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ungerat(h)en

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungerat(h)en part.-adj. adv.

Bd. 24, Sp. 799
ungerat(h)en, part.-adj. adv. ; mhd. ungerâten; mnd. ungeraden; mnl. nl. ongeraden. Staub-Tobler 6, 1599, 1610; els. 2, 297; Leihener 87b; Schmitz Eifel 1, 232a; lux. 135b; Gangler 316. vgl.ohngeraten, unberaten, vergeraten, misz(ge)raten, tiefentrathen Lenau 546, ratlos 1 u. s. geraten th. 8, 176, th. 4, 1, 2, 3576 f. in verbalen, meist veralteten verbindungen zu raten 2 a: der pfleger solde deme bischoffe eine pflicht jerlichen gebe, die wiele er also ungeroten (nicht in ausübung der regierung und im genusz seiner regelrechten einkünfte) were Stolle Thür. chron. 61. zu raten 2 b: sonst ist uns ungeraten (nicht geholfen) Luther 28, 612, 15 W.; persönlich werden viel darzwischen ungerahten bleiben Paracelsus chir. 128 c; aus diesem helfen, sorgen, warten, pflegen hat sich für u. die heute veraltete und mundartliche bed. unreinlich, garstig, unflätig (vgl.ungerat, m., unratsam, nüdratsig, ungeratsam, ungeratsamt u. dgl.) mit naheliegender verallgemeinerung entwickelt (Staub-Tobler 6, 1599): viel besser ist eins igels haut denn eine ungerathne braut volksl. 1, 218 Erlach (Freidank 101, 20: leidiu). in mundarten ist ein adv. u. über die maszen (u. viel geld Schmitz Eifel 1, 232a; lux. 315b), ungeheuer, ungemein (ongeroden deier Gangler 316) ausgebildet. zu raten 3 (vgl. geraten, part.-adj. 1): denn nachdem sie, zwar nicht ungerathen (auf anrathen) des mittels (der umgebung), der vornehmsten bei hoffe sich anmuthig gemacht Wedel hausb. 409; ungerathen etwas thun Campe. u. ill advised Lucas 2065a. zu raten 5 conicere: vom mühlenrätsel Regenboge minnes. 3, 348b, 10; so noch heute. andere bed. von raten wie in mnl. ongeraden 1 nicht aufgerufen bei uns unentwickelt. wie unberaten 2, mnl. ongeraden 2, mhd. ungerâten mhd. wb. 2, 563b; Oberlin; Campe; Silberstein bei Sanders erg. 406a; vgl. das ungerâdet des Sachsenspiegels; veraltet und mundartlich. mit ausgeprägterer adjectivierung als gth. von geraten, part.-adj., 2: die wurden uns alle drei alz ungeroten (feind), das si unser von neids und von hasses wegen nindert kein gnad wolden haben (1424) Iglauer bergr. 39, 2 bei Jelinek 766; ein ungerahtener freund (der einem nicht gewogen, untreu ist) ist arger den ein zorniger feind Petri 2, y viiir. in der hauptbedeutung gth. von geraten 4, nicht wohlgediehen: ungerhatne schöszlein Fischart landlust 311, 113 K.; baum Schles. helikon 1, 188; suppe, früchte u. dgl. Staub-Tobler 6, 1610; Campe; nutzlos, fruchtlos, vergeblich, böse, nichtsnutzig: wer ausz eim tollen, tummen mut viel ungeratner arbeit thut Sachs 9, 383, 14; 290, 25 K.; 14, 181, 21 G.; ding 19, 33, 27; es will die ungerathne zeit, dass ich zwey lippen soll verlassen Hoffmannswaldau-Neukirch 1, 365; wenn ich jetzt etwas seh', ist's alles u., eitel! (zunächst aber miszwachsen von baum und kraut) Hippel 4, 28; schädlich: ein langer fisch so ist der al, ist gut wol gewürtzt oder praten, sonst ist er ungsund und ungraten Sachs 7, 462, 6 K.; unghraten eh 14, 184, 26 G.; Fischart ehzuchtb. 268, 9 H.; pol. stockf. 338; Weichmann Nieders. 6, 74; in der n. spr. ist die adjectivierung hier nicht durchgedrungen, wir beziehen eine ungeratene arbeit, untersuchung, einen ungeratenen versuch eher aufs verbum und wählen auch lieber miszraten; in anwendung auf personen und deren geistig-sittliche entwicklung ist u. am festesten adjectiviert, und zwar schon mhd., nhd. allgemein: er musz den unterschied zwischen einem wohlgerathenen und ungerathenen sohn .. lernen theater d. D. 6, 360; 'eine person zu bezeichnen, welche aus verachteter oder nicht befolgter erziehung böse oder lasterhafte sitten erworben' Adelung; kinder Zedler, Krünitz; ungezogen, unartig els. 2, 297; in ä. spr. auch mit dem besonderen nebensinn verschwenderisch, unhäuslich (trunksüchtig, zänkisch u. dgl.) H. v. Trimberg renn. 11 941 E.; Sachs 17, 144, 21; 7, 226, 17; eigenname Nitsche Ungeraten lehnsurk. Schles. 353, 39; der Ungeraten städtechr. 4, 112; in weiterer bed. Adelheid Langmann 53, 27 Str.; einer hertzog Eckharts bruoder der was so u., das er ... ein hendschuoch in die lufft warff und sprach: nim hin, teufel Adelphus Barbarossa 47b; sat. 1, 117 Schade; adv. Sachs 15, 423, 25 G.; unter unschlachtigen, ungerathen und verkerten leuten Mathesius Sar. 219b; weiber Fischart ehzuchtb. 172, 33 H.; nachkommen binenk. 9; Moscherosch 2, 92; die ungerathen böse zucht Fischer-Tümpel 1, 147; knecht Rist himl. lieder 5; jugend Hohberg 1, 85; christianer Zinzendorf Lond. red. 64; schüler Voss antis. 2, 132; weil die kinder durchaus u. blieben Schleiermacher Plat. 2, 376; ich möchte gern sehen, wie ich gerathen bin. — gut gerathen und ungerathen Brentano 7, 17 (Ponce de Leon 1, 1); ungerathne hände A. W. Schlegel Shak. 5, 265 (Rich. II. 5, 2: rude misgovern' d hands); als schelte (Pansner 73a; Staub-Tobler 1610): enne sulche ungerothene büse blutter Gryphius dornr. 1, 268 P.; du ungerathenes teufelskind C. Weise erzn. 208 neudr.; range, drache, dirne, geschöpf, ding (Niebergall 160; Mörike 3, 109) u. s. w.; im wortspiel mit ungerade: unter krummen und ungeraten leuten leben ist schwer und fehrlich Petri 2, Vv vr; subst. ainen ungeraten Schwarzenberg Cic. 80v; Gottsched ged. 1, 412; scheltend: sophistereyen, ungerathener! Gleim br. 1, 369 K.; A. W. Schlegel Shak. 1, 168 (Rom. u. Jul. 5, 3 untaught! 'unglücksel'ger sohn' Ortlepp); du ungeratne! Grillparzer 5, 43; Sanders syn. (1882) 347. mhd. ungerâtenheit, f. Lexer, Jelinek, Haltaus 1936; nhd. Campe. gth. von geraten 5 (ratsam), fast nur prädicativ: darum mich dunckt nit ungeraten, das wir unsz kerten zuo got Gebweiler beschirmung (1523) 43b; erachten, wie u. es sein würde Achatius 272a; habe ich nicht u. geacht R. Lubenau reisen 2, 88; es würde u. sein, dem S. den kranz abzureiszen Claudius 1, 16; J. Grimm kl. schr. 1, 261; kaum: ein ungeratenes (wenig ratsames) verfahren; mnd. ungeraden; nl. ongeraden. mundartlich gth. von geraten 6 (erlaubt): ungeratner weis 'infolge eines frevels' tirol. weist. 2, 377, 37 ff.; nütz ongrotens keinen unerlaubten griff beim schwingen Staub-Tobler 1610; allgemeiner und an ungerat, m., ungerade reichend: vill übels und ungeratens ebd.
6238 Zeichen · 163 Sätze

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungerathen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Ungerathen , -er, -ste, adj. et adv. nicht gerathen; doch nur, so fern es dem wohl gerathen, d. i. wohl erzogen, entgege…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungerathen

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ungerathen

un- + gerathen

ungerathen leitet sich vom Lemma gerathen ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungerathen 2 Komponenten

unger+athen

ungerathen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungerathen‑ als Erstglied (1 von 1)

ungerat(h)enisch

DWB

ungerathen·isch

ungerat(h)enisch , adj. , weiterbildung von ungeraten: ein torpel grober vernunft und der ungeratenisch under seinen brudern ist, der musz e…

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Cotta, M. (2026). „ungerathen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ungerathen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „ungerathen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ungerathen/dwb. Abgerufen 13. May 2026.
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Cotta, Marcel. „ungerathen". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ungerathen/dwb.
BibTeX
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