unfähig,
adj. adv. ,
gegentheil von fähig,
incapax unfAehig Alberus (1540)
Z j a.
incapable Apini
gloss. nov. (1728) 283; Kinderling 278; Campe
verd. wb. 368
b.
vgl. unbefähigt. 11)
unentwickelt bleibt die sinnliche bedeutung unfangbar,
gegentheil von fähig (
th. 3, 1238) 1 (Staub-Tobler 1, 724, 4).
die act. bedeutung (
s. fähig 2) '
was nicht fassen, halten, in sich enthalten kann'
wird in der ältesten lexicalischen bezeugung des wortes bei Alberus
a. a. o. vorliegen: capax ... vehig, dasz etwas in sich helt; contra incapax unfAehig.
veraltet, aber noch bis in die neueste sprache hinein möglich: als wenn das übermasz von athem, das die lunge unfähig (
sie faszt es nicht) machte, erst hinweggestoszen werden müszte O. Ludwig 5, 133. 22)
übertragen. 2@aa)
objectiv. nicht imstande, ungeeignet, unberechtigt zu empfangen (
zu fassen, zu nehmen)
oder zu leiden (
womit befaszt zu werden)
; in älterer zeit mit vorliebe auf rechtsverhältnisse angewandt. zwischen unfähig
und unwürdig
ist rechtlich zu unterscheiden Zedler 49, 1283. 2@a@aα)
mit genitiv: aus allem obbeschriben anzaigen ist lautter verstanden, das der mensch ewiklich behalten muos sein naturlich wesen, auch daneben guot und sAelig wesen behalten mag, soverr er des verdienn Cristi nit unfAehig wirt B. v. Chiemsee 151; wann aber jr ainer ... das legat nit annemen wolt oder desselben unfehig worden were
Nürnb. ref. (1564) 194
b; wo ein fraw durch schuldt jhres hauszwirts abgehet und stirbt, so wirt jr man dadurch der nutzung des heuratguts, auch aller gerechtigkeyt an demselbigen unfehig
statutenbuch 141
b; diese alle seind ... des testaments unfähig J. Böhme 4, 80; weibspersonen .. deroselben (
der künste und wissenschaften) fast unfähig geachtet werden Harsdörffer
gesprechsp. 1,
N 3
a; dieses ampts u. Lehman
florilegium 3, 355; der dehnung Scheibe
crit. mus. 362; aller belohnungen Klopstock 12, 43; des genitives Adelung
lehrgeb. 2, 122; des druckes Gerstenberg
recensionen 144, 36
neudr.; der reinsten freuden S. Gessner
schr. 1, 113;
Vulcan .. war eines hohen ideals u. Herder 17, 360.
vgl.b; die armen sind der absolutionen unfähig Klinger 3, 239; ein geschlecht ..., dessen sie in der natur u. waren J. Grimm
Reinhard Fuchs VI; aller berechnung u. Lotze
mikrokosmus 1, XI; erschien der diebstahl der sühne unfähig Mommsen
röm. gesch. 1, 140.
der umgangssprache nicht geläufig;
von Schönaich im
neol. wb. 119, 12
ff. bewitzelt. das heutige sprachgefühl modelt solche fälle nach b
um. 2@a@bβ)
mit präpos. zu: zu belohnungen, zur freilassung unfähig Klopstock 12, 42. 64; wenn sich einer verehlichte, ward er unfähig zu allen kirchenämtern Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 355; einen boden, der zum anbau schlechterdings unfähig ist Forster 4, 149. 2@a@gγ)
mit infinitiv: das aufruor ein unfAehigs mittel ist friden zuobekuommen Eberlin v. Günzburg 3, 258
neudr.; sollten wir, des feineren gefühls ganz beraubt, unfähig seyn, von derselben (
stimme) gerührt zu werden? Abbt
verm. werke 6, 2, 7; nach Kant ist übersinnliches unfähig, von der vernunft erkannt zu werden Hegel 1, 4. 2@bb)
subjectiv. nicht imstande, fähig, zu leisten, zu thun, zu bethätigen. undeutlich bleiben beispiele wie ein der lieb unfAehige persohn
theatrum amoris 1, 45; der kriegszucht u. A. v. Haller
Usong 128.
im allgemeinen ist der subj. gebrauch jünger als der objective. 2@b@aα)
mit genitiv: so hielt ich euch einer solchen schwachheit unfähig Wieland
Luc. 1, 407; ein guter mann, mit wenig scharfsinn, doch nicht ganz unfähig des mönchischen witzes Lavater
physiogn. fragm. 1, 210; die freunde ... fanden mich im tiefsten katarrhalischen zustande, unfähig einer jeden theilnahme Göthe IV 38, 258
Weim.; der auspicien u. Niebuhr
röm. gesch. 1, 238; des betruges Droste-Hülshoff 2, 335; die des schaffens unfähige masse Vischer
ästhetik 3, 1, 4. 2@b@bβ)
mit präpositionen, meist mit zu,
seltener mit für: denselben ist nicht verborgen, wie unser armes geschlecht zu schlecht und zu dem studiren unfähig geachtet ... wird Harsdörffer
secret. 2. 20; am körper bis auf die augen allerdings etwas besser: aber am geiste weit unfähiger. unfähig zu allem, was die geringste anstrengung erfodert Lessing 18, 35; veracht ihn, leyer, welcher den genius in sich verkennet! und zu des Albion, zu jedem edlern stolz unfähig fern, es zu werden, noch immer nachahmt! Klopstock
od. 1, 106, 3; zum dienst Ritter
erdk. 1, 155; personen, welche zur eigenen vermögensverwaltung unfähig sind
wechselordnung 2, 3;
handelsgesetzb. 71, 1; unfähig zum amte des schöffen
gerichtsverf. ges. 32. in meinen späteren jahren war ich für eine solche beschäftigung vollkommen unfähig Steffens
was ich erlebte 2, 47; Bettine
frühlingskranz 306; Varnhagen
tageb. 2, 5. 2@b@gγ)
mit infinitiv: weil er aber solche würde als eine schwere bürde zu tragen sich unfähig geschätzet Zesen
helikon. rosentahl 16; was die armuth betrift, so waren sie noch nicht unfähig für sich etwas eigenes zu besitzen Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 334; er war unfähig, jemandem unrecht zu thun Nicolai
reise 6, 405;
allgemein. 2@cc)
allein, ohne ausdrückliche nähere bestimmungen. die alte bedeutung '
nicht fassend',
die ältere beispiele wahren (die alte nachtegall gewehnet jre jungen bey guoter zeit zuo singen; und welche sie geleerig zuo sein vermeinet, die zeucht sie mit allem fleisz auff; die aber harte unfehige köpff haben, tödtet oder verschickt sie weit hinweg Heyden
Plinius 453; lehr hilfft bey unfähigen wie bey Clausen sein new hosen Lehman
floril. 1, 491),
klingt noch bei Göthe 20, 38, 19
Weim. durch: sie steht unfähig, ja stöckisch vor einer leicht faszlichen sache.
ineptus Apinus.
dann allgemein: ein merkmal eines unfähigen .. fürsten Lohenstein
Georg Wilhelms lobschr. D 3
b; ich habe keinen unfähigeren tölpel gesehen Gottsched
beob. 303; der fähige wie der unfähige Göthe
ob. sp. 26, 3; dasz ich von natur der unfähigste mensch wäre
F. H. Jacobi 2, 181; diesem unfähigen minister Schiller 14, 215; eine unfähige regierung Häusser
d. gesch. 2, 483; unfähig regieren; er war geschäftlich unfähig Bismarck
gedanken 2, 226. 2@dd)
wie fähig zeugungsfähig heiszen kann (Fischer 2, 917, 3),
so kommt auch unfähig
für dessen gegentheil vor: aber sie haben nicht diesz kindliche selbstvertrauen, mit dem die unsrigen (
parlamentarier) ihre unfähigen schamtheile in voller nacktheit als mustergültig an die öffentlichkeit bringen Bismarck
gedanken 1, 288.
so auch unfähigkeit
impotenz: ehen, die wegen natürlicher oder sittlicher unfähigkeit ungültig sind Gottsched
neueste 7, 544.
zusammensetzungen sind häufig: z. b. beschlusz-, bildungs-, dienst-, zeugungsunfähig (
ob. sp. 19
f.)
u. s. w.