umschaffen,
vb.,
trennbar, eine andre gestalt geben, umarbeiten, umbilden, umändern: wer hat dieses moor zum garten umgeschaffen? Herder 28, 202
S.; die altdeutsche landkleidung ist in die französische umgeschaffen J.
M. Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 85; herr Dornensteeg heiszt Eichhorn, hat aber seinen namen ... umgeschaffen Laukhard
leben und schicksale 5, 83; die (
capelle) ich schon damals zu einem wohnbaren saal umgeschaffen habe Göthe 24, 34
W.; wie die speise, so bald sie in adern und gliedern vertheilt wird, sich zerstöret und umschafft in ein anderes wesen J. J. Chr. Bode
Montaigne 4, 586; wenn nun gemüse, obst, hülsenfrüchte usw. schon in der küche zu einem solchen breye umgeschaffen worden sind Bremser
medizin. parömien (1806) 229;
dialektisch: dis ding muess umgschafft werden Martin-Lienhart
elsäss. 2, 396
b;
s. auch Seiler
Basel 295
a; Möller
Sylt 191
b;
auf literarische und künstlerische gebilde bezogen: zeiten entflohn: allein die (
von Luther) umgeschafne (
sprache) blieb, und diese gestalt wird sich nie wandeln Klopstock
oden 2, 62
M.-P.; eine kleine rührende erzehlung in ein rührendes drama umzuschaffen Lessing 9, 185
L.-M.; ein übersetzer (
kann sich) nicht genau genug an sein original halten; sonst schafft er es in eine moderne gestalt um Gerstenberg
schlesw. litbr. 307
lit.-denkm.; die alte klassische dichtung ging unter, die helden der geschichte und sage wurden umgeschaffen Gervinus
gesch. der deutschen dicht.4 1, 271;
von sonstiger wandlung: was funfzehn jahre nicht die menschen umschaffen Chr.
F. Weisze
lustspiele (1783) 1, 122; allmacht war sein lächeln, schuf um zu wonne das elend Klopstock
Messias 16.
ges., v. 260; die sitten dieses rohen volkes umzuschaffen
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 268; was ihn ... zu einem fleiszigen und ordentlichen jungen menschen hätte umschaffen können K. Ph. Moritz
Anton Reiser 186
lit.-denkm.; eine geistige empfindung, die in schattenbilder der sinnlichen dinge umgeschaffen worden Kant (1838) 3, 73
Hart.; lehrmeinungen, die sich doch nicht umschaffen lassen Lichtenberg
briefe 2, 271; Deutschland in eine republik umzuschaffen Börne (1829) 4, 3; er selbst hatte dieselben aus bürgern in landsknechte umgeschaffen Mommsen
röm. gesch. 2, 256; (
im altdeutschen rechtsgebrauch) ist ein völliges umschaffen des wirklichen lebens zu bedeutungsvoller bildlichkeit G. Freytag
ges. w. (1886) 17, 18.
dazu umschaffung, f.: vieles lieber für ein spiel der natur als für eine ernsthafte umschaffung einer sache in die andre ansehen J. E. Schlegel
w. (1761) 5, 18; dasz in der natur ... mehr als eine umschaffung ... geschehen sein müsse
allgem. deutsche bibl. 84, 479; die erste arbeit war das roden, die umschaffung von waldrevieren in ackerfeld Wimmer
gesch. des deutschen bodens 97;
häufiger von inconcretem, besonders auf literarischem und künstlerischem gebiet: mit einer solchen umschaffung: je vollkommner die fabel ist, desto weniger läszt sich der geringste theil verändern Lessing 10, 194
L.-M.; einer nahen umschaffung und aufklärung der wissenschaften Kant (1838) 2, 4
Hart.; dasz es (
das schulwesen) einer so grossen verbesserung bedürfe, die fast einer gänzlichen umschaffung gleichet J. B. Basedow
Agathokrator (1771) 210; ob mich der wind von der oder jener seite anbläst, ... bewirkt bey mir ... eine gänzliche umschaffung meiner denkungsart Thümmel
reise (1791) 7, 165; einer neuen moralischen umschaffung des menschengeschlechts Klinger (1809) 12, 34; es kommt nicht auf die abschaffung einzelner misbräuche an, sondern auf die umschaffung der verwaltung Dahlmann
gesch. der franz. revolution 44; die umschaffungen des epischen stoffes in das dramatische G. Freytag (1886) 1, 105; durch eine umschaffung des theaters
schr. der Götheges. 18, 56.