unbeschwert,
part.-adj. adv. ,
nicht beschwert.
mhd. unbeswæret;
mnd. unbeswaret;
mnl. onbeswaert;
nl. onbezwaard;
dän. ubesværet;
schwed. obesvärad; Falk-Torp 1, 64; Crecelius 840 (Oembeschwert); Dähnert 504
b; onbeswierd Dijkstra 2, 281
a. 11)
mit erläuternden bestimmungen; und zwar im gen.: des burgerrechtens unbeschwert sein (¼
jahr von der verpflichtung befreit sein, das bürgerrecht zu erwerben)
Nürnb. poliz. 27
Baader; aller ding zollfrei und unbeschwert Franck
chr. 138
b; unbeschwerd der arbeit Montanus 526;
anders unbeschwert des friedens
wohl salva, illaesa pace Lohenstein
Arm. 2, 748
b.
mit präpositionen: unbeschwert
von euch Luther 7, 669, 33
W.; unbeschwert ein jeder
vor jm blieben Eyering
prov. 1, 551;
mit lernung Schwarzenberg
Cic. 127; sein schwäher ist mit ihm unbeschwert Rückert 11, 401; solst der sach
halb sein unbeschwert Sachs 16, 39
K.; vgl. Frisius 1342
a; bis
zur antwort unbeschwert (
paratus) Waldis
Esop. 2, 257
K. 22)
von verbalen verbindungen sind auszer den schon belegten mit sein
und bleiben
häufiger: nit unbeschwert ..
von inen
komen Wilw. v. Schaumburg 161; mein gewissen .. unbeschwert
erhalten wil Luther 30, 3, 290
W.; unbeschwert
lassen flugschr. 1, 332
Clemen; wie gott den neuen ehestand unbeschwert wolle
haben Henneberg 292; wir wöllen ... uns gegen euch
halten unbeschwerdt (
ohne beschwerde) Ayrer 1, 239, 35
K.; den morgen .. habe ich die vorlesung und
finde mich unbeschwert davon J. Grimm
an Dahlmann br. 1, 491.
höflichkeitsformeln s. 4. 33)
ohne solche bestimmungen; adjectivisch frei, ungehindert, ungestört, mobil, nicht belastet u. dgl.: aber die füglichsten (
der soldaten) hat er geringe (
alacres) und unbeschwert gemacht Xylander
Pol. 152; mit unbeschwertem mut
ultro Wackernagel
kirchenl. 3, 918;
vgl. adv.; ein unbeschwerter gebrauch
allg. d. bibl. 2, 2, 76; einer völligen, sprudelnden, derben, unbeschwerten gesundheit Bode
Mont. 5, 147;
frei von abgaben: soviel unbeschwertes landes Iselin
verm. schr. 1, 283; Pestalozzi 2, 193; Frisius 286
a; mit unbeschwertem gewissen Dahlmann
franz. rev. 329; Dentzler 322
b; in unbeschwerter gedankenruh' Platen 1, 78; eine unbeschwerte waage Schopenhauer 3, 452; schiffe Mommsen
r. g. 1, 503; die unbeschwerte rückkehr Keller 6, 51.
adverbial: frei, aus freien stücken, von selbst, ultro, gern, vergnügt, alsbald, leicht, sicher, ruhig, ohne beschwerde u. ä. vgl. haud gravate, gravanter, gravatim: unbeschwert .. leben Luther 10, 11, 648
W.; verbringen ir ampt ehrenwert, gantz freudenreich und unbeschwert Sachs 3, 130, 28
K.; etlich die spreiten unbeschwert ir röck und mentel auff die erd Ringwaldt
ev. B 1
a; ertragen unbeschwert
lauter warh. 171; all trew beweisen unbeschwert 25; die harten felsen unbeschwert grosz wasser brunnen geben Waldis
psalter 208
a;
lieblingswort Fischarts: sie auff der spur eilt nach unbeschwAert
flöhh. 1170;
Eulensp. 423. 8370;
nachtrab. 16
u. s. w.; himmel und erd kommt unbeschwert zu trawren und zu klagen Bäumker
kirchenl. 2, 100; (
er) willig, unbeschwerdt .. zur sünden eingewilligt hat Spee
tugendb. 18; da ist es dann ... geschehen, dasz er dieselbige unbeschwert von dem pachter zur frau begehrt Kortum
Jobs. 1, 158. 2, 22; der ist auch seines lobes werth, der dem guten folget unbeschwert Wille
sittenl. 28; und Robert ging hindurch ganz unbeschwert Gries
verl. Rol. 2, 373; Käthi trug dies unbeschwert Gotthelf 4, 92; ganz unbeschwert ist drin zu ruhn Rückert 3, 53; die quantität lerm, die jeder unbeschwert vertragen kann Schopenhauer 2, 42; ich ... freute mich unbeschwert ihrer nähe Keller 1, 306. 44)
aus sich beschweren
gravari, sich beschwert fühlen, sich weigern (
th. 1, 1604, 4 c)
haben sich im älteren nhd. bis ins 19.
jh. dauernde, ziemlich unbehülfliche höflichkeitswendungen und -formeln entwickelt, die schon Adelung
für die '
anständigere sprechart'
nicht gelten lassen will und die heute aus hd. umgangs- und schriftsprache verschwunden sind. mundartlich leben sie theilweise noch. unbeschwert sein
giebt vielleicht, besonders im papiernen stil, haud gravatum esse, haud gravari, paratum esse wieder. vgl. 3: on das er solchs steiff zu gleuben wil unbeschweret sein Luther (1556) 6, 89
a; gut gsell, komb gen Wormis hernach und iss zu hof, sey unbeschwert! Sachs 9, 260, 29
K.; jr wollet dise meine declamation mit gedult gäntzlich anzuhören unbeschwert seyn Melanchthon-Lauterbeck
decl. von k. Friedrichen 10; darumb seit doch unbeschweret, es auch an zu versuchen Kirchhof
wend. 2, 228; ich wölle .. solche mühe .. auf mich zu nemen unbeschweret befunden werden Thym
Thedel v. Wallm. vorw.; bitte e. l. .. mich dahin zu schicken unbeschwert seyn wöllen
Amadis 1, 53
K.; ist etwas zu holen .., so sei der hauswirth oder die hauswirthin unbeschwert und gehe selber Coler
hausb. 5; der h. reichs cantzler möchte sich hierin mit seinem guten rath unbeschwert finden lassen und ihnen seine meinung entdecken Chemnitz
schw. kr. 2, 20; es möchten die fürsten ... ihr merkwürdiges grabmahl anzuschauen unbeschwert seyn Lohenstein
Arm. 1, 28
b; ersuchen sie .. dasz ein ieder neuer gesellschafter .. sein bezeichnetes wapen .. einsende, unbeschwerte verfügung zu thun, damit also das wapen .. eingemahlet .. werden könne Neumark
palmb. (1668) 215; Apherdianus
meth. 45.
besonders als adv. für gefälligst, bitte, wenn es keine umstände macht u. dgl. als schnörkel in der amtssprache und als höfliches flickwort: bat dasz er jm wolt unbeschwert rechnen, was er nun hett verzehrt Fischart
Eulensp. 5137; unbeschweret unterschreiben Schweinichen 116; das obige .. wollet jr unbeschweret selber zu rechte bringen Opitz
poet. 59
neudr.; ohnbeschwert benachrichtigen Harsdörffer
secr. 2, 239; der herr erzehle unbeschwert den gantzen verlauf
gespr. 8, 72; dahin ich den günstigen leser ohnbeschwert will gewiesen haben Hohberg 2, 541; ich ersuche ... mich ohnbeschwert eines bessern zu belehren
vern. tadl. 2, 60; lassen sie mich unbeschwert wissen Winckelmann 10, 214; Lessing 17, 393; 18, 298; ich bitte euch .. ihr wollet doch unbeschwert meine antwort anhören Claudius
Asmus 5, 79; ich lasse ihn zu mir kommen. unbeschwert gleich Iffland 2, 273; nun wolle der seher .. unbeschwert sich herablassen Voss
antis. 1, 295; glaubt unbeschwert, ihr wünscht euch wieder her Tieck
schr. 1, 142; do dat unbesweert
sei so gut und thu das Dähnert 504
b. —