste 4, 300; u. der behandlung Brentano
Godwi 2, 29; bald aber hatte ich die u. (
war ich so ungeschickt), mein licht auszulöschen Pfeffel 5, 50. 55)
unschicklichkeit, gth. v. geschicklichkeit 4;
vgl. ungeschickt 5 g, unschicklich, -keit.
in ä. spr. mit nachdrücklicher tadelnder bed. (
vgl. ungeschickt 3 b): sie leren in der betlerey vil mer buoberey und ungeschücklikeit dan tugent und leer Carlstadt
v. abthuung d. bylder d 4
b; sehen da die ungeschickligkeit (
importunitatem; temulentast) der häszlichen vettel Boltz
Ter. 8
a; um dein ungeschickligkeit oder übertrettung Arnd
Th. v. Kempis 127.
abgeschwächt von äuszerem wohlanstand, tact(
gefühl),
convenienz u. dgl.: ein prediger hatte Maria einen unschicklichen ausdruck in den mund gelegt, er besann sich aber doch widerumb seiner u. Kirchhof
wend. 2, 152; wer wird eines miszverhältnisses zu einem manne wie Herder öffentlich erwähnen? wer wird sich dabey durch anschuldigung anderer entschuldigen wollen? doppelt und dreyfache u. Göthe IV 30, 81, 15
W.; u. einer werbung durch den betrunkenen bader Ludwig 2, 236.
nach 4
umzudeuten: das ungepanzerte rosz (
bei der tjost) zu treffen, war grosze u. Freytag 18, 21. —