uneigentlich,
adj. adv. ,
gegentheil von eigentlich.
mhd. uneigen(t)lich, unaigelich;
mnl. oneigenlike;
nl. oneigen(t)lijk, oneigenlik, oneinlik (
oneigenaardig) Dijkstra 2, 287
b;
dän. uegentlig;
schwed. oegentlig.
adv. uneigentlichen Calepin
sept. 718
a. Stieler 26 uneigendlich
nur als adv. [] 11)
als gegensatz zu eigentlich
als eigen zugehörig, ungehörig (
mnl. nicht als eigenthum),
fast nur im wortspiel: aufhebung des uneigentlichen weiberranges und die einsetzung in seinen eigentlichen rang Hippel
ehe 31; ein ganz uneigentlicher eigenthumsherr (
vgl. 3) Liscow 553. 22)
unbestimmt, ungenau, indirect, unvollkommen, mittelbar, im weiteren sinne u. ä., meist adv.: got unaigentlich meʒʒen
mönch v. Heilsbronn 58
M.; unser alten guot einfeltig leut haben ein hystori gar unaygentlich beschriben Franck
chr. G. 224
1; etwas uneigentlich Nicolai
reise 1, 115; so (Herder 5, 76), sehr (Forster 6, 26) u.; ihre reden (sind) uneigentlich oder schwach (
vgl. 3) Ramler
einl. 1, 144; uneigentlich hab ichs gethan (
indirect) Bürger
br. 1, 49; eechentlich, entgegnete der gesell, in Delitzsch und uneechentlich in Magdeburg Ludwig 2, 366; eigentlich darf ichs nicht, uneigentlich (
ich will es einmal nicht so genau nehmen) thu ichs doch
umgangsspr. in jüngeren beispielen wirkt bed. 3
ein. 33)
als gegensatz zu eigentlich
wesenhaft, wirklich, ursprünglich, wahr, echt, richtig, buchstäblich u. dgl., improprius; abusive Reyher (1686) u 6
v b: ein uneigentlicher (
unechter) sohn des bischoffs Happel
rom. 192; lehen
haush. lex. 2, 198
a; fuge (irregularis) Scheibe
cr. mus. 449; katholik
allg. d. bibl. 93, 361; bruch
anh. 25—36, 1114; lippe Lavater 4, 261; in der uneigentlichsten romanzenart Herder 5, 202; erze Lichtenstein
geheimn. 191; tugend Delbrück (1796) 162; sinnlichkeit J. Paul 49/51, 290; wahrheit (
negative) Campe; fürwörter Gottsched
sprachk. 228; zusammensetzungen
th. 1, xxv; namen J. Grimm
kl. schr. 4, 5; legis actio Jhering
geist 2, 2, 659; check
hwb. d. staatsw. 3, 22
u. s. w. für inalliable Campe
verd. 368
b. '
naturgemäsz noch weniger': Winkelmann .. auf eine critik noch uneigentlicher (bedacht) Herder 3, 10.
fast älterem eigentlich (
th. 3, 102)
nahekommend: es ist sehr uneigentlich, und versteckt die natur der übrigen künste, wenn man alle gleichsam als ausflüsse der poesie ansieht Schleiermacher III 5, 248.
besonders sprachlich wie ἄκυρος (Cic.
ad fam. 16, 17), improprius (Quintilian 8, 2);
zeitschr. f. d. wortf. 15, 18. 87. 92: daz daz himelzaichen hie unaigentleich werd genomen für ain gestalt K. v. Megenberg
sphära 34, 22 (
aequivoce); der sentens ist vast uneygentlich geredt
Ter. (1499) xi
b; fünfferlay verstand und auslegung oder bedeuttung . zwo unaygentlich und drey aygentlich B. v. Chiemsee 245; diss nennet David uneigentlich ein anruffung Nigrinus
zäub. 114; worte Kramer (1700) 278
a; styl Lessing 8, 6; redensarten Schmidt
gesch. d. D. 1, 504; uneigentlich schön Gerstenberg
rec. 160, 24; in uneigentlichem sinne Göthe 23, 59, 22
Weim.; sich eigentlich oder uneigentlich vor dem spiegel zu sehen Vischer
ästh. 3, 1, 5; allein dieses wort steht hier wiederum so uneigentlich und unbefugt Riehl
arbeit 253; metaphorisch, verblümt, uneigentlich Kinderling 189;
zeitschr. f. d. wortf. 15, 92; bildlich, figürlich Adelung; Weigand
syn. 3, 851.
im witz: sie erzählte mir nun so vieles, was ihr eigen sei, dass mir die ganze welt uneigentlich vorkam Arnim 7, 207.
vgl. 1. das uneigentliche. 44) uneigenlich
unordentlich, unsäuberlich, nachlässig Staub-Tobler 1, 147; dat wier net oneinlik
niet ongeschikt Dijkstra
a. a. o.; wirr verzückte rede unaigelaiches chos
wie eines trunkenen, mönch v. Heilsbronn sieben gr. 1068;
ähnlich positiven begriffsinhalt hat die spätere sprache nicht fortgebildet. —