suckeln,
sückeln (
auch suggeln, süggeln),
vb., deminutiv- und iterativbildung zu saugen,
weiterbildung von sucken, sücken,
aber viel verbreiteter, gemeinbesitz fast aller dt. mundarten, in denen es z. t. sogar das mutterwort saugen
verdrängt; schrift- und literatursprache haben sich gegen das (
ursprünglich in der kindersphäre heimische)
wort ablehnend verhalten; wo es gelegentlich erscheint, wirkt es als idiotismus. immerhin verzeichnen es seit Campe
eine reihe der dt. wbb. aufgekommen scheint die bildung in frühnhd. zeit (
s. unten den Wolkenstein
-beleg);
doch sind ältere belege aus dem angeführten grunde selten. 11) '
anhaltend in kleinen zügen saugen, schlürfen, lutschen',
trans. und intrans., im obd. (
Schweiz, Elsasz, Schwaben, Bayern, Tirol, auch Unterfranken und Würzburg)
ebenso wie im md. (
Lothringen, Luxemburg, Rheinland, Baden, Nassau, Hessen, Henneberg, Thüringen, Erzgebirge)
und im nd. (
Westfalen, Göttingen, Nordharz, Posen, Ostpreuszen),
auch in auslandsdeutschen dialekten (
Siebenbürgen, Pennsylvania)
geläufig. 1@aa)
intrans., von säuglingen bzw. jungtieren, '
an der mutterbrust (
am euter)
saugen',
vgl. z. b. Staub-Tobler 7, 521
und 523; Meisinger
Rappenau 157; Kehrein
Nassau 1, 400; Vilmar
Kurhessen 407; Damköhler
Nordharz 190;
in geistlicher metaphorik: so lange sie ihren gott noch über den sternen suchen und als ungehorsame banckerte nur immer an der hure (
verkörperung des irrglaubens, vgl. apokal. 17) suckeln Edelmann
Moses mit aufged. angesichte (1740) 3, 48; '
am schnuller saugen' Ruckert
unterfränk. 179;
weiterhin '
an den fingern lutschen',
von kindern, Fischer
schwäb. 5, 1949; Frischbier
preusz. 2, 387;
auch mit ausgesprochenem bestimmungswort: an der letzten bank (
im schulzimmer) nüggelet und süggelet eins am finger
schweiz. quelle bei Staub-Tobler 7, 521; hä es am dümken (
daumen) am suckelen Leithäuser
Barmen 154;
danach auch an einem apfel, einem eingetauchten weck
u. s. w. suckeln,
vgl. Martin-Lienhart
elsäss. 2, 346; Follmann
lothr. 511; Ruckert
unterfränk. 179; der geistliche geht voraus, die chorbuben lachen, der eine suggelt an einer orange L. E. Grimm
erinn. 264
Stoll. schlieszlich an der pfeife suckeln: der düwel greff di büss sich jeng, schlôg öm et rûr di spetze zäng un suckelt an der pîfen gau, as wi e ferken an der sau W. v. Waldbrühl
spillkäfer (
in rhfr. ma.)
in Frommanns dt. maa. 2, 550;
daher suckeln
gelegentlich auch prägnant für '
rauchen' Frischbier
preusz. 2, 387. 1@bb)
trans., zucker suckeln '
im munde zergehen lassen' Staub-Tobler 7, 521; Follmann
lothr. 511; Vilmar
Kurhessen 407; der barbir suckelt (
saugt aus) die wunde J. G. Estor
teutsche rechtsgelahrtheit 3 (1767), 1420,
vor allem wein (
auch vom wein)
u. s. w. suckeln '
bedächtig genieszend schlürfen' Staub-Tobler 7, 521
und 523; Christa
Trier 208; will diesz mit verstand trinken, spitzen, suckeln, tröpfchen für tröpfchen maler Müller (1811) 1, 171;
vgl. schon früh in verwandter function aussuckeln: ich hab mein zeit verkuppelt zu Prichsen in dem kraiss, vil parell (
fäszchen) auss gesuggelt, das ich den lauff wol waiss O. v. Wolkenstein 112, 31
Schatz. daraus entwickelt sich im schweizerischen für absolut gebrauchtes suggle
n, süggele
n die prägnante bedeutung '
übermäszig zechen, saufen': er süggelet gern Staub-Tobler 7, 521;
vgl. auch 7, 523.
auch einsuckeln
kommt gelegentlich vor: kleine mädgen ..., die nit schlafen können und am fenster stehen, mondenkühlung einzusuckeln Göthe 39, 243
W. (
Urfaust). 1@cc)
in manchen mundarten ist suckeln
weit gebräuchlicher als saugen (
vgl. z. b. Vilmar
Kurhessen 407)
oder alleinherrschend geworden (
vgl. etwa Liesenberg
Stiege 102)
und füllt dann den ganzen bedeutungs- und anwendungsbereich von saugen
aus. 22)
übertragen, '
schmarotzen, sich aufdrängen': suckle
play the parasite Lambert
Pennsylv.-Germ. 151; suck(e)le
n sich anschmiegen, anschmeicheln; nachlaufen, in lästiger weise nicht von einem weggehen Fischer
schwäb. 5, 1949;
vgl. auch ene aussuggele
jem. ausnützen Schön
Saarbrücken 2 206. 33)
seltener factitiv, '
säugen' Schmeller-Bergmann
cimbr. 176; '
aus der saugflasche saugen lassen, aufziehen' Fischer
schwäb. 5, 1949. 44)
im obdt. dialektgebiet (
Schweiz, Schwaben, Bayern, Ostfranken)
heimisch ist die sonderbedeutung '
unreinlich sein, unreinlichkeit verursachen'.
die brücke zum grundsinn 1
bildet wohl die bedeutung '
unordentlich essen' Staub-Tobler 7, 520;
dann '
sich beschmutzen, vernässen; sich mit wasser besudeln' Fischer
schwäb. 5, 1949;
weiterhin '
mit flüssigkeiten unordnung machen' Staub-Tobler
a. a. o.; '
im wasser rühren, sudeln' Sartorius
Würzburg 121;
vgl. auch Ruckert
unterfränk. 179; '
kleckse machen im schreiben' Schmeller-Fr.
bayer. 2, 223;
schlieszlich allg. '
unrein, schmutzig sein'
ebda; ähnlich Fischer
a. a. o. (
doch kann auch an denominative ableitung von 1suckel, sückel '
ferkel, sau, schwein'
in übertragenem sinne gedacht werden, vgl. sauen; sauerei, ferkelei, schweinerei machen).
ableitungen: suckelei, f., '
saugerei' Leithäuser
Barmen 154. —