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überhand

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

überhand f.

Bd. 23, Sp. 287
überhand, f. und adv. die substantivische geltung welche oberhand (s. d.) in alter und neuer zeit in gleicher bedeutung und z. t. in denselben formelhaften verbindungen bewahrte, gab überhand auf und nahm adverbielle function an: überhand adj. absolutum ut adverbium Steinbach 1, 689; überhand ist ein nebenwort Gottsched beobacht. (1734) 217; daher auch die adverbiale nebenform überhanden, z. b. Eyb deutsche schr. 1, 84, 21; Stolle Erfurter chron. 120; Arnim 14, 351 Grimm; Staub-Tobler 2, 1394 und die accentverschiebung in der formel überhandnehmen (vergl.: beständig haben den ton auf der letzten hälfte überhand, überhaupt, überhin Adelung umst. lehrgeb. 2, 271). es findet sich aber neben der in alter u. neuer zeit herrschenden artikellosen form auch noch in neuerer zeit der artikel, vereinzelt verbindet sich überhand auch mit attrib. adjectiven. II. victoria Hulsius (1618) 253b; Stör (1650) 498a; Stieler 752; Frisch dict. (1719) 568; Hederich (1729) 2404; voordeel Kramer deutsch-holl. wb. (1787) 466c; übermacht, vorrang, übergewicht Staub-Tobler a. a. o.; im 16. jahrh. auch concret für obrigkeit, landschaftlich noch heute in dieser bedeutung, s. Staub-Tobler a. a. o. I@11) es wirt nydergebeuget werden alle hohe der ubersten und nydergelegt werden alle überhand der prelaten Luther 9, 182 Weim.; dawidder sich der bapst mit seiner rotte auffgeworffen, geleret und gethan hat und sich von aller weltlicher uberhand ausgezogen 24, 707 Weim. concret: (abgezogene güter wie holz, wasser und dergleichen) soll eyner gemeyn zu gebrauchen widderheim gestalt werden, doch darbey ein uberhandt zu setzen, ane dieselben nichts zu thun 18, 535 Weim. I@22) der zur adverbiellen function führende gebrauch ist fast durchaus formelhaft beschränkt: ü. haben, halten, bekommen, gewinnen, nehmen. I@2@aa) ü. haben, praevalere Alberus (1540) O iiyb; victoria potiri Stör a. a. o.; havere la precedenza Kramer (1700) 1, 586b; valere Kirsch (1723) 299a; domineer Ludwig teutsch-engl. wb. (1765) 1789. I@2@a@aα) ohne artikel: dan wie frum wir sein, szo wil doch ye die bosze lust in uns mitherschen und wolt gerne alleine herschen und uberhandt haben Luther 2, 96 Weim.; laszt die sund nit uberhand haben yn ewrem sterblichen corper 7, 329 Weim.; unser zunge soll uberhand haben, uns gepürt zu reden 10, 2, 410 Weim.; die gall überhand hat und vast überflüssig ist in inen Ryff anatomi (1541) F 4a; wenn die gerechten überhand haben, so gehts sehr fein zu Reinicke fuchs (1651) 20; doch hont wir (menschen) in dem uberhandt, das wier doch haben ein verstandt und mit vernunft uns bruchen künnen Murner badenfahrt 8, 7, 11; mit trotz, boch und grossem gschrey will jeder haben uberhand und zwingen all welt in sein verstand Fischart d. gelehrten d. verkehrten 375 Kurz. I@2@a@bβ) mit art.: democratia ein regiment, darin die gemeinedie uberhand hat Bas. Faber thesaurus (1587) 238a; das heimlich verlobnis, das da geschicht hinder wissen und willen derihenigen, so die uberhand haben und die ehe zu stifften recht und macht haben, als vater, muther und was an yhrer stat sein mag Luther 30, 3, 207 Weim.; der schlaf und die treume geben zu versteen, welcher auss den vier humoribus die uberhand hab Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) A 4a. I@2@bb) die überhand behalten, uberwaltigen, ubermechtigen, praeposse Bas. Faber thesaurus (1587) 817b; die überhand oder oberhand behalten Frisch dict. (1719) 568. I@2@b@aα) ohne art.: das nicht die wolcken und wetter mit irem finsternis den sieg behalten, sondern du mit deinem schönen liecht obliegest und überhand behaltest Luther 30, 3, 581 Weim.; die schlacht ..., in welcher doch endlich der gröste hauff uberhand behielte Schütz historia rer. Prussic. (1592) 1, D 2a; ydoch behilden die christen ubbernhandt W. Gerstenberg chron. 368 Diemar; die meuss behielten uberhand, das froschbluth floss übr alles land Rollenhagen froschmeuseler (1595) A a a 8b; er hat und auch behelt mit worten überhand Reinicke fuchs (1650) 289. I@2@b@bβ) mit art.: hierin leid er viel widerstandt von den pforten der hellen, doch bhelt er stets die überhandt, siegt ob sein feinden allen deutsches kirchenl. 4, 15 Wackernagel; gewalt behelt die überhand Ringwaldt handbüchlin C 5b; Appius ... nach langem kampff hat die uberhand behalten Xylander Polybius (1574) 7; die kunst kan zwar der natur gewalt anlegen, aber nicht lang die überhand behalten Harsdörffer gesprechsp. 6, 128; die betrübnisz behielt endlich die überhand briefe von u. an Klopstock 139 Lappenberg. I@2@cc) überhand annehmen, bekommen, gewinnen, kriegen u. ä., meist ohne artikel: überhand bekommen, überwinden Stör (1650) a. a. o.; vgl. aber: die überhand gewinnen, bekommen, de overhand krygen Kramer deutsch-holl. wb. (1787) a. a. o. schon mhd.: daʒ der tôt überhant an im gewinnen solde Ottokar chron. 87627 Seemüller. nhd.: herzog Diet mit seim volk ... nam überhant an, schlueg die Römer und Christen, wo ers nur ankam Aventin 1, 276; gott gebe, dasz ... diese ketzerey nicht bey den meisten in der welt überhand bekommen hat Cramer Neseggab 2, 82; herr stehe auff, das menschen nicht überhand kriegen ps. 9, 20. danach: ach herr, steh du auf, dasz des papstes hauf nicht überhand krieg Opel-Cohn dreiszigjährig. krieg 260; (die Türken) möchten gewinnen überhand und straffen unser sünd und schand Brant layensp. 170a bei Schmidt elsäss. wb. (1901) 365b; solicher misbrauch ist on zal, hat überhant gewonnen überal satiren und pasquille 1, 37 Schade; wenn die bösen feuchtigkeiten uberhand gewinnen, so werden kranckheiten daraus (redundante bile) Bas. Faber thesaurus (1587) 109b; eh' mein schmerz noch überhand gewinnt Gottsched schaubühne 2, 6. mit art.: o du ehrgeiz ... wenn du einmal der menschen hertz einnimmst und da also die überhand bekömest Lobwasser calumnia B 7b; diesem gestein findet sich lagenweise feiner thon beigemischt, welcher zuletzt die überhand gewinnt Göthe II 9, 329 Weim. mit adjectivischem attrib. ungewöhnlich: um die scheide des 16. und 17. jahrhs. erlitt übrigens diese gattung der moralitäten eine grosze erschütterung dadurch, dasz das weltliche volksschauspiel ... eine grosse überhand gewann Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 3, 100. I@2@dd) überhandnehmen, die engste verbindung, die überhand mit einem verbum einging, mit accentverschiebung, auf zweite silbe, ohne artikel (doch s. u. e). prevalere Diefenbach gloss. 458b; vigere 619c; invalescere Schönsleder prompt. (1647) Z 8a; ingravescere Stieler a. a. o.; invalescere, latius serpere, incrementum capere Dentzler clavis ling. lat. (1716) 295b; vorschlagen, obsiegen Kramer (1678) 1069b; s'augmenter par trop Frisch dict. a. a. o.; praevalescere, excrescere, aggravare, redundare Kirsch (1723) 299a; corroborare et inveterascere Hederich a. a. o., Steinbach a. a. o.; in alter und neuer zeit ganz allgemein; zumeist, aber nicht stets in üblem sinne; belege für das 16. jahrh. bei Zarncke Brants narrensch. 372; ich nehm oder hab überhand Alberus (1540) D diiijb s. v. prevaleo; ich far furt, nem zu, nem überhand, invalesco 81b; s. auch 45a. I@2@d@aα) mit persönl. subject: so der ewig gütig gott tzu mal in dem menschen überhant näme und die stat allain besäss mit im selber Tauler sermones (1508) 35a; so bald die kramer und keuffleut also uberhand genommen, ist der adel verdorben Eberlin von Günzburg 3, 160 neudr.; wenn sye (die spinnen) dermassen überhand nemen, das sye spynnweben in dem korb (d. bienen) machen, so tödten sye was darinnen ist Eppendorff Plinius (1543) 11, 186; die wilden thier werden überhand nemen Herr feldbau 1a. I@2@d@bβ) mit unpersönl., bezw. abstractem subj.: und die wasser namen gröszlich überhand auf der erden 1 Mos. 7, 18 erste deutsche bibel; ebenso Luther: also nam das gewesser uberhand, und wuchs seer auff erden; da brennet das gantz dach an der badstuben und name das feur uberhand Nas das antipap. eins und hundert 1, 59b; und der hunger nam überhand in der statt Zainerbibel 4n. 25, 3 (gesigt erste deutsche bibel 5, 454, 61); die boszheit wirdt überhand nemen Diettenberger wider d. unchristl. buch M. Luthers von dem miszbrauch d. messe (1526) F 4b; darnach da ... die bos gewonheit uberhand nam weisheit 14, 16 erste deutsche bibel (vulgata convalescente iniqua consuetudine); und das heidnische wesen nam also überhand, dasz die priester des opfers noch des tempels nicht mehr achteten 2 Macc. 4, 13; dieweil die ungerechtigkeit wird uberhand nemen, wird die liebe in vielen erkalten Matth. 24, 12; wo die sunde uberhand nympt, da nympt gnade noch mehr uberhand Luther 14, 74 Weim.; wo disze auffruhr sollte fort dringen und uberhand nemen 18, 292 Weim.; dat der menschen boszheit hefft overhant genommen Rotmann restitution 47 neudr.; wo mutwill überhand nimpt, hat mässigkeit kein statt (libidine dominante) Frisius dict. 778b; es ist besser, bey zeitte ein artzte suchen ... dann darnach, so die kranckheit überhanden genumen hat Eyb deutsche schr. 1, 84, 21; das übel hett überhandt gnommen, im war nimmer zu wern S. Franck chron. Germ. (1538) 132b; so das wort gottes also krefftigklich überhandt genommen hat Cronberg schr. 148 neudr.; neid, hasz, hoffart durchausz im land hat gar genummen uberhand Hans Sachs 1, 229 Keller; nun wirt nemen uberhand ungrechtigkeit in allem land 1, 302 Keller; eh' im sein kranckheit grösser wachs und uberhand nem 21, 16 Götze; es namen mattigkeit und schmertz so uberhand, dasz er (Zerbino) der ohnmacht sich gar nahe nun befand D. v. d. Werder rasender Roland (1636) 131; das klingen in dem ohr, der stirnen kalter schweisz, das zittern aller glieder nam plötzlich überhand Gryphius trauersp. 238 Palm; der sturm nimmt überhand Schiller 14, 369; in diesem augenblicke nahm der tumult vor der hütte überhand Wieland 20, 93; die historische neigung nimmt mit den jahren immer mehr in uns überhand Göthe IV 36, 167 Weim.; der einflusz der societät auf die schriftsteller nahm immer mehr überhand I 28, 59 Weim.; der regen hatte unterdessen überhand genommen Stifter 3, 35; die pedanterie ist die schändliche seuche, die im siebzehnten jahrhundert ... überhand nahm Winckelmann (Justi 1, 90); meine sorgen nehmen täglich überhand Hartmann volksschausp. in Bayern u. Österr. 274. I@2@d@gγ) part.: die überhandnehmende unwissenheit br. d. neueste litt. betreffend 15, 98; kampf mit den überhandnehmenden Türken Göthe I 41, 2, 143 Weim.; bei der täglich überhandnehmenden noth der armen Herder 5, 521; gedanken eines wahren Christen .... bei überhandnehmender religionsspötterei anhang zur allgem. deutsch. bibliothek 1—12, 523; die jetzt so überhandnehmende schwärmerei Kant 10, 101; die überhandnehmende armuth des adels Archenholz England u. Italien (1785) 2, 30; die überhandnehmende krankheit Schiller 9, 189; die überhandnehmende finsternisz Gentz schr. 2, 223 Schlesier; die überhandnehmende desorganisation Eichendorff 2, 219; die überhandnehmenden bedürfnisse des staats Kerner bilderb. (1849) 61; der ... immer mehr überhand nehmende unglaube Schopenhauer 3, 183 Grisebach. I@2@d@dδ) subst. inf.: die vorstellung von dem überhandnehmen des Lutherthums Becker weltgesch. 8, 14; das überhandnehmen einer einseitig künstlerischen richtung Jahn Mozart 1, 479; das überhandnehmen der russischen macht Ranke 31, 5; das überhandnehmen des aberglaubens D. F. Strausz leben Jesu 3, 234. I@2@ee) mit adj.-attribut ungewöhnlich in dieser verbindung: die meuss namen in der Cycladen insel, Gyaro mit namen, solche uberhand dass sie die leuth frey weg jagten Heyden Plinius (1565) 162; und wie ir doch seit darzu kummen, das disze laster hond genummen bei euch ein solch grosz überhand welsch gattung 727. — überhandnahme, f.: nehmen quarzkörner, glimmerblättchen, und feldspathcrystalle überhand, so nähert sich das gestein (der gneis) dem granit, durch überhand nahme von hornblende dem syenit Oken allgem. naturgesch. 1, 490; seit der entstehung und überhandnahme der sekundärschulen ... ist die scheu vor der arbeit eingerissen Gotthelf 19, 305; mamsell Kornett mag vor überhandnahme der lungensucht recht gut gesungen haben jahrb. d. Grillparzergesellsch. 1, 104; man fürchtet eine überhandnahme des jüdischen geistes Gutzkow 8, 409. —
12275 Zeichen · 230 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Überhánd

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Überhánd , adverb. so stark, mächtig oder viel, daß man demselben nicht mehr Einhalt thun kann. Wenn die Gerechten überh…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Überhand

    Goethe-Wörterbuch

    Überhand [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    überhand

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    überhand [ewərhànt Bf. Z. ; –ht M. ] Adv. ü. në h me n stark, zu stark werden. D Bëttler ne h me n ü. es gibt zuviel Be…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ueberhand

4 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von ueberhand 2 Komponenten

ueber+hand

ueberhand setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ueberhand‑ als Erstglied (4 von 4)

überhandeln

DWB

ueber·handeln

überhandeln , v. , refl., sich im handeln übernehmen: dasz sich kaufleute überhandeln und über ihre kräfte in weitläuftige pläne einlassen, …

Überhandnahme

LDWB2

ueberhand·nahme

Über|hand|nah|me f. (-) 1 (übermäßiges Wachstum) chersciüda fora de mosöra f. , aumënt ezessif m. , suravënta f. 2 (Verbreitung) propagaziun…

überhandnehmen

Pfeifer_etym

ueberhand·nehmen

Hand f. ‘unterster Teil des Armes zum Greifen und Halten’, ahd. hant (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. hant, asächs. hand, aengl. hand, hond, nl. eng…

überhandnehmung

DWB

ueberhand·nehmung

überhandnehmung , f. a) überhandnehmung des Türken Schottel haubtspr. 166 . b) dann aus solcher zwyfacher widerwertiger zusammensetzung werd…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „ueberhand". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ueberhand/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „ueberhand". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ueberhand/dwb. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „ueberhand". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ueberhand/dwb.
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