überladen,
v. ,
zur form: 2. 3.
sg. überladest, überladet,
seltener überlädst, überlädt,
s. o. th. 6
sp. 42;
prät. neben regelmäszigem überlud (
part. überladen)
vereinzelt auch überladete (
z. b. Lessing),
part. überladet (
z. b. Steinbach, Vosz).
bedeutung und gebrauch: AA.
transitiv: etwas oder jem. zu sehr belasten, aggravare, praegravare Frisius
dict. 63
b;
zu viel aufladen Hulsius-Ravellus (1616) 336
a; Stör 498
b; Stieler 1053. A@11) einen wagen, ein schiff, ein pferd
usw. ü. Dentzler
clavis ling. lat. 295
b; da het der mann zu seinem schaden denselben esel uberladen Burkhard Waldis
Esopus 1, 320
Kurz; ir wendt den esel überladen, das er im selbs und uns thuot schaden Murner
narrenbeschwörung 170
neudr.; und bis zum sinken überladen entfernt sich dieser letzte kahn Göthe I 14 50
Weim. mit etwas ü.,
allgemein: man sol das schiff nit überladen mitt überflüssigem guot, wann sunst wirt es undergon Keisersberg
schiff der penitenz 100
d; wann man ein wagen mit einer nuszschalen uberlud, so müszt er umbfallen Nas
das antipap. eins und hundert 5, 208
a.
reflexiv: domit kein baum sich überlüdt und würd von schwerem tragen müd Wickram 8, 217; die zehend aygenschafft des bilgers ist: er überladet sich nit mit speisz und mit klaidern. und ob er sich überladen hat, so legt er dasselbig etwann auff ainen wagen Keisersberg
pred. 41
a.
auch absolut: die fulen lüt überladent gern Staub-Tobler 3, 1060. A@22) den magen überladen: man ... soll ihm (
dem kranken) ... gnug zu essen geben. doch dasz er den magen auff einmal nicht uberlade Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 186.
reflexiv: sich mit essen und trincken uberladen Fischart
podagr. trostbüchlein 74; die Jüden ... sich in essen und trincken nicht überladen haben Prätorius
philosophia colus (1662) 169.
in dieser bedeutung schon im 8.
jahrh. belegt, s. Graff 4, 1114
u. unten. A@33)
in bildlichem gebrauche in breiter verwendung; mit sach-gen. nur in der älteren sprache: mîn herze ist leides überladen Iwein 7459; wurdest du guotes überladen, so ht dich wol vor groszem schaden Hätzlerin
liederbuch 275. mit etwas jem. ü.: wee im, wer mit alters burden wirt überladen!
Ackermann aus Böhmen 19, 13
Bernt-Burdach; kranckheit, armut, schand und schaden, darmit der mensch wirdt uberladen Hans Sachs 6, 205
Keller; kaum dasz der jahre lenz ... verstreicht, so überladen uns mit ungewohnten bürden der ehstand, hausstand, ämter, pflichten, würden Ramler
fabellese (1783) 1, 35.
in reflexiver fügung aus 2)
erwachsen: sich an etwas ü.: an lieblichen erinnerungen, seligen gefühlen, ... überladet sich keiner Jahn 2, 403.
ohne ergänzung: treibe ihn hastig ins leben, dasz er sich schnell überlade Klinger
werke 3, 35.
prägnant für jem. geistig überanstrengen, überbürden: doch sol der schulmeister vleis haben, das die kinder nicht überladen werden Luther 26, 238
Weim.; dieser (
Boileau) überladet niemanden; verse, wie er schrieb, konnte jeder höfling verstehen Herder 23, 242; jenes (
das gedächtnisz) soll genährt, nicht überladen ... werden Sturz 2, 348; sie sind das studiren noch nicht recht gewohnt. wenn sie sich nur nicht das gehirn dabei überladen! Bauernfeld
ges. schr. 2, 116.
in weiterer verwendung (
in der chemie): als ... der schwefel zuviel wirt überladen mit salpetrischer arth Paracelsus
opera 1, 340
Huser; eine überladene säure Liebig
handb. d. chemie (1843) 240. A@44) ü.
nähert sich der bedeutung von belästigen, gewalt anthun: da inen die menig der feindt zuo vil überlude und beschweret, begundt er gemechlich und mit der ordnung abzuotretten Carbach
Livius 374
b; als soll ein christliche obrigkeit sich billich hüten, die armen bedrängten unterthanen nicht zu überladen Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 53. mit gästen jem. ü.: do mit wir nicht mit fremden gesten überladen und bekümert würden Arigo
decam. 162
Keller; wer wolt sich muotwillig mit frembden gesten überladen Schaidenreisser
Odyssea (1537) 73
b. A@55) eine flinte, kanone ü.: (
es) sol eine büchse geladen, und nicht überladen werden können Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 338; damit die büchsenmeister ... die stück nicht überladen Fronsperger
kriegsb. (1573) 2, Cc 6
b; nun het Unfalo zuvoran die schlangen überladen lan
Teuerdank (1878) 121. A@66)
part. prät. überladen. A@6@aa)
pressus, oppressus Steinbach 1, 963; ein überladenes pferd Vischer
auch einer (1879) 2, 22; euch ... königliche reben ... die so schmackhaft und gesund am überladnen stocke beben Eschenburg
beispielsammlg. 6, 108. A@6@bb)
in der bedeutung crapulatus in alter u. neuerer zeit allgemein, vgl. Graff
a. a. o.; bei stark überladenem magen Peschel
völkerkunde 328; der mensch, überladen von thierischem genusz, ... dürstet nach bessern auserlesnern vergnügungen Schiller 3, 523.
daraus weiter: das überladne gedächtnisz Herder 16, 110
; u. ä. A@6@cc) überladen sein,
zu viel auf im haben, premi Frisius
dict. 917
a. mit etwas ü. sein: mein kranckes hertz ist wie mit ertz und steinen überladen Simon Dach 380
Österley. in weiterer verwendung: mit feynden uberladen seyn,
hostibus laborare Frisius
dict. 748
b; sie sind mit so vil kindern uberladen, dasz sies mit irem taglohn nit erhalten mögen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 76
b; die weyll die welt itzt ... ubirladen ist mit jungen unverstendigen, unerfaren regenten Luther 6, 72
Weim.; mit geschäften überladen sein: als der künig abends in syn bett gienge und den vergangen tag mit mangerlay geschäfftes überladen nun müd waz Steinhöwel
Äsop 317.
ohne ergänzung: kummend zuo mir alle, die arbeitend und überladen sind! Zwingli
deutsche schr. 1, 301.
schon mhd.: ich bin t'onsachte overladen. mîn ongemac es sô gedân: ich enmach gestân noch gegân
Eneit 2386
Behaghel. A@6@dd)
überfüllt: ein groszer mit kutschen und reisewagen aller art überladener wiesenraum Göthe I 33, 10
Weim.; der raum ist sehr wohl ausgefüllt, keine stelle überladen und keine leer 49, 375
Weim.; unter tadlern der gothischen baukunst aufgewachsen, nährte ich meine abneigung gegen die vielfach überladenen verworrenen zierathen (
am Straszburger münster) 27, 274
Weim.; ohne ergänzung für '
schwülstig': der überladne geschmack der gelehrten Fr. v. Schlegel 4, 19; eine gesuchte, ... überladene ausdrucksweise
jahrbuch d. Grillparzergesellschaft 8, 47.
substantivisch: der dilettant wird ... entweder ins magere und überladene oder ins plumpe und leere verfallen Göthe I 47, 306
Weim. adverbiell: Mathilde ist mit blumen überladen geputzt Nestroy
gesammelte werke 2, 138; ein groszer ... in der rococomanier überladen möblierter raum Spielhagen 2, 324.
hiezu überladenheit, f.: vorwurf der überladenheit und der spielerei Fr. v. Schlegel 4, 135; überladenheit des stils Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 317. A@6@ee)
zu überladen 5 (
s. o.):
globe de compression oder druckkugel,
auch überladene minen
heiszen diese, wenn ihre ladungen so weit verstärket werden: dasz der obere durchmesser ihres trichters wenigstens viermal so grosz wird, als die kürzeste wiederstandslinie Hoyer
kriegsbaukunst 2, 63; überladene gewehre Wilhelm I.
militär. schr. 1, 306; überladene flintenschüsse G. Forster
sämtl. schr. 2, 141. BB.
eine ladung von einem fahrzeug auf ein anderes schaffen. in dieser bedeutung in untrennbarer verbindung (
s. Heynatz
antibarb. 2, 492)
und in trennbarer (
z. b. Kramer (1719) 219
a; Hilpert 639
c;
lux. ma. 196
a). in Cuxhaven soll der sarg in ein dampfschiff der seehandlung überladen ... werden Moltke
ges. schr. u. denkwürdigk. 6, 115; es gehört zur groszen haverei sowohl der leichterlohn als der schaden, der bei dem überladen in das leichterfahrzeug ... dem schiffe zugefügt wird
handelsgesetzb. § 706, 2.
hiezu comp.: überladeplatz, m. Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1, 790;
überladestelle, f. CC.
jemandem etwas aufladen: dann gunst, gewalt und die hundtsketten waren mir zu schwer überladen Paracelsus
opera (1616) 1, 356
b Huser.