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überfliegen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

überfliegen v.

Bd. 23, Sp. 211
überfliegen, v. transvolare. wie beim simplex findet sich auch hier vereinzelt vermischung der formen mit überfliehen, s. Diefenbach gloss. s. v. pretervolare, ferner: indem er etlich kranchen hort, welch denselben ort uberflohen B. Waldis Esop 2, 63 Kurz. du überfleuchst, Quintilius, die wünsche deines knechts H. v. Kleist 2, 378. II. in untrennbarer verbindung. in mhd. zeit sind die bedeutungen B 3 und C 2 b (s. u.), also die bildlichen und abgezogenen verwendungen weit überwiegend bezeugt, s. mhd. wb. 3, 343b; Lexer handwb. 2, 1674. I@AA. über etwas hinfliegen. I@A@11) transvolo Frisius dict. 1327a; supervolo Calepinus undecim ling. (1598) 1425b; auch iterativ: oft und dick über ein ding fliegen, supervolitare Maaler 442c; der peste falche, der ie walde überfloge Arigo decam. 365, 4. in der luftschiffahrt: eine stadt, einen hafen, einen berg etc. überfliegen. I@A@22) bildlich: überschauen, flüchtig betrachten: so du in deiner beschawung all creatur überflogen hast, von irdischen bisz zu den englischen, so vindestu, das all creatur von göttlicher ordnung beschaffen ist Keisersberg granatapfel (1510) G 7a; bei diesen worten nahm der könig das pergament und hielt, es mit seinen augen überfliegend, in seiner rede inne H. Laube 2, 217; der ehrwürdige herr schien mich nicht zu bemerken, überflog nur leichthin die bänke der schule Rank erinnerungen 68 bibl. d. schr. aus Böhmen; du wirst dein lieblos handeln einst bedauern, schlaflos im weichen dunenbette liegend, vergangnes leben innen überfliegend M. Reich 67 bibl. d. schr. aus Böhmen. I@BB. darüber hinfliegend etwas bedecken. 1) um mittag überfliegen grosze, ungeheure, formlose massen den himmel Göthe II 13, 488 Weim.; wiesen und wälder welche mit dem ersten grün des frühlings überflogen waren H. Laube 3, 198; ein grämlicher zug überflog sein gesicht Anzengruber 3, 171; Klotilde wurde von einer zürnenden röthe überflogen Jean Paul 7, 60; doch nun geräth der held in solches feuer, dasz helle glut sein antlitz überfliegt Gries Bojardos verliebter Roland 1, 144. part.: die brust (des grauen würgers) ist weisz und sanft rosenroth überflogen Naumann naturgesch. d. vögel 2, 17; der pelz (des mandrills) erhält eine olivengrün überflogene färbung Brehm 1, 193 Pechuel-Lösche. 2) auch factitiv: sein anblick überfliegt ihr antlitz mit einem purpurschein der freude Holtei erzähl. schr. 12, 181. 3) in weiterer verwendung für erfassen, ergreifen: die erinnerung an jenen abend überflog ihn mit einer seltsam wehmüthigen gewalt Eichendorff (1864) 3, 136; mich überflog eine gräszliche ahnung ders. 3, 287; ein leidenschaftliches zittern überflog mich Hebbel 8, 98; in seiner bedrängnisz überflog ihn der gedanke, dasz Ranke 30, 305; und wie mich leicht das mitleid überfleugt, so schwur ich, keinen fleisz für ihn zu schonen L. Uhland ged. (1864) 447. I@CC. über etwas hinaus fliegen. I@C@11) fliegend über etwas hinweg gelangen: schnell war der graben auch, der sich ums lager zog, von diesen stürm'schen schaaren überflogen Schiller 12, 352. in der weidmannssprache vom hochwild, das eine einzäunung und dergl. überspringt Behlen forst- u. jagdkunde 6, 705, vgl. auch überfliehen. in der luftschiffahrt: das überfliegen ... der demarkationslinien ist auf allen meeren untersagt waffenstillstandsvertrag mit Ruszland v. 17. dez. 1917 V, 3. bildlich: bilde dir nicht ein, dasz ... dein hochmuth das ziel des verhängnusses überflügen könne Lohenstein Arminius 1, 413b; eine schrankenlose, alle grenzen des stoffes überfliegende phantasie Solger nachgel. schr. 2, 602, 1; die grenzen der natur (in seinem denken) überfliegen Kant 2, 531; gedanken, die unsrer denkkraft schranken überfliegen Vischer Shakespearevorträge 1, 269 (Hamlet 1, 4). subst. inf.: das überfliegen der weiblichen natur und bestimmung von seiten der heldin D. Strausz schr. 6, 227; überfliegen der vernunft, schwärmerei, aberglaube Fichte 2, 406. I@C@22) höher, weiter, schneller fliegen, jemanden fliegend überholen, allgemein; auch in d. ma., vgl. Staub-Tobler 1, 1179. I@C@2@aa) man sagt, dasz sie (die habichte) in der höhe die vögel überfliegen Eppendorff Plinius (1543) 10, 142; so sy (die jungen adler) aber basz erstarcket, so überfliegend sy ihre eltern Heusslin Gesners vogelb. (1557) 3a; frisch die segel aufgespannt, die vor uns sind, zu überfliegen! Gökingk ged. 2, 73; zehn klafter überflog dein stein den meinen Raupach dram. werke ernster gattung 2, 217; vom berge vöglein fliegen und wolken so geschwind, gedanken überfliegen die vöglein und den wind Eichendorff 1, 243. I@C@2@bb) bildlich für übertreffen, überwinden: aber nach der sele sind wir der göttlicheit also entpfenglich, das uns erlaubt ist, auch die engelischen geist zu überfliegen und eines mit gott werden Adelphus enchiridion (1520) i 4a; welche (die vernunft) ... zu durchschiessen und zu übersteigen oder vielmehr zu überfliegen Cupido pfeile und flügel haben wird Birken ostländ. lorbeerhain (1657) 49; beide (Göthe und Schiller) will er (Kleist) überfliegen schriften d. Göthe-gesellschaft 14, einl. 33; denn wir haben musiker hervorgebracht, die nicht blosz mit den welschen wetteifern, sondern sie an genie und reichthum der erfindung überflogen Schubart ästhetik der tonkunst 36; das hab ich noch nicht erfahren, in der liebe so von einem weibe überflogen zu werden Heinse 4, 230 Schüddekopf; weil mein erlöser hat die engel überstiegen: so kan (wo ich nur wil) auch ich sie überfliegen Silesius cherubin. wandersm. 43, nr. 23 neudr. muse Teutoniens, du bietest deiner schwester, der Britin, trotz, und überfleugst sie bald Hölty gedichte 85 Halm; der du kampf mir angesonnen, wie du sonst mich überfliegst, hoff' nicht, dasz du heute siegst! Uhland ged. (1898) 1, 408. I@C@2@cc) reflexiv für excedere: er suchte unter seinen excentrischen jungen freunden zu wirken, wie Merck unter den seinen; er hielt sie in den untern regionen, wenn sie sich überfliegen wollten Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 4, 401; derselbe dichter, welcher vorhin des sich selbst überfliegens angeklagt wurde, musz nun den tadel einer allzu besonnenen gründlichkeit erleiden Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 131. weil sich ein sängerherz in freud und hoffnung, und ... auch im raschen zorn leicht überfliegt altsächsischer bildersaal 1, 137. I@C@2@dd) part.: wo ist hier der überfliegende geist, der sich mit lauter halsbrechenden und auf stelzen einhergehenden einfällen und worten verräth? neuest. aus d. anmuth. gelehrsamkeit 5, 200; eine windige, überfliegende, phantastische denkungsart Kant 4, 199; überfliegende gefühle Hippel kreuz- und querzüge 2, 509; der kühne und überfliegende gedanke der talmudisten, dasz auch gott bete Jean Paul 36, 56; das überfliegende genie Gustavs des dritten Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 180; die überfliegendsten bildungspläne Gutzkow 3, 214. prägnant für transcendent: der gebrauch der idee kann entweder in ansehung der gesammten möglichen erfahrung überfliegend (transcendent) oder einheimisch (immanent) sein Kant 11, 491. I@C@33) über etwas hinweggehen, es auslassen: wenn ihnen ein paar seiten ... zu gelehrt vorkommen, so überfliegen sie dieselbe Herder 15, 331. IIII. in trennbarer verbindung, intransitiv. 1) hinüberfliegen: das feuer flog von einem hause zum andern über Hilpert (1845) 636c; kalt waren seine hände, er war zur hellen heimat übergeflogen (gestorben) Kerner dichtungen 557; übergeflogene hühner sandte der nachbar mit verschnittenen flügeln zurück Raumer gesch. d. Hohenst. 5, 365; indem er (der feind) nicht konnte begreiffen, wie die zeitung von seinem feindlichem überfall so geschwind nach Batavia übergeflogen wäre Olearius vermehrte reisebeschr. (1696) 80. in der weidmannsspr.: ü. bezeichnet die verbreitungsart durch flug oder wanderung in entfernter gelegene, mit den fraszzentren in keinerlei verbindung stehende waldteile Dombrowski 8, 34a. ähnlich: es war seine liebhaberei von ihm ... raubtauben über die stadt auszusenden, die immer mit einigen überfliegenden in die geheime öffnung seines daches heimkehrten Arnim 2, 197. vgl. auch: die störche, schwalben sind überfliegende vögel, so bei uns nicht überwintern Kramer (1678) 1068a. 2) vorbei-, vorüberfliegen: Lexer a. a. o.; wo sie (die heuschrecken) über nacht lagen oder nur überflugen, da war alles von irem geschmais verderbt Brandis gesch. d. landeshauptleute v. Tirol 60; solchs stündlein eines jeden that, darin sie in verraten hat werden Ibici krench genent, die überflogen an dem end, do Ibicus ermordet ward Eyering proverbiorum copia (1601—7) 2, 209; in der heutigen sprache durch vorüberfliegen verdrängt.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Überfliegen

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Überfliegen , verb. irreg. S. Adelung Fliegen . 1. Überfliegen, als ein Neutrum mit seyn, übergeflogen, über zu fliegen,…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    überfliegen

    Goethe-Wörterbuch

    überfliegen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    überfliegen

    Rheinisches Wb.

    über-fliegen : 1.  hinüberfliegen; immer misse de Hinkel lo i. Rhfrk, Allg. — 2.  et Meer i. mit dem Flugzeug Al…

  4. Spezial
    Überfliegen, eines Textesn

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Überfliegen , n eines Textes чтение , ср , беглое

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Komposita & Ableitungen mit ueberfliegen

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Zerlegung von ueberfliegen 2 Komponenten

ueber+fliegen

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Cotta, M. (2026). „ueberfliegen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ueberfliegen/dwb
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Cotta, Marcel. „ueberfliegen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ueberfliegen/dwb. Abgerufen 18. May 2026.
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Cotta, Marcel. „ueberfliegen". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ueberfliegen/dwb.
BibTeX
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