tüle,
f. ,
vorwiegend ober- und mitteldt. mundartl. bezeichnung einer kleinen vertiefung, niederdeutsch im sinne von '
beule',
vgl.dalle teil 2,
sp. 699; dole
sp. 1226
und düle
sp. 1509.
herkunft und form. germ. *dōljō,
ahd. tuolla,
mhd. tüele,
zur wortsippe dhel-, dholo- '
wölbung', '
höhlung'
gehörig wie nhd. tal Walde-Pokorny 1, 864; Fick 3, 204;
nah verwandt mit tülle (
s. d.). 11)
anlautend t-
auf oberdt. gebiet: toalle, tuilla
usw. ahd. gl. 1, 54, 1
St.-S.; ebda 343, 45; 350, 9; 2, 512, 55; tlen
jüng. Titurel 3556
Hahn; vgl. Forer
Gesners fischb. (1563) 195.
heute im schweizerischen allgemein: tüele Stalder 1, 324; Friedli
Bärndütsch 2, 14; 591
im elsäss. tyələ Martin-Lienhart 2, 678;
im übrigen oberdeutschen (
niederalem., schwäb. u. bayrisch)
erscheint d-: duollun, du(e)le(n)
ahd. gl. 1, 350, 10
St.-S.; Schmid
schwäb. 147; Schmeller-Fr. 1, 501; Unger-Khull
steir. 182.
auf mitteldt. boden vgl. dille, dülle, du
el, del,
s. Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 219;
luxemb. ma. 75;
rhein. wb. 1, 1549;
für das niederdt. gebiet vgl. dülle Woeste
westf. 62.
anlautendes t-
neben d-
verzeichnen Fischer schwäb. 2, 447; Seiler
Basel 90; Lexer
Kärnten 75. 22)
der stammvokal erscheint seit ahd. zeit in mannigfacher form: toalle, tollan, tuolla, tuilla
ahd. gl. 1, 54, 1
St.-S.; 1, 344, 10; 1, 343, 45;
mhd. tlen
jüng. Titurel 3556. —
heute obd. meist als diphthong, schweizer. überwiegend mit umlaut tüele Stalder
schweiz. 1, 345; Friedli
Bärndütsch 2, 591.
in den übrigen obd. maa. sowohl umgelautete formen, vgl. oberelsäss. tyələ Martin-Lienhart 2, 678; tüele(n) Lexer
Kärnten 75;
als auch umlautlose, vgl. für das bayr. Lexer
Kärnten 75 (
in ortsnamen);
auch schweizer. bei Seiler
Basel 90.
daneben begegnet auch oberdt. monophthongische form des stammvokals (
als -ü-,
bzw. -u-),
vgl. Fischer
schwäb. 2, 447 (
diminutiv: dül(l)e
(in)); tula Friedli
Bärndütsch 2, 14; dule, düle (duln, düln) Unger-Khull
steir. 182.
hierher wohl auch toûlle
ahd. gl. 2, 512, 55
St.-S. —
vgl. auch md. døl
rhein. wb. 1, 1549;
dille Blumer
Nordwestböhmen 32; Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 219. 33)
vielfach zeigen die maa. einen konsonanten nach dem l,
vgl. unten tülke.
ferner: duld Gerbet
Vogtland 66; tyəltə Martin-Lienhart
elsäss. 2, 678; duəls Fischer
schwäb. 2, 447;
in flurnamen begegnet tültschimatt,
s. Friedli
Bärndütsch 6, 248.
dazu wohl auch tultsche '
ein waldbezirk auf dem Mnichover berge mit sumpfboden' Knothe
Nordböhmen 196. 44)
vereinzeltes neutrum ist wohl als geschlecht des diminutivs aufzufassen: Lexer
Kärnten 75; Friedli
Bärndütsch 2, 14 (
neben fem.);
neutrales duel '
tal'
luxemb. ma. 75
entspricht dem geschlecht von tal.
zum masc. in einem geschlossenen bezirk des Rheinlandes und Westfalens, der auch im auslaut abweichungen zeigt, vgl. mnl. doel,
m., n. (
neben doele
fem.) '
graben': der dyl
rhein. wb. 1, 1549 (
neben fem.), düllen,
m., beule Woeste
westf. 62. düll,
m., Elberfeld 43
ist wohl jung, da noch (
weisthümer 1, 593) dül
in Schwelm bei Elberfeld als fem. bezeugt ist. ferner in der bedeutung '
abzugsgraben'
in elsäss. tyələ, tỳlə,
m., Martin-Lienhart 2, 678.
bedeutung und gebrauch. 11)
natürliche erdvertiefung, mulde: baratrum toalle
ahd. gl. 1, 54, 1
St.-S.; die tlkrebs von den lOechern und tlen in den kleinen steinächten bächen Forer
Gesners fischbuch (1563) 193
a.
mundartlich vorzüglich in der Schweiz: Stalder 1, 324; Schmid
Entlebuch 75; 186; Weber
Zürcher Oberland 63; Seiler
Basel 90; Friedli
Bärndütsch 2, 14; 591; 6, 248;
in flurnamen ebda; Wanner
Schaffhausen 48; Zinsli
grund u. grat 82.
niederalemann.: Martin-Lienhart
els. 2, 678; Beck
Markgräfler ma. 86;
bayrisch: Lexer
Kärnten 75 (
vielfach in flurnamen); Unger-Khull
steir. 182;
für den Bayr. Wald vgl. Bayerns maa. 1, 75.
dim. dulleken Schultze
nordthür. 31; duel '
tal'
luxemb. ma. 75. 22)
vertiefung in einem gegenstand, die durch mehr oder minder gewaltsame veränderung entstanden ist: als übersetzung von valliculas
ahd. gl. 1, 344, 10
St.-S.; ebda 350, 9 (
zu Levit. 14, 37:
intrabitque postea ut consideret lepram domus et, cum viderit in parietibus illius quasi valliculas pallore sive rubore deformes et humiliores superficie reliqua ... statim claudet illam [
domus]
septem diebus); rate derhalben das du ein löchlein oder dulen in das säcklein machest, wo das kind mit seinem sitzlein hingelegt soll werden Würtz
wundarznei (1612) 464.
heute nur noch mundartlich: '
eingedrückte kleine vertiefung in den verschiedensten harten und weichen stoffen'
schwäbisch sehr verbreitet Fischer
schwäb. 2, 447;
starker eindruck eines schlages auf hölzerne geräte oder metallene gefäsze Birlinger
schwäb.-augsb. 126;
vertiefung in einem gegenstand, meist durch druck, stosz etc. entstanden Reiser
Allgäu 2, 695; Schmeller-Fr.
bayr. 1, 501; Unger-Khull
steir. 182;
eingedrückte stelle an einem metallgefäsz Blumer
Nordwestböhmen 32; Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 219;
einsenkung in kleinere gegenstände, äpfel u. dgl., rhein. wb. 1, 1549;
eine beule, z. b. am hut Elberfeld 43;
vertiefung im weichen Schmid
schwäb. 147; Stalder 1, 324;
insbesondere '
eingelegene stelle im bett'
ebda; Schmid
Entlebuch 75; 186; Seiler
Basel 90; Martin-Lienhart
els. 2, 678; Campe 4, 909.
hierher und nicht zu tülle
wohl auch (
entgegen Ziesemer); item dy 2 stormtarczen to beslan, vor krampen unden und blech vor dy venster und dullen 5 scot (1404)
Elbinger kämmereibuch 16,
s. pr. wb. 2, 125. 33)
vertiefung, mal, wunde am menschlichen körper: humiliorem tuolla, tuilla
ahd. gl. 1, 343, 45
St.-S. (
zu Levit. 13, 3:
qui cum viderit lepram in cute et pilos in album mutatos colorem ipsamque speciem leprae humiliorem cute et carne reliqua; plaga leprae est); das fleisch (
bekommt) hüli oder dülen Paracelsus 1 (1616) 519
Huser. '
wunde': (
lacunas)
fixuras foramina toûlle
ahd. gl. 2, 512, 55 (
zu Prudentius 221
Dressel: sed nos, qui ... digitos costarum in vulnera cruda mersimus et manum visu dubitante lacunas scrutati, aeternum regem cognovimus Jesum); ... ich wen bi niemans ziten solher tlen mit einem slage sehe ein swert erhowen
jüng. Titurel 3556
Hahn; mal und duelen (
Augsb. 1699)
bei Fischer
schwäb. 2, 447.
heute düeln
schrunden an den händen Schmeller-Fr.
bayr. 1, 501.
nd. '
durch schlag oder stosz entstandener blutergusz': dey eine düll schlöge, bla und nicht blödig
vestenrecht zu Schwelm bei Elberfeld (
o. j.),
s. weistümer 3, 27; düll, düllen
beule Elberfeld 43; Leithäuser
Barmen 45; Köppen
Dortmund 17; Woeste
westfäl. 62;
vgl. dullschlag
dt. rechtswb. 2, 1150 (
trockener [
beul-]
schlag).
konkave wölbung am körper: bisz das du gewis wissest, das er eben stunde und du keinen absatz noch höhe noch dülen nimmermehr findest Würtz
wundarznei (1612) 232; ob du nits krachendes, bewegliches oder krummes empfindest, oder etwan buke, dulen und bogen gespürest
ebda 278. —
diminutiv: düle
in im kinn
grübchen Fischer
schwäb. 2, 447; tuleni Friedli
Bärndütsch 2, 14. 44)
vereinzelt bedeutungsgleich mit dole '
abfluszrohr',
vgl.tülle sp. 1696: tull
fossatum (15.
jh.)
bei Tobler
Appenzell 144
b;
obcaecare fossas in agro graben oder tuolen machen, dardurch das wasser laufft Frisius
dict. (1556) 573
a;
hiernach auch Frisch (1741) 2, 376; tyələ,
m., abzugsgraben, ausgemauerter abzugskanal Martin-Lienhart 2, 678 (
neben dole
und dolen
ebda 677); duole,
m., égoût (
cloaca) Schmid
Straszburg 29.