sturmhut,
m. 11)
ursprünglich eine kopfbedeckung zum schutz im kampfe; von der '
sturmhaube'
und dem '
helm'
durch die hohe, spitze und breitkrempige form unterschieden; er war, mit dem brustharnisch und der lanze, vorwiegend die schutzwaffe der knechte und einfachen reiter: ein hoher spitziger teutscher sturmhut Kirchhof
milit. discipl. (1602) 44; thet ein eyszren sturmhut auff tragen, der einen preitten umbschweiff het H. Sachs 9, 496
lit. ver.; neben anderen waffen genannt: brauchen nicht mehr als den sturmhut, bantzer und schild
J. Boterus allg. weltbeschr. (1596) 2, 58
b; dein helm und schwerdt würff du hie nider vnd setz jetzt auff disen sturmhut vnd gebrauch forthin disz schwerdt gut! J. Ayrer
dramen 1036; insonderheit müsten bey erster gelegenheit die ritter helme abschaffen und an dern stat sturmhüte tragen Bucholtz
Herkuliskus (1665) 877.
im 16.
und 17.
jh. waren dann vor allem die büchsen- und hakenschützen, die arkebusiere und musketiere mit sturmhüten ausgerüstet: es soll keiner ... eines andern ... rüstung entlehnen, stürmhüdt oder hacken Reutter v. Speir
kriegsordnung (1594) 16; die beste mit sturmhüten und schönen rohren gerüste schützen Kirchhof
mil. disc. (1602) 111; welche mit einer musqueten, schuszfreyem sturmhut und mit einer rondassen armirt seynd Wallhausen
kriegszmanual (1616) 68;
dies gilt ebenso für die freiwilligen bürgerschützen in den städten: wo aber einiger were, so des schiessens geübt oder dartzue lust hette, der soll bei einer langen birschbüxen mit schwamm und fewerschlosz sambt dartzue gehörigen pulverflaschen ... sambt einer guten seitenwöhr und sturmhut bleiben (1544)
Frankfurter zunfturkunden 1, 111. 22)
wie bei der sturmhaube ist schon früh der unterschied zwischen dem eigentlichen sturmhut
und dem helm verwischt, und beide werden synonym gebraucht, vgl. galea, cassis helm, sturmhut Golius (1571) 177.
die prächtige ausschmückung, die dem sturmhut
seit dem 15.
jh. zuteil wird, stellt ihn dem ursprünglich vornehmeren helm gleich: sin stormhod wog achthalven pund, gesmükt med perlen unde med gold R. v. Liliencron
hist. volksl. 1, 30; dise wahr auf amazonisch gekleidet, hatt einen vergüldeten sturmhuht aufgesäzt Zesen
adriat. Rosemund 51
ndr.; während er ... das behelmte, reichbeglänzte, federumwallte haupt verneigend tief herunter bog, und damit in den lichtkreis der fackeln kam, wollten einige bemerkt haben, eine juwelenstrahlende krone winde sich rings um den prächtigen sturmhut her Fouqué
zauberring (1813) 3, 187. 33)
nach dem dreiszigjährigen kriege entwickelte sich aus dem eisernen, der doch nicht gegen schüsse schützte und zu schwer war, ein leichterer lederner sturmhut,
der hoch war, eine breite krempe hatte und innen stark gefüttert war: der sturmhut musz an form und art sein wie des rittmeisters seiner J. W. Neumair
kriegsregeln (1625) 34; und ein jeder auf dem haubt einen schwartzen, mit lack überzognen sturmhut hatte Chr. Arnold
wahrhaft. beschr. (1672) 446.
daraus entwickelt sich, auch für den zivilisten, die bedeutung '
groszer, hoher hut',
s. Fischer schwäb. wb. 5, 1933;
besonders die studenten nahmen ihn in ihre renommistische tracht (
s.stürmer 2 e)
auf: dadurch, dasz der altdeutsche kampfwart erst ein mitmann, und zuletzt ein beiständer und lebendiger schildhalter geworden; durch stichblätter wie suppenteller, durch sturmhüte, riesenstulpen, schlaghosen und stiefeln wie löscheimer ist sie (
die jugend) auf den hohen schulen sehr ausgeartet Fr. L. Jahn
werke 2, 8
Euler; die feder am sturmhut, in spiel und gefahren D. v. Liliencron
sämtl. w. (1922) 2, 122. 44)
infolge der modeänderung erhielt im 18.
jh. der dreispitz die bezeichnung sturmhut;
sie hielt sich im süddeutschen volksmund bis ins 19.
jh.: ehe sie aber die werkstatt verlieszen, kaufte sich jeder noch etwas apartes, der Knöpfleschwab einen bratspiesz (
degen), der Allgäuer einen sturmhut mit einer feder drauf L. Aurbacher
volksbüchl. (1835) 196; eine kleine, narrige persönlichkeit, die aus mitleid den posten erhalten hatte und papiernen sturmhut und hölzernen degen führte J. Rank
erinner. 77; edelmann mit langem rock und 'sturmhut' Hartmann
volksschausp. in Baiern 23;
daher hiesz in der alten österreichischen armee der dreispitzige federhut der generalstabsoffiziere und ärzte scherzhaft sturmhut Horn
soldatenspr. (1899) 67. 55)
aus 3
bildet sich, in konkurrenz mit sturm
in der bedeutung '
aufstand',
die verwendung von sturmhut
für die militärähnliche kopfbedeckung der bürgergarden, studentenlegionen u. s. w. heraus, die besonders im vormärz in die erscheinung traten: der schläfrigste wirft seine mütze ab und setzt fluchend den sturmhut auf (
bei einem volksaufstand) L. Tieck
schr. 20, 378; die zeit, wo unsere jünglinge ihre lebensaufgabe erfüllt zu haben glaubten, wenn sie den deutschen sturmhut mit der kühnen feder aufgestülpt und den schleppsäbel umgeschnallt hatten, ist rascher vorübergegangen, als man erwarten durfte Hebbel
w. 11, 34
W.; wo ist dein sturmhut und dein prächtiger bart, du armer junge von der legion? G. Freytag
ges. w. 15, 127;
weiter dann auch von den wachstuchkappen der landwehr und des landsturms: einen sturmhut hatte er auf, wie landwehrmänner zu kriegszeiten P. Rosegger
schr. I 15, 151. 66)
auch grosze, weibliche schirmhüte werden im 18.
jh. sturmhut
genannt: reifröcke ... sturmhüte
allg. dtsch. bibl. 69, 600; mögen unsere schönen in ihren sturm- und schirmhüten ... über die beinah nackten amerikanischen mädchen die nase rümpfen: die natur ... weisz zuletzt doch am schönsten zu kleiden Zschokke
ausgew. schr. 3, 313. 77)
im gebirge ist der sturmhut
ein hut, der vor dem wettersturm schützt, mit ohren- und backenschutz: er brach einen zweig und steckte denselben auf seinen sturmhut Zschokke
ausgew. schr. 32, 327; die skelette wissens, die irgendwo im ewigen schnee, fern von den augen der menschen sitzen, noch mit sturmhut und joppe und bergschuhen angethan Stratz
der weisze tod 182. 88)
wegen der ähnlichkeit der blüten werden botanisch mehrere gattungen von aconitum sturmhut
genannt: aconitum neomontanum Schlechtendal 2, 108;
ac. anthora ebda 9, 242;
ac. napellus Pritzel-Jessen 9;
ac. lycoctonum Holl 82
a;
auch geranium aconitifolium Schlechtendal 21, 139. 99)
zoologisch, eine wanzenart: (
zu Stolls abbildungen und beschreibungen der cikaden und wanzen) wir führen hier nur diejenigen an, welche noch nicht beschrieben und abgebildet zu seyn scheinen; der sturmhut aus Surinam ...
allg. dtsche bibl. 70, 155.