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suckeln

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

suckeln

Bd. 20, Sp. 909
suckeln, sückeln (auch suggeln, süggeln), vb., deminutiv- und iterativbildung zu saugen, weiterbildung von sucken, sücken, aber viel verbreiteter, gemeinbesitz fast aller dt. mundarten, in denen es z. t. sogar das mutterwort saugen verdrängt; schrift- und literatursprache haben sich gegen das (ursprünglich in der kindersphäre heimische) wort ablehnend verhalten; wo es gelegentlich erscheint, wirkt es als idiotismus. immerhin verzeichnen es seit Campe eine reihe der dt. wbb. aufgekommen scheint die bildung in frühnhd. zeit (s. unten den Wolkenstein-beleg); doch sind ältere belege aus dem angeführten grunde selten. 11) 'anhaltend in kleinen zügen saugen, schlürfen, lutschen', trans. und intrans., im obd. (Schweiz, Elsasz, Schwaben, Bayern, Tirol, auch Unterfranken und Würzburg) ebenso wie im md. (Lothringen, Luxemburg, Rheinland, Baden, Nassau, Hessen, Henneberg, Thüringen, Erzgebirge) und im nd. (Westfalen, Göttingen, Nordharz, Posen, Ostpreuszen), auch in auslandsdeutschen dialekten (Siebenbürgen, Pennsylvania) geläufig. 1@aa) intrans., von säuglingen bzw. jungtieren, 'an der mutterbrust (am euter) saugen', vgl. z. b. Staub-Tobler 7, 521 und 523; Meisinger Rappenau 157; Kehrein Nassau 1, 400; Vilmar Kurhessen 407; Damköhler Nordharz 190; in geistlicher metaphorik: so lange sie ihren gott noch über den sternen suchen und als ungehorsame banckerte nur immer an der hure (verkörperung des irrglaubens, vgl. apokal. 17) suckeln Edelmann Moses mit aufged. angesichte (1740) 3, 48; 'am schnuller saugen' Ruckert unterfränk. 179; weiterhin 'an den fingern lutschen', von kindern, Fischer schwäb. 5, 1949; Frischbier preusz. 2, 387; auch mit ausgesprochenem bestimmungswort: an der letzten bank (im schulzimmer) nüggelet und süggelet eins am finger schweiz. quelle bei Staub-Tobler 7, 521; hä es am dümken (daumen) am suckelen Leithäuser Barmen 154; danach auch an einem apfel, einem eingetauchten weck u. s. w. suckeln, vgl. Martin-Lienhart elsäss. 2, 346; Follmann lothr. 511; Ruckert unterfränk. 179; der geistliche geht voraus, die chorbuben lachen, der eine suggelt an einer orange L. E. Grimm erinn. 264 Stoll. schlieszlich an der pfeife suckeln: der düwel greff di büss sich jeng, schlôg öm et rûr di spetze zäng un suckelt an der pîfen gau, as wi e ferken an der sau W. v. Waldbrühl spillkäfer (in rhfr. ma.) in Frommanns dt. maa. 2, 550; daher suckeln gelegentlich auch prägnant für 'rauchen' Frischbier preusz. 2, 387. 1@bb) trans., zucker suckeln 'im munde zergehen lassen' Staub-Tobler 7, 521; Follmann lothr. 511; Vilmar Kurhessen 407; der barbir suckelt (saugt aus) die wunde J. G. Estor teutsche rechtsgelahrtheit 3 (1767), 1420, vor allem wein (auch vom wein) u. s. w. suckeln 'bedächtig genieszend schlürfen' Staub-Tobler 7, 521 und 523; Christa Trier 208; will diesz mit verstand trinken, spitzen, suckeln, tröpfchen für tröpfchen maler Müller (1811) 1, 171; vgl. schon früh in verwandter function aussuckeln: ich hab mein zeit verkuppelt zu Prichsen in dem kraiss, vil parell (fäszchen) auss gesuggelt, das ich den lauff wol waiss O. v. Wolkenstein 112, 31 Schatz. daraus entwickelt sich im schweizerischen für absolut gebrauchtes sugglen, süggelen die prägnante bedeutung 'übermäszig zechen, saufen': er süggelet gern Staub-Tobler 7, 521; vgl. auch 7, 523. auch einsuckeln kommt gelegentlich vor: kleine mädgen ..., die nit schlafen können und am fenster stehen, mondenkühlung einzusuckeln Göthe 39, 243 W. (Urfaust). 1@cc) in manchen mundarten ist suckeln weit gebräuchlicher als saugen (vgl. z. b. Vilmar Kurhessen 407) oder alleinherrschend geworden (vgl. etwa Liesenberg Stiege 102) und füllt dann den ganzen bedeutungs- und anwendungsbereich von saugen aus. 22) übertragen, 'schmarotzen, sich aufdrängen': suckle play the parasite Lambert Pennsylv.-Germ. 151; suck(e)len sich anschmiegen, anschmeicheln; nachlaufen, in lästiger weise nicht von einem weggehen Fischer schwäb. 5, 1949; vgl. auch ene aussuggele jem. ausnützen Schön Saarbrücken 2 206. 33) seltener factitiv, 'säugen' Schmeller-Bergmann cimbr. 176; 'aus der saugflasche saugen lassen, aufziehen' Fischer schwäb. 5, 1949. 44) im obdt. dialektgebiet (Schweiz, Schwaben, Bayern, Ostfranken) heimisch ist die sonderbedeutung 'unreinlich sein, unreinlichkeit verursachen'. die brücke zum grundsinn 1 bildet wohl die bedeutung 'unordentlich essen' Staub-Tobler 7, 520; dann 'sich beschmutzen, vernässen; sich mit wasser besudeln' Fischer schwäb. 5, 1949; weiterhin 'mit flüssigkeiten unordnung machen' Staub-Tobler a. a. o.; 'im wasser rühren, sudeln' Sartorius Würzburg 121; vgl. auch Ruckert unterfränk. 179; 'kleckse machen im schreiben' Schmeller-Fr. bayer. 2, 223; schlieszlich allg. 'unrein, schmutzig sein' ebda; ähnlich Fischer a. a. o. (doch kann auch an denominative ableitung von 1suckel, sückel 'ferkel, sau, schwein' in übertragenem sinne gedacht werden, vgl. sauen; sauerei, ferkelei, schweinerei machen). ableitungen: suckelei, f., 'saugerei' Leithäuser Barmen 154. —
5103 Zeichen · 97 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Suckelnv., intrs

    Campe (1807–1813) · +4 Parallelbelege

    † Suckeln , v. intrs . das Verkleinungs= und Veröfterungswort von saugen , wiederholt saugen; in Baiern sutzeln .

  2. modern
    Dialekt
    suckelnschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    suckeln , zuckeln schw. : 1. '(in kleinen Zügen) fortwährend, heftig saugen, lutschen', suckele (sugələ) [verbr. östl. N…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit suckeln

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Zerlegung von suckeln 2 Komponenten

suck+eln

suckeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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Cotta, M. (2026). „suckeln". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/suckeln/dwb?formid=S55865
MLA
Cotta, Marcel. „suckeln". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/suckeln/dwb?formid=S55865. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „suckeln". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/suckeln/dwb?formid=S55865.
BibTeX
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