ungenannt,
part.-adj. adv., nicht genannt.
mhd. ungenant (ungenennet;
zu den formen s. nennen und genannt);
mnd. ungenant;
nd. ungenömt;
mnl. ongenaemt;
nl. ongenaamd, -noemd;
altfries. engl. unnamed;
an. únefndr;
dän. unævnt;
schwed. onämd. Staub - Tobler 4, 478; Schmeller 1, 1747; Schmidt
schwäb. 401; Schmitz
Eifel 1, 232
a;
Eupen 10
a;
lux. 315
b; de Bo 672
b.
vgl.unbenannt, -namt, namenlos.
unaufgefordert: Zwingli
d. schr. 1, 124; Dürer
bef. d. stett. d iiii
b; Gottschedin
br. 3, 309.
nicht bestimmt (
vgl.genannt 1
und unbenannt): contract, servitut, straffe, titel Zedler 49, 1438; eine ungenannte (
indeterminée) zahl Schwan,
veraltet; genannt und ungenannt Lexer 2, 1852; Stieler 1327; Kramer (1702) 2, 129
c; Paracelsus
chir. 371 a; Grimm
rechtsalt. 1, 57;
sp. 26, 3.
nicht vorhanden: Haller
ged. (1882) 108. (
vom mord an ungebornen Richthofen 1105
a.)
unbekannt und ungenannt Tauler
pred. 278, 17
V. u. ö.; Luther 1, 115
b (
Jen.); Holtei
erz. schr. 8, 195; unbekannte und ungenannte Forster 5, 42. an einem orth wolbekandt, doch u. Lindener
katzip. 117
neudr.; u., aber bekannt Adelung
mag. 2, 87. H. v. Barth
kalkalp. xxiv.
anatomisch für innominatus: das ungenannte bein, hüftbein
coxae os Blanchard 1, 656
b; die ungenannte linie Sömmering 2, 192; 4, 495; schlagader, vertiefung Campe.
bei der bezeichnung ungenannter (namenloser) finger (
für den 4.
f. H. v. Neustadt
Ap. 11773;
mnl. wb. 5, 636;
th. 3, 1651;
zs. f. d. wortf. 10, 134)
spielt aberglaube mit (
s. u.).
anonymus: Wolfram
Parz. 383, 25
u. Martin
z. d. st.; schmäh-briefe ungenannter leute Lohenstein
Arm. 2, 624
b; eines ungenannten beschuldigungen Bodmer
v. wunderb. 52; ein gewisser ungenannter Scheibe
crit. mus. b 5
c; genannte und ungenannte korrespondenten Schubart
leb. 2, 113; doch steht mein sinn zu einer lustig hingewandt, zur ungenannten Arndt 5, 281; herr Hans Ungenannt ritter Schade
sat. 1, 60.
persönlich auch Ungenannt, fleisch Ungenannt (
das reiszen) Dunger
rundas 278; Ungnat
opilatio Schmeller 2, 239 (
s. u. krankheiten).
von sachen: der ungenandt
ein fechtstück 2, 360; dieses ungenannte briefgen Ch. Weise
pol. redn. 235 (
vgl.ungenampsten schmaachschriften J. Herold
v. d. zung 111
a); psalmen Herder 12, 243; familiengeschichte J. Paul 7/10, 33;
adv., dem part. nahe Göthe 28, 202. '
einer, den man nicht würdigt, seinen namen auszusprechen' (Strodtmann),
pöbel, hergelaufener fremdling, unberühmt: städtechr. 16, 353, 12
u. ö.; Hollonius
somn. 60
neudr.; schwächer: statt dessen musz ich dunkel, ungenannt ... umher mit leerem magen ziehen Ramler
fabellese 2, 491; wie manches beispiel liesze sich von ungenannteren menschen anführen Immermann 18, 76.
als göttliche eigenschaft: das ungenante und alles das in gotte namen hat Tauler
pred. 174, 18
V. u. ö.; vgl. das blos einvaltig, unbekant, ungenant, verborgen guot, das got ist 204, 2; das ungenante und unbekante 386, 23; das u. in der selen 402, 9; disz vollkommene ungenandte Arndt
Th. a Kempis theol. 84; den ewig ungenannten (
göttern) Göthe 3, 24; zum ungenannten (
gott) Voss
ged. 1, 52;
Luise 1, 502.
vgl.unbekannt,
unaussprechlich. der
oder das u.
der teufel Staub-Tobler 4, 748;
vielleicht auch daz ungenant
im brev. v. St. Lambrecht zs. f. d. a. 20, 181, 183; die ungenanten
die elfen mhd. wb. 2, 312
b.
sodoma, sodomiticum peccatum ungenant sund Diefenbach
n. gl. 342
a; Staub-Tobler
a. a. o.; Höfler 720
b;
th. 5, 641; der ungenanten sünd Eberlin v. Günzburg 1, 25
u. ö.; Schmeller 1, 1734; Zwingli
d. schr. 1, 338; mit der ungenanten unkeuschait Keisersberg
v. den 7
schwertern bb 3
a u. ö.; auch der ungenanten sünder
erst. d. bib. 2, 443, 61
var. der ungenannte mann
henker Nyrop-Vogt 24;
schinder zs. f. d. wortf. 10, 135; Klenz 2. der ungenannte
der wolf Kramer (1702) 2, 129; ungenannter bösewicht Spee
trutzn. 181;
zs. f. d. wortf. 10, 135;
vgl.unbenannt. die ungenanten würme
wanzen th. 4, 1, 1, 1471, 11
d. der ungenannte (4.) finger
digitus impudicus Höfler 491
a; Schmeller 1, 1747;
s. ob. der, die, das ungenannte (ungenannt, ungnat, ungenamt, unbenannt,
auch gnantə Fischer
schwäb. wb. 3, 354, ungenannter Schmidt 401)
als krankheitsbezeichnung (
zs. f. d. a. 53, 134),
bes. für den fingerwurm, dann für brand, rothlauf, krebsartige geschwüre, mastitis puerperalis, epilepsie, syphilis, soor, reiszen, pferde- und rinderkrankheiten, klauengeschwulste u. a. von Anfortas: den ungenande niht verbirt Wolfram
Parz. 240, 8;
s. Martin
z. d. st.; die meisten hsn. haben wie 251, 20 ungenade; daʒ ungenande
Willehalm 154, 23;
malum nefandum voc. bei Höfler 441
a; die wundsucht und das ungenant der wunden H. Braunschweig
dest. 33
b; det ungenömte diert
zs. f. volksk. 1898, 393 (
mastitis); onggenannt,
f., soor, in Echternach für gankel
lux. 315
b (
dazu Schmeller 1, 1748); der ungenannte wurm, der
und das ungenannte Höfler 441
a; den wurm oder den ungenanten
arzneibuch des 14.
jhs. bei Schulz
zs. f. d. wortf. 10, 134; de paneritio vel tassa, vulgo der wurm oder der ungenant Paracelsus
chir. 585 b; 439 b; von einem nagelgeschwer, so vom gemeinen böffel der schlaffende wurm oder ungenammte geheissen wirdt Würtz
pract. (1612) 265; der ungenannt Maaler 462
b; Calepinus
undec. 1017; Dentzler, Aler, Kramer-Moerbeek; das ungenandte, das ungenannt
quellen des 17.
jhs. bei Schulz
zs. f. d. wortf. 10, 134; das ungenannte
paronychia Nemnich
naturg. 609;
nos. 17
c; Campe (
im gemeinen leben); Gotthelf 18, 152; ungnampt
rinderkrankheit Gesner - Herold - Forer 120
r;
roszkrankheit Seuter
roszarznei (1599) 187;
klauengeschwulst Schmitz
Eifel 1, 232
a;
im übrigen s. Höfler 441
a; Staub-Tobler 4, 748; Schmeller 1, 1747
f.; zs. f. d. wortf. 10, 134.
als steigerndes adv. schlechthin, ganz und gar de Bo 672
b; das yegklicher nur sucht das sein ... in allen dingen ungenambt Sachs 5, 99, 4
Keller. anderes wie nl. ongenoemd
unzählig (
wb. 10, 1624)
bei uns unentwickelt. —