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unbedeutend

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unbedeutend adj. adv.

Bd. 24, Sp. 259
unbedeutend, adj. adv. , gegentheil des vor Göthe (th. 1, 1227; Boucke 130) nicht so geläufigen und von Adelung noch nicht verzeichneten bedeutend. ähnliche verschiedenheit im nl., wo auch onbeduidend stark entwickelt, beduidend rein verbal und auf zusammensetzungen (veelbeduidend u. s. f., vgl. th. 12, 2, 152) beschränkt geblieben ist. nl. wb. 10, 938. frz. insignifiant und signifiant. während die ältere sprache in der wortbildung einen andern weg eingeschlagen hat und mnl. onbediedelijk (mnl. wb. 5, 212 ininterpretabilis), nhd. unbedeutlich (Stifel th. 1, 1229 insignificans; vgl. unten unbedeutlichkeit, auch unbedeutsam), n. ubetydelig (ordb. 7, 338b), schwed. obetydlig schuf, knüpft das erst unserer class. litteratur angehörige neuere unbedeutend (Adelung 4, 831) nach form und begriff wohl an das seit anfang des 17. jhs. gängige engl. insignificant Murray 5, 338a. nicht so alt scheint frz. insignifiant Littré 2, 1, 112c. dasz unbedeutend bei dieser sachlage mundarten fehlt (Fischer 1, 749), ist natürlich; andere kennen es, z. b. luxemb. onbedeitend wb. 313b; nl. onbeduidend nl. wb. 10, 938; schwed. obetydande. wenn das nhd. unbedeutend den begriffsumfang des engl. insignificant, das auch fruchtlos, gemein, nichtswürdig bedeutet, nicht erreicht, so kommt ihm andrerseits doch die vertiefung zugute, die bedeutend besonders durch Göthe (Boucke 130) erfahren hat. AA. adj. A@II. anfangs ist der verbale zusammenhang mit bedeuten noch fühlbar. so in der verb. mit dat.: wenn du heute wähltest und morgen wegwärst, wär mir's unbedeutend (würde das für mich nichts bedeuten) Klinger n. theater 1, 191; dasz der mann von einer gewissen würde im charakter zu viel stolz hat, sein ganzes wesen nach jeder ihm unbedeutenden gesellschaft umzuformen, .. ist wohl sehr natürlich Knigge umgang 1, 4. ähnlich mit für: wackere, jedoch für die welt im groszen unbedeutende menschen Göthe 40, 362, 17 Weim. zur umschreibung eines verb.: ob er (der mensch) zu dieser oder jener gattung gehöre, das ist unbedeutender Fr. Schlegel Athenäum 2, 8. vgl. nichtsbedeutend, gleich-, viel-, wenig- u. s. f. -bedeutend. A@IIII. länger als der verbalcharakter blieb die grundvorstellung von bedeuten (vgl. auch Eberhard-Lyon 20216) in unbedeutend lebendig. A@II@11) im sinne unseres classischen idealismus, mehr oder weniger philosophisch, zur bezeichnung des wesenlosen, nichtideenhaften, gehaltlosen, aller dinge ohne tiefere bedeutung. das gegentheil bedeutend bei Göthe (R. M. Meyer archiv f. n. spr. 96, 28) 'alles, was auf ein tieferes, tiefstes sein deutet': und ist denn das leben ein traum, .. so eitel, so unwesentlich, so unbedeutend als ein traum Wieland Ag. 1, 31. anders wesentlich und bedeutlich th. 1, 1229; dank der groszen lebendigen natur, dasz solche idealische schemate, in sich selbst unstandhaft und unbedeutend, nirgend existiren Herder 22, 174; nichts in der welt ist unbedeutend Schiller 12, 95 (Picc. 2, 1); mein unbedeutend welkes leben Hölderlin 2, 82, 16. hier konnte die terminologie neuerer culturphilosophie anknüpfen, die vom unbedeutenden im sinne axiologischer forschung redet Braun stud. z. bedeutungsforsch. 1, 13. vgl. 4. A@II@22) in der kunst und besonders beim künstlerischen sehen und gestalten nichts bedeutend, leer, uncharakteristisch, charakterlos, ohne persönlichen geistigen ausdruck: an der nase macht .. das fleischige unbedeutende .. einen fatalen effekt allg. d. bibl. anh. 25/36, 1290; nichts als eine .. unbedeutende ebene (gärten in der manier des Le Notre) Hirschfeld theorie 4, 9; wir sehen das einfache grün einer frischgemähten wiese mit zufriedenheit, ob es gleich nur eine unbedeutende fläche ist Göthe II 5, 1, 3 Weim.; das weisz man aber allenfalls zu sagen, dasz es (das bild) unwirksam, dasz es unbedeutend sei I 45, 303, 28 Weim.; unbedeutende, nichtsversprechende gesichter Klinger werke 3, 73; zur engsten und am ende unbedeutendsten manier Wackenroder herz. 59; die natürliche kälte ihres charakters machte sie im sang und flügelspiel beynahe unbedeutend Schubart ästh. 144; eine ästhetisch so unbedeutende that Treitschke aufs. 1, 44. vgl. 4. A@II@33) in der sprache nicht betont, ohne eigengewicht, gleichgültig, ohne bedeutung, connotatio (Mauthner wb. d. phil. 1, 91a): bei unbedeutenden wörtern, partikeln Herder 5, 195; unbedeutende sylben Knigge umg. 1, 20; das unbedeutende e A. W. Schlegel Athen. 1, 13; in einem weitläufigen stil und unbedeutenden phrasen Göthe 22, 296, 18 Weim. A@II@44) allgemeiner; doch so, dasz die grundvorstellung, wie meist bei Göthe (Bohner 48), noch den ausschlag gibt: die unbedeutende sprache der galanterie Lessing 2, 402 (Em. Gal. 2, 6); aber dem unbedeutenden gekläffer kleiner geister und elender käffer gehe ich mitleidig und lächelnd vorbei Kortum Jobs. 3, 4; dann hoff ich in ihrer (Lottens) seele nicht unter der grosen unbedeutenden anzahl verlohren zu gehen (anzahl von menschen ohne bedeutung) Göthe IV 2, 33 Weim.; das ist eckelhafte unbedeutende zweydeutigkeit (die nichtsehrlichesbedeutet) ebd.; (pflicht,) die dienstboten nicht blos mit allgemeinen und unbedeutenden (bedeutungslosen, nichtssagenden) attestaten zu entlassen 22, 71, 21 Weim.; das bedeutende wie das unbedeutende leben I 36, 350; 46, 86, 26 Weim.; vgl. 1; Hamlet unbedeutend unter ihnen (den hofleuten) 22, 187, 12 Weim.; ein unbedeutendes siegel, das nicht so viel bedeutet und daher nicht so auffällt wie das herzogliche IV 8, 316 Weim.; wer flicht die unbedeutend grünen blätter zum ehrenkranz verdiensten jeder art? Faust 154; alle meine sorgen liegen unbedeutend (ohne etwas zu bedeuten) weit hinter mir Tieck schriften 8, 45; bei den unbedeutendsten gesprächen macht er gesichter von gröszter bedeutung Brentano ges. schr. 5, 416. A@IIIIII. die grundvorstellung verblaszt, und mit hilfe des prägnanten gebrauchs etwas, viel zu bedeuten haben, bedeuten wird das völlig zum adj. gewordene wort zu einem einfachen qualitäts- und quantitätsbegriff, der noch von Adelung als figürlich gemeint empfunden wurde: unwichtig; unerheblich; klein, gering, geringfügig, schwach; was nichts auf sich hat, untergeordnet, belanglos; nichtig, unscheinbar, winzig, unansehnlich; gelegentlich auch eintönig, langweilig u. ä. A@III@11) von sachen. A@III@1@aa) als qualitätsbegriff: die sparsamkeit vieler ältern haben (!) diese sonst wichtigen (hofmeister-)stellen so unbedeutend gemacht, dasz Gottschedin br. 2, 97; wie gern hätte ich auch den meinigen (namen) verborgen, der wenigstens ebenso unbedeutend ist Dusch verm. kr. u. sat. schr. αβ; ein unbedeutendes wort theater d. Deutschen 17, 25; unter dem unbedeutenden vorwande Meiszner Alc. 1, 333; ein unbedeutender stosz Sturz 1, 133; scharmützel Herder 5, 283; dinge Göthe 47, 333, 13 Weim.; zwist 8, 82, 12 Weim.; bücher 45, 197, 23 Weim.; charteque, unbedeutende schrift Kinderling 122; nur lauter unbedeutende kleinigkeiten Forster 2, 171; in den augen des weltregenten ... ist manches, das uns gar wichtig erscheint, sehr unbedeutend Stilling 3, 52; der gesang (einer meise) ist .. unbedeutend Naumann vögel 4, 108; mit unbedeutenden abänderungen Dahlmann fr. rev. 107; einer unbedeutenden schramme Holtei erz. schr. 2, 62; fieberschauer Grabbe 3, 552; er hat genug nicht blumen können pflücken, um mit gewinde, strausz und kranzgeflecht ein unbedeutend liebeln aufzuschmücken Rückert 3, 111; so unbedeutend freilich ... ist dieses mehr auf seiten des menschen nicht D. F. Strausz 6, 136; in unbedeutenden spuren Allmers marschenb. 1, 2, 65; Hans ... machte den unbedeutenden versuch eines bücklings Freytag handschr. 1, 87. A@III@1@bb) quantitativ: wenn die stallungen unbedeutend waren, so fand man die keller desto geräumiger Göthe 33, 168 Weim.; dieses ... unbedeutende flämmchen 49, 141, 20 Weim.; hügel IV 3, 88, 2 Weim.; (einflusz bei den wahlen) ist doch sehr unbedeutend Archenholz England u. It. 1, 1, 29; trotz seiner unbedeutenden kleinheit Schubert verm. schr. 1, 24; in Holland wäre sein vermögen unbedeutend gewesen Arnim 1, 289; unbedeutende besoldungen Dahlmann fr. rev. 21; (hühner) scharren auf dem boden ein unbedeutendes nest Oken naturgesch. 7, 861; ein unbedeutender flusz H. Grimm Michelangelo 1, 72; füsze Gutzkow ges. werke 6, 199; ertrag Luschin v. Ebengreuth münzkunde 215; garnison Moltke ges. schr. 1, 59; ackerzipfel Keller 4, 88; das unbedeutende .. näschen des neugeborenen Raabe hungerpastor 2, 1. A@III@22) von personen mit bezug auf innere und äuszere eigenschaften: diesen unbedeutenden menschen Gerstenberg rec. 85, 20; sein eigenes unbedeutendes ich Ayrenhoff 9, 5; anfangs schien er (Odysseus) .. unbedeutend (ἀεικέλιος) von ansehn Voss Od. 6, 242 Bernays; die alten Sabiner wurden ganz unbedeutend Niebuhr m. gesch. 1, 62; ich bin ein armes, unbedeutendes mädchen Novalis 4, 175; ein unbedeutender ... kopf Mommsen m. gesch. 3, 17; weil es der unbedeutenden, kleinen Stiglmayr .. beliebt hat, sich einen katarrh anzuschaffen Fontane I 4, 7; ein unbedeutender stubenhocker Keller 8, 163. auch collectiv: ein unbedeutendes oberhaus Möser 1, 338; unbedeutende gemeinden Mommsen m. gesch. 1, 48; das bis dahin unbedeutende Armenien 2, 264. A@III@33) gern in der litotes in fast allen bedeutungen: ein nicht unbedeutender .. geschichtschreiber Bode Mont. 2, 221; er .. bewilligte ein nicht unbedeutendes bogenhonorar Müllner dram. werke 8, 62; von einer nicht unbedeutenden höhe Immermann 1, 84; eine nicht unbedeutende minderheit Ranke 1, 187; die regierung Friedrich III. war mit nichten so unbedeutend 1, 69; ich spielte .. gewisz nicht die unbedeutendste rolle Jahn Mozart 3, 175; ein nicht unbedeutender ackerbau Hoops waldb. 283. vgl. nicht ganz nichtsbedeutend th. 7, 727. BB. adv.: einem prinzen, der sein compliment sehr unbedeutend machte Archenholz England u. It. 1, 2, 506; er lebte nicht mehr so einzeln und unbedeutend Moritz A. Reiser 234, 26; unbedeutend verwendet Iffland 1, 95; ich bin ... nicht unbedeutend vorgerückt W. v. Humboldt br. an Welcker 48; augen, die pfiffig und unbedeutend in die welt hineinsahen Fontane I 5, 63. vgl. auf unbedeutende weise Justi Winckelmann 1, 434. zur gradsteigerung: der feind soll nicht unbedeutend stark sein Körner 4, 215; bis auf einen unbedeutend kleinen theil Eichhorn staats- u. rechtsgesch. 2, 40. in älteren fällen liegt participiale auffassung nicht fern th. 1, 1229. CC. steigerungsformen sind sehr häufig und schon unter A und B reichlich berücksichtigt. zum superl. vgl. das stärkere die nichtsbedeutendsten Schiller th. 1, 1227. die hin und wieder auftauchende falsche schreibung unbedeutensten (z. b. Jacobs verm. schr. 6, 528) ist durch einwirkung von wortbildungen, die auf das part. prät. und den inf. zurückgehen (Wilmanns gr. 2, § 292), entstanden. unfest war das participiale d schon früher Weinhold mhd. gr. § 373. vgl. unbedeutenheit. DD. substantiviert: weil ich in den commentarien etwas wiewohl gantz unbedeutendes gesagt habe Lichtenberg br. 2, 123; was raiz preta betrifft, kommt man denn doch nach und nach aus dem ungewissen in's sichere, leider zugleich aber auch in's unbedeutende Göthe IV 41, 95 Weim.; dasz er das unbedeutende faszt und das theure zurückläszt Hermann u. Dorothea 1, 123; man erträgt die unbequemen lieber, als dasz man die unbedeutenden duldet schr. d. Götheges. 21, 4; diese armselige politik ..., glücklich, wenn sie das wesentliche von dem unbedeutenden abzusondern versteht Forster 3, 132; den unbedeutenden spielen Arndt sämmtl. werke 1, 112; (die brüder Grimm haben) die andacht zum unbedeutenden (ein ausdruck Boisserees) ... zu einem ehrennamen gemacht Scherer kl. schr. 1, 7; der hang zum ... sentimental-unbedeutenden ... schien in der kunst immer mehr um sich greifen zu wollen Göthe 48, 65, 11 Weim.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unbedeutend

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unbedeutend , -er, -ste, adj. et adv. keine Bedeutung habend, nichts bedeutend. Noch mehr im figürlichen Verstande, für …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unbedeutend

    Goethe-Wörterbuch

    unbedeutend [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    unbedeutend

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|be|deu|tend adj. insignificant (-nc, -a), irelevant (-nc, -a), zënza importanza, da degöna importanza.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unbedeutend

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Ableitung von unbedeutend

un- + bedeutend

unbedeutend leitet sich vom Lemma bedeutend ab mit Präfix un-.

Keine Komposita gefunden — unbedeutend kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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APA
Cotta, M. (2026). „unbedeutend". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unbedeutend/dwb?formid=U05158
MLA
Cotta, Marcel. „unbedeutend". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unbedeutend/dwb?formid=U05158. Abgerufen 20. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „unbedeutend". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unbedeutend/dwb?formid=U05158.
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