ungeschicklich,
adj. adv. ,
gth. von geschicklich.
mnd. ungeschiklich (
inordinatus, 15.
jh.). Staub-Tobler 8, 527. Hentrich 60.
in ä. zeit (
wie noch bei Kramer-Moerbeek)
oft nur als adv. verzeichnet; in der n. schriftspr. durch ungeschickt und unschicklich
zurückgedrängt, während ungeschicktheit
wieder durch ungeschicklichkeit
überflügelt wurde. vgl. ungeschickerlich,
unschickerlich,
unschickig, ungeschicktlich (miszgeschicklich
individuelle bildung Droysens
aus miszgeschick Sanders 2, 915
c).
zur bedeutungsentwicklung s. das ausgebildetere ungeschickt
und ungeschicklichkeit. 11)
inordinatus, incompositus (
vgl. geschickt 1): wir ... Saracenen ... entdeckten, gantz u. undereinander daher marchirendt
theatr. amoris 1, 86.
dazu mnl. ongeschicketheit (
wb. 5, 677, 2). 22)
von unrichtiger, ungestalter, scheuszlicher beschaffenheit, art, von solchem wesen (
vgl. geschicklich 1, ungeschickt 1 a, b); auff das der mund nit gerumpfen ... werde oder ain ungeschickliche form gewin, so er würt reden Braunschweig
chir. 52
a; desz teuffels arth ist beim ungeschicklichsten, beim unsauberisten Parac. 2, 262 b.;
incongruus, ungünstig: unter des himmels ungeschicklichen lauff 2, 374. 33)
ungelegen, unzeitig (ungeschickt 2):
importune, incommode Frisius;
intempestive Stieler;
mal à propos zeit. -lust 364. 44)
ungeeignet, untauglich, unpassend, unzutreffend, ungereimt, thöricht (ungeschickt 3 a): man mag auch bi den flüssen der wasser nit u. verston das heilige wasser L. Jud
a. d. e. psalmen 20
b; Agricola
bergw. 312; wie u. sie sich rühmen Rätel
schl. chr. 370; es ist mancherlai der haiden glauben u. Aventin 5, 37, 9; die meisten wörter endlich sind so u., dasz Gottsched
d. neueste 3, 739; ich habe dich auserlesen vor vielen in dem weltwirrwesen, dasz du sollst haben klare sinnen, nichts ungeschicklichs magst beginnen Göthe 16, 124
W. (
H. Sachsens poet. sendung 42),
vgl. unten 7. 55)
unrecht, sündhaft, verrucht, ungehörig, unangenehm, fatal (ungeschickt 3 b, c):
appellare injuste ... ungeschicklich appelliern Schöpper g vij
a; aufschlagen Staub-Tobler 527; die sacrament u. gebrauchen Eberlin v. Günzburg 2, 120
ndr.; solich ongeschicklich und verderblich onainigkait Marstaller
aufruhrbuch 2; dieselbigen geitzhälse mit jhren ungeschicklichen, eigennützigen händen
Königsb. dichterkr. 255
ndr.; das war u.
incommode hercle Boltz
Ter. 38
b. 66)
ungeübt, dumm, unwissend, unerfahren, träge, ohne geschicklichkeit (ungeschickt 5, geschicklich 3):
indocte u., unartlich Frisius:
imperite, inscite Frisius, Reyher: alleine, dasz ihr nur so ungeschicklich seid, die ihr die menschen mahlt mit ihren narren-kragen, ihr pflegt die farben zwar nicht sparsam aufzutragen, doch dasz bald schatten fehlt, bald liecht, bald ähnlichkeit Zinzendorf
Socrates 140, 32;
statt ungeschicklicher bewegungen, ein ungeschicklicher tänzer
ist der schriftsprache ungeschickte bew., ein ungeschickter t.
geläufig. 77)
unschicklich, gth. v. geschicklich 4,
vgl. ungeschickt 5 g. Staub-Tobler
a. a. o.: ich empfindt die ding u. sein, die wir thuond Boltz
Ter. 95
b; nichts so ungeschicklichs oder ungebürlichs (
vgl. oben 5) vor erbaren frawen oder junckfrawen zuo reden were Frey
garteng. 6, 26
ndr.; das dauchte ihr gar ungeschicklich Zinzendorf
ged. 214; im gleichen spielte er sehr ungeschicklich den vornehmen herren Kortum
Jobs. 1, 176;
auch in der unter 4
gegebenen Göthestelle flieszt etwas von dieser bed. ein; das wort empfahl sich dort formal durch seltenheit und alterthümlichen beiklang, inhaltlich durch bedeutungsverwandtschaft mit ungemäsz 3 d (Boucke
wort u. bed. 22). —