überschrift,
f.,
nebenform übergeschrift (13.
bis 16.
jahrh., z. b. Zainerbibel, Zürcherbibel, Wickram, Seb. Müntzer, Keisersberg u. a.)
; nomen acti, niemals nomen actionis zu überschreiben,
v.; von den wbb. seit dem 15.
jahrh. regelmäszig gebucht für inscriptio, titulus, elogium, epigramma, vgl. E. Alberus (1540) 11
b; Frischlin
nomencl. (1591) 182; Diefenbach
gloss. 586
b; Stieler 1928; Steinbach 2, 511. a)
inschrift, aufschrift: seülen ... mit solchen titlen und überschriften Xylander
Polybius (1574)
vorr. 3; die überschrift, welche Pontius Pilatus an das creutz oberhalb Christo gehefft hat Widmann
Fausts leben 36; (
schon mhd.;
vgl. Beheim evangelienbuch Luc. 23, 38); (
Floridan) grub mit einer pfrihm in deren (
der linde) rinde dise überschrifft (
folgt ein gedicht) Schwieger
feldrosen B 3
b; es sind überschrifften auf diese rudera gehauen
discourse der mahlern 3, 166. b)
verengt: inschrift über einem grabmal, epitaphium: ein epitaphium oder übergschrifft auffs grab machen zuo eewiger gedächtnusz Frisius
dict. 1172
a; obirschrift der greber
vocab. (1420) 14
b Schröer; vgl. auch Diefenbach
gloss. 205
a;
nov. gloss. 153
a s. v. epitaphium; es ist ain gemayn sprichwort, wer di überschriffte der greber lese, das er darvon vergeszlich werde Schwartzenberg
Cicero (1535) 26
b. c)
legende einer münze: wes die übergeschrift des pfenniges ist, dem git man den pfennig Tauler
pred. 417
Vetter; Zürycher pfenning ..., deren überschrifft war: Otto imperator ... Stumpf
Schwytzer chron. (1606) 484
a; Prätorius
winterflucht (1678) 157; wes ist diz bilde und die übirscrift? Beheim
evangelienbuch Marc. 12, 16
; Matth. 22, 20;
ebenso Luther: bringet mir einen groschen, das ich in sehe. und sie brachten im. da sprach er, wes ist das bilde und die überschrifft? d) ü. eines buches, kapitels, eines gedichtes,
aufschrift, titel. wenn ich hynder mich gedenck und mich umbsehe, so ist myr selbst wol bewust, das fast aller seyner büchlin titel odder obirschrifft dermassen lauten Luther 18, 453
Weim.; die überschrift disses büchlins ... haben wir hieher zu setzen Hedio
chron. germ. (1530) H 1
a; (
herr Sorbier hat) unter dem nahmen Laboureur ein buch herausz gegeben mit dieser überschrifft: ... Morhof
unterricht v. d. dtsch. sprache (1682) 178; die überschrift des ersten kapitels
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778
ff.) 3, 190; der erste aufsatz des 2
ten hefts wird gewaltigen lärm erregen; wie du aus der überschrift erwarten kannst Göthe IV 27, 223
Weim.; überschriften einer reihe Calderonscher schauspiele Platen 1, 536
R.; überschrift und inhalt sind einander öfters ganz fremd
Athenäum (1798—1800) 2, 304. e)
aufschrift eines briefes, anschrift, adresse: Hiszkia schaut die überschrift (
des erhaltenen briefes), bricht in auff ... Hans Sachs 10, 483
Keller; das ist aber die unterschrifft und überschrifft dieser epistel, das man wisse, wer da schreybt und zu welchen er schreibt Luther 14, 15
Weim.; ein ... sendbrief ... soll von dem erbrochen werden, an den die überschrifft gehört Comenius
ian. iv
ling. (1644) 936; Schupp
schr. 640. f)
titel: underwysung ..., wie man aim yeden in sinem stande ain gebürlich überschrift setzen sölt Niclas v. Wyle
translat. 349; Albertus I ... verliese die hertzogliche überschrifft und nente sich allain graffen zu Tirol
F. A. v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 113. g)
aus a)
entwickelt für sinngedicht, epigramm (17.
u. 18.
jahrh.): eine überschrift
ist der poetische kurzgefaszte ausdruck eines guten scharfsinnigen einfalles, der entweder jemandem zum lobe oder zum tadel gereichet Gottsched
versuch einer crit. dichtkunst (1751) 686; das klinggedicht (
soll) nur ein kurtzes sinngedicht oder überschrift und kein lied sein Zesen
vermehrter Helikon (1656) 3, 177; buch der überschriften Fleming
deutsche ged. 1, 221; stachelreime, überschriften und andere dergleichen gedichte Rist
neuer deutscher parnasz (1652) b 7
a;
vgl. auch A. Silesius
cherub. wandersmann 90
ndr.; Günther 543; ü.
für epigramm
ist der zweideutigkeit wegen nie recht gewöhnlich geworden, sondern von sinngedicht
verdrängt Heynatz
antibarb. (1796) 2, 494; Göthe
spielt noch mit der damals veraltenden bedeutung: seid doch nicht so frech, epigramme! warum nicht? wir sind nur überschriften; die welt hat die capitel des buchs Göthe I 1, 322
Weim.